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Christoph Bergner, CDU-Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hat nach Angaben eines schwul-lesbischen Beratungszentrums in Halle homosexuellen Jugendlichen eine "massive Persönlichkeitsstörung" attestiert. Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck fordert nun eine Entschuldigung.

Der Vorwurf stammt von Hendrik Lange, Chef des Begegnungs- und Beratungszentrums Lebensart. Bergner habe demnach bei einer Diskussionsrunde im Elisabeth-Gymnasium Halle erklärt, dass Schwule eine vier Mal höhere Selbstmordrate haben, weil bei ihnen eine "massive Persönlichkeitsstörung" vorläge. "Eine solche Entgleisung eines Staatssekretärs ist ein Skandal!", erklärte Lange. Bergner verkenne "das Wirken von Intoleranz in der Gesellschaft, welche homosexuelle Jugendliche zu Verzweiflungstaten drängt. Ich fordere Dr. Bergner auf, sich für diese Äußerung zu entschuldigen."

Bergner: Habe nicht diffamiert

Bergner selbst bestreitet, Homosexuelle diffamiert zu haben: "Die Darstellung von Herrn Lange verfälscht die Intention meiner Aussage. Ich habe Homosexuelle nicht als gestörte Persönlichkeiten bezeichnet", erklärte der 60-Jährige gegenüber Halleforum.de. Er habe lediglich gesagt, "Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung" könne man nicht mit einer Änderung des Grundgesetzes bekämpfen. Mit dieser Aussage habe er sich gegen die Aufnahme des Merkmals "sexuelle Orientierung" in Artikel 3 des Grundgesetzes ausgesprochen. Dort sind bislang nur Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der Abstammung, der Rasse, Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens, der politischen oder religiösen Überzeugung, sowie der Behinderung aufgeführt.

Hendrik Lange von Lebensart könnte zudem ein Eigeninteresse haben, Bergner Homophobie zu unterstellen, denn er sitzt für die Linkspartei im Hallenser Stadtrat und im sachsen-anhaltinischen Landtag - und seine Partei kämpft derzeit in Schleswig-Holstein ebenfalls mit Homophobie-Vorwürfen: Ein Direktkandidat griff vor wenigen Tagen FDP-Chef Guido Westerwelle wegen dessen Homosexualität an (queer.de berichtete). Die Landespartei hat sich inzwischen von ihrem Kandidaten distanziert (queer.de berichtete).

Kritik an den Aussagen Bergners kommt auch aus Berlin. Volker Beck, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, sieht die Aussage als Anzeichen dafür, dass CDU und CSU weiterhin schwulenfeindliche Politik betreiben wollten: "Da lässt die Union die Maske fallen. Allem Toleranzgerede zum Trotz will sie Schwule und Lesben nicht nur rechtlich weiter als Bürger und Bürgerinnen zweiter Klasse behandeln. Offenbar hält man Homosexuelle darüber hinaus noch für gestörte Menschen", so Beck. Es sei nicht verwunderlich, dass Bergner Staatssekretär im Innenministerium sei. Minister Schäuble und Bergner hätten "in vier Jahren Amtszeit kein einziges Wort zur Bedrohung durch Homophobie und antihomosexueller Hasskriminalität verloren".

Der 60-jährige Christoph Bergner wurde 1971 Mitglied der Ost-CDU und war nach der Wende von 1993 bis 1994 Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Seit 2002 gehört er dem Bundestag an und wurde nach dem Wahlsieg der CDU 2005 Staatssekretär. (dk)



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Langner entschuldigt sich

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30 Kommentare

#1 kaysiProfil
  • 18.09.2009, 16:05hBangor
  • dass Schwule eine vier Mal höhere Selbstmordrate haben, weil bei ihnen eine "massive Persönlichkeitsstörung"

    Jetzt wäre es interesannt genau zu wissen was er gesagt hat da man ja auch nur die interpretaion von jeweils den beiden. Wenn Hendrik Lange recht hat, dann ist es wirklich ein frechheit.

    "Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung" könne man nicht mit einer Änderung des Grundgesetzes bekämpfen.

    Wenn CHristoph Bergner wirklich das gemeint hat war er auch im nachhinein sagte dann muss man ihn eigentlich beglückwünschen denn dann hat er die probleme die schwule und lesben haben verstanden hat aber recht persönlichkeitsstörungen aufgrund der Homosexualität (also ausgelöst durch mobing, extrem religiöse usw.) kann man nicht verbieten, man kann nur versuchen sie zu unterbinden.
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#2 FloAnonym
  • 18.09.2009, 16:29h
  • "dass Schwule eine vier Mal höhere Selbstmordrate haben, weil bei ihnen eine "massive Persönlichkeitsstörung" vorläge."

