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Die Türkei hat den Zugang zu den populären Dating-Seiten hadiGAY und GaBiLe gesperrt - Nutzer aus der Region erhalten ein Stopp-Schild, das vor Pornografie warnt.

Von Norbert Blech

Die Türkei hat die beiden beliebten schwulen Portale hadigayri.com und gabile.com gesperrt. Wie die englische Internetausgabe der Zeitung "Hürriyet" berichtet, habe das Telekommunikationsministerium die Sperrung veranlasst, die von den Providern des Landes umgesetzt werden müssen.

Nach Angaben der Zeitung kommen die Portale zusammen auf über 200.000 Nutzer aus der Türkei (Gayromeo dient nur rund 8.900 Nutzern aus der Region als Anlaufstelle); nach Angaben der Nachrichtenseite "bianet" wurde ferner auch der Zugang zum speziellen Dating-Portal shemalenet.com gesperrt. Die Betreiber der Portale sagen, sie hätten von den Behörden weder eine Begründung erhalten noch vorab einen Hinweis, etwas an den Seiten zu ändern. Stattdessen bekommen die Nutzer aus der Region nur ein Stopp-Schild zu sehen, das darauf hinweist, dass die jeweilige Seite gegen das Gesetz verstoßen habe - als mögliche Gründe werden, unter anderem, Anleitung zum Selbstmord, Kindesmissbrauch, Nutzung von Drogen und anderen Stoffen, Obszönität und Prostitution genannt.

Homophobe Mentalität

In einer Stellungnahme beschweren sich die Betreiber von GaBiLe, dass eine einfache Verwaltungsentscheidung zur Sperrung der Portale geführt habe. Die plötzliche Entscheidung sei "das Ergebnis einer homophoben Mentalität". Es gebe keinen strafrechtlich problematischen oder unmoralischen Inhalt auf den Portalen. "(Den Schwulenorganisationen, Red.) Lambda Istanbul und Kaos GL wurde bereits aufgrund von Unmoral der Prozess gemacht. Diese Vorgehensweise war nicht erfolgreich und das Gericht hat einen Prozess abgelehnt, daher wollen sie jetzt Social Networking Sites verbannen", beschweren sich die Betreiber von GaBiLe. "Wir bedauern und verurteilen diese Aktion, die sich gegen unsere Gedanken, unseren Frieden und Lebensstil, unsere sexuelle Orientierung und unsere Freiheiten richtet und die öffentliche Meinung an den Rand einer Revolte bringt."

Weltweite Stopp-Schilder

Dabei ist das Entfernen von schwulen Seiten aufgrund von (angeblicher oder tatsächlicher) Pornografie kein rein türkisches Problem. Regierungen auf der ganzen Welt haben Filterlisten wie jene in der Türkei eingerichtet oder planen welche, die vor allem gegen Kinderpornografie vorgehen sollen, aber, wie etwa in Australien oder Finnland, auch schwule Pornoseiten sperren (queer.de berichtete). Auch in Deutschland ist die Sperrung von Internetseiten geplant, derzeit nur aufgrund von Kinderpornografie.

Es ist aber denbar, dass es früher oder später auch zu Sperrungen aufgrund des Jugendschutzes kommen wird - eine solche Vorzensur ist in Deutschland in vielen Bereichen aktiv und erlaubt und hat bereits dazu geführt, dass die Server von Gayromeo und Co. im Ausland stehen. Da diese weiterhin gegen den Jugendschutz in der strengen deutschen Form verstoßen (persönliche Identifikation durch Post-Ident und USB-Stick, etc.), könnte es hier theoretisch mal zu einer Sperrung kommen - die sich freilich bei diesen populären Seiten kein Beamter trauen wird.

Die Zensur hier droht vor allem von kommerzieller Seite. Youtube hat etwa selten ein Problem mit homophoben Musikvideos, löscht aber gerne und recht beliebig schwule Erotik. Vor zwei Monaten hat der ebenfalls zu Google gehörende Dienst Blogger begonnen, ohne Begründung oder Benachrichtung der Autoren schwule Blogs zu sperren (queer.de berichtete) - mittlerweile sind rund 200 schwule Erotik- und Pornoblogs nicht mehr erreichbar oder zu anderen Providern wie Nibblebit umgezogen. Ein Aufschrei blieb bisher aus.



