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  • 19.10.2009           54      Teilen:   |

Homo-Gurke für Philipp Gut

Schwule und Lesben sind Teil einer Verschwörung mit dem Ziel, die Welt zu homosexualisieren. Behauptete im Sommer der Kulturchef der "Weltwoche" in einem Debattenbeitrag, den nun die "Welt" übernommen hat. Er meint es ernst.

Von Christian Scheuß

Tja, das ist schon so ein Ding mit den Homosexuellen. Da machen die solch ein Theater in der Öffentlichkeit um die "Bedeutung sexueller Veranlagungen", dass da bei so manchem konservativ gestimmten Geist die Zornesadern anschwellen und der Angstschweiß auf die Stirn tritt. Besonders einer ist in Panik: Philipp Gut, Kultur- und Gesellschaftschef des Schweizer Wochenmagazins "Weltwoche". "Die Welt" veröffentlichte am vergangenen Wochenende seinen zuvor in der Schweiz publizierten Debatteneitrag. Oder sollte man besser sagen: seine Paranoia? "Die Homosexualisierung der Gegenwart erreicht Rekordwerte, ein irritierender Kult um die Schwulen scheint entstanden zu sein, Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden", erklärt Gut. Uiuiuih, die schwule Weltverschwörung, sie ist im vollen Gange.

Wo Kult und Religion regieren, schimmert schnell der Fanatismus durch. "Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungsäußerungsfreiheit ins Intolerante kippt", meint der Kolumnist, und nennt als Beispiel den Fall der Ex-Miss-Kalifornien Carrie Prejean, die sich als Auserwählte Gottes bezeichnet hatte, um gegen die Homo-Ehe zu kämpfen, und die dafür ihren Titel aberkannt bekam. Ja, echt schade, dass man nicht mehr einfach so intolerant sein und strunzdummes Zeug verbreiten darf, Herr Gut. Nur, warum schlagen Sie sich als intelligenter Mensch damit auf die Seite der Doofen?

Vielleicht einfach nur, weil es so gut in die Argumentationsschiene passt. Wie auch die bewusste Verdrehung der Tatsachen. "Homosexualität ist Weltanschauung und politisches Programm geworden", jammert Gut. Die Emanzipationsbewegung sexueller Minderheiten hat sich zu keiner Zeit um einen Posten als Statthalter einer neuen Ideologie beworben. Ihr politisches Programm bestand und besteht in der Infragestellung der gängigen Definitionen von Sexualität und Moral, die zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen, sowie dem Bestreben, sich in die bestehenden bürgerlichen Strukturen zu integrieren.

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Mottenkiste homofeindlicher Argumente

"Selbst vor Kindern und Schulen machen die schwulen Pressure-Groups nicht halt", warnt Gut, entsetzt durch die Versuche, der Homophobie bereits im staatlichen Erziehungswesen durch Vermittlung von Werten wie Toleranz und Akzeptanz entgegenzutreten. Dieses Argument ist besonders hässlich, wird doch damit subtil das Ressentiment durch das Bild des schmierigen Kindesverführers geschürt.

Was treibt Gut dazu, derart tief in die Mottenkiste homofeindlicher Argumente zu greifen? Ein belesener Mensch, der Geschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich studiert hat. Und der 2008 die preisgekrönte Studie "Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur" veröffentlichte. Thomas Mann? Huch!? Also, Herr Gut, wir wollen natürlich hier an keiner Stelle irgendetwas andeuten noch behaupten. Und wo kämen wir denn da hin, wenn wir Weltverschwörer jetzt auch noch jedem eventuellen Heterosexuellen verbieten würden, sich mit dem homosexuellen Schriftsteller Thomas Mann zu beschäftigen. Nur, betrachtet man – rein theoretisch – Ihren Debattenbeitrag vom "anderen Ufer" aus, passt es. Denn die größte Sorge einer Schrankschwuppe ist die Sichtbarkeit ihrer offen lebenden potentiellen Bettgenossen.

Im Schrank mit offenem Hosenladen

Schrankschwule argumentieren gern wie folgt: "Nach der erfolgreichen Emanzipation dürfte man eigentlich erwarten, dass die Homosexuellenbewegung etwas lockerer wird und die penetrante Sichtbarkeit zurückstellt. Schwulsein wäre dann einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskreter behandelt würde. Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum." Das sind Ihre Worte, Herr Gut. Schwule zurück in den Schrank, der ist ja jetzt so schön gepolstert?