    Irrtum, die signifikant höhere Selbstmordrate kommt daher, weil Personen wie dieser Herr Bergner und Parteien wie die CDU/CSU Schwule und Lesben immer noch als Menschen 2. Klasse darstellen und auch so behandeln.

    Die Union hat Blut an ihren Händen!

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    "Bergner selbst bestreitet, Homosexuelle diffamiert zu haben: (...) Ich habe Homosexuelle nicht als gestörte Persönlichkeiten bezeichnet", erklärte der 60-Jährige gegenüber Halleforum.de. Er habe sich lediglich gesagt, "Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung"

    Und wo ist da der Unterschied?

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    "Hendrik Lange von Lebensart könnte zudem ein Eigeninteresse haben, Bergner Homophobie zu unterstellen, denn er sitzt für die Linkspartei im Hallenser Stadtrat und im sachsen-anhaltinischen Landtag."

    Also ich bin zwar wirklich kein Freund der Linkspartei, aber das ist Humbug... Wenn Unions-Marionetten sowas sagen, darf man das also nicht kritisieren, nur weil man für eine andere Partei ist? Dann steckt gleich Eigeninteresse dahinter?

    Also gerade jemand, der im schwulen Umfeld aktiv ist, muss sowas doch sagen können, selbst wenn er von der politischen Konkurrenz ist. Wo leben wir denn?

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    "Volker Beck, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, sieht die Aussage als Anzeichen dafür, dass CDU und CSU weiterhin schwulenfeindliche Politik betreiben wollten"

    Die Union hat ja schon mehrfach versucht, Volker Beck den Mund verbietn zu wollen. Aber ich bin froh, dass er sich nicht den Mund verbieten lässt und weiterhin für unsere Rechte kämpft, so wie die ganze grüne Partei...
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#3 gniwerjProfil
  • 18.09.2009, 17:00hdortmund
  • "Bergner habe demnach bei einer Diskussionsrunde im Elisabeth-Gymnasium Halle erklärt, dass Schwule eine vier Mal höhere Selbstmordrate haben, weil bei ihnen eine "massive Persönlichkeitsstörung" vorläge."

    "Die Darstellung von Herrn Lange verfälscht die Intention meiner Aussage. Ich habe Homosexuelle nicht als gestörte Persönlichkeiten bezeichnet"

    "Er habe sich lediglich gesagt, "Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung" könne man nicht mit einer Änderung des Grundgesetzes bekämpfen."

    Ähm... Wie denn nun? Also haben wir jetzt doch 'ne Persönlichkeitsstörung, aber die Aussge mit der 4 x höheren Selbstmordrate stimmt nicht???

    Mit der 2. Aussage bestätigt er doch die 1. (außer, wie erwähnt, die Selbstmordrate).

    So so. Schlauer Kopf, der Mann von der CDU. Auf zur Therapie. Aber wer bezahlt mir die jetzt??? ...na sichiii. Ich schnapp mir 'n FDP-Mann. Die sind da ja alle "homofreundlich", haben ja schließlich die Schwester am Start. Der perfekte Beweis...

    Was soll's. Ich schweife ab ...wiedermal...
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#4 XDAAnonym
  • 18.09.2009, 17:23h

  • @ 1:

    Da hast du recht. Allerdings wird er es sicherlich nicht so gemeint haben. Es gibt in jeder Partei, sei es Grün, Links (siehe Flugblattaktion), Gelb, Schwarz und Rot Politiker, die Homosexuelle immer noch als Menschen zweiter Klasse ansehen und verachten. Dumm ist es nur, dass sie dies ständig rausposaunen.
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#5 FloAnonym
  • 18.09.2009, 17:34h
  • Antwort auf #3 von gniwerj
  • Ja, keine "gestörte Persönlichkeit" sondern "gestörte Perssönlichkeitsentwicklung" (aus der dann aber keine "gestörte Persönlichkeit" resultiert). Diese Logik versteht man wohl nur, wenn einem die Union erfolgreich das Hirn weichgespült hat.

