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Ab März 2010 will Schweden die Diskriminierung homosexueller Blutspender beenden - aber nur wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten

Von Norbert Blech

Es ist für Blutspendeorganisationen weltweit eine Art Grundgesetz: Schwule Männer dürfen kein Blut spenden. Obwohl dies durchaus diskriminierend wirkt, betonen Mediziner, dass schwule Männer ein höheres Risiko einer HIV-Infektion in sich tragen. Menschenrechtler kritisieren, dass nicht tatsächliche Risiken wie ungeschützter Geschlechtsverkehr abgefragt werden, sondern dass die sexuelle Orientierung alleine ein Risiko darstellen soll.

Nun gibt es eine neue Entwicklung aus Schweden: das Gesundheitsministerium hat neue Richtlinien für die Blutspende erlassen, die ab dem 1. März 2010 in Kraft treten. Schwule Männer dürfen nun Blut spenden - allerdings nur, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten. Nach der sexuellen Orientierung wird nicht mehr gefragt, allerdings nach mehreren möglichen Risikosituationen. Homosexueller Sex, ob geschützt oder nicht, gehört nach dem heftig erstrittenen Kompromiss dazu; die ursprünglich geplante Frist von sechs Monaten wurde auf ein Jahr herauf gesetzt.

Unter HIV-Generalverdacht

In Deutschland sind Schwule weiterhin komplett von der Blutspende ausgeschlossen. In einem Fragebogen muss der Spendenwillige angeben, ob er zu einer Risikogruppe für HIV gehört. Dazu zählt das deutsche Transfusionsgesetz Prostituierte, Sextouristen, Drogenabhängige, Häftlinge, "Menschen mit häufig wechselnden Intimpartnern" und Schwule – unabhängig davon, wie riskant ihr Sexleben tatsächlich ist. Wer ankreuzt, schwul zu sein, ist von der Blutspende ausgeschlossen.

Dass man als Schwuler trotzdem spenden kann, wenn man lügt, sorgt nicht für eine Entspannung in der Debatte. Der LSVD etwa spricht davon, dass die derzeitige Regelung "Schwule unter HIV-Generalverdacht" stelle. Dabei würden moderne Testverfahren, die ohnehin vorgeschrieben sind, treffsicher arbeiten. Das Paul-Ehrlich-Institut, das zusammen mit der Bundesärztekammer für die Blutspenden zuständig ist, lehnt ein Ende des Blutspendeverbots jedoch weiterhin ab. Das sei keine Diskriminierung, sondern Prophylaxe: auch Personen, die zwischen 1980 und 1996 mehr als sechs Monate in Großbritannien lebten, sind etwa von der Blutspende ausgeschlossen, weil es ein hypothetisches Risiko einer Übertragung der Creuzfeld-Jakob-Krankheit gebe.

Einige Ausnahmen weltweit

Doch das Verbot beginnt weltweit zu wackeln. In Italien und in spanischen Militärkrankenhäusern dürfen Schwule schon seit einigen Jahren Blut spenden. Auch Portugal hat das Blutspendeverbot für Schwule aufgehoben. Durch neue Testverfahren sei das Risiko, eine HIV-infizierte Transfusion zu erhalten, ohnehin praktisch gleich null, erklärte ein Sprecher der Blutspendenbehörde damals.

2008 hatte auch das Rote Kreuz in Thailand das Blutspendeverbot für Schwule aufgehoben. Stattdessen wird allgemein gefragt, ob man etwa "risikoreiches sexuelles Verhalten" gezeigt habe (queer.de berichtete). In Südafrika dürfen Schwule schon seit 2006 Blut spenden, Personen dürfen allgemein sechs Monate lang keinen "Anal- und Oralsex" ausgeübt haben. Selbst im schwulenfeindlichen Russland sind Schwule seit drei Jahren nicht mehr von der Blutspende ausgeschlossen.



37 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 02.12.2009, 00:08h
  • Hoffentlich setzt sich das auch bei uns endlich mal durch! Viele Mitglieder der LGBT-Community sind kerngesund (kein AIDS o. ä. Krankheiten) und es bleibt ihnen bisher verwehrt, mit Blutspenden Leben zu retten. Schweden übernimmt hiermit die Vorreiterrolle.
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#2 TobiteufelProfil
  • 02.12.2009, 01:52hBonn
  • Folgende Aussagen kann ich verstehen: Muslime nicht unter Generalverdacht, denn das sind nicht alles Terroristen. Fußballer nicht unter Generalverdacht, denn das sind nicht alles Wettbetrüger. Keine Eltern unter Generalverdacht, denn die versaufen nicht alle das Betreuungsgeld.

