Der jamaikanische Hasssänger Sizzla, der in seinen Liedern zum Mord an Schwulen aufruft, konnte trotz Protesten am Samstag erneut im Wuppertaler U-Club auftreten. Das Konzert lief nach Polizeiangaben ohne Störungen ab.
Nach einem Bericht von Radio Wuppertal haben Unbekannte am Samstagmorgen stinkende Buttersäure in die Lüftung des Clubs im Stadtteil Elberfeld geschüttet, um den heftig umstrittenen Auftritt noch zu verhindern – allerdings ohne Erfolg. Auch seien Absperrgitter in die Wupper geworfen worden. Die Betreiber des U-Clubs hätten deswegen Anzeige erstattet.
Am Abend demonstrierten weit über hundert Menschen vor dem Club gegen den Auftritt Sizzlas. Nach Angaben des grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der zusammen mit seinem Wuppertaler Fraktionskollegen Hermann E. Ott vor Ort war, kamen trotz strömenden Regens mehr Demonstranten als Konzertbesucher.
(Fortsetzung nach Anzeige)
Sizzla war bereits am vergangenen Mittwoch im Wuppertaler U-Club aufgetreten. Dieser Zusatztermin war anberaumt worden, nachdem das Konzert am gestrigen Samstag ausverkauft war. Am Mittwochabend hatten rund 50 Personen gegen den Auftritt protestiert (queer.de berichtete).
Proteste aus Politik und Szene ignorierte der U-Club. So hatten u.a. alle Fraktionen im Wuppertaler Ausschuss für Gleichstellung eine Absage der Sizzla-Konzerte gefordert: "Homophobie ist keine Bagatelle, denn sie schränkt die grundgesetzlich garantierte freie Entfaltung der Persönlichkeit für viele Bürgerinnen und Bürger empfindlich ein", heißt es in dem Beschluss. Und: "Musikveranstalter, Musikkonzerne und der Medienhandel sind in der Verantwortung, Hasssängern keine Bühne zu bieten. Aufrufe zur Gewalt müssen geächtet werden." Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) hatte erklärt, er schäme sich dafür, dass solch ein Konzert in Wuppertal stattfinde.
Der U-Club selbst erwiderte in einer Erklärung, Homophobie sei in seinen Räumlichkeiten unerwünscht. Man scheue nicht die inhaltliche Auseinandersetzung, aber Verbote für homophobe Künstler kämen nicht in Frage: "Um jedoch unter den gegebenen Umständen überhaupt weiterhin Reggae- und Dancehallkonzerte und Partys machen zu können, müssen wir (in diesem Fall: wir alle, die deutsche Dancehallszene: Künstler, Veranstalter und Publikum!) Alternativen zum Auftrittsverbot finden."
Münchner Backstage beklagt Hetzkampagne der schwulen Szene
Bislang haben die Proteste nur in Berlin und Hamburg dazu geführt, dass Sizzla nicht auftreten konnte – in der Hauptstadt sogar erst in letzter Minute (queer.de berichtete). Das Konzert in München fand hingegen wie geplant am Freitagabend im Backstage statt. Deren Geschäftsführer Stocker sprach in einem ddp-Interview sogar von einer "Hetzkampagne" der schwulen Szene gegen den Reggaesänger und meinte, die Vorwürfe gegen Sizzla "grenzten an Rufmord".
Heute abend will Sizzla im Stuttgarter Zapata auftreten. Der Veranstaltungsort hat sich immerhin in einem Brief an das Aktionsbündnis "Smash Homophobia" von "jeglichen Aussagen" des Hasssängers distanziert: "Wir bedauern auch dass dieses Konzert bei uns stattfinden wird", so das "Zapata". Allerdings könne man dem Konzertveranstalter, der die Räumlichkeiten gemietet habe, nicht mehr kündigen. "Dies wird aber definitiv das letzte Konzert dieses Künstlers bei uns sein", so das Schreiben. (cw)
Antwort zu Kommentar #4 von Klaus Mayer: @klaus: ganz schön weicheiig bist du!!!
Dann solltest du dich das nächste mal "todes"-mutig den schwulen Demonstranten entgegen werfen, damit Herr Sizzla das Recht behält, dass er "es" sagen darf. Du bist echt unser "Edler".