    Entweder ist der Mann wirklich so dumm, aber ihm ist klar, was er für einen Schwachsinn labert, aber er weiß, dass die Unionswähler es entweder eh nicht kapieren oder es ihnen egal ist, weil bei Hass Logik eh keine Rolle spielt.
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#6 goddamnedliberalAnonym
  • 18.09.2009, 17:35h
  • Antwort auf #4 von XDA
  • @XDA

    Mag sein, dass es Vorbehalte überall gibt. Wichtig ist aber schon, wie sie sich äußern. Es ist ein Unterschied. ob ein 'Linker' mal einen Herrenwitz über Herrn Westerwelle ablässt oder ob Herr Bergner unsereinem mit einer pseudo-wissenschaftlichen Diagnose elementare Grundrechte abspricht. Im letzteren Fall ist die Lage bitterernst - zumal aus Bergner ja die Menschenverachtung eines ganzen klerikalen Milieus spricht, dass das Problem des schwulen Selbsthasses, den es zuerst produziert hat, den Betoffenen dann auch noch in die Schuhe schiebt, um sie zu entrechten. Das eine ist ein Ausrutscher, das andere hat Programm und Methode!
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#7 KerberosAnonym
  • 18.09.2009, 17:40h
  • Was ist denn das für eine erbärmliche Wortklauberei?!

    Homosexuelle Jugendliche die sich lieber den Tod wünschen als existierende homophobe Zustände weiterhin zu ertragen sind ohne jeden Zweifel in ihrer Persönlichkeit verletzt. Oft genug haben Sie unter den gegebenen Bedingungen nicht einmal die Möglichkeit eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln, da ihnen permanent nahegelegt wird fundamentale Merkmale ihrer Persönlichkeit zu unterdrücken.

    Dass dies so ist ist eine Schande für diese Gesellschaft. Dass man ein Umdenken erst per Gesetz erzwingen muß ist ein Armutszeugnis für dieses Land. Aber dass Politiker gegen solch ein Gesetz votieren ist an Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten!
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#8 FloAnonym
  • 18.09.2009, 18:01h
  • Antwort auf #4 von XDA
  • "Es gibt in jeder Partei, sei es Grün, Links (siehe Flugblattaktion), Gelb, Schwarz und Rot Politiker, die Homosexuelle immer noch als Menschen zweiter Klasse ansehen und verachten."

    Jetzt wüsste ich aber schon mal gerne, wer bei den Grünen Homosexuelle verachtet. Bei allen anderen Parteien fallen mir da spontan mehrere Leute ein, aber bei den Grünen fällt mir erst mal keiner ein...
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#9 FloAnonym
  • 18.09.2009, 18:06h
  • Antwort auf #7 von Kerberos
  • "Dass dies so ist ist eine Schande für diese Gesellschaft. Dass man ein Umdenken erst per Gesetz erzwingen muß ist ein Armutszeugnis für dieses Land. Aber dass Politiker gegen solch ein Gesetz votieren ist an Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten!"

    Da kann ich Dir nur zustimmen:
    dass in einer Demokratie im 21. Jahrhundert sich noch Menschen umbringen, weil sie lieben, ist wirklich eine Schande für dieses Land.

    Und dass (nicht nur wegen der deutschen Geschichte, aber das sollte besonders sensibel machen) immer noch Politiker und Parteien Bevölkerungsgruppen diskriminieren, die GAR NICHTS verbrochen haben und deren einziger "Fehler" es ist zu lieben, ist pervers. Und wenn diese Parteien und Politiker dann auch noch bei Wahlen parlamentarische Mehrheiten erlangen, kann man sich nur noch fragen, ob die Mehrheit der Menschen so dumm ist oder ob dieses Land wirklich schon so degeneriert ist...

    Liebe statt Hass!!
    Auf die Vielfalt!
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#10 stephan
  • 18.09.2009, 19:13h
  • 'Er habe lediglich gesagt, "Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung" könne man nicht mit einer Änderung des Grundgesetzes bekämpfen.'

    Lediglich? Genau das ist der Punkt!

    Was kann man an dieser Formulierung schon missverstehen? Dass es um die Forderung der Aufnahme der Worte 'sexuelle Identität' in den Artikel 3.3 des GG ging, war ja wohl aus dem Nexus klar. Nach Bergner ist somit alles, was in das heteronormierte Weltbild der CDU und ihres verengten Denkhorizontes nicht passt eine 'Störung der Persönlichkeitsentwicklung'. Na danke!

    Bergner selber hat Glück: Dummheit kann man ja vielleicht unter dem Begriff 'Behinderung' subsumieren und er ist damit - zusammen mit vielen seiner Parteikollegen - bereits grundgesetzlich geschützt (was ihn aber nicht vor den Folgen einer so schwachsinnigen Aussage bewahren sollte)!
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