    Aber "HIV-Generalverdacht"? Das ist kein Verbrechen, das ist ne Krankheit. Die LSVD-Formulierungen passen mal wieder so gut zum Thema wie eine Trillerpfeife ins Kammerorchester. Dass man den Quark am Welt-Aids-Tag lesen muss, wos doch um "Solidarität mit HIV-Infizierten" gehen soll, lesen muss, machts auch nicht unbedingt besser.
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#3 KonstantinEhemaliges Profil
  • 02.12.2009, 07:04h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • du hast damit dann ja kein problem! hattest sicher länger als ein jahr keinen sex mehr! und wenn du unbedingt blut spenden willst, kannst du das auch in deutschland tun! musst ja nicht angeben, dass du schwul bist!
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#4 DragonWarrior
  • 02.12.2009, 07:58h
  • Antwort auf #2 von Tobiteufel
  • es mag ja sein, dass du es nicht richtig verstanden hast...
    nicht der LSVD stellt schwule unter den "Generalsverdacht" einer HIV-infektion, sondern er beklagt, dass die deutsche ärzteschaft das mit dem verbot der blutspende faktisch tut...
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#5 todesmaskeEhemaliges Profil
  • 02.12.2009, 08:21h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Du bist echt peinlich und sogar zum Anbeissen von Schweinen zu schade.

    Vor 5 Jahren hatte ich Schilddrüsen-OP und müsste deswegen für 8 Tagen im Krankenhaus bleiben. Allerdings wollte ich unbedingt Einzelzimmer (Privatzimmer) haben, was mir 110,- EUR pro Tag mehr gekostet hätte. Also habe ich bei Frage, ob ich HIV-Positiv bin, einfach mit "Ja" beantwortet. Ruck Zuck habe ich das Zimmer, dass ich haben wollte, kostenlos bekommen. Danach habe ich diese Frage dann aber korrigiert mit "Nein" beantwortet, mit dem Vermerk, dass der "Ja"-Kreuz ein Irrtum war.

    Dasselbe kann man mit Blutspende auch machen, indem man sich nicht als schwul outet.

    Daher ist diese neue oder alte Regelung für mich so öde und nur Fata Morgana.
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#6 AxelAnonym
  • 02.12.2009, 08:56h
  • Ich frage mich wozu wir ein AGG haben?

    Naja, das mit dem komplett ausgeschlossen stimmt so auch nicht ganz, hier in NRW sehen sie es etwas lockerer. Ausserdem: ich wohne gerademahl fünf Kilometer von der "Grenze" zu den Niederlanden weg, die nächste Stadt ist gut 10km entfernt - warum nicht nutzen und in NL spenden gehen?
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 gewitterziegeAnonym
  • 02.12.2009, 09:45h
  • vielleicht auch interessant - anja preuss hat hierzu eine beachtete und 2004 mit dem studienpreis für rechtssoziologie ausgezeichnete magisterarbeit geschrieben - eben zu schwul und blut spenden. sie findet sich unter:

    www.schwulesblut.de

    zum download.
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#9 stromboliProfil
  • 02.12.2009, 09:45hberlin
  • Antwort auf #7 von FoXXXyness
  • schatzerl , das ist ein anderer film in dem du eine hauptrolle anstrebst: schneewitchen und die 7 zwerge... da wird dein straight acting verlangt.
    Die rollenbesetung ist übrigens noch offen... such dir, die dir passende aus!

    Zum thema oben: ich versteh nicht, dass wir da auch noch hinterherlaufen müssen und unser blut wie sauerbier anbieten!
    Andererseits richtig, sich dagegen zu wehren zum gesellschaftlichen "risiko" erklärt zu werden.
    Ansonsten ist das ganze prozedere ein unsinn: die blutbeutel müssen doch eh untersucht werden (??)... spätestens in der endaufbereitung.
    Und spätetstens seit den bluterskandalen in den 90zigern wird doch da vorgesorgt... so hoffe ich.
    Wer gibt schon was auf schriftliche erklärungen!
    Ich unterschreibe jede aussage , egal welchen unsinn sie erhält, wenn ich mir meinen spass machen will oder zu einem ziel gelangen will.
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#10 XDAAnonym
  • 02.12.2009, 10:47h
  • Antwort auf #5 von todesmaske
  • Du bist asozial. Wie kann man angeben, dass man HIV+ ist um sich ein Einzelzimmer zu erschleichen? Hast du absolut kein Taktgefühl? Erstens beleidigst du damit die tatsächlich HIV+ in dem du ihre Infektion ad absordum führst und gleichzeitigst schüchterst du das Krankenhauspersonal ein und unterstützt indirekt oder eigentlich sogar direkt die Stigmatisierung von HIV+. EInfach wiederlich!
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