29 Kommentare

#1 goddamn. liberalAnonym
  • 08.10.2009, 12:06h
  • Ob Zensur im katholisch-miefigen Litauen oder in der islamisch-miefigen Türkei: Überall schlagen in letzter Zeit die 'Frommen' zu...

    Leider ist das erste Land schon in der EU...

    Was hilft? Widerstand und Solidarität!

    Und Wachsamkeit!

    Ich kann mich noch gut erinnern, dass die türkische Regierungspartei AKP in der deutschen Presse als Vortrupp der Demokratisierung gefeiert wurde und auch an die Arroganz und Ignoranz deutscher Besserwisser gegenüber den warnenden laizistischen Stimmen in der Türkei...

    Erdogan ist Stoiber hoch 3 auf islamisch. Er hat auch nie etwas anderes von sich behauptet....
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#2 xv22Anonym
  • 08.10.2009, 12:17h
  • Und in D und Ö wird über Internet-Zensur unterm Deckmantel der Kinderpornographie disktutiert. Eine Frage der Zeit, bis man auch auf Gayromeo in irgendeinem Profil ein Foto von wem unter 18 findet und irgendein irrer rechtskatholischer Sektionschef die ganze Seite wegen Kinderpornographie sperren lässt.
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#3 seb1983
  • 08.10.2009, 12:23h
  • Antwort auf #2 von xv22
  • Hätte könnte sollte....

    Die Türkei marschiert hier als zukünftiges EU Mitglied vorne weg und markiert den geistigen Weg in die Vergangenheit, öhm Pardon, Zukunft.

    Gayromeo Zensur, morgen vielleicht in Deutschland, dafür heute schon in der Türkei.
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#4 alexander
  • 08.10.2009, 12:43h
  • das sind die zeichen der "neuen zeit" !!!

    unsere wundervolle neue regierung wird auch mit allen mitteln versuchen, uns in den genuss dieser stoppschilder kommen zu lassen ! denn sie führt dieses land auch in die einbahnstrasse.
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#5 remixbebAnonym
#6 schwarzwaldbub
  • 08.10.2009, 13:59h
  • Ich frage mich, ob in der Türkei auch gegen gleichwertige Heten-Portale vorgegangen wird, oder ob es sich um einen echten homophoben Akt handelt – wie seinerzeit gegen Lambda Istanbul und Kaos GL.

    Ein geschickter User wird schnell heraus bekommen, wie an der lokalen Internet-Zensur vorbei zu kommen ist. Ich nehme an, dass im türkischen www bereits Tipps kursieren, wie die aktuellen Maßnahmen zu umgehen sind. Hier ein nützlicher Link für Interessierte …
    www.zensur.freerk.com/index-de.htm


    Nur das Abschalten von Servern inklusive aller Spiegelserver führt zu einer wirkungsvollen Zensur – ein aussichtsloses Unterfangen, wenn die Server im Ausland stehen und sich dem Zugriff einer Regierung entziehen …

    Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, was es bedeutet, wenn eine Regierung seinen mündigen Bürger/inne/n den Zugang zu Informationen verbietet.

    Wer übrigens partout Kinder vor Inhalten „schützen“ möchte, kann ja seine (ebenfalls leicht zu umgehende) Zensur auf dem eigenen Rechner einrichten. Es ist nicht nötig, dass auf ganze Provider oder gar Länder auszudehnen.
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#7 hwAnonym
#9 hwAnonym
  • 08.10.2009, 15:16h
  • Antwort auf #1 von goddamn. liberal
  • Zensur von oben, Dummheit von unten - von freiwillig bis gezwungernermaßen.

    Schau, was die rechten Intellektuellen daraus machen.

