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  • 05. Oktober 2009
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Einem Richter aus dem erzkonservativen US-Bundesstaat Alabama wird vorgeworfen, mit männlichen Angeklagten Sex im Tausch gegen ein milderes Urteil gehabt zu haben – er hält die Anschuldigungen für Rassismus.

Herman Thomas, einer der aussichtsreichsten schwarzen Juristen in den Vereinigten Staaten, legte nach Vorwürfen 2007 seine Ämter nieder. Ihm wird vorgeworfen, Angeklagte in seinem Büro mit einer Holzschaufel auf den blanken Hintern geschlagen zu haben. Später erweiterte die Staatsanwaltschaft die Anschuldigungen: Sie werfen dem 48-Jährigen nun vor, Oral- und Anal-Sex mit mehreren Verurteilten gehabt zu haben – entweder in seinem Büro oder in seinem Auto. Im Gegenzug habe er ihre Urteile abgemildert. Sollte Thomas der Freiheitsberaubung und der Unzucht für schuldig gesprochen werden, droht ihm eine Haftstrafe von mindestens 20 Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, in dem auf mehrere Wochen angesetzten Prozess mindestens 15 mutmaßliche Opfer Thomas’ in den Zeugenstand zu rufen. Alle von ihnen seien schwarze Gefängnisinsassen, die das Büro von Thomas in Einzelheiten beschreiben könnten und von denen mehrere mit Verletzungen am Hintern behandelt worden seien, die von einem Schlag mit einer Schaufel herrühren könnten.

Anklage aus Rassismus?

Der Angeklagte erklärte jedoch stets, er sei unschuldig. Sein Anwalt Robert Clark nannte die Anschuldigungen "Hightech-Lynchen" und griff die Justiz scharf an: "Die mögen eben keine Schwarzen in ihren Reihen – und als solchen sehen sie Herman." Mehrere Anwälte haben sich bereits hinter Thomas gestellt und erklärt, bei der Klage handle es sich um puren Rassismus. So sagte Verteidiger Robert Clark, dass die von der Staatsanwaltschaft angekündigten Zeugen allesamt "lügende Schwerverbrecher" seien, die "einen seit 20 Jahren hervorragend arbeitenden Juristen" vernichten wollten. Auch die größte US-Schwarzenorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) stellt sich hinter Thomas.

Thomas ist in den 1990er Jahren als erster schwarzer Bundesrichter von den Demokraten gehandelt worden. Im republikanisch geprägten Alabama machte er sich auch als Vorkämpfer für Bürgerrechte einen Namen. (dk)