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Die Empörung ist groß über die Kampagne "Aids ist ein Massenmörder". Die Verantwortlichen sehen nach wie vor keinen Grund zum Einlenken. Für diese Uneinsichtigkeit gibt es von queer.de die Homo-Gurke.

Von Christian Scheuß

Eine Woche nach der Präsentation des fickenden Adolf Hitlers im Anti-Aidsspot steht nun dagegen einheitlich die Front so ziemlich aller Fachgremien, Dachverbände, Betroffenengruppen, staatlicher Stellen, Stiftungen, dem Zentralrat der Juden und sonstiger Experten. Die Kritik ist eindeutig: Die Spots für TV, Kino und Radio sowie die Plakate, die Hitler und weitere Diktatoren in Verbindung mit ungeschütztem Sex bringen und anschließend Aids zum Massenmörder erklären, sind diskriminierend und stigmatisierend für HIV-Positive, verharmlosen die Verbrechen des Massenmörders Hitler, erzeugen negative Assoziationen in der Bevölkerung gegenüber Betroffenen, enthalten keinerlei motivierende Botschaft, sich zu schützen und stehen gegen alle wissenschaftlich evaluierten Erkenntnisse, die belegen: HIV-Prävention funktioniert nicht über Angstmache und Hysterie. Sie gelingt dann am besten, wenn sie mit Empathie und unter Anerkennung von Lebensweisen auf diejenigen zugeht, die riskiert sind.

Der Orkan der Empörung, der nun aus allen Teilen der Welt über den Saarbrücker Regenbogen e.V. hinwegfegt, lässt die Verantwortlichen unberührt. Die bisherigen Reaktionen gegenüber den Medien kann man nur als verstockt und arrogant bezeichnen. "Es war in keiner Weise von uns beabsichtigt, Aids-Kranke oder HIV-Positive als Massenmörder darzustellen. Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben", sagte Jan Schwertner von Regenbogen. Dumm nur, dass in der Bettszene ein vermeintlich HIV-positiver Mensch beim Sex gezeigt wird, der die fiese Fratze des Massenmörders trägt. Und noch dümmer, das Aids in Deutschland keine Massen meuchelt. Das "neue Aids", das Infizierte zu chronisch Kranken macht, die in ihrem von Nebenwirkungen der Therapie beeinträchtigten und nach wie vor durch Stigmatisierung geprägten Leben heute andere Probleme haben, das wäre das Gesicht des Virus, das zu zeigen wäre. Das knallt aber nicht so geil wie Adolf.

Im Interview mit dem Onlineportal news.de wirft Dirk Silz, Leiter der für das Konzept verantwortlichen Hamburger Agentur "das comitee" viele unverantwortliche Nebelkerzen." Jeden Tag sterben an der Krankheit weltweit weitere 5000 Menschen, der Trend geht wieder zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Da ist es Zeit für ein deutliches Statement." Wie eine in Deutschland laufende Kampagne den Tod von Aids-Kranken in Afrika, die er zur Legitimierung heranzieht, verhindern soll, bleibt schleierhaft. "Die herkömmlichen Anti-Aids-Kampagnen funktionieren meiner Ansicht nach nicht. Viel zu unauffällig", behauptet der Werbefachmmann, der damit ignoriert, dass die Infektionszahlen in Deutschland nach wie vor auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen, und damit einen Erfolg der Prävention belegen. "Man sieht doch, dass Deutschland jetzt wieder über Aids diskutiert. Das ist für uns ein Erfolg", behauptet Silz frech. Dabei wird nicht eine Sekunde lang über Aids geredet und wie man sich davor schützen kann, es wird darüber diskutiert, welchen Schaden diese Kampagne bei den bisherigen Präventionsbemühungen anrichtet, deren Ziel es ist, einen vorurteilsfreien und sachlichen Dialog ohne Hysterie voranzubringen.

Wenn nicht unbedingt notwendig, wolle man das Video nicht entschärfen oder entfernen, betonte Regenbogen-Chef Jan Schwertner. Eine bereits geplatzte Bombe entschärfen? Die einzig denkbare und effektive Methode wäre das komplette Einstampfen dieser Kampagne, verbunden mit einer aufrichtigen Entschuldigung.

Für die bislang gezeigte Uneinsichtigkeit vergibt queer.de an Jan Schwertner vom Regenbogen e.V. und Dirk Silz von der Agentur "das comitee" die Homo-Gurke.



37 Kommentare

#1 Dennis
  • 10.09.2009, 17:58h
  • Da der Verein mittlerweile nach Berlin umgezogen ist werden sie sich bestimmt freuen den Preis im Rahmen einer festlichen PreisverleihungsVeranstaltung in Empfang nehmen zu dürfen.
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#2 FloAnonym
  • 10.09.2009, 21:01h
  • Ich kann die Aufregung nachvollziehen. Schließlich richten sich die Kampagnen gegen Aids ja immer an die Dümmlichen und die werden die Kampagne wahrscheinlich wirklich nicht verstehen.

