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Mit der neuen Ausstellung "Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969" erinnert das Schwule Museum in Berlin an 50 Jahre Unterdrückung.

Von Carsten Weidemann

Eine neue Ausstellung im Berliner Schwulen Museum thematisiert die Verfolgung von homosexuellen Frauen und Männern aus Hamburg in der Weimarer Republik, unter dem Nationalsozialismus und in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik. Die Urheber und zugleich Autoren des gleichnamigen Buches - Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann sowie Co-Autor Gottfried Lorenz - haben die Resultate ihrer umfangreichen Recherchen in Hamburger Archiven auf 48 großformatigen Schautafeln ansprechend visualisiert.

Anhand von vielen, bisher unveröffentlichten Originalquellen wie Strafjustizakten, Aufzeichnungen Hamburger Behörden und Zeitzeugeninterviews ist es den Ausstellungsmachern gelungen, ihre Forschungsergebnisse zu einem informativen Gesamtbild über die Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg zusammenzufügen.
Obwohl geographisch begrenzt auf den Hamburger Raum, stehen die hier gezeigten Sachverhalte und Schicksale durchweg repräsentativ für die Verfolgungssituation in anderen deutschen Städten.

Die Themen reichen dabei von der Denunziation Homosexueller aus der Bevölkerung, der so genannten "freiwilligen Entmannung" über die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz (dem Entzug der ärztlichen Approbation, der Aberkennung von akademischen Titeln) bis hin zur Verschleppung und Ermordung im KZ. Die Ausstellung zeichnet viele individuelle Lebenswege nach und macht so die allgegenwärtige Unterdrückungs- und Bedrohungssituation unmittelbar anschaulich.

Als Beispiel für die Verfolgung bis 1945 sei das Schicksal des ehemaligen Direktors des Barmbeker Krankenhauses, Prof. Dr. Andreas Knack, genannt, einem Mitbegründer der Homosexuellenbewegung der Weimarer Zeit. Nachdem er 1933 seines Amtes enthoben wurde, ließ er sich als praktischer Arzt in Hamburg-Eimsbüttel nieder. 1934 entzog man ihm die Approbation. Das Ende des NS-Regimes erlebte er in der Emigration in Mukden/China.

Toilettenverbot für Schwule in der Nachkriegszeit

Unrühmliche Aspekte der Unterdrückung homosexueller Männer in der Nachkriegszeit sind die "Rosa Listen" sowie das "Tanzverbot" und das "Toilettenverbot". Während kastrierte homosexuelle Männer und KZ-Überlebende keine Entschädigung erhielten, konnten die Täter ihre Karrieren fortsetzen. Staatsanwalt Nicolaus Siemssen, in der NS-Zeit in Hamburg einer der Hauptankläger gegen Homosexuelle, wurde zum Oberstaatsanwalt befördert und war als Chefankläger in Entnazifizierungsverfahren beim Spruchgericht in Bergedorf tätig.

Ausführlich thematisiert wird auch die Lebenssituation lesbischer Frauen. Obwohl es keinen Strafparagrafen für lesbische Handlungen gab, gerieten auch sie ins Visier der NS-Politik. Als "moralisch schwachsinnig" abgestempelt, hatten sie keine Chance auf gesellschaftliche Anerkennung und ein bürgerliches Leben. In der Adenauer-Ära blieben lesbische Frauen weiterhin unsichtbar, waren offiziell nicht vorhanden und erlebten so eine diskriminierende Ignoranz.

Sowohl das Buch wie auch die Ausstellung basieren auf den Ergebnissen der Arbeit der Initiative "Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer". Die Realisierung der Ausstellung wurde ermöglicht durch zahlreiche Spenden sowie die Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg.

Die Ausstellung ist vom 7. Dezember 2009 bis 15. März 2010 zu sehen im Schwulen Museum, 2. OG (Aufgang 1. Hof), Mehringdamm 61, Berlin. Eröffnung am 6. Dezember um 11 Uhr.



