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  • 05. Oktober 2009, noch kein Kommentar

Daniel wohnt in Dortmund und arbeitet dort als Servicemitarbeiter. Für die Aids-Präventionskampagne "Ich weiß, was ich tu" spricht er offen über sein Leben als Schwuler und seine Erfahrungen mit Sex. Wir veröffentlichen hier Auszüge, den kompletten Text gibt es auf iwwwit.de. Dort kann man auch Kontakt zu Daniel aufnehmen und mit ihm diskutieren

Meine ersten sexuellen Erfahrungen hatte ich mit einem Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft. Das war so eine Jugenderfahrung – er behauptete, heterosexuell zu sein, und wir haben wirklich alles Mögliche ausprobiert. Zu dem Zeitpunkt war das natürlich alles völlig ungeschützt. Man hat sich da noch gar keinen Kopf darum gemacht, und wir wussten ja auch gar nicht, wie wir an Kondome rankommen sollten. Außerdem haben wir es ja vorher noch mit niemandem anders gemacht. Jedenfalls war das bei mir so. Als es dann so richtig angefangen hat mit schwulem Sex, da habe ich immer Kondome benutzt. Über die Risiken wusste ich vor allem aus Anzeigen in den Zeitschriften Bescheid und natürlich auch durch die Schule.

Bei der schwulen Jugendgruppe gab es auch einmal eine Veranstaltung – das nannte sich Dr. Sex. Es war schon interessant so zu hören, was bei Schwulen alles so läuft und was auch alles so passieren kann. Das hat sehr geholfen. Zum Ende dieser Veranstaltung hat der Typ dann noch gesagt, dass er seit vielen Jahren HIV-positiv ist. Das hat mich getroffen wie ein Schlag: Der sah nämlich topfit aus! Nicht so, wie man das aus irgendwelchen Bildern kennt. Und man denkt auch, das ist so weit weg. Und plötzlich war es so nah. Inzwischen habe ich auch einen Bekannten, der HIV-positiv ist. Von dem habe ich auch eine ganze Menge gehört, was das so bedeutet und welche Nebenwirkungen die Medikamente haben.

Ich engagiere mich ja mittlerweile auch sehr für diese Sache. Zum einen hier im Schwulen- und Lesbenzentrum, aber auch bei der AIDS-Hilfe Unna. Die machen in Dortmund eine ganze Menge im schwulen Bereich. Da gehe ich mal ein Stündchen an den Stand, wenn die auf irgendeiner Party sind. Bisher war das eher so nebenbei, aber ich möchte versuchen, das in Zukunft auszuweiten. Bei Gesprächen in der Szene kriege ich auch mit, dass einige nicht so viel davon halten, ein Kondom zu benutzen. Sie denken einfach nicht daran, dass sie sich anstecken könnten. Auch ein Freund hat mir mal davon erzählt, wie er im besoffenen Kopf ohne Gummi Sex hatte. Danach hat der Typ ihm dann gestanden, dass er HIV-positiv ist. Er hat dann die PEP geschluckt. Das war die Hölle, meinte er. Mir selber ist ja auch schon so eine Geschichte passiert, bei einem One-Night-Stand. Ich war leicht angetrunken, und dem Typ, dem war das ziemlich egal, ob ich ein Gummi nehme oder nicht. Ich habe dann zwar eins genommen – aber es war irgendwann plötzlich weg. Abgerutscht oder was weiß ich. Er hat es wohl gemerkt, hat aber nichts gesagt. Als ich wieder ein bisschen klarer im Kopf war, da hatte ich ein sehr schlechtes Gefühl, Angst, so nach dem Motto: Was, wenn jetzt was passiert ist?

Das Warten auf das Testergebnis hat mich verrückt gemacht

Man kann ja erst nach mehreren Wochen das Virus nachweisen. Nach drei Monaten bin ich dann also zum Gesundheitsamt und habe einen HIV-Test machen lassen. Die ganze Wartezeit von der Blutabnahme bis ich das Ergebnis bekommen habe hat mich schon verrückt gemacht. Nach einer Woche bin ich dann mit einem Freund zusammen dahin, um das Testergebnis zu erfahren. Zum Glück war der Test negativ. Klar, ich wäre auch zum Test gegangen, wenn es einfach so passiert wäre. Aber als mir klar geworden ist, dass es dem Typ total egal war, ob ich nun ein Kondom nehme oder nicht, da war ich wirklich nervös. Was weiß ich, was der schon mit anderen alles hatte? Ich meine, eigentlich weiß ich ja gut Bescheid: Beim Blasen darauf achten, dass man nicht im Mund abspritzt, dass Sperma nicht auf Wunden kommt, beim Ficken immer Kondome benutzen. Aber aus diesem Vorfall habe ich gelernt. Wenn man zu viel getrunken hat, dann kann mit dem Safer Sex schon mal was danebengehen. Ich glaube nach der Erfahrung aber nicht, dass mir so was noch mal passiert.