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Der katholische Bischof plädierte im Mainzer Presseclub für Rücksichtnahme und gegen Provokationen.

Von Jürgen Friedenberg

Homosexuelle sollten nach Ansicht des Mainzer Bischofs, Karl Kardinal Lehmann, so leben, wie sie sind, das sei "nichts Negatives". Doch sollten sie "nicht auf der Straße für die Homosexualität werben". Wie der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Presseclub Mainz weiter sagte, gebe es zur Homosexualität in der Kirche keine einheitliche Meinung. Allerdings würde er Homosexuellen davon abraten, einen geistlichen Beruf zu ergreifen. Er selber befürworte gegenseitige Rücksichtnahme unter Verzicht auf provozierende Aktionen.

Kirchlich umstritten seien auch Forderungen nach einer Abschaffung des Zölibats. Für diesen Fall befürchtet der Kardinal sogar eine Kirchenspaltung. Ob der Zölibat sich freilich auf Dauer durchhalten lasse, sei fraglich. Immerhin seien die Priester in den christlichen Kirchen des Ostens durchweg verheiratet, lediglich ihre Bischöfe lebten im Zölibat. Größere Bedeutung als die Verpflichtung zur Ehelosigkeit habe für den einzelnen jedoch die Frage, ob er wirklich sein ganzes Leben dem Gottesdienst weihen wolle.

Karl Kardinal Lehmann (73) hatte, bevor er 1983 zum Mainzer Bischof berufen wurde, sich bereits wissenschaftlich hervorgetan. Er ist Doktor der Theologie und der Philosophie, Inhaber mehrerer Ehrendoktortitel und Professor für Dogmatik in Mainz. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Kardinal gilt als Repräsentant einer den Menschen stärker zugewandten Kirche. Sein Wort hat Gewicht. Er engagiert sich für die Einheit der Christen und sucht den Dialog auch mit anderen Religionen. Zeitweise lag er mit Rom über Inhalt und Umfang der kirchlichen Schwangerschaftsberatung im Clinch.

Auf dem Katholikentag 1998 in Mainz duldete Lehmann trotz des Protests konservativer Kirchenfürsten die informatorischen Aktivitäten schwuler und lesbischer Gruppierungen. Gleichzeitig sprach er sich jedoch damals gegen die gesetzliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften aus, da sie nach seiner Auffassung den grundgesetzlichen Schutz der Ehe aushöhlten.

Im vergangenen Jahr hatte der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Lehmann wegen des Berufsverbots der Katholischen Kirche für offen Homosexuelle als "Großmeister der Diskriminierung" bezeichnet.



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.

41 Kommentare

#1 Mister_Jackpot
  • 20.10.2009, 14:29h
  • Also wenn Homosexualität "nichts negatives" ist, wieso soll man sie dann in der Öffentlichkeit verstecken? Wieder so ein Wiederspruch! Es zeigt sich wieder, dass auch Herr Lehmann nicht verstanden hat, dass es hier nicht um "Werbung für Sexualität" geht, sondern einfach darum, dass auch ein schwuler Mann seinem Partner Zuneigung zeigen will und zwar auch öffentlich auf der Strasse. So machens Heteros ja nunmal auch. Und damit meine ich keinen Sex öffentlich, sondern einfaches kuscheln oder küssen! Mich würde mal seine Antwort genau auf dieses zentrale Gefühl auch homosexueller Menschen interessieren. Ich denke im Hintergrund steht hier am Ende immer noch der Standpunkt Homosexualität sei eine "Entscheidung"...und genau diese Auffassung ist es, die einen Dialog zwischen Kirche (auch den gemässigteren kirchlichen Kräften) und Schwulen unmöglich macht!
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#2 Kard. HagmanAnonym
#3 LorenProfil
  • 20.10.2009, 14:56hGreifswald
  • "nicht auf der Straße für die Homosexualität
    werben"

    Mensch Karl, jetzt warst du so nah dran und dann
    doch wieder so weit daneben. Nicht "für die Homo-
    sexualität werben", sondern "für gleiche Rechte
    demonstrieren". Noch'n bisschen üben, vielleicht
    dann beim nächsten Mal, Karl.
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#4 norbertcdnkathEhemaliges Profil
  • 20.10.2009, 15:59h
  • Antwort auf #3 von Loren
  • Na Loren da geb ich dir recht, der Lehmann war ja schon sehr nahe , aber da schwingt dann wieder so ein bischen angst oder so ähnlich mit.

