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KulturLiteratur
  • 02.12.2009           12       | | |

War Schiller schwul?

Friedrich Schiller um 1790 - Quelle: Anton Graff
Friedrich Schiller um 1790
Bild: Anton Graff

Deutschlands großer Dichter Friedrich Schiller sei auch mit Männern liiert gewesen - dies behauptet die Autorin Monika Utermann in dem Essay "Schillers 'Heimliche Neigung'". Das "Essay zur Frage: Unterhielt Friedrich Schiller homosexuelle Beziehungen?" ist bereits im Oktober mit 88 Seiten im Karim-Fischer-Verlag erschienen.

Dass die literarische Fachwelt oder auch die Journaille auf diese These noch nicht recht angesprungen sind, kann an der Person der Autorin liegen: Die Rentnerin aus Bonn hat zwar "Sprachen" studiert, arbeitete aber später vor allem als Tennislehrerin. Und mit Schiller befasse sie sich erst seit vier Jahren, erzählte Uterman jetzt dem "Bonner General-Anzeiger".

Im Schiller-Jahr sei ihr schnell das homo-erotische Gedicht "Liebe" aus den "Philosophischen Briefen" aufgefallen: "Als Raphael sich meiner letzten Umarmung entwand, da zerriss meine Seele; und ich weine um den Verlust meiner schöneren Hälfte", heißt es dort.

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Seelenberührungen

Und: "An jenem seligen Abend - du kennest ihn - da unsere Seelen sich zum erstenmal feurig berührten, wurden alle deine großen Empfindungen mein". Dies könne nicht als Fantasie gedeutet werden, weil "sich Schillers persönliche Erfahrungen in seinen Schriften widerspiegeln", so Uterman. "Und außerdem zeigt meiner Meinung nach sein unvollendetes Drama 'Die Malteser', in dem er ein homosexuelles Verhältnis zum Inhalt des Stücks macht, dass er seine Neigung letzten Endes nicht verschweigen wollte."

Ihre "sehr indivuelle Sicht auf Schiller" habe die Nicht-Wissenschaftlerin durch das Lesen von Briefen, Gedichten und Biographien erworben, sagte sie der Zeitung. Für sie steht fest, dass der Dichter mit Männern "liiert war". "Meiner Ansicht nach hatte Schiller Verhältnisse mit Frauen und Männern - das natürlich nicht öffentlich, denn Homosexualität wurde hart bestraft. Teils hatte er auch Beziehungen mit Verheirateten, aber wie es sich mir darstellt, stets mit hohem moralischen Anspruch und nicht nur zur Triebbefriedigung. Die Liebe diente der charakterlichen Vervollkommnung und dem geistigen Austausch."

Johann Christoph Friedrich von Schiller wurde am 10. Oktober 1759 in Marbach am Neckar geboren und gilt als der bedeutenste deutsche Dramatiker ("Die Räuber"). Mit Wieland, Goethe und Herder gehörte er zum Viergestirn der Weimarer Klassik. 1790 heirate er Charlotte von Lengefeld, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Schiller starb 1805 an einer vermutlich durch Tuberkulose hervorgerufenen Lugenentzündung. (nb)

Links zum Thema:
Mehr Infos zu Utermanns Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon

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Tags:  friedrich schiller   essay   homosexualität 
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Reaktionen zu "War Schiller schwul?"


 12 User-Kommentare als Feed (RSS 2.0, ?)

S.  1  2
Die ersten:   
#1
02.12.2009
14:44:37


(+9, 9 Votes)

Von goddamn. liberal

1903 wurde gegen die erste Schwulen-Zeitschrift 'Der Eigene' vom preuß. Staat ein Prozess wg. Verbreitung unzüchtiger Schriften angezettelt, weil sie ein Gedicht names 'Die Freundschaft' veröffentlich hatte. Der Prozess wurde erst niedergeschlagen, als herauskam, dass das Gedicht von Friedrich Schiller stammte.