    Der Beck-Bepisser Rohmoser wird auch nochmal mit Aufmerksamkeit bedacht.

    Nicht uninteressant. Auch mit Teilen deiner Beobachtungen. Man riecht Allianzen und Modi.

    Aus "Germany's New Right as Culture and Politics" (New Perspectives in German Studies)
    Von Roger Woods
    Palgrave/Maxmillan, 2007; geb., 240

    www.amazon.com/Germanys-Culture-Politics-Perspectives-Studie
    s/dp/0230506720


    "It is a standard feature of the New Right presentation of foreigners coming to Germany that the incoming group possesses a strong and intact culture. This culture may be attacked as Fellaci attacks Islam, but it can also be admired for its supposed underlying discipline, a characteristic regarded as lost to Western culture. In a speech to the right-wing organisation Synergon Deutschland Martin Schwarz declares that if Europeans were to adopt the principles of Islam their nations would flourish: a positive attitude to sexuality and to children, an ordered but not puritanical sex life which takes place in private and not in homosexual processions through town centres, rejection of drugs, and providing role-models for children.
    ... Botho Strauß argues that public morality is marked by hypocrisy since it always took every opportunity to pour scorn on military values, the Church, tradition and authority, and it should therefore not be surprised if these concepts have no substance in times of need. For Strauß cultural identity is not undermined by the influence of immigration but by the internal progression of a liberal agenda. Martin Schwarz takes a similar line when he addresses the issue of crime among foreigners: committed Muslims, he argues, see all crime as an affront to the divine order and are therefore unlikely to engage in criminality. The aim of integration, however, is to 'disconnect people from their higher principles and fool Turkish and Arab immigrants into loving the French or German constitution' . Young people get involved in crime because the system they are encouraged to adopt has no divine roots and is therefore not taken seriously. Here we see a very different take on foreigners, where the problem is lying in a decline of the old order, and Schwarz is drawing the conclusions from Gehlen's thoughts on the need for political institutions to have a religious foundation. Schwarz elaborates when he goes on to suggest that humankind is subjected to the same process:
    'We live in a time of chaos and disintegration. If we wish to survive we must not convince ourselves that our main aim is to confront those people who are also being uprooted and tossed around as the old order disintegrates. If we do, we shall only sink deeper into the vortex. Instead we must retain our spiritual integrity, whatever form this may take, and build new coalitions, not start new wars of religion! There is no Islamic conspiracy to bring down the West!'
    Schwarz's imagery draws on the familiar New Right terms used to describe a chaotic existence lurking beneath the feelgood culture. Rootedness and order give way to an uprooted existence in which people are subjected to forces they cannot control. This kind of thinking is in evidence at the social and the psychiological level, and there is an tendency for the sense of social dislocation to lead into an existential unease. This tendency makes it difficult for New Right thinkers to retain the focus on foreigners as the source of Germany's problems. ..."
    (S. 60-62)
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#10 çiğ köfteAnonym
  • 08.10.2009, 15:56h
  • Es geschah arg tief im Kernland des Turko-Machismo, Bereich innere Sicherheit.
    Am den Wurzeln (?) der Macht..ohaaa...

    -- GAY POLICE DISCUSSIONS

    Two police chiefs had to resign after an investigation was launched regarding videos showing their gay relationship, which has brought a question into discussion on "whether gays could be police officers or not."

    Erzincan Police Academy's deputy director H.K. resigned of his own will after it was revealed that he had gay relationships with students last February. Also, police chief M.A., who was appointed to Karabuk, resigned after a video showing his gay relationship was revealed.

    Osman Karakus, the legal adviser to the Security Department, argued that the department, in the European Union reform process, should approach gay police officers more moderately. The Retired Police Chiefs' Association reacted to the discussions saying, "The security department cannot endure gay relationships."

    Sevim Salihoglu, the secretary-general of the Human Rights Association (IHD), said: "We do not want to see people facing such treatment for their sexual preferences. Sexuality is the own choice of persons like all other choices."

    www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=good-morning--turkey-press
    -scan-on-sept-24-2009-09-24
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