11 Kommentare

#1 Good ol friendAnonym
#2 hwAnonym
  • 05.12.2009, 15:39h
  • Jetzt muss ich an Jacob R. denken. Ein schwuler Drucker und Kommunist, der in das Strafbatallion
    999 gesteckt wurde.

    Ich lernte ihn in der VVN/BdA kennen. Er war bis zu seinem Tod politisch aktiv und für viele junge Menschen ein lebendes Beispiel für Ausdauer, Mut, Widerstand und Leid. U.a. sorgte die verstorbene
    Jutta Duschka mit ihren Fahrdiensten für seinen
    Aktionsradius und seine Teilnahme am kulturellen politischen Leben.

    Jacob suchte und fand in Griechenland sehr schnell den Anschluss an den dortigen antiaschistischen Widerstand gegen die
    Okkupanten.

    Obwohl ihn die Schilderungen aus jenen Jahren
    bis zuletzt nervlich sehr mitnahmen, sah er es für seine ermordeten und "gefallenen" Kamaraden als Pflicht an, Zeugnis abzulegen.

    Ich traf ihn mit Freunden das erste Mal mit vierzehn Jahren bei einer Feier über den Sturz
    der griechischen Militärdiktatur.

    "...Auch die vermeintlich unwürdigen Zivilisten waren plötzlich "bedingt würdig", sich im Kampf zu bewähren. Ende September 1942 wurden Kriminelle und Regimekritiker zu den Fahnen abkommandiert. Ausgenommen blieben vorerst "Berufsverbrecher, Sicherungsverwahrte, Entmannte, Landesverräter, Homosexuelle" (OKW-Beschluß).

    "..Auf dem Peloponnes, der von den Deutschen besetzt war, lief jedoch kein Widerständler dem Sondertrupp der Wehrmacht vor die Sturmgewehre. Der Einsatz war über eine geheime Funkverbindung verpfiffen worden..."

    www.spiegel.de/spiegel/print/d-13528843.html

    de.wikipedia.org/wiki/Strafdivision_999
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#3 UnitedAntifaAnonym
  • 06.12.2009, 10:03h
  • "Während kastrierte homosexuelle Männer und KZ-Überlebende keine Entschädigung erhielten, konnten die Täter ihre Karrieren fortsetzen."

    Und das ist bis heute nicht geschehen! Das ist beschämend für diesen Staat!

    Was noch viel perverser ist: "...Staatsanwalt Nicolaus Siemssen, in der NS-Zeit in Hamburg einer der Hauptankläger gegen Homosexuelle, wurde zum Oberstaatsanwalt befördert und war als Chefankläger in Entnazifizierungsverfahren beim Spruchgericht in Bergedorf tätig...."

    Da hat man doch glatt den Bock zum Gärtner gemacht! Aber wie das so war; die CDU/CSU worde ja auch gegründet, um NSDAP-,Gestapo- & SS-Größen eine neue Heimat zu geben!
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#4 alfAnonym
  • 06.12.2009, 15:51h
  • Wie peinlich und verlogen wirken da die heutigen Proteste der CDU und all der ihr nahestehenden Medien gg die Linke. Zudem gab es in der CDU an herausragender Stelle auch einen Globke...
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#6 goddamn. liberalAnonym
#7 LorenProfil
#8 Uni 2009Anonym
  • 08.12.2009, 15:20h
  • Antwort auf #6 von goddamn. liberal
  • Es ist ein Skandal, dass solche Faschisten weiterhin an öffentlichen Universitäten - auch finanziert mit schwulen und lesbischen Steuergeldern - "lehren" und auftreten dürfen.

    Man hätte diese Verbrecherin dort NICHT ihr Programm durchziehen lassen dürfen.
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#9 Good ol friendAnonym
#10 Uni 2009Anonym