Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?11118

Die sexuelle Prägung spielte bei dieser Bundestagswahl keine Rolle mehr – und das ist gut so!

Von Jürgen Friedenberg

Es hätte schlimmer kommen können. Etwa, wenn nicht die Linken, sondern die radikalen Rechten zweistellig gewählt in den Bundestag einziehen dürften. Oder wenn die Mehrheiten äußerst knapp ausgefallen wären und unglückliche Koalitionen erzwungen hätten. Aber auch wenn Homosexuelle wegen ihrer Homosexualität nicht gewählt worden wären.

Tatsächlich spielte die sexuelle Prägung bei dieser Bundestagswahl keine Rolle mehr – und das ist gut so. Und auch die Welt wird es klaglos hinnehmen, dass unser Vizekanzler und Außenminister aus demselben Grund unbeweibt ist, wie es einst zu Adenauers Zeiten der erste bundesdeutsche Außenminister war. "Solange der mich nit anfasst, isset mir ejal", soll der Kanzler damals über Brentano gesagt haben. Hauptsache, er mache seine Arbeit gut. Und das kann man wohl auch von Westerwelle erwarten.

Aber ist eine bärenstarke schwarz-gelbe Regierung nicht schlimm genug? Wird sie unter Berufung auf angeblich unantastbare marktwirtschaftliche Gesetze den sozialen Fortschritt umkehren? Werden Kündigungsschutz, Mitbestimmung, Mindestlohn eingeschränkt oder sukzessive abgeschafft? Werden die Krankenkassen zu Arme-Leute-Kassen heruntergestuft und nur noch eine Arme-Leute-Medizin finanzieren? Gibt es Rente künftig erst mit 70? Werden Bahn und Post, Gefängnisse und Unikliniken vollständig privatisiert? Bleiben Atomkraftwerke jetzt länger am Netz? Ihre Betreiber würden strahlen, doch die Bevölkerung will nicht strahlen.

All das und manches andere Ungemach kann auf die Bundesbürger zukommen. Aber nicht doch! Westerwelle hat ein neues, einfacheres Steuersystem und alsbaldige Steuersenkungen versprochen. Wird es demnächst – wie im Märchen mit den Sterntalern – Geld regnen? Oder kommt – ebenfalls wie im Märchen – dann der Knüppel aus dem Sack, etwa in Gestalt drastisch steigender Energiepreise, Gebühren und Abgaben?

Mir scheint, am 27. September haben die Wähler Mut bewiesen, denn sie haben ein neues Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik aufgeschlagen – die Leute wollen weg von einer der Vergangenheit verhafteten, mit Normen und Formen überfrachteten, Kreativität bremsenden, mitunter muffigen konventionellen Verwaltungsgesellschaft und hin zu einer zukunftbejahenden freiheitlichen Kommunikations- und Kooperationsgesellschaft. Zu einer Gesellschaft mündiger Bürger, die leben und leben lassen, Risiken nicht scheuen, Chancen entschlossen wahrnehmen, im Vertrauen auf die eigene Kraft sich auch für andere engagieren und dies auch von den Regierenden erwarten.

Die Alten haben ihr Bestes gegeben, sie verdienen Dank und Respekt. Die Welt von morgen aber fordert heute: Jugend an die Macht.

Wöchentliche Umfrage

» Ist von einem Außenminister Westerwelle Homopolitik zu erwarten?
    Ergebnis der Umfrage vom 28.9.2009 bis 5.10.2009


Der queere Ministercheck

Die Ministerposten im neuen Kabinett sind vergeben. Was ist zu erwarten von den Männern und Frauen in den Ressorts, in denen Homopolitik relevant ist?
Langner entschuldigt sich

Der SPD-Politiker Peter Langner hat sich für seine Aussage entschuldigt, er lehne FDP-Chef Guido Westerwelle als Außenminister ab, weil dieser homosexuell ist.
Schwule stürmen den Bundestag

Eine Reihe von offen homosexuellen Abgeordneten konnte den Wiedereinzug ins Parlament sichern - ein schwuler Christdemokrat gewann sogar im ersten Anlauf einen Wahlkreis.

