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  • 14. Juni 2004, noch kein Kommentar

Eine Stadt nicht nur für Partypeople: zu Besuch in Afrikas einziger Schwulen-Metropole Kapstadt

Von Dennis Klein

Wer exotisches Afrika-Feeling erwartet, erlebt in der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole Kapstadt zunächst einen Schock: Die Innenstadt ist eine Mischung aus viktorianischer Architektur des späten 19. Jahrhunderts und Wolkenkratzern einer modernen Großstadt. Das 1652 von holländischen Einwanderern gegründete Kaapstad gilt heute als eine der schönsten Siedlungen der Welt – und gleichzeitig ist sie wegen ihrer kolonialen Vergangenheit wohl die un-afrikanischste Stadt.

Als Wahrzeichen ist der Tafelberg von fast von jedem Punkt in Kapstadt zu sehen. Er ragt 1.000 Meter über die Stadt und bietet einen unglaublichen Ausblick. Von dort kann man die vom Indischen und Atlantischen Ozean umspülte Stadt am besten sehen. Auf der anderen Seite ist an schönen Tagen schemenhaft das Kap der Guten Hoffnung zu erkennen, einer der südlichsten Zipfel Afrikas. Der beste Weg hinauf geht über eine Seilbahn. Aber Vorsicht: Ist das Wetter morgens schlecht, fährt die Bahn den ganzen Tag nicht. Eine gemütliche Gipfelbesteigung zu Fuß dauert dann zirka vier Stunden. Doch selbst Wandermuffel verbringen hier gerne einen Tag in der Natur.

Legendär ist auch der Sonnenuntergang auf dem 350 Meter hoch gelegenen Signal Hill, der über die Kloof Nek Road leicht mit dem Auto zu erreichen ist. Von hier aus sinkt die Sonne tiefrot ins Meer gleich neben der weltbekannten Robben Island, auf der Nelson Mandela 18 Jahre lang vom Apartheid-Regime gefangen gehalten wurde.

Auch das schwule Leben in der Kap-Metropole kann sich sehen lassen. In der Innenstadt hat sich in den letzten Jahren ein in Afrika einzigartiges schwules Hotel- und Vergnügungszentrum herausgebildet. Hier gibt es trendige Cocktailbars wie das stets gut besuchte Tank (72 Waterkant St.) ebenso wie die urige schwule Kneipe mit dem nicht ganz passenden Namen Manhattan (74 Waterkant St.). Wem mehr nach Tanzen zumute ist, der sollte das Bronx, Kapstadts beliebtesten Gay-Club, besuchen (35 Somerset Rd.).

Wer eine echte Multikulti-Szene erwartet, wird allerdings enttäuscht: Die Partysüchtigen sind weitgehend weiß – für die meist in ärmlichen Verhältnissen lebenden Schwarzen ist das teure schwule Party-Leben nach wie vor kaum erschwinglich. Außerdem ist es für sie wegen der traditionellen Kultur sehr viel schwerer, sich zu outen. In Clubs wie der Bronx schauen sich Schwarze hauptsächlich in Darkrooms nach Touristen um, erwarten für sexuelle Gefälligkeiten aber auch eine finanzielle Gegenleistung.

Die Kapstädter Bevölkerung ist sehr gemischt: Ungefähr die Hälfte sind Farbige, sowie je ein Viertel Schwarze und Weiße. Südafrika hat elf offizielle Sprachen. Die meisten Südafrikaner sprechen Englisch als zweite Sprache und fast alle Hinweisschilder sind in dieser Sprache gehalten. Als zweitwichtigste Sprache ist Afrikaans, von manchen Einheimischen als "Bauern-Niederländisch" bezeichnet, unter der weißen und farbigen Bevölkerung weit verbreitet.

Die meisten Schwarzen leben nach wie vor in so genannten Townships, die einst von der weißen Apartheid-Regierung strikt von der weißen Bevölkerung abgetrennt worden waren. Bei der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt fährt man kilometerweit an diesen Siedlungen vorbei. Seit die Demokratie vor zehn Jahren Einzug gehalten hat, haben sich die Bedingungen für die nicht-weiße Bevölkerung zwar immens verbessert, beispielsweise gibt es fast überall Strom.

Dennoch ist der Unterschied zwischen Arm und Reich in Südafrika der größte in der Welt. Tagsüber sind diese schwarzen Siedlungen auch für Besucher weitestgehend sicher und Tourismusanbieter wie Hylton Ross bieten sogar "Township-Touren" an. Jedoch sollten die Siedlungen, ebenso wie große Teile der Innenstadt, nachts gemieden werden, da Raubüberfälle auf der Tagesordnung stehen.

Die Stadt am Kap ist trotzdem eine Reise wert: Lange Strände, ein ausgefallenes Nachtleben und eine atemberaubende Natur zu günstigen Preisen. Auch mit einem Jetlag haben Reisende nicht zu kämpfen, Kapstadt liegt im Sommer in derselben Zeitzone wie Deutschland. Dazu ist das Wetter selbst im Winter (Mai bis Juli) angenehm warm – auch wenn dann der Sprung ins Meer nur Hartgesottenen zu raten ist. Und wenn man ein bis zwei Stunden aus der Stadt herausfährt, befindet man sich inmitten von Löwen und Giraffen.