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Der Senat des Bundestaates New York lehnt ein Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe ab - trotz demokratischer Mehrheit.

Von Norbert Blech

Große Enttäuschung bei den Schwulen und Lesben im US-Bundesstaat New York: Die Senatoren ließen den von Gouverneur David Paterson vorgelegten und im Mai im Repräsentantenhaus gebilligten Gesetzentwurf zur Einführung einer Homo-Ehe am Mittwoch mit 38 zu 24 Stimmen durchfallen. Bereits vor zwei Jahren war eine entsprechende Gesetzesinitiative im Senat gescheitert, damals mehrheitlich unter republikanischer Führung. Dass der Gesetzentwurf erneut scheiterte, nun bei einer Mehrheit der Demokraten, liegt an acht Senatoren der Partei, die trotzdem gegen die Homo-Ehe stimmten.

Dass das Ergebnis der Abstimmung knapp werden würde, war erwartet worden: einige der demokratischen Senatoren sind stark religiös oder vertreten entsprechende Wahlkreise. Es waren vor allem schwarze und jüdische Senatoren der Partei, die in der Debatte den Kampf um die Homo-Ehe mit ihrem früheren Kampf um Bürgerrechte in Verbindung brachten und für die Vorlage stimmten.

Für eine Überraschung sorgte die Rede der Pastorentochter Ruth Hassell-Thompson, mit deren Gegenstimme gerechnet wurde. Sie sprach erstmals von ihrem schwulen Bruder, der den Druck der Familie nicht aushielt. Wie sie die halbe Welt nach ihm absuchte, ihn schließlich fand und in die Familie zurückbrachte, und dabei seinen Lebenspartner kennenlernte. Eine liebevolle Beziehung, die mit dem Tod des Partners endete und den Bruder rechtlos ließ. Ihre Ja-Stimme werde ihrer Schwester, die nun ebenfalls als Priesterin arbeitet, nicht gefallen, sagte die Senatorin. Auch hätten viele in ihrem Wahlkreis ein "Nein" erwartet. Doch Hassell-Thompson erwiderte, sie sei gewählt worden, um die Menschen in die richtige Richtung zu führen.

Youtube | Die sehr persönliche Rede von Ruth Hassell-Thompson. Weitere Debattenbeiträge auf der Youtube-Seite des New Yorker Senats.

Paterson will erneut abstimmen lassen

Der Gouverneur von New York, der bereits am Abend zuvor die zweite Lesung der Gesetzesvorlage im Repräsentantenhaus abgehalten hatte, so dass er sie nach einer Verabschiedung im Senat direkt unterzeichnen hätte können, zeigte sich enttäuscht, aber kämpferisch: "Es ist immer am schwärzesten vor der (Morgen-)Dämmerung." Er verstehe den Ärger, die Enttäuschung. Die Senatoren hätten unter Druck gestanden und nun müsse alles getan werden, um den Druck abzubauen. Danach werde man die Vorlage erneut zur Abstimmung bringen.

Am Abend demonstrierten mehrere hundert Menschen in New York am Times Square. Wie das breite Plakat "N.Y. Crime Scene" in Form einer Polizeiabsperrung verdeutlichte, halten sie das Abstimmungsergebnis für ein Verbrechen.



26 Kommentare

#1 Blondes GiftAnonym
  • 03.12.2009, 11:11h
  • Mit diesem Abstimmungsergebnis verabschiedet sich die amerikanische Nation trotz ihres "liberalen" Präsidenten immer weiter vom Ideal eines freiheitlichen Bürgerrechtstaates.

    Nach seiner Façon selig werden kann man in den USA nur, wenn man möglichst religiös verbrämt ist und jede Menge Geld hat. Arme, Atheisten und Agnostiker fallen durchs Raster. Ganz zu schweigen von dem jahrzehntelangen Hickhack um eine gesetzliche Krankenversicherung für Arme und Bedürftige.

    "Land of the free"? Welch ein groteskes Zerrbild der amerikanischen Nation, die religiöses Spinnertum goutiert und die die Entblößung von Brustwarzen in Aufruhr versetzt, während in Ruhe weiter geballert und gemordert werden darf.

    Der konservative Rollback ist in den Staaten bereits lange angekommen, da kann Obama machen, was er will. In Zeiten wirtschaftlicher Not brauchen die Leute offensichtlich nicht nur einen Messias, sondern auch die kuschelig-autoritäre Atmosphäre der Religionen, die ihnen sagen, wo es langgeht.

    Für freiheitsliebende Schwule und Lesben ist in diesem Land kein Platz mehr.

    Hoffen wir, dass wir uns in Europa der Lawine des Konservatismus, die auf uns zurollt, standhaft widersetzen können. Wir sollten wachsam sein. Am Anfang sind es nur ein paar Abstimmungen, die wir verlieren (siehe Bundesrat neulich) - am Ende stehen wir vor einem Nichts und einer Armada religiös fanatisierter Grenzdebiler gegenüber.

