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Nach dem Freitod von Robert Enke will DFB-Präsident Theo Zwanziger das Klima im Fußball weiter verändern. St.-Pauli-Präsident Corny Littmann glaubt nicht an Erfolge.

Von Norbert Blech

Nach dem Freitod von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke will DFB-Präsident Theo Zwanziger vermeintliche Tabus aufbrechen. Wenn man Enke gerecht werden wolle, "müssen wir dazu kommen, dass im Fußball jeder ohne Angst leben kann. Mit seinen Stärken, Schwächen und Neigungen", sagte Zwanziger gegenüber "Bild". Es dürfe nur noch ein Tabu geben: die Würde des Menschen.

Enke hatte sich am Dienstag im Alter von 32 Jahren das Leben genommen, er litt unter Depressionen. "Wir haben durch die bewegenden Aussagen von Robert Enkes Frau Teresa gehört, wie er seine Krankheit verborgen hat", sagte Zwanziger der Zeitung. "Weshalb hatte er eine solche Angst vor der Öffentlichkeit? Weil er fürchtete, dass sonst seine Karriere im Fußball, den er so liebte, vorbei sei. Unter einem ähnlichen Druck stehen beispielsweise auch homosexuelle Fußballer."

Man müsse über viele Ansätze reden, um Spielern die Angst vor einem Outing oder Coming-out zu nehmen. "Ein Gremium mit absolut vertrauenswürdigen Personen könnte dazugehören. Wichtiger ist, dass das oftmals lächerlich martialische Denken aufhört nach dem Motto: Ich darf keine Schwächen zeigen, ich muss der Stärkste sein."

Littmann: Tabus bleiben

Der offen schwule Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann, glaubt hingegen nicht, dass der Tod von Nationalspieler Robert Enke zu einem anderen Umgang mit Tabu-Themen im Profi-Fußball führen wird. "Die Bereitschaft ist zwar da in den Vereinen, auch unter Journalisten, sehr sorgfältig mit diesen Themen umzugehen", sagte der Chef des Fußball-Zweitligisten aus Hamburg nach DPA-Angaben, "aber es bleibt die nicht kalkulierbare Situation in einem Mannschaftsumfeld, es bleiben die nicht kalkulierbaren Reaktionen der gegnerischen Fans."

Er könne verstehen, dass sich schwule Fußballer aus Angst vor Stigmatisierung nicht outen wollten. "Wenn es plötzlich einer tut, wird ihm ewig anhängen, der erste schwule Fußballer der Bundesliga gewesen zu sein. Ob ein junger Mensch mit diesem Prädikat wohl rumlaufen möchte?", so der 56-jährige Theater-Leiter. Zwar hätte ein Spieler nach einem Coming-Out bei seinem alternativ angehauchten Verein "nicht die geringsten Probleme, auch nicht mit den Fans".

Ob dieser Profi danach jedoch zu einem anderen Verein wechseln könnte, stehe in den Sternen. "Ein Spieler, der problembeladen ist, wird sorgfältig beäugt und im Zweifel nicht verpflichtet", meinte Littmann. "Das ist eben ein sehr hohes Risiko für schwule Spieler. Die Befürchtungen, dass ihnen aus ihren Bekenntnissen Nachteile erwachsen könnten, sind berechtigt." Der Erfolg eines Coming-Outs sei vom Umfeld abhängig. Schwule Politiker etwa hätten ein gefestigtes Umfeld. Doch offen schwule Sportler müssten mit einem "Spießrutenlauf" rechnen.

Homophobie auf DFB-Agenda

Man kann dem DFB allerdings zugute halten, dass er bemüht ist, die Atmosphäre zu verändern. Zwanziger ist bereits in den letzten Jahren durch so viele Aussagen zur Homosexualität aufgefallen, dass man ihn für einen Funktionär des LSVD halten könnte. Erst Anfang der Woche hatte er vor einem Zwangsouting von Fußballern gewarnt (queer.de berichtete). Im Oktober hatte der DFB ein Spiel der Nationalmannschaft unter das Motto gegen "Gegen Homophobie im Fußball" gestellt und entsprechende Flyer verteilt (queer.de berichtete). Im Sommer des letzten Jahres hatte ihn das Schwule Netzwerk NRW zum CSD in Köln mit seiner Kompassnadel geehrt (queer.de berichtete).



