Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?11493

"Rasta Got Soul" von Buju Banton könnte als bestes Reggae-Album ausgezeichnet werden. Schwulenorganisationen sind entsetzt.

Von Norbert Blech

Der jamaikanische Sänger Buju Banton ist mit seinem Album "Rasta Got Soul" für den wichtigsten Musikpreis der Welt nominiert worden. Dass der Sänger mit dem Preis für das beste Reggae-Album ausgezeichnet werden könnte, hat zu Entsetzen bei Schwulenorganisationen geführt.

Denn Buju Banton, bürgerlich Mark Myrie, forderte seine Zuhörer im Lied "Boom Bye Bye" auf, Schwule durch Kopfschuss, Säure- oder Brandanschläge zu töten. Diesen bereits 1992 veröffentlichten Song hat der Reggae-Sänger aus Jamaika wiederholt aufgeführt (auch 2006 in den USA noch), bis heute nutzen andere Künstler gerne einen Sample des Refrains "Boom bye bye ina batty boy head". Der Sänger verdient weiterhin an jeder Nutzung des Songs.

Freispruch mit Zweifeln

Vom Inhalt des Liedes hat sich Banton nie distanziert. Mehrfach erklärte er, die Kritiker verstünden seine Herkunft nicht. Wegen seiner "Kultur und Erziehung" könne er Homosexualität "nicht in tausend Jahren" gutheißen. 2004 wurde Banton von der Polizei per Haftbefehl gesucht, weil er verdächtigt wurde, an einer Gewalttat gegen zwei schwule Männer aus Kingston beteiligt gewesen zu sein. Banton wurde angeklagt, später aber vom Gericht freigesprochen. Zeugen und Opfer der Tat waren offenbar eingeschüchtert worden.

2007 unterzeichnete Banton, wie einige andere Sänger auch, den "Reggae Compassion Act", eine Selbstverpflichtung, dass er "das Recht von Menschen, ohne Gewalt zu leben, respektiert und aufrechterhält, egal welcher Religion, sexuellen Ausrichtung, Rasse, ethnischer Herkunft oder welchem Geschlechts sie angehören". Von ihm und seinem Management wurde die Unterschrift wenig später dementiert.

Im letzten Herbst hatte sich Banton mit Vertretern von Homo-Organisationen an einen Tisch gesetzt, das Treffen vor einer US-Tour blieb allerdings ohne Ergebnis (queer.de berichtete). Die Aktivisten forderten danach weiterhin Konzertabsagen, der Sänger gab von sich, er sei von einem Stadtrat zu dem Treffen gezwungen worden. In der jamaikanischen Presse sagte Banton wenig später, dass er seinen "Krieg" gegen Schwule nicht aufgeben werde (queer.de berichtete). Bei einer gerade abgeschlossenen Tour durch die Staaten konnte Banton nach Protesten in nur 32 von 55 Orten auftreten.

Mitverantworlich für Homophobie

Das Schwulen- und Lesbenzentrum Los Angeles nannte die Grammy-Nominierung in einer ersten Reaktion "erschreckend". "Wir sind schockiert, dass Buju Banton, ein Sänger, der jahrelang einen Song aufführte, der den Mord an Homosexuellen glorifiziert, mit einer Grammy-Nominierung geehrt wird", heißt es in einer Erklärung des L.A. Gay & Lesbian Center. Der Sänger sei komplett uneinsichtig und sei für die schwulenfeindliche Stimmung in Jamaika mitverantwortlich.

Auch der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell zeigte sich erschrocken über die Nominierung. Erst im Oktober hatte Tatchell auf seiner Webseite in einer langen Beweisführung dargelegt, dass Buju Banton den "Reggae Compassionate Act" verletze. Die Unterschrift von Banton sei wertlos, auf sein Wort könne man sich nicht verlassen, ist das Fazit.



152 Kommentare

#1 BenAnonym
  • 06.12.2009, 12:32h
  • Buju Banton wurde schon viermal für einen Grammy nominiert. Die Nominees werden sicherlich so ausgewählt, dass da nichts Homophobes dabei ist. Also was ist daran schlimm?! Geht mal unvoreingenommen an die Sache ran. Hört euch mal paar Lieder von "Rasta got soul" an und ihr werdet euch nur schwer der positiven Message entziehen können. Bin so traurig so lesen, wie man nicht aufhört, auf ihm herumzuhacken. Gebt ihm doch mal eine Chance. Wie viel Zeit muss eigentlich vergehen, bis man aufhört ihn "Hasssänger" zu nennen? Man muss auch wirklich beachten, dass er einer ist, der bereit ist mit homosexuellen Organisationen zu treffen.

