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In der neuen Komödie "Evet, ich will!" spielt Jungstar Eralp Uzun einen Schwulen im Coming-out-Stress. Im queer.de-Interview verrät der 28-Jährige Details.

In der neuen Berliner Filmkomödie "Evet, ich will!" schlüpft Schauspieler Eralp Uzun in die Rolle des türkischstämmigen Emrah, der seiner Familie die Beziehung zum Deutschen Tim beibringen muss. Der 28-Jährige wurde bislang vor allem durch seine Titelrolle in der RTL-Comedyserie "Alle lieben Jimmy" bekannt, hat sich aber mit Filmen wie "Schwarze Schafe" die Anerkennung von Filmkritikern erarbeitet. Für Uzun ist das nach "Straight" bereits die zweite Rolle, in der er einen Schwulen mimt. Dennis Klein sprach mit dem Nachwuchsstar.

Nach "Straight" hast du zum zweiten Mal eine schwule Rolle gespielt. Geht das jetzt fröhlich so weiter?

Es gab schon das dritte Angebot, aber das hab ich dankend abgelehnt. Ich will nicht in eine Sparte hineingezogen werden, die an mir haften bleibt. Ich habe das jetzt in einem Drama und einer Komödie ausprobiert. Das reicht erstmal, da man sich als Schauspieler ja auf verschiedene Art und Weise ausleben bzw. austesten möchte. Aber das war für mich definitiv die letzte Rolle – außer Hollywood klopft an.

In Amerika würdest du also so weiter machen?

Zur Not. Kommt auf die Gage an (lacht)

Macht’s einen Unterschied, jemanden mit Interesse an Männern zu spielen?

Was heißt Unterschied? Natürlich ist es etwas anderes, weil ich hetero bin. Ich muss mich auf die Rolle einlassen. Erst mal fühlt sich das natürlich anders an, aber man lebt sich schnell hinein, besonders wenn man einen guten Partner hat.

Hast du auch in Schwulenbars recherchiert?

Ja, ich musste mich ja erstmal in diese Welt hineintasten. Da hab ich in Berlin ein paar Clubs besucht und geschaut, wie die Leute drauf sind. Erst dann kann man diese Rolle auch verkörpern.

Wie bist du denn bei der Recherche vorgegangen?

Naja, ich hab jetzt nichts mit Männern gehabt, sondern nur mal mit ein paar Leuten in Bars gesprochen. Letztendlich gibt es hier keinen großen Unterschied. Mir ist aufgefallen, dass es unter Schwulen weniger aggressiv zugeht als unter Heteros, die gehen dann viel harmonischer miteinander um. Dann gibt es diese "Schwuchtel"-Schiene, die ich für meine Rolle eher abgelehnt habe. Mir war es wichtig, "normal" rüber zu kommen und nicht zu tuntig, denn das ist mir zu aufgesetzt. Es hätte auch nicht zur Rolle gepasst.

Aber du warst überzeugt von deiner Rolle?

Für mich als Deutschtürken gibt es die Frage, ob ich einen Schwulen spielen soll. Das ist ja nicht alltäglich. Mir kommt es aber einfach nur zugute, da ich damit meine Bandbreite ausweite und mich als Charakterdarsteller durchsetze – und nicht als Soap-Sternchen oder so was. Ich mach auch gerne provokative Sachen, wie etwa bei "Schwarze Schafe". Da gab es einige Szenen, die wirklich sehr gewagt waren.

Der neue Film ist also nicht so gewagt?

Es geht ja nur um banale Sachen. Leute wollen heiraten und werden mit Problemen konfrontiert. Ich hab als Deutschtürke im Film das Problem, dass meine Familie gegen eine schwule Ehe ist. Im Laufe des Films akzeptieren sie das. Das sind aber zeitlose Probleme, die immer stattfinden.

In Berlin wird manchmal von Problemen von traditionsorientierten Migranten mit Schwulen berichtet. Hat dich das beeinflusst?

Soweit bin ich gar nicht in die Szene eingetaucht. Ob es Probleme gibt zwischen Migranten und Nichtmigranten, das ist ehrlich gesagt etwas, das mich wenig interessiert hat. Ich will hier im Interview etwas über den Film sagen, aber ich glaube nicht, dass die politischen Hintergründe dazugehören.

Aber wenn du einen schwulen Deutschtürken darstellst, muss dieser Konflikt doch Einfluss auf deine Rolle im Film gehabt haben.

Klar, meine Familie im Film hat eher konservative Ansichten, die sich aber im Laufe des Films lösen. Dadurch beweisen sie, dass sie sich integriert haben. Im Film muss ich aber zunächst die Angst zeigen, dass meine Familie mich nicht als schwul wahrnimmt. Meine Figur muss sich dann dem ganzen stellen. Es ist letztendlich eine sehr alltägliche Geschichte.