17 Kommentare

#1 E. MarlittAnonym
#2 totoAnonym
  • 29.09.2009, 10:23h
  • Ich kann leider gerade der Analyse am Ende nicht zustimmen. Die Leute haben - zum Glück - nicht FDP gewählt, weil sie das völlig realitätsferne Programm so toll fanden. Die FDP ist stark, weil sie Leihstimmen der Union bekommen hat. Und deren Gewicht ist so hoch, weil gerade viele Wähler der SPD zu hause geblieben sind (und manche auch aus Enttäuschung zur FDP abwanderten).
    Einen FDP-Staat, in dem die Freiheit alles, Solidarität aber nichts ist, will die Mehrheit nicht. Künftige Ergebnisse werden das zeigen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 bananasEhemaliges Profil
  • 29.09.2009, 10:23h
  • Man kann Herrn Friedenberg beruhigen. Westerwelle ist gestern das erste mal das Gesicht eingeschlafen, als er im Bundeskanzleramt neben Merkel stand. Merkel hat nämlich, selbstverständlich ohne sich mit Westerwelle abzusprechen, unverschämterweise behauptet, daß gewisse Forderungen, alle natürlich von der FDP, mit Ihr nicht zu machen sind. Der Begriff "Kanzlerin aller Deutschen" macht plötzlich die Runde. Das kann Westerwelle nicht gepasst haben. Nicht mein Fall, aber die Frau hat ein dickes Fell.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 christianAnonym
  • 29.09.2009, 11:38h
  • Dass die sexuelle Orientierung bei der Wahl keine Rolle mehre spiele, diese These halte ich auch mehr als fragwürdig. Eher spielt sie eine untergeordnete Rolle , wenn es um die Sicherung oder den Erhalt der politischen Macht geht. Und wenn sich sexuelle Orientierung so dezent und so septisch-sozialverträglich wie bei Westerwelle und Mronz äußert, dann ist sie natürlich ein kleineres Problem als ein nicht den Wahrehmungsgewohheiten des heterosexuellen Massenpublikums entsprechender Schwuler. Diese haben dann wohl eher ihre Daseinsberechtigung im randständigen Kulturbereich. Man sollte sich über die tief sitzenden gesellschaftlichen Vorurteile und heterosexuellen Gemeinheiten keine allzu großen Illusionen machen. Natürlich ist es wichtig für die Schwulen, dass Guido Westerwelle es als Schwuler so weit geschafft hat und dieser Sachverhalt stellt bestimmt auch einen riesengroßen Motivationsschub für viele Schwule dar , die auf der Suche nach Vorbildern sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 InsiderAnonym
  • 29.09.2009, 11:56h
  • toto, was hast du denn für ein demokratieverständnis? leihstimmen von der union? seit wann verleihen denn parteien stimmen?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 goddamnedliberalAnonym
  • 29.09.2009, 12:49h
  • Antwort auf #4 von christian
  • "Man sollte sich über die tief sitzenden gesellschaftlichen Vorurteile und heterosexuellen Gemeinheiten keine allzu großen Illusionen machen."

