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Die Münchner Ausstellung "Die Verzauberten – Gesichter und Geschichten alter schwuler Männer" zeigt elf eindrucksvolle Foto-Porträts von Susie Knoll

Von Carsten Weidemann

Die Münchner Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München (SUB haben gemeinsam mit der Fotografin Susie Knoll eine Ausstellung aufgebaut, die ihren Fokus auf einen scheinbar nur kleinen Bereich des gesellschaftlichen Lebens in München wirft – und doch damit auch eine eigene Stadtgeschichte Münchens in den Mittelpunkt rückt. Die Ausstellung umfasst 10 Fotografien, die in eindrucksvoller und künstlerisch wertvoller Weise die Gesichter von 11 alten schwulen Männern zeigt. Zu jedem Portrait gesellt sich eine von den Abgebildeten selber verfasste Biografie.

Betrachtet man sich die Jahrgänge, die in den Biografien der Männer angegeben sind und zwischen 1916 und 1946 liegen, ahnt man wohl bereits, dass es sich hier um Zeitzeugen schwuler Geschichte handelt und die (schwulen) Lebenswege nicht immer einfach gewesen sein dürften. Tatsächlich findet der aufmerksame Leser in fast jeder Biografie Hinweise darauf, mit welchen Schwierigkeiten ein homosexueller Mann im 20. Jahrhundert oftmals zu kämpfen hatte. Sie zeigen aber auch, mit welcher Energie und Lebenslust sich die Männer ihr Leben miteinander gestaltet haben.

"Verzauberte" nannte man früher jene Männer, deren Existenz ansonsten lieber totgeschwiegen wurde. Dies ist mit der freundlichste Begriff, der in der deutschen Sprache für Schwule je gebraucht wurde. Gleichzeitig diente er aber auch dazu, jenes nicht als das benennen zu müssen, was anscheinend so unvorstellbar war: dass ein Mann einen Mann lieben könnte.

Leider folgte in der Lebensrealität homosexueller Männer im letzten Jahrhundert - wie auch in vielen Jahrhunderten davor - auf das magische Dasein ganz schnell die Entzauberung: Verfolgung, Internierung im KZ, strafrechtliche Verfolgung in der Nachkriegszeit mit einem Nazi-Paragrafen 175 StGB, der bis 1969 unverändert weiter Gültigkeit hatte und erst 1994 endgültig abgeschafft wurde, Stigmatisierung und Ausgrenzung. Wer glaubte, dass fast vier Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg die Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft dazu geführt hätte, dass sich homosexuelle Menschen keiner Verfolgung mehr ausgesetzt sehen müssten, hatte sich bitter getäuscht. Die sog. Aidskrise, die Anfang der 1980er Jahre ausbrach, führte zu massiven lesben- und schwulenfeindlichen Entwicklungen in Deutschland und gerade auch in München. Es wurde heftigste Minderheitenhetze betrieben, die Rede war von "ausdünnen", "in Lager sperren", "kennzeichnen". Gerade für jene schwulen Männer, die schon Kriegserfahrungen machen und die gesellschaftliche Enge der Adenauerzeit ertragen mussten, war dies ein erneuter Schlag ins Gesicht.

Also alles nur furchtbar? Nein, weit gefehlt. Schwule Männer haben sich seit jeher darauf verstanden, sich für ihr soziales, sexuelles, kulturelles und partnerschaftliches Leben Nischen zu schaffen, in denen bunte, kreative Netzwerke voller Schaffensdrang möglich waren. Und sie haben sich – gemeinsam mit der Lesbenbewegung - in vielen Bereichen heutzutage Anerkennung und Akzeptanz erstritten. Und bei der Bewältigung der Aidskrise wurde der Bevölkerung ein Lehrstück an Solidarität und "füreinander einstehen" vorgeführt, wie es vorbildhafter nicht hätte sein können.

Auf bemerkenswert einprägsame Weise spiegelt sich in den Fotografien von Susie Knoll der Respekt vor der Lebensleistung der Fotografierten wider. Besonders erwähnenswert ist, dass die professionelle Fotografin diese Porträts ehrenamtlich gemacht hat.

Ausstellung im Sozialreferat München vom 9.-30. Oktober 2009, Orleansplatz 11 (Ostbahnhof), 1. Stock, Mo-Fr 8-18.30 Uhr, Vernissage am 8. Oktober um 19 Uhr



#1 gatopardo
  • 08.10.2009, 16:43h
  • Schön, dass auch unsere Lebenslust im Meer des Jugendwahns noch einmal erwähnt wird. Da halten wir es mit v.Praunheims Muse Lotti Huber: "Diese Zitrone hat noch viel Saft".
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#2 jochenProfil
  • 08.10.2009, 20:58hmünchen
  • ich finds richtig und ich finds auch interessant, das auge auch mal auf das (schwule) alter zu werfen. (auch wenn ich noch n paar jährchen bis dahin habe.)

    -unserer aller zukunft- hoffentlich jedenfalls.

    verschiedene lebensentwürfe fürs alter zu erfahren .

    wir haben die parties , discos, die darkrooms und vielleicht sogar die schwule ehe für uns erobert.
    aber was kommt danach?

    da langsam die 68-ger generation dran ist mit altwerden, bin ich doch eher optimistisch, dass diese uns mit guten, vielleicht auch alternativen beispiel vorangehen in sachen schwule lebensgestaltung im alter.
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