23 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 13.11.2009, 10:09h
  • Die Erkenntnis kommt spät, aber nicht zu spät! In dieser Woche, vorgestern, war bei Markus Lanz im ZDF der Exnationalspieler Sebastian Deisler, der ebenfalls an Depressionen leidet, zu Gast und hat geschildert, wie es ihm ergangen ist. Er hat es in einem Buch auch veröffentlicht.

    Der Flyer "Gegen Homophobie im Fußball" ist gut gelungen und vielleicht sollten Profifußballer und deren Heterofans endlich die schwulen Fanclubs mehr als Realität und nicht als Exoten ansehen.
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#2 GastGastGastAnonym
  • 13.11.2009, 11:30h
  • Also ich muss die Sache leider ähnlich sehen wie Littmann, es sind zwar gute Ansätze da, aber ich habe nicht wirklich die Hoffnung, daß sowas bis zu den teilweise äußerst homophoben Fans durchdringen wird.

    Dafür spricht auch das, was die Leute an anderer Stelle in einem "heterosexuellen Forum" zu einem entsprechendem Artikel wie diesem hier schreiben. Da war keine Zustimmung oder Verständnis, überwiegend wurde geschimpft, wie sich die Homos denn jetzt erdreisten könnten sich über den toten Enke zu profilieren und wieder ihre Sache in den Vordergrund zu stellen. Ich glaube das spricht für sich...
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#3 ***impfen ???Anonym
  • 13.11.2009, 12:02h
  • Der hat das so gemacht.
    (vielleicht scrollen)

    www.spiegelfechter.com/

    - Ein Suizid sollte nicht als Aufmacher auf der Titelseite erscheinen.
    - Es sollten weder Fotos noch Dokumente wie der Abschiedsbrief publiziert werden.
    - Der Suizid sollte nicht als nachvollziehbare, konsequente oder unausweichliche Reaktion dargestellt werden oder als alternativlos dargestellt werden.
    - Die Suizidmethode und der Ort des Suizids sollten weder detailliert beschrieben, noch abgebildet werden.
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#4 Good ol friendAnonym
  • 13.11.2009, 12:41h
  • Die im Artikel zitierte Aussage von Herrn Zwanziger ist ebenso lobenswert wie notwendig und veranlasst mich dazu, meine harsche Kritik in einem anderen Thread in dieser Form zurückzunehmen. Ich halte es weiterhin für wichtig, berechtigte Forderungen nach einem Ende der Selbstverleugnung nicht als "betteln und baggern" abzukanzeln, sondern sie in der Sache unmissverständlich zu unterstützen.

    Mit der nun getroffenen Aussage hat Herr Zwanziger aber einen sehr richtigen und wichtigen Schritt getan, und wir sollten alle darauf hinarbeiten, dass er diesem Anspruch auch gerecht wird bzw. gerecht werden kann.

    Den Ansatz, von unten mehr Sichtbarkeit von schwulen Fußballern (und auch Sportlern in anderen Bereichen) herzustellen und deren persönliche Geschichten, die es zu Tausenden und Zehntausenden zu berichten und zu sammeln gilt, halte ich dabei ebenfalls für sehr sinn- und wirkungsvoll! Wenn erst einmal Tausende und Zehntausende schwule Jungs und Männer aus ganz Deutschland gemeinsam und sichtbar bekannt haben:

    "Ich bin Fußballer - und schwul!" -

    dann wird das sowohl für die Medien als auch für die Öffentlichkeit als auch für die betroffenen Profi-Fußballer ein extrem deutliches Signal sein, das niemand mehr ignorieren kann.

    Daher denke ich, dass es uns in nächster Zukunft darum gehen muss, eine Plattform zu organisieren, auf der eben das oben Beschriebene möglich wird. Über die Schwulenzentren in ganz Deutschland lässt sich der Kontakt zu unzähligen schwulen Fußballvereinen herstellen. In nahezu allen großen Städten gibt es inzwischen schwule Fanclubs, die sich hier ebenfalls sehr gut einbringen können. Ein Medium wie queer.de könnte die Plattform aktiv unterstützen, indem es zum Mitmachen an diesem kollektiven, medial sichtbaren Coming-Out schwuler Fußballer aufruft oder die Plattform sogar selbst als "Schirmherr" der Auktion (u.U. auch gemeinsam mit anderen Schirmherren) zur Verfügung stellt.