Es interessiert uns eigentlich nicht, welchen sexuellen Praktiken Sie nachgehen und warum. Auch wenn Sie es nicht glauben: wir sind schließlich tolerant. Doch eines geht nicht: Predigten wie die Ihre. Bitte ersetzten sie einmal probeweise die Wörter Schwule, Homosexuelle, Lesben jeweils durch Juden, Schwarze, Frauen, oder – wenn sie es in einer lustigen Version haben möchten – durch Karnevalist. Vielleicht wird der von ihnen verzapfte Unsinn dann auch für Sie deutlich. Queer.de verleiht Ihnen auf jeden Fall – natürlich nur zum Zwecke der Vervollständigung unserer schon bald kommenden Weltherrschaft – die Homogurke. Wir erwarten die Entgegennahme mit "offenem Hosenladen".

Links zum Thema:
» Der Debattenbeitrag auf welt.de
» Der Ursprungsbeitrag auf weltwoche.ch
» Gegenbeitrag des schwulen Autors Philipp Tingler eine Woche später in der "Weltwoche"
» Kontaktmöglichkeit zum Autoren
» Kritik am "Welt"-Text von Stefan Niggemeier
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Tags: homogurke, philipp gut, medien, homophobie
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Reaktionen zu "Homo-Gurke für Philipp Gut"


 54 User-Kommentare
« zurück  123456  vor »

Die ersten:   
#1
19.10.2009
11:31:17


(+8, 10 Votes)

Von Christine


Ich beglückwünsche Herrn Doktor Philipp Gut von ganzem Herzen für die Verleihung der Homogurke an ihn!
Das hat dieser Mann sich redlich verdient!
Die "Welt"-Redaktion, die den außerordentlichen Beitrag Doktor Guts veröffentlichte und dann leider die Leserkommentarfunktion abschaltete, sollte aber auch noch mit einen Extra-Cornichon gewürdigt werden.


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#2
19.10.2009
11:52:24


(+7, 11 Votes)

Von Good ol friend


Ja, es ist schon bezeichnend, wie stolze Mitglieder der konstruierten, zwangsverordneten "Mehrheit" die Nerven verlieren, sobald ihr geistiges Mittelalter durch unangepasste, selbstbestimmte, emanzipierte und selbstbewusste Menschen auch nur ansatzweise in Frage gestellt wird. Das sagt viel über die tiefsitzenden Komplexe einer Gesellschaft aus, die homosexuelle Gefühle - obwohl schon in den 50ern durch Kinsey für die Mehrheit, nicht die Minderheit, der Bevölkerung empirisch belegt - vom ersten Atemzug an systematisch zu unterdrücken und jedem Menschen ihre Zwangsjacke aufzudrücken sucht.

Wer sich die manische Pornographisierung unser massenmedialen Welt ansieht, der stellt zudem fest, dass es dort wiederum nicht Vielfalt, sondern einzig und allein heterosexistische Einfalt ist, die den Ton angibt. Die Schwulenfeinde müssten also eigentlich sehr zufrieden sein, denn bislang nehmen wir als schwule Community fast gar nicht an diesem Wettbewerb der Lebensstile teil. Daran sollte sich in der Tat mal etwas ändern, denn schließlich muss gelten: Gleiches Recht für Alle!

Natürlich sagen solche volksverhetzenden, letztlich zu Gewalt und Diskriminierung anstachelnden Pamphlete auch sehr viel über die - wie uns die Geschichte lehrt - existenziellen Gefahren für faktische und gemachte Minderheiten in Zeiten der kapitalistischen Krise aus. Es ist ein Skandal, dass Teile der Presse solchen Hasspredigten auch noch eine Plattform bieten, denn Personen, die sich mit ihrem Gedankengut eindeutig gegen die Grundwerte der Freiheit und der pluralistischen Demokratie stellen, können nicht ihrerseits für ihre hetzerischen Aktivitäten demokratische "Meinungsfreiheit" für sich beanspruchen.

So sind es dann mal "die Homos", mal "die Schwarzen" (siehe u.a.
Link zu www.zeit.de
), immer häufiger "die Muslime", wieder mal "die Juden" oder wie immer "die Ausländer", die als Zielscheibe der Frustrationen für die soziale Krise des Kapitalismus herhalten müssen.

Eigentlich haben wir den Punkt schon lange überschritten, wo man hätte sagen müssen: "Wehret den Anfängen". Aber besser spät als nie.


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#3
19.10.2009
12:06:35


(+6, 8 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Also hier gibts mal meine volle Unterstüzung!
Da fällt einem beim Lesen des Artikels einfach nur die Kinnlade runter!
Widerliche Formulierungen und eine völlige Realtitätsverkennung!!


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#4
19.10.2009
12:15:45


(+4, 6 Votes)

Von anonymus


Klickt euch unter Google bei Philip Gut ein, dort findet ihr die Website der Weltwoche m i t Emailadresse an Philip Gut ...


