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Der US-Sender Comedy Central hat es abgelehnt, sich für die neueste South-Park-Folge zu entschuldigen, wie es von einer Homo-Gruppe gefordert wurde.

Comedy Central hat in einer kurzen Pressemitteilung auf die Beschuldigiung der Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD) reagiert, die eine Entschuldigung für die in der letzten Woche ausgestrahlte 193. Episode der Zeichentrickserie gefordert hat. Darin geht es um das Wort "Faggot" (Schwuchtel), das in der 22-minütigen Show mehrmals ohne Piepston gesagt wird. Am Ende der Sendung wird die Definition des Ausdrucks geändert – aus dem Schimpfwort für Schwule ist ein Schimpfwort für Harley-Fahrer geworden (queer.de berichtete).

"’South Park’ ist berühmt dafür, kontroverse Themen auf eine umsichtige, aber sehr lustige Art zu behandeln", erklärte der Sender. "Diese spezielle Folge wurde von der schwul-lesbischen Community sowohl gelobt als auch kritisiert. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf wollen wir die Folge für sich selbst sprechen lassen."

Die GLAAD hatte kritisiert, dass "Faggot" als Schimpfwort für Schwule gebraucht werden und durch die Sendung hoffähig gemacht werden könne. Gerade auf Schulhöfen würden schwule Jugendliche immer wieder mit diesem Wort gehänselt und in einigen Fällen sogar in den Selbstmord getrieben.

"Faggot" längst kein Schimpfwort für Schwule mehr?

Andere Homo-Aktivisten verteidigten in Blogs die "South Park"-Folge, da sie dem Wort "Faggot" den Schrecken nehme. So assoziierten Schüler damit längst nicht mehr Homosexualität. Auch andere Wörter hätten ihre Bedeutung in letzter Zeit geändert. So sei "queer" vor wenigen Jahrzehnten noch ein Schimpfwort gewesen; heute werde aus auch von Schwulen, Lesben und anderen Minderheiten als positive Eigenbezeichnung gebraucht. Blogger Brian schreibt: "Das ist bloß ein anderes F-Wort. Es bedeutet, was wir sagen, das es bedeutet soll. Ich denke, dass Humor dem Wort die Hässlichkeit nimmt."

Außerdem ist die Bedeutung des Wortes ohnehin nur regional. So sind "Faggots" in England entweder traditionell hergestellte Fleischbällchen oder Bündel von Holz. Die abgekürzte Version "Fag" bedeutet im britischen Englisch umgangssprachlich "Zigarette". Dennoch gab es 2007 auch auf der Insel einen Streit um ein populäres Weihnachtslied, in dem "Faggot" als Schimpfwort vorkam. Die BBC zensierte daraufhin das Lied im Radio mit einem Piepser, revidierte aber später diese Entscheidung wieder (queer.de berichtete).

Galerie:
South Park - The F Word
8 Bilder


#1 XDAAnonym
  • 09.11.2009, 23:42h
  • South Park darf das. Schließlich wird hier auch mit anderen Minderheiten (z.B. Juden) spaßig umgegangen. Also ich find das nicht schlimm ... manche regen sich aber auch über alles auf.
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#2 TimmAnonym
  • 10.11.2009, 09:25h
  • Schwieriges Thema...natürlich ist South Park als Sendung dafür bekannt politisch oftmals inkorrekt zu sein. Und natürlich ist South Park insgesamt eine helfende Sendung im Sinne der Sexualaufklärung und einer freien Gesellschaft.

    Aber wo sind die Grenzen des politisch Inkorrekten, ohne das es wieder schädlich für die Gesellschaft wird.

    Bestes Beispiels ist hierzu der deutsche Moderator Oliver Pocher, der auch oftmals bewußt politisch inkorrekt ist und damit in den Medien aneckt. Dies führte soweit, das er mit Mark Medlock bei der Preisverleihung für Mark "zusammengerasselt" ist, und es dort zwischen Medlock und Pocher einen verbalen Schlagabtausch gab. Medlock hatten die ständigen inkorrekten politischen Sprüche zu homosexuellen Menschen gestört und wenn man sich diese mediale Wirkung dann wieder bei Medlock vergegenwärtigt, so hat Pocher anscheinend in seiner Außenwirkung bei diesem Thema überzogen.

    Es ist schwierig abzugrenzen, wann politische Inkorrektheit einer Sendung/einer Person noch hilfreich ist und ab wann es umschlägt und es eher in der Gesellschaft schadet.
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#3 stromboliProfil
  • 10.11.2009, 09:37hberlin
  • Antwort auf #2 von Timm
  • ja , wo liegt die grenze des ertäglichen..
    neulich nachmittags meinen hund spazierenführend, kam ich an einem bolzplatz vorbei, auf dem 7-8 jungens um die 11-13 jahre rum kickten: während der verteidiger einem gegnerischem stürmer den ball weg schlenzte und elegant im bogen aufs gegenerische tor zutrippelte, kommentierte der kleinste auf den spielfeld ( der torwart!) wie folgt: "lauf schlampe, lauf"! Das trocken , ohne aggression, nur sich seines wortwitzes bewusst.
    Ich muß zugeben: ich war sprachlos!
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#4 Good ol friendAnonym
  • 10.11.2009, 12:28h
  • Antwort auf #3 von stromboli
  • Ja, @stromboli,

    man sollte sich häufiger in der Nähe von Jugendlichen aufhalten. Mal abgesehen davon, dass einen das jung hält , befördert es leider auch erschreckende Befunde/Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung zu Tage.