    Hier die CD-Kritik von laut.de

    "Mein Ziel ist es, die ursprünglichen Klänge des Reggae zurück zu bringen, das ursprüngliche Gefühl, die ursprüngliche Consciousness, mittels großer Poesie und reiner Live-Instrumentierung." Formal ist mit diesem Statement Buju Bantons eigentlich alles gesagt.

    Die Ahnung, die der Titel schürt, bestätigt sich: Statt dem knallharten Dancehall vergangener Tage setzt es diesmal Roots & Culture in Reinkultur. Welch übersprudelnde, geradezu unverschämte Lebensfreude "Rasta Got Soul" versprüht, vermitteln alleine schon die Cover-Fotos.

    "Rise up!" Mit einer Überdosis Gottvertrauen im Gepäck lässt es sich leicht positiv denken. Die Welt ist zwar nicht immer schön, das Leben oft alles andere als einfach. Wer - mit Hilfe des Allmächtigen völlig mühelos - den richtigen Weg einschlägt und den falschen vermeidet, bewegt sich auch im Angesicht von Leid, Gewalt und Tod stets auf sicherem Terrain.
    Derart hässliche Themen streift Buju Banton auf "Rasta Got Soul" jedoch allenfalls im Rahmen der tragischen "Bedtime Story", für die Wyclef Jean mit auf der Bettkante sitzt. Abgesehen davon präsentiert eine fraglos optimistische Seele neben spirituellen Themen "Affairs Of The Heart", wie sie selbst ein Udo Jürgens nicht trefflicher besingen könnte.

    Bläser, Bass, Drums, Percussion und Backgroundgesang zeichnen ein lässig-entspanntes, traditionelles Klangbild. Akustikgitarren, ein Saxophon oder auch mal eine Flöte setzen Akzente. Buju Banton, höchstselbst verantwortlicher Produzent, wagt jedoch auch einen kleinen Abstecher in den Ska ("A Little Bit Of Sorry") sowie das ein oder andere Experiment.

    So wirkt "Mary" nach souligem Einstieg wie der Versuch, Foreigners "I Want To Know What Love Is" im Walzertakt neu aufzulegen. "Sense Of Purpose" mit Schützenhilfe von Third World erscheint stellenweise wie eine höchst ent-rockte Version von "Keep Me Hanging On". Über weite Strecken regiert jedoch gar zauberhafter Conscious-Reggae.

    Dem drückt die Stimme Jamaikas ihren Stempel auf. Ob kratzig, gefühlvoll oder selbstironisch übertrieben: Buju Banton hat Sonne in der Kehle. Das innere Strahlen, das in seinem beseelten Gesang mitklingt, stellt sich als hochgradig infektiös heraus.

    "I know the sun will come out tomorrow, call me optimistic, I believe in life", denn: "I and I a rastafari, dreader than dread." Um sich der Strahlkraft tiefer religiöser Überzeugung zu entziehen, müsste man schon ein extrem verbittertes Heidenkind sein.

    Bei aller Sanftheit agiert Buju Banton mitreißend fröhlich, streckt helfende Hände in alle Richtungen und richtet auf, was immer ihm in die Quere kommt. "You see my smiling face and you think all is great." Womit nun wirklich alles gesagt wäre.

    Regenbogenfarbene Grüße

    Euer Ben
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LorenProfil
#3 Klaus MayerAnonym
  • 06.12.2009, 13:08h
  • "Die Aktivisten forderten danach weiterhin Konzertabsagen".
    Dass trotz eines Treffens weiterhin Konzertverbote gefordert werden, zeugt nicht von taktvollem Verhalten der Homo-Verbände.
    Andere Künstler haben sich bisher gänzlich derartigen Treffen verschlossen.
    Meine Recherechen haben ergeben, dass Buju Banton - wie im Beitrag von Ben erwähnt - in der Tat einem spirituellen Wandel unterlag.