    Nota bene: Norbert Geis ist überall!
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#2 gatopardo
  • 03.12.2009, 11:54h
  • Antwort auf #1 von Blondes Gift
  • Tiziano Terzani sagt in seinem Buch:"Das Ende ist mein Anfang": Sehr viele Amis sind sogar fest davon überzeugt, Gottes auserwählte Volk zu sein. Welches rationale Argument kann man dagegen schon vorbringen ? Im Grunde war vorauszusehen, dass auch ein aufgeklärter Obama irgendwann durchfallen würde. Inzwischen wissen wir, dass ihnen ein intellektueller Präsident zutiefst verhasst ist, der ihr Land obendrein noch in ein "sozialistisches" Experiment wie z.B. die Schweiz verwandeln will. Ich habe mit denen längst abgeschlossen, nur meine NewYorker Freunde sind zu bedauern, die sich mit diesem Pack tagtäglich konfrontiert sehen.
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#3 LorenProfil
  • 03.12.2009, 12:14hGreifswald
  • Meinen Respekt der Pastorentochter Ruth Hassell-
    Thompson. Alles weitere wurde im 1.Kommentar
    bereits ausgeführt.
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#4 Good ol friendAnonym
  • 03.12.2009, 13:29h
  • Einmal mehr zeigt sich, dass faschistische Akteure und Gruppierungen sich weitaus besser zu organisieren verstehen als die schwul-lesbische Community. Ich frage mich jeden Tag, warum allein die Besucher dieser Seite (siehe www.trafficestimate.com, genauere Zahlen liegen der Redaktion vor) nicht sehr viel mehr gemeinsam aktiv werden, eine Plattform wie diese nutzen, um den im Artikel zitierten "Druck" auf die Politik auszuüben, Protestaktionen zu starten, Petitionen einzureichen und und und... Wir können es uns nicht leisten, weiterhin nur passiv die "Highlights" und "Sensationen" des gesellschaftlichen Rollbacks zu konsumieren, wenn dieser uns nicht eines Tages auffressen soll.
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#5 Good ol friendAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 03.12.2009, 14:03h
  • Für mich ist das absolut unverständlich! Hätte die Politiker vom "Big Apple" für fortschrittlicher und liberaler gehalten!
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#7 VroniAnonym
#8 beAnonym
#9 Blondes GiftAnonym
  • 03.12.2009, 18:37h
  • Antwort auf #5 von Good ol friend
  • Ich habe in der Vergangenheit schon zu mehreren Sachen Mails an die Verantwortlichen geschickt, etwa in punkto Sizzla-/Elephant Man-Konzerte oder der Angleichung der ELP im Steuer- und Beamtenrecht.

    Bei letzterem warte ich schon seit 8 Wochen auf eine Antwort meiner Landesregierung - und ich habe da gleich mehrere Stellen angemailt. Keine hat es bisher für nötig gehalten zurückzumailen.

    Schwule und Lesben scheinen heutzutage eher saturiert als protestfreudig zu sein. Das hat viele Gründe. Einer davon ist sicher, dass nicht alle in Homo-Ehen leben (möchten) und sich daher in diesem Bereich auch nicht diskriminiert fühlen - was ich trotzdem nicht nachvollziehen kann. Ich bin auch nicht transsexuell, würde aber selbstverständlich für eine verbesserte Rechtsstellung von Transsexuellen eintreten.

    Solidarität zwischen Schwulen und Lesben untereinander nur aufgrund ihrer sexuellen Identität gibt es offensichtlich heute nicht mehr. Das Rollenbild der "Politschwester" ist obsolet geworden. Es wird immer schwerer, die Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

    Aber sei gewiss: in meinem zukünftigen Beruf, dem des Lehrers, werde ich noch genug Gelegenheit haben, mich mit den Vorurteilen meiner Mitmenschen auseinanderzusetzen. Da gibt es noch jede Menge zu tun!
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#10 seb1983
  • 03.12.2009, 19:07h
  • Antwort auf #9 von Blondes Gift
  • Ist soziologisch eigentlich recht einfach:
    Je stärker der äußere Druck auf eine Gruppe ist, je ähnlicher sie sich intern ist, und je stärker sie sich von anderen unterscheidet, desto besser funktioniert sie.

    Der äußere Druck hat stark nachgelassen, wenn man sich die Kommentare hier ansieht gibts intern nur Streit, und die Beine rasiert sich heute jeder Hetero

    Zudem zählt heute 100% Selbstverwirklichung, Verantwortung für irgendwen übernehmen ist out. Ergo fährt jeder die Ego Tour, natürlich auch Schwule und Lesben.
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