    Insbesondere die immer aggressivere Zwangssexualisierung, die stets nur in eine Richtung geht, hinterlässt ihre unübersehbaren Spuren. Und sie sorgt schon bei Kindern und Frühpubertierenden für alles andere als Freiheit und Offenheit und Respekt (vor allem auch vor sich selbst und seiner eigenen Individualität und dem eigenen "Anderssein").

    Was will man erwarten angesichts einer Jugend- und Pop-"Kultur", die aus kommerziellen Interessen und dank der offensichtlichen Beschränktheit ihrer Akteure eben die von dir zitierte Sprache - "schwul" und "Schwuchtel" stehen da als Schimpfworte ganz oben auf der Liste - der betreffenden Altersgruppe als "cool" und insbesondere als notwendigen Ausdruck von "Männlichkeit" einhämmert. Ebenso wie natürlich die Aufpasserin, ähm, Freundin, ohne die man sich schon mit 14 nicht mehr aus dem Haus wagen kann, wenn man so richtig "playa"- und "checka"-mäßig herüberkommen will. (Wie war das doch gleich mit der "absurden Logik". Das könnte übrigens ein Ansatz für uns sein!)

    Unsere Community hat zu lange die Augen vor der Realität verschlossen, dass gerade junge Männer de facto so unfrei sind wie selten zuvor, sich sexuell ohne massiven Druck ihres sozialen Umfeldes auszuprobieren, zu entdecken und dann selbstbewusst ihre eigene Identität zu finden und zu leben. Es wird daher eine unserer zentralen Herausforderungen sein, neue Freiräume zur Unterstützung bzw. überhaupt erst einmal zur Aufklärung und Sichtbarmachung von Vielfalt für diese Altersgruppe zu schaffen.

    Dies angeblich dadurch erreichen zu wollen, dass man sich über Beleidigungen und Verletzungen gegenüber schwulen Jungs und Männern in Fernsehsendungen lustig macht und das dann als progressive "Satire" hinstellt, halte ich dabei für einen sehr verfehlten und gerade in der Wirkung auf junge Menschen verheerenden Ansatz! Und wenn unser Verstand schon so vernebelt ist, dass wir solche zynischen Spielchen den Verantwortlichen durchgehen lassen, brauchen wir uns über die oben beschriebene Entwicklung nicht zu wundern!

    Es ist ganz und gar NICHT lustig, wenn schwule Jugendliche in jedem zweiten Satz "schwul" oder "Schwuchtel" als Beleidigung über sich ergehen lassen müssen, sondern es ist eine unerträgliche psychische Gewalt, die krank macht! Und genau diese Alters- und "Zielgruppe", eben die verletzlichste und verwundbarste, ist es, die wir bei unseren Bewertungen immer im Blick haben müssen!
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#5 maciicxProfil
  • 10.11.2009, 12:44hpnkw
  • Antwort auf #1 von XDA
  • um es mit dem ollen tucholsky zu sagen: "was darf satire? alles."
    ich finde, man kann south park als satire ansehen. es ist derbe zwar und vulgär, aber von erfrischender respektlosigkeit und der humor ist nicht dumm.
    zumal hier ja nicht mit schwulen "spaßig" umgeht. okay, möglicherweise doch, aber nur am rande mit dem wandelnden, von den machern der serie aber scheinbar sehr liebevoll behandelten, klischee big gay al.

    man verarscht hier die biker. und reflektiert über sprache.

    (würde der zentralrat der juden so humor- und verstandlos agieren wie glaad in diesem fall, hach, es gäbe south park wohl nicht mehr im fernsehen.)
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#6 REMchenAnonym
  • 11.11.2009, 11:33h
  • Schwule haben genauso ein Recht, verarscht zu werden wie alle anderen auch. Ich kann zwar verstehen, dass es hier aus der Community Bedenken gibt. Aber mit dem Verweis auf mögliche Diskriminierungsfolgen für die betroffenen Minderheit müsste man Serien wie South Park generell sofort verbieten. Immerhin thematisiert South Park, dass es diese Beschimpfungen gibt. Welche andere Unterhaltungsserie macht das schon... Natürlich gibt es keinen Freibrief. Aber wer South Park kennt, der weiß, dass da alles und jeder gnadenlos und sehr böse verarscht wird. Aus Gründen der Political Correctness eine bestimmte Gruppe da rauszunehmen, wäre eine Art "positive Diskriminierung", nämlich wiederum eine Sonderbehandlung. Das Problem wäre weiterhin da, wird aber totgeschwiegen. Das kann es dann irgendwie auch nicht sein.
    Hier in Hannover gibts übrigens einen (nichtkommerziellen) schwullesbischen Laden namens "Schwule Sau" (www.schwulesauhannover.de) Die jahrelangen Diskussionen um diesen Namen erinnern mich ein bisschen an die Debatte hier :-)
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