    Er ist ja keine schlechter Mensch, aber diese Äußerung hat sogar mich überrascht. Ich finds gut, wonach es noch nicht der Weisheit letzter schluß ist.

    Und werben für Homosexuallität , na das war etwas Dumm ausgedrückt, aber ich denke nicht böse gemeint.

    X_Moon Dialog darf nie unmöglich sein , denn wo währen wir da, auch wenn Kirche für viele ein dunkelrotes Tuch ist.
    Und noch eins egal wie man es dreht x_moon, es wird dennoch immer jemand blöd schaun wenn sich zwei Männer küssen oder kuscheln.

    Aber da denkst du etwas kommpliziert, machs einfach und denk nett soviel nach.......... ist das denn so schwer.
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#5 TommAnonym
#6 TimmAnonym
  • 20.10.2009, 16:40h
  • @X-Moon
    Du hast vollkommen Recht. Der Denkfehler in der katholischen Kleruswelt ist, dass dort vielfach angenommen wird, dass Homosexualität eine bewusste Entscheidung sei. Und dabei sollten die Kirchen (einige insbesondere protestantische und anglikanischen Kirchen haben dies mittlerweile begriffen) mittlerweile aus den vielen Berichten homosexueller Menschen begriffen haben, dass es nunmal keine Entscheidung ist, dass man schwul/lesbisch ist.

    Die einzige Entscheidung, die ich in Bezug auf meine sexuelle Orientierung bewusst getroffen habe, ist der Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich es jeweils meinen Eltern, Geschwistern und dann Freunden erzählt habe. Schwul war ich immer, solange ich zurückdenken kann. Nur verraten habe ich es erst, als ich Student an der Universität war und meine Schulzeit hinter mir hatte.

    Niemals würde ich meinen langjährigen, geliebten Partner in der Öffentlichkeit verstecken, und ich empfinde es als Zumutung, wenn Lehmann von "nicht auf der Straße für die Homosexualität werben" spricht.

    ICH allein entscheide, wann und wo ich in der Öffentlichkeit meinen Partner küsse oder Ihn umarme. Da hat mir keine Kirche und auch sonst niemand hineinzureden. Gut dass es mittlerweile aber auch eine Reihe protestantischer, anglikanischer und altkatholischer Kirchenleitungen gibt, die eine andere offizielle Sichtweise als der Vatikan vertreten.

    Was das verkorkste Pflichtzölibat bei den Katholiken angeht, so ruiniert sich die katholische Kirchenwelt da selbst mit. Überall herrscht mittlerweile wegen des Pflichtzölibates und der Nichtzulassung von Frauen ein extremer Priestermangel und es entstehen Seelsorgeeinheiten und Priester sind in den dörflichen Kirchengemeinden nicht mehr vor Ort. Im 21. Jahrhundert wollen Studenten mit Anfang 20 nicht mehr entscheiden, dass sie ein Leben lang allein sein müssen. Und das Frauen nicht zugelassen werden, ist auch großer Quatsch; da können die Katholiken noch viel von den Protestanten, Anglikanern und Altkatholiken lernen.

    Eines dürfte auch klar sein: jetzt wo der Vatikan auch noch dazu übergeht, homosexuelle Menschen, die jahrhundertelang das Priesteramt und die Klöster bevölkert haben, aus den Klerus hinauszudrängen, wird der Priestermangel sich noch mehr verschärfen. Viele, viele homosexuelle Menschen waren früher im Kloster und wurden Priester; heutzutage kehren sie aber immer mehr dem katholischen Klerus den Rücken und gehen einen anderen Lebensweg.
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#7 VolumeProProfil
  • 20.10.2009, 16:41hMönchengladbach
  • Zumindest hat Lehmann uns mit den Worten etwas vor den radikalen Pius-Brüdern in Schutz genommen. Daher sollte man ihm dafür danken.