    "Der Tod eines engen Freundes bei einer Schießerei löst 1995 eine tiefgehende Wandlung aus. Aus Buju Banton wird ein bekennender Rastafari. Roots und Consciousness nehmen in seinem Schaffen einen immer größeren Stellenwert ein, obwohl er nach wie vor auch die harten Dancehallriddims reitet.

    Inhaltlich beginnen sich seine Songs immer mehr um Spiritualität, Religion und die mentale und wirtschaftliche Emanzipation seiner Brüder und Schwestern vom herrschenden System (Babylon und seine Helfershelfer) zu drehen."

    Bin selbst im Eigentum besagter CD und halte sie für eine der Besten CDs des laufenden Jahres.
    Die Diskussion "Buttersäure gegen Sizzla" hat gezeigt - und diesberzüglich waren sich alle Streitparteien einig, dass sich die Künstler, wenn es Homophobie geht am gesprochenen Wort messen lassen müssen. Ich rufe daher eindringlich dazu auf, dass dies auch im umgekehrten Fall gelten muss, wenn es nicht um Homophobie geht. Dem Konsumenten werden ausschließlich Inhalte vermittelt, die Grundlagen eines positiven Lebensentwurf sind.

    Klaus Mayer
  • Antworten » | Direktlink »
#4 BenAnonym
#5 ForumleserAnonym
  • 06.12.2009, 14:54h
  • Ohne den Phänotyp eines Menschen zum Maßstab der Bewertung machen zu wollen, spricht die Tatsache, dass Buju Banton keinen Turban trägt, wie es für die radikal-ideologischen "Bobo Ashanti" obligatorisch ist, dafür, dass er nicht zu den religiösen Hardlinern gehört und mit diesem Sänger eine Aussöhnung wohl am ehesten möglich ist.
    Die Aussage mit dem dauerhaften "Krieg mit den Schwuchteln" nach einem Treffen mit Homo-Vertretern im Zuge der USA-Tour rührte wohl vor allem aus der akuten Verbitterung über drohende Konzertabsagen.
    Ich selbst war, wie Ben auch auf dem München-Konzert, und es ist nicht zu einer einzigen homophoben Anspielung gekommen, obwohl und vielleicht gerade auch , weil es zu keinen allzu massiven Konzertvebotsforderungen kamen.
    Ohne die Sache überbewerten zu wollen, denke ich, dass Buju Banton eine Schlüsselrolle für eine Aussöhnung spielen könnte. Insofern könnte man die "Grammy"-Verleihung vielleicht mit dem Friedensnobelpreis für Obama vergleichen. Nämlich als Vertrauensbeweis. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Buju-FanAnonym
  • 06.12.2009, 15:10h
  • Antwort auf #1 von Ben
  • Sehe die Sache genauso, wie es die "Laut-Kritik" schreibt. Durchweg positive Message. Wenn es jetzt auch nichts mehr ist, positive Nachrichten zu verbreiten und eine Auszeichnung dafür zu bekommen, muss man sich schon fragen, was denn dann noch was ist?!?
    Kann den Worten meines Vorschreibers mit dem Vertrauensbeweis verglichen mit Obamas Friedensnobelpreis nur zustimmen.
    Wenn es objektiv das beste Album ist, soll er den Preis bekommen. Ansonsten wird dieser Teufelskreis nie durchbrochen. Immer wieder gegenseitige Entäuschungen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Rasta got SoulAnonym
  • 06.12.2009, 15:44h
  • Antwort auf #1 von Ben
  • "You see my smiling face and you think all is great."

    Finde es so wohltuend zu spüren, wie die auf der CD vermittelte Lebenslust beim Anhören auf einen überspringt.
    Danke Buju, ich wüsste nicht, was ich sonst gegen meine Herbst/-Winterdepression machen würde. Eine echte Alternative zur medikamentösen Behandlung.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Alexander1Anonym
  • 06.12.2009, 15:50h
  • Wenn kein schwulen Gedisse drauf ist und sich das Album gegen die anderen Nominees durchsetzt. Bitte.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 BenAnonym
#10 I have a dreamAnonym
  • 06.12.2009, 16:27h
  • Buju Banton entschuldigt sich bei der Grammy-Verleihung bei der Dankesrede mit dem Award in der Hand für homophobe Äußerungen in der Vergangenheit. Dass wär´s doch.
  • Antworten » | Direktlink »