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  • 17. September 2009, noch kein Kommentar

Brixtonboogie versammelt Musiker aus aller Welt. Von Hamburg aus will das Künstlerkollektiv mit "Urban Blues" Deutschland erobern.

Von Carsten Weidemann

Ja, so könnte es kommen: Weltwirtschaftskrise, gedrosselte Produktionen, Firmenzusammenbrüche, anhaltende Kreditklemme und wieder einmal mehr Arbeitslose. Selbst die von Investoren beherrschten Clubs der englischen Premier League bekommen die neue Situation mit voller Wucht zu spüren. Viele stimmen da den Blues an. Und verstehen etwas ganz grundlegend falsch. Denn der Blues ist nicht nur Klagelied, nicht nur Heulen und Zähneklappern, nicht nur chronisches Nichtweiterwissen. Der Blues ist vor allem eine Haltung.

So sieht es auch der Hamburger Musik-Produzent Krisz Kreuzer. Seit seiner Jugend liebt er den Blues, spielte auch Harmonika in diversen Bands. Inzwischen ist der 46jährige zwar Co-Besitzer der Musikproduktionsfirma BASS, die unter anderem Commercials produziert und Heinz Strunk zu ihren Kunden zählt, doch die Liebe zum Blues ist geblieben. Um seine Vorstellung eines modernen urbanen Blues zu realisieren, gründete Kreuzer 2005 Brixtonboogie. "Ich spielte meinem Studiopartner damals zufällig ein paar alte Blues-LPs vor, die alle Plünderungen meiner Plattensammlung überstanden hatten. Das war, als ob plötzlich uralte Freunde aufgetaucht wären."

Youtube | Special zu Brixtonboogie (inklusive Interview)

In derselben Sekunde entstand die Idee: Man behält die tiefe musikalische Kraft des Blues, paart sie behutsam mit zeitgenössischen Klängen – und transformiert sie so zu etwas Neuem. Zu modernem, jetzigem urbanen Blues. Das klingt einfach – und ist wie alles Einfache verflucht schwer. Denn das Kollektiv schraubt nicht einfach Beats unter Samples. Sondern besinnt sich auf die Tiefe und Spiritualität einer uralten Tradition. Ruhig, ohne äußeren Druck entwickelte Kreuzer verschiedene Songs und suchte Mitstreiter, die wie er Genre-Grenzen nicht akzeptierten. Zu ihnen gehören Masha, die ihre Breitband-Stimme auch im Electro-Bereich erklingen lässt, die im Schwarzwald geborene und in Kamerun aufgewachsene Pastoren-Tochter Nataly Dorra oder der 65jährige Soulsänger Wayne Martin aus New Orleans. "Wenn er mehr als einen Take wiederholen sollte, beschimpfte er mich als motherfuckin' slavedriver", erzählt Kreuzer "Alter, sagte ich dann, was willst du? Ich bin weiß."

Es enthält 13 Songs. "Grinnin’ In Ya Face" etwa ist so trocken und selbstbewusst, dass es dem Stück nichts anhaben kann, wenn es aus Cabrios bollert. Das hymnische "Nobody But You" gleicht dem Funk-Appeal dem Blitzeinschlag der wahren Liebe. Der Ragga-Blues Stomper "By Myself" versteht sich als Manifest des Individuums - was auch bedeutet, dass man wieder alles selber machen muss, wenn es gut werden soll. Gut beraten der, der dann eine Gitarre und ein Flaschenhals dabei hat.