@ boerdy
Hi boerdy. Sehe die Sache genauso wie du.
Die Freiheit jedes Einzelnen ist so ein hohes Gut, dass man nicht sorglos damit umgehen sollte. Zu viele Menschen sind auf deutschem Boden für Bürgerrechte gestorben.
Finde es auch schade, dass das hier alles so einseitig gesehen wird. Wenn dieser Sizzla in Deutschland Meinungen vertritt, die gegen das StGB verstoßen oder die Grundrechte anderer verletzt, dann sage ich: Dieser Typ hat hier nichts verloren.
Aber soweit ich die Diskussion richtig verstanden habe, hat er aber doch sein Maul gehalten und niemanden in der Ehre verletzt. Davon ausgehend steht doch nur noch ein falsches Gedankengut im Raum, oder?!?! Dass dieser Hinterwäldler ne bescheuerte Ansicht hat steht doch außer Frage. ABER: Ich kann doch die Freiheit des Geistes nicht einschränken. Um mehr geht es doch bei seinen Deutschlandauftritten gar nicht mehr. Dass gegen seine Lieder protestiert ist richtig. Dass man die Freiheit des Geistes verletzt, tut mir im Herzen weh.Was sind wir solchem einem Menschen für ein Vorbild, wenn wir selbst Hass schüren. Die Sache entwickelt sich zu einem Teufelskreis. Und dass sich Konzertbesucher von Autonomen Demonstranten belästigt fühlen, ist glaub ich echt nicht ganz falsch. Kann die Konzertbesucher sogar verstehen. Diese Leute haben nichts gegen uns. Aber sie fühlen sich eben auf die Füße getreten. Und wie gesagt. Halten dieser Reggae-Typies ihren Mund, kann ich damit Leben.
Antwort zu Kommentar #9 von Hans: Das belegt nur, dass Schwule und Lesben in dieser Gesellschaft weiterhin nach Belieben wie der letzte Dreck behandelt werden dürfen. WER hier also aus der ruhmreichen deutschen Geschichte nichts gelernt hat, ist mehr als offensichtlich. Und wenn wir unseren Kampf gegen die Verantwortungslosigkeit der Politik, deren oberste Pflicht es wäre, solche Gewaltverbrecher erst gar nicht in die EU einreisen zu lassen, und der Gesellschaft insgesamt (siehe Konzertveranstalter, Clubs etc.), jetzt auch noch aufgeben, dann wird wahrscheinlich in naher Zukunft schon wieder über unser Existenzrecht als solches "abgestimmt". Und eines ist auch klar: Eine würdige Existenz und Entfaltung der Persönlichkeit kann es mit der allgegenwärtigen Homophobie (Heteronormativität) niemals geben.
"Jetzt hat die Berliner Gay-Community ein überspanntes de-facto-Auftrittsverbot für den Mann durchgesetzt, obwohl niemand erwartet hat, Sizzla würde ausgerechnet hier seine homophoben Battyman-Tunes zum besten geben. Er ist, trotz allem, ein Künstler und kein Polit-Aktivist, den man bekämpfen muss. Draußen eine gute Demo, drinnen gute Musik – es hätte ein guter Berliner Abend werden können."
Da wird, dass wenigstens etwas differenzierter gesehen. Finds halt echt mal schade, dass es dann wieder Leute gibt, die gleich alle, die für das Konzert als unsere Feinde hingestellt werden.
Ich poste mal paar Kommentare:
--> Hans Wurst, Düsseldorf 29.11.2009 12:19
Die große Anzahl an vernünftigen macht wirklich Mut. Danke den "Nein"-Stimmern. Gebt undemokratischem Gedankengut keine Chance
--> Rupert S., Augsburg, Bayern 29.11.2009 11:52
Echt traurig, dass jeder sechste hier im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung argumentiert. Während der Dikataturen auf deutschem Boden sind so viele Opfer für die Bürgerrechte gestorben, dass man nach Erringung besagter Bürgerrechte sorgsam mit deren Beschneidung umgehen muss, um nicht der Leid vergessen zu machen. Daher: Meine Meinung Contra: Homophobie, die durch entsprechende Äußerungen zum Ausdruck gebracht wird. Pro: Freies Denken,wenn sich der Künstler homophobe Äußerungen verkneift.