    Ich würde mich über weitere Ideen zu diesem Ansatz freuen. Für besonders wichtig halte ich, dass diese Plattform wirklich den Betroffenen "gehört", dass also jeder seine eigene Coming-Out-Seite bekommt, die er auch selbst verwalten und wo er genau das von sich preisgeben kann, was er möchte, und dass keine wie auch immer gearteten Interessengruppen und Funktionäre nach ihrem ökonomischen oder politischen Opportunismus in diese Aktion von unten hineinpfuschen können!
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#5 Krzyszek
  • 13.11.2009, 12:47h
  • "Ein Spieler, der problembeladen ist, wird sorgfältig beäugt und im Zweifel nicht verpflichtet", meinte Littmann. "Das ist eben ein sehr hohes Risiko für schwule Spieler." (Littmann)

    Ein schwuler Spieler ist "problembeladen"? Etwa mehr problembeladen als jemand, der ständig seine (Ehe-)Frauen wechselt, möglichst noch die von Kollegen nimmt? Mehr problembeladen als jemand, der die Vereinsführung oder den Trainer öffentlich kritisiert? Mehr problembeladen als, jemand, der als Stürmer eine monatelange "Ladehemmung" hat? ....
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#6 LorenProfil
  • 13.11.2009, 13:36hGreifswald
  • Andreas Rettig, DFB-Vorstandsmitglied und Mitglied im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga
    (DFL), wird heute im Kölner Stadtanzeiger u.a. wie
    folgt zitiert:

    "Es ist heute kein Problem mehr, sich als deutscher
    Außenminister oder Bürgermeister einer Millionen-
    stadt zu seiner Homosexualität zu bekennen, aber
    als Fußballer schon. Das ist ein Wahnsinn (...) Wir
    müssen dahin kommen, jeden für seine Persönlich-
    keit zu respektieren und persönliche Eigenheiten
    nicht als Makel zu begreifen. Aber ich weiß, dass
    beim Thema Homosexualität die Angst der Fußbal-
    ler vor Repressalien extrem groß ist. Das macht mich traurig."

    Ich hoffe, dass man jetzt an dem Thema dran-
    bleibt, homosexuelle Spieler ermutigt und den
    homophoben Ewiggestrigen, seien es Spieler,
    Trainer, Funktionäre oder Fans, entschlossen
    entgegentritt. Der Fußball könnte als eine der
    populärsten Sportarten in Deutschland an die-
    ser Stelle nicht nur dem gesamten Sport mit
    seinen homosexuellen Sportlerinnen und Sport-
    lern, sondern auch der Gesellschaft einen Dienst
    erweisen.
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#7 LorenProfil
  • 13.11.2009, 13:57hGreifswald
  • Antwort auf #4 von Good ol friend
  • Eine sehr gute, unterstützenswerte Idee!
    Auch die Bemerkung, "dass keine wie auch immer
    gearteten Interessengruppen und Funktionäre nach
    ihrem ökonomischen oder politischen Opportunis-
    mus in diese Aktion von unten hineinpfuschen kön-
    nen", halte ich für sehr bedenkenswert. Verän-
    derungen von unten anstoßen und befördern, nicht
    nur bei diesem Problem, scheint mir ein unerläss-
    liches demokratisches Prinzip zu sein, um nicht
    Opfer der Eigeninteressen von Berufsfunktionären
    zu werden. Denkbar wäre auch eine Buchveröffent-
    lichung mit Erlebnisberichten, Interviews etc. mit
    lesbischen und schwulen Fußballern (Profis, Ama-
    teure, Jugendliche), ob anonymisiert oder nicht,
    sei den Betroffenen überlassen. Da Fußball "die
    Massen bewegen" kann, könnte sich ein sol-
    ches Buch evtl. gut verkaufen und Breitenwir-
    kung erzielen. Für die Finanzierung solcher
    Projekte (Recherche, Durchführung etc.) könn-
    te u.a. der DFB in die Pflicht genommen werden,
    der auch auf diese Weise Worten Taten folgen
    lassen könnte - unter der Bedingung, dass den
    "Machern" freie Hand gelassen wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Good ol friendAnonym
  • 13.11.2009, 14:39h
  • Antwort auf #7 von Loren
  • Auf diese Idee hat mich vor allem @stromboli gebracht mit seinem sehr wichtigen Verweis auf die Stern-Aktion (§218) und ihre weitreichenden, unumstößlichen Folgen für den Respekt vor dem persönlichen Entscheidungsrecht von Frauen.