"Evet, ich will!" ist am 1. Oktober in Deutschland angelaufen



36 Kommentare

#2 Sven_
  • 02.10.2009, 17:04h
  • Seltsam, dass ich das schreibe: Aber warum hat man keinen Schwulen für diese Rolle genommen?
    Das ist schließlich absolut ein politischer Film, da es eben große gesellschaftliche Spannungen gibt (von allen Seiten).
    Da wäre jemand, der weiß, um was es geht besser gewesen.
    Okay, auch nicht jeder Schwule ist sich dessen bewusst, aber man hätte den Typen ja mal entsprechend vorbereiten können.
    "Ich will nur über den Film sprechen" das ist absolut peinlich und lächerlich!
    Filme sind Kulturgüter und somit immer auch ein Spiegel der Gesellschaft.

    Ich bin entsetzt!
    Eigentlich wollte ich mir den Film ansehen, aber nun steht das echt auf der Kippe, ich fürchte, es ist rausgeworfenes Geld.
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#3 hwAnonym
  • 02.10.2009, 18:05h
  • Antwort auf #2 von Sven_
  • Da kann ich nur vom Gegenteil sprechen.

    Bisher waren alle begeistert. Ob schwul oder hetero. Ob deutsch, türkisch oder sonst was.

    Ich schaue ihn mir am Sonntag mit meiner Meute
    in Mannheim an.

    Für mich war das Anlaß auch bei Hetero-Türken nachzufragen, ob sich nicht mit ihren Frauen
    mitkommen wollen.
    Resonanz erstaunlich positiv.

    Ich freue mich schon.

    Und wenn sich der Schauspieler nicht zur Zinn-Figur machen lassen will, ich finde das eher in
    Ordnung als peinlich.
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#4 bliblablubbAnonym
  • 02.10.2009, 19:37h
  • Naja ich werde mir den Film bestimmt noch anschauen und mir eine eigene Meinung darüber bilden.
    Ich befürchte allerdings, dass dadurch, dass er - wie er ja auch betont " keine Schwuchtelrolle spielt"- wieder mehr oder weinger explizit darauf hingewiesen wird, wie Schwule in unserer Gesellschaft zu sein haben. Möglichst unauffällig, heterolike und angepasst.
    Ansich find ich den jungen Mann aber ganz symphatisch und lecker sieht er auch aus^^ obwohl er relativ klein ist... ich hab den mal in einem nicht schwulen club in berlin gesehen.... echt ein zwerg aber ganz süß.
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#5 EmreAnonym
  • 02.10.2009, 20:22h
  • Noch ein schlechter "Film":

    Willkürakte in Istanbul
    In der Türkei hat es in den letzten zwei Jahren 15 registrierte Morde an Transfrauen und Transvestiten gegeben. Einer wird derzeit vor Gericht verhandelt...

    ..Erdal Dogan, der als Anwalt Betroffene vor Gericht vertritt, spricht von einer ausgeprägten Feindseligkeit türkischer Männer sowohl gegenüber anderen Kulturen als auch gegenüber anderen sexuellen Identitäten, die er in der Ideologie des rassistischen Soldatenstaates begründet sieht..."

    www.jungewelt.de/2009/10-02/009.php
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#6 majláthAnonym
  • 02.10.2009, 21:01h
  • Für gutes Geld würde er sich also noch einmal überreden lassen...

    Außerdem scheint er sich im Interview doch naiver zu stellen, als er sein kann.
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#7 rumiAnonym
  • 02.10.2009, 21:16h
  • Deutlich spürbar seine Angst, man könnte die Rolle mit der Privatperson identifizieren.
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#8 blablabla...Anonym
#9 Benedictus
  • 02.10.2009, 22:51h
  • "Ob es Probleme gibt zwischen Migranten und Nichtmigranten, das ist ehrlich gesagt etwas, das mich wenig interessiert hat. Ich will hier im Interview etwas über den Film sagen..."

    Das hast Du ja jetzt. Ich werd mir Deinen Film nicht anschauen, aber trotzdem viel Erfolg bei Deiner Filmkarriere, denn auf die kommt es ja schließlich an.
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#10 EnyyoAnonym
  • 03.10.2009, 10:56h
  • Til Schweiger hat nach "Der bewegte Mann" auch gleich angefangen, Kinder in die Welt zu setzen, um bloss nicht in der Schublade "Bi/Hetero mit Orientierungsschwierigkeiten zu landen"...!
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