-->Max Brenner, Wuppertal 29.11.2009 09:36
Schon fast 10.000 Menschen haben hier den Aufruf zur Gewalt gegen Schwule unterzeichnet! Offensichtlich ist die Aufklärung an vielen doch spurlos vorüber gegangen...
--> Markus Geierhorst, Wuppertal - Reggae City 28.11.2009 17:34
Ich denke, dass die meisten der Demonstraten in Wahrheit nur neidisch sind, dass sie keine Karte mehr bekommen haben. Vorschlag für den U-Club: Stellt doch draußen Boxen auf, dass alles was von Sizzla haben. So können auch die Demonstranten, denen es um Homophobie geht, überzeugt werden, dass Sizzla ein echt feiner Kerl ist und nicht das homophobe Monster, als dass manche aus ihm machen wollen Und die Reggae-Community und die Batty-Community feiern zusammen. One Love, equal rigts and justice. Praises to King.
--> Julia Mazioczyk, Berlin 28.11.2009 14:44
Hab´Rotz und Wasser geheult als ich vom Berliner de-facto-Konzertverbot erfahren habe
--> Hans Wurst, Düsseldorf 28.11.2009 02:51
Hi Chris Weber, mir tut es aufrichtig Leid, wenn du mit derartigem Verhalten konfrontiert wurdest. Ich war zunächst auch sehr skeptisch gegenüber den von mir zitierten Künstlern. Die teils getätigten Aussagen von besaften künstlern sind unentschluldbar. Ich selbst bin homosexuell und wurde von freunden mit auf ein buju banton konzert "geschleppt". Mit vorurteilen bin ich in das konzert gegangen. Ich dachte ich würde in die hölhe des löwen gehen. Doch nach dem Konzert fühlte ich mich derart befreit von dem ganzen alltagsstress. Die Liebe, Lebensfreude und Menschenfreundlichkeit, die dieser Mann an alle Zuschauer- und höher weitergegeben hat, war unglaublich. Ich fing an zu begreifen, dass die Wahrheit nicht bei "denen" oder "uns" lag, sondern irgendwo in der Mitte. Besagter Buju Banton wäre bereits eine Reggae-Legende, wären ihn nicht aus zum teil berechtigten Gründen Steine in den Weg gelegt worden. Dass er Homosexualität sicherlich nach wie vor nicht gut heißt davon bin ich überzeugt. Dass er sich aber vom Wunsch der Tötung von Homosexuellen distanziert hat, davon bin ich in meinem tiefsten Inneren überzeugt. Wer solch eine Musik macht, kann kein Menschenfeind sein. Dass er sich nicht mit Schwulenverbänden an einen Tisch setzt, kann ich verstehen. Diesem Mann wurde schließlich die Karriere versaut(zum Teil auch zurecht). One Love, Equal Rights and Justice. Ich werde deinem Rat folgen Chris und um mich rumschauen. Aber vergiss auch nicht, dass einfach ne krasse Emotionalisierung im Moment vorliegt. Ich glaube an das gute im Menschen. Und dieses Gute ist nicht so schlecht. Sizzla gibt ohnehin keine schwulenfeindlichen Texte zum Besten, von daher kann ich damit Leben, wenn ich um mich sehe. Ob dieses Um-mich-sehen dazu führt, dass ich Leute sehe, die Sizzla wegen homophober Texte bewundern, kann ich dir allerdings leider auch nicht sagen. Danke für deinen netten Post
--> Gay Ben, Berlin 27.11.2009 15:34 zum Berliner Konzertverbot
Möchte mich für das Verhalten der Gay-Community entschuldigen. Diesmal gingen sie einfach zu weit mit ihren Forderungen.
--> Batty Bwoy, Köln 27.11.2009 15:12
Hi Leute. Bin auch schwul. Bin aber trotzdem Sizzla-Fan und war auch am Mittwoch auf dem Konzert. Wusste von der Problematik gar nicht. War schon einige male auf Konzerten von ihm und hatte einen völligen anderen Eindruck,als denjenigen, wie ihn viele andere Homosexuellen von ihm entstehen lassen wollen. Naja, werde Sizzla weiter die Stange halten. Ist einfach ein toller Musiker. Und ganz süß ist er ja auch noch!!!