    Wir sollten, ausgehend von diesem Gedanken, die enormen Möglichkeiten des Internets ausnutzen und eine entsprechende Seite aufbauen, auf der sich schwule Fußballer aus ganz Deutschland für alle sichtbar vorstellen und ihre Geschichte erzählen. Durch eine gezielte Einbindung schwuler Fußballvereine, Fanclubs etc. und entsprechende Aufrufe auf verschiedenen Internetseiten können wir so in absehbarer Zeit eine möglichst große Zahl selbstbewusster und stolzer schwuler Fußballer zusammenbringen und gegenüber der Öffentlichkeit und den Massenmedien deutlich machen: Wir sind da und wir sind viele!

    Dies wird zweifellos auch das Interesse von (Sport-) Journalisten wecken, wird uns die Einbeziehung von Psychologen, die sich mit diesem Thema beschäftigen oder sogar Kontakte zu schwulen Profi-Fußballern haben (siehe entsprechende Meldungen im zurückliegenden Jahr) und überhaupt die Herstellung einer breiten (!) Öffentlichkeit zum Thema Homosexualität im Fußball ermöglichen. Gleichzeitig kann ein solches kollektives Fußball-Coming-Out auch vom DFB, von den Bundesligavereinen, überhaupt von Fußballvereinen auf allen Ebenen keinesfalls ignoriert werden, sondern vielmehr wird die Stimme dieser Masse von schwulen Fußballern ab sofort gleichberechtigt zu berücksichtigen sein!

    Die Herausgabe eines Buches, d.h. einer Sammlung von persönlichen Geschichten, wäre dann ebenfalls ein Leichtes.

    Bin auf weitere Ideen gespannt!
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#9 seb1983
  • 13.11.2009, 17:01h
  • Antwort auf #4 von Good ol friend
  • Freut mich dass du Herrn Zwanziger inzwischen die Absolution erteilst und Menschen die schwulen Fußballern helfen wollen nicht weiter in die Hacken trittst.

    Habe seine Arbeit seit Amtsantritt schon immer sehr positiv bewertet (Stichwort Fremdenfeindlichkeit, Toleranz, Frauenfußball).

    Da du mit Fußball vermutlich rein gar nichts am Hut hast und seinen Namen hier vermutlich das erste mal gehört hast sei dir die Lernphase gegönnt
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#10 Good ol friendAnonym
  • 13.11.2009, 17:36h
  • Antwort auf #9 von seb1983
  • Hi Sebi,

    ich danke dir wie immer für dein fürsorgliches Verständnis und deinen Scharfsinn, was meine Person angeht.

    Ich habe Herrn Zwanzigers Arbeit seit Amtsantritt ebenfalls sehr aufmerksam verfolgt und mir das Recht herausgenommen, sehr kritisch abzuwarten und meine Zweifel zu äußern. Seine aktuelle Aussage hat mich aber deutlich mehr von seinen ernsthaften Absichten überzeugt. Wir sind selbst gefordert, dafür zu sorgen, dass diesen Worten auch weitere Taten folgen und dass diese zu nichts Geringerem führen als der vollständigen Gleichberechtigung schwuler Jungs und Männer im Fußball auf allen Ebenen! Mit allen positiven Folgen und der enormen Strahlkraft, die das gerade für die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung junger Männer insgesamt haben wird!

    Ich habe übrigens einen sehr guten Freund, gerade 18, der jahrelang im Fußballverein aktiv war, weiterhin regelmäßig spielt und mir von seinen Erlebnissen berichtet. Weitere Bekannte sind Mitglieder in einem schwulen Fußballverein. (Übrigens: Ich bin zwar selbst kein Fußballer, liebe dafür aber andere Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Kraftsport - nur um dir deine klischeehaften Illusionen gleich wieder zu nehmen)

    Mir ist außerdem nicht entgangen, dass der "bottom-up"-Ansatz (immer essentiell!) auch von deiner Seite mehrfach in die Diskussion eingebracht wurde! Pass bloß auf, dass man dir hier nicht noch basisdemokratisch-sozialistische Anwandlungen nachsagt.
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