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#5
19.10.2009
12:37:05


(+5, 9 Votes)
 
#6
19.10.2009
13:01:19


(+8, 10 Votes)

Von CarstenFfm
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Soso, er fürchtet die "Penetrierung des öffentlichen Lebens mit der Homosexualität "

Naja, wer laut quietscht, will nur geölt werden.

Letzlich ist es die alte Leier so mancher Spießer: ich hab ja nicht gegen Schwule, aber sie sollen doch bitte im Schrank bleiben.

Die Welt hat die Homo Gurke erst recht verdient, dafür, dass sie so'n Sch*** bringt.


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#7
19.10.2009
13:11:02


(+7, 9 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013
Antwort zu Kommentar #4 von anonymus


Danke für den Hinweis . Man sollte dem
Mann das nicht durchgehen lassen und ihn mit
Mails "bombardieren" (auch wenn das evtl. seine
Homophobie und Paranoia weiter steigert - that's
life).
Leider zeigt sich mal wieder, dass in Krisenzeiten
geistige Brandstifter der Versuchung nicht wider-
stehen können, ausgewählte Gruppen der Gesell-
schaft mit Dreck zu bewerfen und zum Abschuss
freizugeben (die Schlimmsten sind die mit intel-
lektuellem Anstrich). Da hilft nur "zurückbrodern"
(auch wenn ich mit Broder wahrlich nicht immer
übereinstimme) und nicht die Rolle des Opfers
besetzen, sondern selbstbewusst und scharfzüngig
für die eigenen (Menschen-)Rechte eintreten.

P.S. Dass Sarrazin eine breite gesellschaftliche
Debatte auslöst, der Journalist mit dem irre-
führenden Familiennamen nicht, sollte zu den-
ken geben.


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#8
19.10.2009
13:16:54


(+9, 11 Votes)

Von schwulenaktivist
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Mann lese meinen Text über das "hetero-like" Sein. Zur Erinnerung: Den sogenannten "Gastarbeitern" ging es mal ähnlich. Sie sollten nützlich sein, aber nicht auffallen und bald wieder nachhause reisen. Schwule sind aber schon zuhause...
Ausserdem: Wieso sollen Nur Heteros Carneval, Kirchweih, Weihnachtsmärkte etc. haben dürfen?

Link zu www.arcados.com


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#9
19.10.2009
14:06:45


(-1, 13 Votes)

Von Timm


Auch ich gratuliere Herrn Philipp Gut aus tiefstem Herzen zur Verleihung der Homogurke.

Der Artikel von Philipp Gut, der bei der rechtskonservativen, schweizerischen "Weltwoche" tätig ist, ist eine bodenlose Frechheit. Das es die deutsche Zeitung "Welt" gewagt hat, diesen Artikel auch noch auf ihrer Webseite zu veröffentlichen, ist ebenso schlimm.

Solange die Ehe nicht in Deutschland, Schweiz oder Österreich für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet ist, wie dies in Ländern wie Spanien, Schweden, Norwegen, Belgien oder die Niederlande der Fall ist, ist es zwingend erforderlich, dass homosexuelle Menschen mit allen Kräften die Ihnen zur Verfügung stehen, hier weiter politisch und gesellschaftlich aktiv bleiben und diese Forderung auf CSDs und anderen homopolitischen Forderungen vorantreiben.

Herr Philipp Gut scheint sich in der Schweiz wohl immer noch innerlich sehr zu ärgern, dass die rechtskonservative Partei SVP das Volksreferendum zum Partnerschaftsgesetz vor einigen Jahren verloren hat. Mich hingegen freut es sehr, dass die SVP in der Schweiz bei diesem Thema im Referendum mit wehenden Fahnen untergegangen ist und von der schweizerischen Bevölkerung abgestraft wurde.

Wenn Herr Philipp Gut meint, dass Homosexualität zur Religion werden würde, so vergißt er hierbei, das man/frau sich seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen kann, wie dies bei der Religion der Fall ist und er vergißt wie massiv homosexuelle Menschen nicht nur bei der staatlichen Anerkennung der homosexuellen Partnerschaft in Europa diskriminiert werden, sondern dass weltweit homosexuelle Menschen in über 70 Drittweltstaaten mit Haft- und in einigen Ländern sogar mit Todesstrafe bedroht sind.

STOP kann man da bei einem solchen miesen Artikel von Philipp Gut rufen. Herr Philipp Gut hat sich die Homo-Gurke reichlich verdient.


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#10
19.10.2009
14:11:33


(-22, 22 Votes)

Von BWT


na ja so unrecht hat er wohl nicht, auch wenn der ganze artikel etwas übertrieben ist.


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