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#2
02.12.2009
17:59:59


(+2, 2 Votes)

Von FoXXXyness
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Egal, ob Schiller schwul bzw. bi war oder nicht, es zählt nur eines: Er ist einer der größten Dichter und Schriftsteller neben Goethe, die unser Land hat!

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#3
02.12.2009
18:42:17


(+4, 4 Votes)

Von Orchid

Schwul, na ja, das hat ja zu tun mit was man damit meint; das konzept gab es damals nicht und es war üblich mit nahe, fast romantische Freundschaften zwischen Männer.

Trotzdem interessant, aber warum schreibt ihr so pejorativ über die Autorin, eine "Tennis-spielende Nicht-wissenschaftlerin"? Ich verstehe das nicht.

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#4
02.12.2009
19:50:21


(+6, 6 Votes)

Von Loren

Antwort zu Kommentar #2 von FoXXXyness:
Da stimme ich dir zu. Und denke auch an Büchner,
Hauptmann, Brecht und andere, deren sexuelle
Orientierung mir auch völlig egal ist.

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#5
02.12.2009
20:12:39


(+5, 7 Votes)

Von goddamn. liberal

Antwort zu Kommentar #4 von Loren:
Brecht. Baal: 'Ich will kein Weib mehr...'

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#6
02.12.2009
20:21:29


(+6, 8 Votes)

Von Udo

Antwort zu Kommentar #4 von Loren:
..und die Großen der Gegenwart !

"Die Leiden des Jungen Scheuß in D"

oder jüngst

Scheuß & Schulze.

Meilensteine im dritten Jahrtausend !


Link zu www.queer.de



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#7
02.12.2009
20:29:12


(+2, 4 Votes)

Von Alf

Die sexuelle Orientierung der großen deutschen Dichter und Schriftsteller wie Schiller, Goethe, Mann etc. ist unwichtig. Allerdings spielt die homo- oder bisexelle Lebensweise in den Medien dann gern eine Rolle wenn es um negative Personen geht.

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#8
02.12.2009
20:38:54


(+9, 11 Votes)

Von bogybogy
Aus Bochum
Mitglied seit 17.09.2009

"Teils hatte er auch Beziehungen mit Verheirateten, aber wie es sich mir darstellt, stets mit hohem moralischen Anspruch und nicht nur zur Triebbefriedigung. Die Liebe diente der charakterlichen Vervollkommnung und dem geistigen Austausch."

Oh, ja - so was edeles wie Schiller kann natürlich nicht einfach nur Sex gehabt haben.

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#9
02.12.2009
20:50:06


(+6, 8 Votes)

Von goddamn. liberal

Antwort zu Kommentar #7 von Alf:
Thomas Mann?

Na ja, ohne den jungen polnischen Baron Wladislaw Moes kein 'Tod in Venedig'!


Link zu www.perlentaucher.de



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#10
03.12.2009
14:42:28


(+6, 6 Votes)

Von Good ol friend

Antwort zu Kommentar #7 von Alf:
Das sieht jemand wie Marcel Reich-Ranicki erfreulicherweise anders. Warum sollte die sexuelle Identität bei schwulen Männern "unwichtig" sein, wenn sie es bei heterosexuellen Männern ganz offensichtlich nicht ist?

"Die Frage, ob es sich lohne, über Golo Mann zu schreiben, ist wohl inzwischen beantwortet. Aber sollte man sich auch mit dessen Homosexualität beschäftigen? Die Antwort lautet: Eine Biographie dieses bedeutenden Schriftstellers und Wissenschaftlers, die dessen homosexuelle Veranlagung mit allen damit zusammenhängenden Umständen ignorieren würde, wäre wertlos, ja irreführend und schädlich.

Dass man in der Vergangenheit die meisten homosexuell veranlagten Schriftsteller oder Komponisten auf eine derartige, verlogene und heuchlerische Weise behandelt hat, war und ist empörend. Doch spricht das natürlich nicht gegen die Betroffenen, es spricht gegen die Gesellschaft, in der sie lebten."


Link zu www.faz.net



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