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Bei einem Marsch für Gleichberechtigung trafen am Samstag rund 300 Schwule und Lesben auf gewaltbereite Gegendemonstranten. Die Polizei musste eingreifen.

Von Norbert Blech

Die Demonstration, die vor allem die Forderung nach einer Einführung der Homo-Ehe zum Mittelpunkt hatte, war am Samstagnachmittag auf dem Platz der Universität von Breslau gestartet. Demonstranten trugen Banner mit Slogans wie "Breslau - Stadt der Toleranz", "Erziehung an den Schulen, nicht in den Kirchen" und "Wir wollen ein Gesetz für unsere Partnerschaften".

Bei dem Marsch durch die Innenstadt wurden gelegentlich von vermeintlichen Passanten Gegen-Banner hochgehalten, darunter "Freies Polen ohne Schwule und Lesben" oder "Blumen für Frauen, Peitschen für Lesben"; es blieb jedoch friedlich. Laut der "Gazeta Wroclaw" gingen im Verlauf des Marsches immer mehr Gegendemonstranten hinter und neben dem Zug her und skandierten: "ganz Polen lacht euch aus".

Youtube | Ausschnitt der Protestkundgebung von Youtube-Nutzer mmWroclaw

Aufeinandertreffen am Marktplatz

Als der Marsch auf den Marktplatz vorrücken wollte, trafen die Teilnehmer auf eine Gegendemonstration von rund 150 Menschen, die überwiegend aus jungen Mitgliedern der rechtsradikalen Partei NOP ("Nationale Wiedergeburt Polens") bestand, aber auch Unterstützung von Nationalisten aus Spanien und Holland fand. Teilnehmer skandierten "Wir gehören auf die Straße, ihr in die Gosse" oder einfach "Perverse!". Erste Eier flogen.

Polizisten in Krawallausrüstung stellten sich darauf zwischen die Lager und bekamen die meiste Gewalt der Gegendemonstranten ab: Geschrei, Fußtritte und Wurfgeschosse richteten sich danach vor allem gegen die Beamten. Die Polizei wehrte sich mit Schlagstöcken und später Tränengas gegen die Extremisten, zwei Personen wurden festgenommen. Im Zuge der Auseinandersetzungen löste sich der Marsch für Gleichberechtigung auf.

Direktlink | Das Geschehen am Marktplatz, aufgenommen von der "Gazeta Wroclaw"

Mehr Polizisten als Teilnehmer

Breslau ist mit rund 633.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens und Hauptstadt des Verwaltungsbezirkes Niederschlesien. Der Marsch für Gleichberechtigung war schon vor Monaten angemeldet und von der Stadtverwaltung genehmigt worden (unter Protest der "Liga der polnischen Familien"). Die Organisatoren des Marsches, der den Höhepunkt einer ganzen Woche von Veranstaltungen markieren sollte, dankten der Polizei, die rund 350 Männer und Frauen abgestellt hatte, kritisierten aber, dass auch die Gegendemonstration von der Stadtverwaltung genehmigt worden war - die leidvollen Erfahrungen aus anderen Städten hätten als Indiz für drohende Gewalt dienen können. So hatte es in den letzten Jahren bereits gewalttätigen Protest gegen Homo-Demos in Krakau und Polens Hauptstadt gegeben - in Warschau soll im nächsten Jahr der Europride stattfnden.



14 Kommentare

#1 seb1983
  • 26.10.2009, 11:25h
  • In Polen wird es ein harter Kampf 20 Jahre nach dem Kommunismus nun weitere Bürgerrechte auch für Minderheiten zu erkämpfen!
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#2 Good ol friendAnonym
#3 Lupo__Profil
  • 26.10.2009, 11:56hBielefeld
  • Verglichen mit Warschau 2004 und 2005 kann man immerhin feststellen, daß der LGBT Marsch genehmigt und auch von der Polizei geschützt wurde, ohne daß man hierfür vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen mußte. Ich hoffe, daß man die Vorfälle in Breslau zum Anlaß nimmt, Marsch und Gegendemo in Zukunft nicht für den selben Tag zu genehmigen.

