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  • 07. Oktober 2009, noch kein Kommentar

Die für den 21. November geplante 4. Kölner AIDS-Gala "Tanzen um die Welt" wurde kurzfristig abgesagt. Stürzt die Deutsche AIDS-Stiftung in eine Imagekrise?

Von Christian Scheuß

Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da präsentierte man der Öffentlichkeit die großen Pläne. Die vierte Auflage der Kölner AIDS-Gala zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) sollte nicht im Opernhaus, sondern in der Lanxess-Arena stattfinden. Aus dem kleinen Tänzchen auf gepflegtem Parkett sollte ein Megaball für alle unter dem umfassenden Motto "Tanzen um die Welt" werden. Am heutigen Mittwoch erfolgte die schmallippige Absage. Die Gala werde "auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verlegt."

Trotz des großen Engagements zahlreicher Partner und Sponsoren bei der Vorbereitung der Gala sei der Kartenverkauf unbefriedigend verlaufen und hätte nicht zu einem positiven Gesamtergebnis geführt, lautet die Begründung. Dabei zeigte sich allen voran die Initiatorin der Gala, Jeane Freifrau von Oppenheim, Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung auf der Pressekonferenz optimistisch, dass die Neuauflage des Benefiz-Events in größeren Dimensionen Erfolg haben und eine breitere Zielgruppe erreichen kann. Sie gilt als anpackende Organisatorin mit guten Kontakten in die Wirtschafts- und Finanzwelt und hatte sich noch kurz vor der Medienpräsentation in einem Porträt in der Welt am Sonntag als Powerfrau positioniert, die fest entschlossen ist, am 21. November in ihre Ballschuhe zu schlüpfen.

Die medialen Kraftanstrengungen, zu der auch die Pressevorstellung am 22. September gehörte, haben dennoch nicht gereicht. "Obwohl vielfach in den Medien darüber berichtet wurde, konnte kein signifikanter Anstieg der Kartenverkäufe festgestellt werden", berichtet Volker Mertens, Pressesprecher der in Bonn sitzenden Stiftung. In der Mischkalkulation bei Kartenpreisen zwischen 35 bis 162 Euro hätten mindestens 5.000 bis maximal 10.000 Besucher die Kölner Mehrzweckhalle füllen müssen. Wie viele Tickets man bis heute tatsächlich loswerden konnte, dazu will man keine Angaben machen.

"Die Verlegung der Gala wird die Deutsche AIDS-Stiftung nicht entmutigen, sich weiterhin für den Kampf gegen HIV und AIDS zu engagieren", päppeln sich die Veranstalter in ihrer heutigen Pressemitteilung nun selber auf. Auf jeden Fall wollen sich alle Beteiligten in den kommenden Wochen für eine Analyse und weitere Planung zusammen setzen, bestätigt Volker Mertens. Dann werde nicht nur über einen eventuellen neuen Termin gesprochen, der bei der Größe des Events frühestens im Sommer 2010 denkbar wäre. Das bisherige Konzept der Gala könnte ebenfalls auf den Prüfstand kommen. Auch bei Benefiz-Events bestimmt die Nachfrage das Angebot.

Die Berliner Operngala findet statt

Mit dem Gala-Flop setzt sich die Reihe mit schlechten Nachrichten aus der Stiftung fort. Erst im Juni hatte man mitteilen müssen, dass die globale Börsen- und Bankenkrise auch ihr Haus erreicht habe. Die Kapitalerträge der angelegten Stiftungsgelder hatten sich um rund 275.000 Euro verringert. Zudem habe man wegen der Kursrückgänge an den Weltbörsen ein buchhalterisches Defizit von 740.000 Euro verzeichnen müssen. Die gleichzeitige Ankündigung von Einsparungen bei der Vergabe der Mittel an Bedürftige stieß auf heftige Kritik von Betroffenenverbänden. Besonders die geplante stärkere Budgetierung bei der individuellen Einzelfallhilfe und die stärkere Hinwendung zur Förderung von Projekten wurde als falsche Richtungsentscheidung attackiert.

Eine gute Nachricht hat DAS-Sprecher Volker Mertens immerhin. Bei der festlichen Operngala am 7. November in der Deutschen Oper in Berlin bleibt alles, wie es ist: "Die findet statt!"