    Die 'homosexuellen' Gemeinheiten gegen sich selbst und andere sind auch nicht zu unterschätzen, genauso wie heterosexuelle Solidarität gegenüber oft unsolidarischen Schwulen und Lesben. Aber ansonsten hast Du schon recht. Ressentiments halten sich zäh. Selbst das Geburtsland Hitlers hatte ein Zwischenhoch der Toleranz mit dem überaus erfolgreichen jüdischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, bevor die Haiders und Straches kamen. Ein Liberalkonservativismus mit den Repräsentanten Merkel (geschiedene kinderlose ehemalige FDJ-Sekretärin) und dem offen schwulen Westerwelle wird nicht nur Linke ärgern, sondern auch vielen, die sich für echte Konservative halten, das Gefühl geben, an den Rand gedrängt zu sein. Und in der Bedrängnis wird so mancher besonders aggressiv nach dem Motto: 'Man wird doch wohl noch sagen dürfen....'
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Mister_Jackpot
  • 29.09.2009, 13:12h
  • Was mich ärgert ist, dass nun die ganze Zeit von "den" Wählern gesprochen wird. Sorry aber es gab 30 Prozent Nichtwähler, die diese schwarzgelbe Politik grösstenteils sicher nicht wollten. Also von einer Mehrheit für schwarzgelb in diesem unserem Lande zu sprechen ist mehr als vermessen, zumal die meisten zuhause gebliebenen KEINE bürgerlichen Wähler gewesen wären.

    Ich halte diesen Kommentar im Übrigen für überflüssig. Wird Queer.de jetzt zum Sprachrohr der FDP?
    Es wird in dem Kommentar so getan als ob die Leute früher nicht mündig gewesen wären und die jüngeren nun plötzlich ihre "Eigenverantwortung" erkannt hätten. Allerdings ist unter schwarzgelb mit Eigenverantwortung eher folgende Aufforderung an die Menschen gemeint: Hilf dir selbst, weil der Staat interessiert sich in Zukunft nicht mehr für das Schicksal einzelner Bürger!

    Tja und was ist mit denen, die dem psychischen Druck dieser "Eigenverantwortung" nicht gewachsen sind? Was ist mit der ärmeren Schicht? Was ist mit den zukünftig Ungelernten, die auf die Hauptschule abgeschoben wurden und dort lernten Hartz IV Anträge auszufüllen, weil die von vorne herein gesagt bekommen, dass sie in dieser Gesellschaft keinerlei Chance haben? Wer nimmt diese Menschen in Zukunft an die Hand?

    Frau Merkel sagte sie wolle Kanzlerin aller Deutschen sein.....ich bin mal gespannt wie sie das erfüllen will. "Meine" Kanzlerin ist sie jedenfalls ganz sicher nicht.....
  • Antworten » | Direktlink »
#8 KAMPA 2009Anonym
#9 FloAnonym
  • 29.09.2009, 14:28h
  • Jetzt können wir alle eines tun:
    die FDP hat vor der Wahl versprochen, dass sie die eingetragene Partnerschaft der Ehe völlig gleichstellen werden (inkl. Adoptionsrecht). Das ist zwar eh schon weniger als andere forderten (Eheöffnung, weitere Verbesserung des AGG, Art. 3 GG, etc.), aber wenigstens das sollte die FDP auch halten.

    Jetzt sollte jeder von uns in Mails, in persönlichen Gesprächen, etc. die FDP, seinen Wahlkreiskandidaten, etc. an dieses Versprechen erinnern und das auch einfordern!!

    Ich bin gespannt, ob die FDP Wort hält oder wieder mal vor der Union einknickt. Aber sicherheitshalber sollten wir ihnen klar machen, wieviele Schwule und Lesben sie gewählt haben und dass wir erwarten, dass dieses Versprechen gehalten wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 LorenProfil
  • 29.09.2009, 15:06hGreifswald
  • Antwort auf #9 von Flo
  • So ist es. Weniger lamentieren, beherzter handeln.
    Die Wahl ist nun mal gelaufen, wenn auch nicht
    in meinem Sinne. Jetzt gilt es, das Bestmögliche
    für die LGBT heraus zu holen, sich da zu wehren,
    wo es ans Eingemachte geht (Sozial- und Wirt-
    schaftspolitik), auf Länderebene ein Gegengewicht
    zu schaffen (Bundesrat) und in 4 Jahren eine
    Mehrheit jenseits von Schwarz-Gelb zu organisie-
    ren. Für manchen vielleicht zu pragmatisch, aber
    dann bitte Denkanregungen und Alternativen dazu
    posten. Danke.
  • Antworten » | Direktlink »