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  • 08. Juni 2004, noch kein Kommentar

Lilo Wanders feiert zehn Jahre "Wa(h)re Liebe". Warum die Sextalkerin keine Orgasmen mehr sehen mag, verrät sie hier…

Im Juni feiert ihr zehn Jahre Wa(h)re Liebe. Wie begeht ihr den Geburtstag?
Wir machen vier Sondersendungen, die sicher ein bisschen albern werden, wie das so ist bei Rückblicken. Ich habe ein paar Gäste aus der Sexbranche in der Sendung, und wir werden die erotischsten Beiträge oder die lustigsten Versprecher zeigen.

Du bist damals praktisch in die Sendung reingeplumpst….
Ja. Die Schmidt-Mitternachtsshow auf N3 hatten wir Silvester 1993 beendet. Im Juni 1994 - ich steckte mitten in den Endproben eines neuen Theaterprogramms - fand ich auf meinem Anrufbeantworter die Nachricht eines freundlichen jungen Mannes, der fragte, ob ich Lust hätte, im Fernsehen ein Unterhaltungsmagazin über Sexualität zu moderieren. Das war an einem Dienstag. Am Mittwochmorgen sagte ich ab. Am Mittwochabend fuhr ich ins Studio, und wir zeichneten die erste Folge auf. Ich wurde unter Alkohol gesetzt, die Studiotüren wurden verschlossen. Ich begegnete völlig unvorbereitet Dolly Buster, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie existiert.

Hast Du Dir die erste Sendung mal wieder angesehen?
Ja, es ist furchtbar! Wir zeigen ja zu Jubiläen immer mal wieder was aus den Anfängen. Man merkt mir an, wie unvorbereitet ich da bin und wie unprofessionell das Ganze auch war. Ich musste erst mal lernen, journalistisch zu arbeiten. Ursprünglich sollte ich ja wie die Lilo Wanders in der Mitternachts-Show in der Sendung boshaft sein. Quasi wie Karl Dall mit blonden Haaren. Das ging aber gar nicht. Erst mal kann ich nicht 50 Minuten so eine Boshaftigkeit durchhalten und bei der Thematik funktioniert das auch nicht. Man muss die Leute ja aufschließen. Zu Beginn hatten wir sehr viele Leute aus dem Volk in der Sendung, die über ihre Sexualität berichteten. Auf die kann man nicht einschlagen.

Was ist Dir als besonders gelungen im Kopf geblieben?
Besondere Highlights waren für mich immer die Auslandssendungen. Die waren auch von der Quote her sehr erfolgreich. Wobei ich es persönlich bedauere, dass ich nur ein einziges Mal einen Tag Urlaub dran gehängt habe, das war in London. Ansonsten sind wir immer angekommen, drehten und sind gleich wieder abgereist. Es war Knochenarbeit. Wir begannen morgens um sieben mit dem Schminken und nachts um drei habe ich mir das alles wieder runter gewischt. Ich erinnere mich noch an einen Aufenthalt in Mallorca, zwei Tage Dreharbeiten bei glühender Hitze, davor waren wir schon zwei Tage in Barcelona. Am vierten Abend beim Abschminken fing meine Haut an zu bluten. Lustig war natürlich so manche Panne im Studio. Zum Beispiel, als wir in der 300. Sendung einen Dildo gegossen haben, der nicht aus der Form wollte. Den zog ich mit dann einem gewaltigen Plopp endlich heraus und ich schrie dann nur: ‚Hurra, es ist ein Junge’. Oder die Orgasmusmaschine für Frauen, so eine Art umgebauter Wassersprenkler, der natürlich prompt seinen Dienst versagte.

Wie viele Perücken hast Du zerschlissen in der Zeit?
Ich denke, so eine pro Jahr.

Und wie viele Orgasmen anmoderiert?
Ach, ich guck da schon gar nicht mehr hin. Keine Ahnung.

Was hast Du persönlich für Dich mitgenommen aus dieser Arbeit?
Ich habe mich im Verlauf der Jahre mit den Männern versöhnt. Ich fand Männer generell immer ganz furchtbar. Die Versöhnung kam durch die alten Männer zustande, die ich in der Sendung hatte. Ernest Bornemann oder Dietrich Kuhlbrodt zum Beispiel. Also alle, die nicht mehr die Aggressivität der Jugend haben und die durchdacht sind, die eine gewisse Weisheit haben. Das hat mich der ganzen Spezies Mann wieder näher gebracht. Und ich erinnere mich an Beiträge über Tantra-Sex. Diese Erfahrungen konnte ich mit nach Hause nehmen und ausprobieren. Ich habe diverse Selbstversuche unternommen. Sei es das Stierhoden-Extrakt. Oder das Besenkraut-Öl, das mir eine Frau mit in die Sendung brachte. Die fiel leider während der Aufzeichnung in Ohnmacht, so dass wir das abbrechen mussten. Sie hatte keine Gelegenheit, mir vorher noch mitzuteilen, dass man dieses Öl nur äußerlich anwenden sollte. Und ich nahm abends zuhause einen kräftigen Schluck und wartete vergeblich auf die Wirkung.

Zehn Jahre permanent über Sex reden, das muss doch irgendwann nerven oder langweilen.
Nein, ich sage immer, ich habe den gesunden Abstand eines Leichenwäschers. Anders würde die Sendung auch gar nicht funktionieren. Mit dieser humorvoll distanzierten Präsentation funktioniert das Magazin und funktioniert es auch für mich.

Hast Du auch noch nie ans Aufhören gedacht?
Nö, eigentlich nicht. Aufhören würde ich, wenn ich keine gute Laune mehr kriegen würde. Es ist tatsächlich so: Ich kann ganz verkatert am Donnerstagmorgen ins Studio kommen. Um elf habe ich noch ganz fürchterliche Laune, um halb zwölf bin ich schon am Gackern und freu mich auf den Tag und die Sendung.

Wa(h)re Liebe jeden Donnerstag ab ca. 23 Uhr bei VOX