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Bei der Operngala in Berlin rückten die Ereignisse um die Verhaftung und das Outing der HIV-positiven No Angels-Sängerin Nadja Benaissa in den Fokus.

Von Carsten Weidemann

Am 7. November hieß es zum 16. Mal: Vorhang auf für die Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung in der Deutschen Oper in Berlin. Es wurde eine der bewegendsten Veranstaltungen durch den Auftritt und die Rede der HIV-positiven Sängerin Nadja Benaissa vor 2.000 Gästen.

Beim Start vor 15 Jahren wäre die Veranstaltung beinahe abgesagt worden. Zu wenige Gäste hatten sich angemeldet, denn Aids war damals ein weitaus größeres Tabu als heute. Inzwischen hat sich die Aids-Gala zu einem der großen Ereignisse im Berliner Veranstaltungskalender entwickelt. Traditionell zeigen zahlreiche Besucher, unter ihnen viele Vertreter aus Politik, Sport und den Medien, sowie die Künstler ihre Solidarität mit den Betroffenen.

Künstler und Programm waren am vergangenen Wochenende wie immer exzellent und rund 250.000 Euro an gesammelten Spendengeldern am Ende des Abends sind beeindruckend. Den emotionalsten und alle sehr bewegenden Auftritt hatte jedoch Nadja Benaissa, die eine zu Tränen rührende Rede über ihre HIV-Infektion und die Erlebnisse der vergangenen Monate hielt. Die No-Angels-Sängerin war im April verhaftet worden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft warf ihr Körperverletzung durch ungeschützten Sex vor und hatte per Pressemitteilung die HIV-Infektion der Künstlerin publik gemacht.

Das Mitglied der Popgruppe No Angels sah sich nach ihrer Verhaftung, wie sie erklärte, als gefallener Engel: "Ich war so hilflos, so desillusioniert, hatte kaum Kraft weiterzuleben. Das Schlimmste: Ich dachte nicht nur, mein Leben sei zerstört, auch das meiner neunjährigen, nicht HIV-infizierten Tochter. Auf dem Schulhof kämpfte sie täglich gegen Beschimpfungen, Ausgrenzung." Das sei jedoch nicht die Grausamkeit der Kinder, sondern ein Hinweis darauf, dass die Aids-Aufklärung in Deutschland noch nicht optimal funktioniere. Das mache ihr Angst.

Dann spricht sie offen über die Schuldfrage, über die bei Aids immer geredet werde: "Menschen, die infiziert sind, werden in zwei Kategorien eingeteilt: Opfer und Täter. Allerdings, wenn man infiziert ist, ist dies wiederum nebensächlich. Ich war elf Tage im Gefängnis, aber war schon viel länger eine Gefangene meines eigenen Schweigens. Der Druck, meine Infizierung geheim zu halten, war immens. Es gab Erpressungen, Drohungen, der Psychoterror nahm einfach kein Ende."



Nachdenken über Nadja B.

Die Bundestagsabgeordnete Barbara Höll (Die Linke) befürchtet, dass die Verurteilung von Nadja Benaissa negative Folgen für die HIV-Prävention haben könnte.
Bewährungsstrafe für Benaissa

Das Amtsgericht Darmstadt hat die "No Angels"-Sängerin zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie einen Mann bei ungeschütztem Sex mit dem HI-Virus angesteckt hat.
Aids-Hilfe fordert Freispruch für Benaissa

Kurz vor der Urteilsverkündung hat die Deutsche Aids-Hilfe bekräftigt, dass Nadja Benaissa keine Bestrafung verdient hat.
#1 PattiProfil
  • 10.11.2009, 09:35h Köln

  • dazu kann ich nur sagen: Respekt!
    es war ein beeindruckender, wichtiger und bewegender Auftritt!
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#2 Mister_Jackpot
  • 10.11.2009, 13:50h
  • Tja sie hat wirklich einen bewegenden Auftritt hingelegt, der ehrlich rüberkam und sie hat dabei schön den psychischen Druck dargestellt unter dem ein HIV positiver (neben seiner Krankheit) auch noch ständig steht...zumal sie ja auch noch in der Öffentlichkeit steht. Und ich kanns nur wiederholen: Man muss sich schützen und diese Verantwortung nie nur dem anderen überlassen. Wenn man sich infiziert und dann später sagt der oder die andere hätte einem ja nix gesagt: dann muss ich sagen.....selbst Schuld! Ich finds immer noch unglaublich, dass HIV positive aufgrund ihrer Infektion immer noch vor Gerichte geschleppt werden und mediengeile Staatsanwaltschaften auch noch zulassen, dass das dann auch noch in heruntergekommenen Boulevardzeitungen publiziert wird. Das zeigt die Aufklärung in unserer Gesellschaft...anders ausgedrückt: die Aufklärung, die faktisch überhaupt nicht vorhanden ist! Sehr traurig und ich dachte wir seien weiter.....
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