    Man muss auch bedenken, welcher Organisation Lehmann dient. Die Organisation Kirche ist neben NPD und Islam eine der homophobsten Organisationen bzw. Weltanschauung der Welt. Daher sind seine Worte mutig.

    Lehmann kann in der Kirche viel bewegen. Vielleicht sollte man ihn als Ansprechpartner für den gemeinsamen Dialog nehmen, denn er scheint über das ganze Thema eher sachlich zu denken.
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#8 Aramis
  • 20.10.2009, 17:30h
  • Antwort auf #1 von Mister_Jackpot
  • X_Moon schreibt am 20.10.2009, 14:29:40 Uhr:
    Also wenn Homosexualität "nichts negatives" ist, wieso soll man sie dann in der Öffentlichkeit verstecken? Wieder so ein Wiederspruch!

    Er ist nun mal katholischer Kardinal und kann sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen..

    Aber meinen Respekt für diese geradezu positive Meinung... es könnte sich in den nächsten 200 Jahren doch noch was bewegen... und da macht einer den Anfang...
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#9 Liedel
  • 20.10.2009, 17:40h
  • Nun, Lehmann gehörte innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz schon immer zu den "liberaleren" Geistern (zu denen auch Bischöfe kleinerer Bistümer wie z.B. Osnabrück oder Hildesheim gehören). Die gehen nur meist im homophoben Trommelfeuer von Meisner und Konsorten unter.

    Nett gemeinter Ratschlag mit den geistlichen Berufen, nur bleibt offen homosexuellen Priesteamtsinteressenten (und Anwärtern) ja gar nix anderes übrig. Wer will sich schon freiwillig Psychotests aussetzen und drei Jahre warten, bis er die "nötige geistige Reife" erreicht? Und falls er das nicht durchhält, sich ganz hochoffiziell als "geistig unreif" diffamieren lassen darf? Nene Lehmann, da machste es dir zu einfach!

    Und ach ja, das berühmte zur Schau stellen.
    Ich hätte mir sogar sehr gewünscht, im Vorfeld der "Venus"- Erotikmesse hier in Berlin nicht in jeder Ubahnstation, jedem Sbahnhof den Anblick der fast nackten Nadja Abd el Farrag ("Naddel") ertragen zu müssen.

    Und die Massenaufläufe von kirchlichen Würdenträgern z.B. bei Papstbesuchen sind ja letzlich nichts anderes als große Werbeveranstaltungen für die katholische Kirche, bei denen Herr Ratz Werbung für den katholischen Glauben machen darf. Ich als pöser, pöser Homo, der bei solchen Anblicken geballter Bigotterie einen ziemlichen Brechreiz bekommt, ertrage das doch auch, eben weil ich für Pluralismus, Religionsfreiheit und eine liberale Gesellschaft bin (was für mich persönlich die strikte Trennung von Staat und Kirche beinhaltet).

    Dank der pluralistischen Gesellschaft darf die Kirche diese "Werbung" betreiben, und dank dieser Gesellschaft darf auch "Naddel" auf ihre Weise "werben". Und die pösen, pösen Homos sollen mal wieder nicht "werben" dürfen? Och nöö Herr Lehmann. Hier wäre doch wirklich mal "Rücksichtnahme" und ein etwas anderes Verständnis von Pluralismus angesagt...
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#10 RabaukeAnonym
  • 20.10.2009, 19:54h
  • Nun höööört mal echt auf!!!!! Ich persönlich habe Herrn Kardinal Lehman einen Protestbrief geschrieben! Seine jetzigen Worte, lassen darauf schließen........ich habe nie Antwort bekommen von Ihm............aber, ich denke, auch die Katholische Kirche ist zur Veränderung, Annäherung bereit! Ich bin ein buddhistischer Mönch und habe vor Herrn Ratzinger, mit Johannes Paul dem Zweiten, konstruktive und sehr weltoffene Fakten, auf dem Emailweg ausgetauscht! "Relegionen müssen aufeinander zugehen! "Draufkloppen" sich beleidigt fühlen und die Nägel, mit verollten Augen in der Luft kreisen zu lassen, ist kein wahres annähern! Auch nicht von uns!
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