    Kommt zum Europride am 17. Juli 2010 nach Warschau!
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#4 goddamn. liberalAnonym
  • 26.10.2009, 12:12h
  • "In Polen wird es ein harter Kampf 20 Jahre nach dem Kommunismus nun weitere Bürgerrechte auch für Minderheiten zu erkämpfen!"

    Als alter Antikommunist kann ich nur sagen: in Polen herrscht seit Menschengedenken eine andere Ideologie, die mit 'K' anfängt. Und zwar in allen Lebensbereichen, von Oben bis Unten, von 'Links' bis Rechts. Es gab vor '89 höchstens ein paar Opportunisten und rotlackierte Katholen, die für den Kreml den Laden einigermaßen unter Kontrolle hielten. Die Gegendmonstranten v. Breslau stehen z. B. in der Tradition des poln. Klerikalfaschismus von Roman Dmowski (1864-1939) und waren in Gestalt der 'Liga der poln. Familien' auch schon mal an der Regierung beteiligt. Das ist jenseits der Oder eine eigene, durchaus intellektualisierte Denkschule ....

    (Diesseits der Oder kann sich sowas natürlich auch schnell entwickeln)

    Es lebe das 'Neue Europa'!
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#5 Lupo__Profil
#6 LorenProfil
  • 26.10.2009, 14:08hGreifswald
  • Ich habe vor kurzem die Doku "Rainbow's End"
    über die Situation der Lesben und Schwulen in
    Polen (und nicht nur dort) gesehen. Löste Trau-
    rigkeit und Wut gleichermaßen aus. Bis zur
    Gleichstellung wirds wohl noch lange dauern,
    vor allem aus solidarischer Perspektive, mal über
    den eigenen Tellerrand hinausgesehen. Unser
    designierter schwuler Außenminister fabuliert
    ja in den letzten Tagen von seiner "mutigen Poli-
    tik". Ich zolle den mutigen 300 in Breslau die An-
    erkennung, die sich Herr Westerwelle in seinem
    zukünftigen Amt erst noch erarbeiten muss.
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#7 LeonidasAnonym
  • 26.10.2009, 15:44h
  • Man muss auch bedenken das die anti-schwulen Reaktionen überwiegend auf die Errungenschaften des real existierenden Sozialismus zurück zuführen sind. Damals wurde das traditionelle Familienbild durch ein pseudomodernes zwangskonstruiertes Sozialismusgefüge der selbsternannten kommunistischen "Mehrheit" ersetzt, welches zur Ablehnung der Bevölkerung führte die jetzt ihr Blühten trägt. Das Beste für Schwule ist immer noch eine liberale Demokratie in der die freie Marktwirtschaft und Menschenrechte beschützt werden. Totalitäre Systeme links und rechts können weder Schwulen noch Heten gut tuen
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#8 JoonasAnonym
  • 26.10.2009, 15:52h
  • Dieses Land wurde viel zu früh in die EU aufgenommen. Erst hätte sich da einiges ändern müssen, wozu es jetzt keinen Anlass mehr gibt...

    Und den gleichen Fehler will die EU wieder und wieder machen...
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#9 TimmAnonym
  • 26.10.2009, 16:14h
  • In Polen kann man sehen, was es bedeutet, wenn Kommunismus auf der einen Seite und die Katholische Kirche auf der anderen Seite an einer Gesellschaft nagen. Beide Richtungen führen zur Bevormundung durch eine kleine Gruppe über die Gesellschaft.

    Es ist sehr bezeichnend, dass die homopolitische Lage in Skandinavien, wo lutherische basisdemokratisch aufgebaute Kirchen wirkten und es keinen Kommunismus gab, viel besser heutzutage ausschaut als in Polen.
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#10 alexander
  • 26.10.2009, 16:19h
  • diese krasse öffentliche ablehnung trauen sich die nationalisten erst in den letzten jahren an den tag zu legen, seit dem "wiedererwachen" der katholischen kirche und deren machtzuwachs und einflussnahme !
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