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  • 11. November 2009, noch kein Kommentar

Der Welt-Aids-Tag naht. Das merkt man unter anderem an kugelrunden Straßenaktionen und einer knallroten Straßenbahn.

Von Christian Scheuß

Schon mal einem Menschen in der Fußgängerzone begegnet, der sich in einer durchsichtigen Plastikkugel befindet und darin herumläuft? Ja, tatsächlich? Und woran denkt man da so als erstes, wenn man so einem Menschen begegnet? Vielleicht: "Aus welchem Zirkus ist der denn entlaufen?", oder "Die machen jetzt aber komische Werbung für Ferrero-Rocher". Eventuell auch einfach nur "Der hat einen an der Murmel" oder "Hey, ich wollte mir doch noch den Disney-Film Bolt auf DVD kaufen". Alles falsch. Der, der da in dieser Kugel herumspaziert, das ist ein HIV-Positiver, und der ist voll isoliert gegenüber seinen HIV-negativen Mitmenschen. Allerdings nicht, weil die Umgebung vor ihm wegen einer befürchteten Übertragung besonders geschützt werden muss. Es ist vielmehr die alltägliche Isolierung durch Diskriminierung und Stigmatisierung gemeint.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) greift mit ihrer Anfang November in Köln gestarteten Roadshow "Der Mensch in der Kugel" zu einem sehr plakativen Instrumentarium, das in den kommenden Wochen diversen Städten für Aufmerksamkeit sorgen wird. Damit die zuvor beschriebenen Missverständnisse nicht entstehen und dann auch noch die um die Ecke gedachte Botschaft bei den Passanten ankommt, wird der Kugelwanderer von einem Infoteam begleitet, dass ganz klassisch gedruckte Infos verteilt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche Aids-Stiftung tragen die Idee der Roadshow mit, vor allem, da die eigentliche Botschaft dahinter richtig und wichtig ist. Trotz allen Wissen über mögliche Übertragungswege und obwohl bekannt ist, dass die HIV-Infektion keine akute tödliche Bedrohung mehr ist, leben die Ängste vor den Infizierten und die daraus resultierenden Diskriminierungen und Stigmatisierungen weiter. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sagte gegenüber der Presse bei der Auftaktveranstaltung in Köln: "Mit unserer neuen Aktion wollen wir die Vorurteile bekämpfen, mit denen HIV/Aids-Betroffene auch in Deutschland konfrontiert werden und uns dafür einsetzen, dass Menschen mit HIV/Aids offen und selbstbewusst leben können."

Ein Slogan früherer Kampagnen, der dazu aufforderte Aids ein Gesicht zu geben, er wird recht abstrakt mit der Kugel-Roadshow umgesetzt. Oder aber ganz hautnah und konkret, wie derzeit in Braunschweig. "Aids braucht positive Gesichter" startete dort Anfang November. Acht Frauen und Männer aus der Region hatten den Mut, sich im öffentlichen Raum zu ihrer HIV-Infektion zu bekennen: Noch bis bis zum 27. Februar 2010 sind ihre Gesichter und ihre Vornamen auf einer knallroten Straßenbahn der Braunschweiger Verkehrs AG zu sehen. Die Selbsthilfegruppe der Braunschweiger AIDS-Hilfe, aus der die Testimonials stammen, die nun auf den vergoldeten Fenstern der Bahn zu sehen sind, will eine sehr selbstbewusste Botschaft vermitteln: "Das Leben mit Aids hat genauso viel Wert wie das Leben ohne Aids."

"Der Mensch in der Kugel", die nächsten Termine: Hamburg (13.11.), Schwerin (14.11), Leipzig (20.11.), München (21.11.) und Berlin (1.12.)