--> Anti - Volker Beck, Berlin 27.11.2009 14:15
Der Abstimmung nach gibt es also doch noch Leute, die bürgerliche Freiheiten befürworten. Ich hoffe der gute Sizzla weiß mit dem Vertrauensbeweis verantwortungsvoll umzugehen!
--> Bundes Verfassungsgericht, Karlsruhe 27.11.2009 10:46
Das Grundgesetz gilt nur auf dem Gebiet der BRD. Wer sich in der BRD an die hier herrschenden Gesetze hält, genießt den Schutz des Grundgesetzes. Warum sollten die Grundrechte von einem Künstler der sich im Geltungsgebiet des Grundrechts aufhält und sich an die Gesetze hält, eingeschränkt werden? Man sollte sich an Stelle der Konzertverbote an Stelle der Homo-Verbände eher darum bemühen, dass entsprechende Äußerungen auf Jamaika verhindert werden! Konzerte von Künstlern in Deutschland zu verbieten denen - vorausgesetzt sie singen keine homophoben Texte, was aber hier wohl kaum einer ernsthaft bezeifelt - nichts vorzuwerfen, ist erinnert Stark an eine Zeit in Deutschland, in der man verfolgt wurde, nur weil man eine andere Meinung hatte, anders aussah oder anderen Glaubens war. Solange Justita ihre Binde nicht abgenommen hat, deutsche Richter keine regenbogenfarbene Roben tragen, haben Reggaekünstler gute Chancen ihre Rechte auf dem Rechtsweg im Sinne des Grundgesetzes durchzusetzen. Schade, dass es heutzutage nicht mehr genügt, sich einfach nur rechtskonform zu verhalten. I could go on & on, the full has never been told!
--> Poor People´Governor ´Governor, München 26.11.2009 19:42
Im Rahmen der Deutschlandkonzerte Sizzlas sind keine Grundrechtsverletzung Dritter im Sinne der Verletzung der Menschenwürde oder des allgemeinen Persönlichkeitsrechts durch etwaige Widergabe expliziter Texte zu erwarten. Würde man also der Forderung der Homosexuellen-Verbände nachkommen und würde Konzerte verbieten, käme es zu der Situation, dass ausschließlich seine Grundrechte verletzt werden, ohne dass auch nur Grunderecht Dritter tangiert wären.Dass bestimmte Texte nicht oppurtun sind,meiner Meinung widersprechen oder wohlmöglich der Mehrheit der Bevölkerung darf nicht zum Maßstab dafür werden, ob Konzerte stattfinden oder nicht. Teilweise erinnert, dass Verhalten der Homosexuellen Verände an ein Verhalten, dass wohl am besten mit den Worten "Hetze" umschrieben werden kann. Nimmt man etwa den von homosexuellen Verbänden allseits gehassten Buju Banton zum Beispiel, so gelangt ein Studium seiner Diskograpie zu dem Ergebnis, dass nur ein einziges Lied, namens "Boom Bye Bye" aus dem Jahre 1992 homophpoben Inhalts ist. Wirft man dieses eine - 18 Jahre alte - Lied einerseits und die 400 positiven lebensfrohen, menschenfreundlichen und tollen Lieder andererseits in die Waagschale, so wirkt die nicht nachlassende Kritik der Homo-Szene an diesem Künstler diskriminierend, engstirnig von der Betrachtungsweise und menschenverachtend. Ganz nach dem Motto: Minderheit gegen Minderheit. Blessings
Aber dass auf jamaikanischem Boden Schwule sterben, weil gegen sie gehetzt wird, ist ja nicht so schlimm, oder? Immer schön die andere Wange auch noch freiwillig hinhalten!
Antwort zu Kommentar #13 von Good ol friend: Hab ja nicht gesagt, dass man Aufgeben soll.
Hab nur gesagt, dass Konzertverbote nicht durchsetzbar, sind wenn wie dem Bericht des tagesspiegel zu entnehmen war, nichts zu erwarten ist.
Dass hat rechtlich keine Grundlage. Dass ist so, bin vom Fach.
Antwort zu Kommentar #18 von jorgos: Natürlich ist das schlimm.
Daher muss man dagegen kämpfen.
Was dass mit nem Auftrittsverbot zu tun hat, wenn er nichts negatives sagt, versteh ich nur bedingt.