    Die Werbeagentur hat an sich was Gutes auf die Beine gestellt, sie sollten sich aber eine intelligentere Zielgruppe suchen.
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#3 JanAnonym
  • 10.09.2009, 21:17h
  • Godwin's Law:

    en.wikipedia.org/wiki/Godwin's_law

    Es besagt im Prinzip: Wenn man nur lange genug über einen Sachverhalt diskutiert kommt irgendwann mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% ein Hitler-Vergleich.

    So auch hier geschehen. Dies ist nun der Endpunkt einer Historie von sich ständig steigernden Übertreibungen. Alles natürlich im Sinne der guten Sache - nämlich die Leute zum Benutzen von Kondomen zu bewegen. Da war jedes Mittel recht. Und Promis, Politik und und Medien haben mitgemacht. Ehrlich wäre längst gewesen, wenn man sagen würde: HIV ist heutzutage in Europa eine ernste aber selten tödliche Erkrankung, die mit den medizinischen Möglichkeiten relativ gut behandelbar ist - aber Nebenwirkungen und Riskien auch nicht völlig auszuschließen sind. Das ist nicht schwarz und nicht weiß. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Aber die Realität. Jeder könnte dann selbst entscheiden welches Risiko er einzugehen gedenkt. Wenn es einvernehmlich passiert sehe ich da kein Problem. Und einvernehmlich passiert es wenn beide aufs Kondom verzichten.
    Welche Risiken wir eingehen bewerten wir für uns selbst täglich in zahlreichen anderen Situation. Beim Autofahren, Rauchen, Bergsteigen. Nicht immer (Autofahren, Rauchen) sogar einvernehmlich. Aber sonst ist es gesellschaftlich akzeptiert. Die Dramatisierung bei HIV ist aber zur Mode geworden. Benefiz-Gala reiht sich an Benefiz-Gala. Alle Promis sind dabei. Gerne für AIDS. Selten für Hautkrebs. Ist tödlicher aber nicht so schick. Jetzt stehen sie vor dem Schebenhaufen. Ein No-Angels-Mitglied wird öffentlich als "Todesengel" diffamiert und sogar ohne Prozess vorverurteilt. Darüberhinaus ist es medizinisch gesehen durchaus nicht unwahrscheinlich dass jemand selbst bei Infektion gar nicht vorzeitig stirbt. Vermutlich sterben die in den Medien genannten Opfer eher am Rauchen oder wegen zu schnellem fahren. Wir sollten aber froh über die Kampagne sein, denn sie ist jetzt ein derartig grotesker Schlusspunkt, dass man sie nun nicht mehr übertreffen kann. Denn wer oder was ist denn noch schlimmer als Hitler? Godwin's Law eben.
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#4 ArendAnonym
  • 11.09.2009, 01:24h
  • Antwort auf #3 von Jan
  • Pardon, aber bei Deinem Kommentar wird mir übel. So zu tun, als wäre HIV "heutzutage in Europa" eine kleine Unannehmlichkeit, die sich doch problemlos und absolut nebenwirkungsfrei mit einem preiswerten Pillchen pro Tag regeln ließe - und zwar sicher und dauerhaft -, ist eine unglaubliche Verharmlosung, eine Verhöhnung der Infizierten oder bereits Erkrankten und zeugt entweder von völliger Ignoranz und absoluter Unkenntnis oder aber von einem haarsträubenden Intelligenzdefizit.
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#5 herve64Profil
  • 11.09.2009, 08:45hMünchen
  • Nun, die Kampagne an sich ist drastisch und an sich berechtigt. Und für alle, die sich dadurch angegriffen und stigmatisiert fühlen, gilt der alte Spruch "Nur getroffene Hunde bellen."
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#6 alfAnonym
#7 TobiasAnonym
  • 11.09.2009, 13:36h
  • Mir gefällt die Entscheidung von Queer. Die Begründung gefällt mir auch auch. Sehr sachlich und
    ohne Übertreibungen. Den Vorgang mit einfachen Adjektiven beschreiben:

    "verstockt, arrogant, dumm, dümmer, ignorant, frech"

    Die Bild-Zeitung machte das naturgemäß so.

    Ex-Tennis-Profi Michael Stich in der Bild:

    „Ich verstehe den Aufschrei der Aids-Hilfe nicht. In einer Zeit, in der medial alles erlaubt scheint, sind drastische Bilder ein legitimes, vielleicht sogar notwendiges Mittel....Die Aids-Hilfe muss aufhören, so zu tun, als wüsste sie allein, wie Aufklärung läuft. Wüsste sie das, gäbe es vermutlich nicht so viele Neu-Infizierte.“

    Stich unterstützte in Hamburg sowohl die CDU als auch die FDP in ihrem Wahlkampf.....

    Ich bediene mich dazu bei Christian Scheuß:

    "verstockt, arrogant, dumm, dümmer, ignorant, frech"
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#8 maaartinAnonym
#9 OpasBrauneKackeAnonym
#10 LorenProfil