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Der Menschenrechtsbeauftragte Russlands, Alexander Muzykantsk, hat Schwulen und Lesben empfohlen, in Berlin für ihre Rechte zu demonstrieren. "Ich bin nicht soweit, eine Parade von sexuellen Minderheiten in Moskau zu unterstützen", sagte er der Zeitung "Novye Izvestia".

Aber Schwule und Lesben könnten nach Berlin reisen. "In den vergangenen Jahren ist Berlin de facto die Welt-Hauptstadt von sexuellen Minderheiten geworden." Da sich die Bürgermeister der Städte gut verstünden, könnte ein Abkommen geschlossen werden, dass den Repräsentanten der Schwulen- und Lesbenbewegung erlaubt, in Berlin demonstrieren könnten.

"Nicht überraschend"

Der Beauftragte habe Berlin angeboten, dafür eine Musik- oder Sportveranstaltung mit deutscher Beteiligung in Moskau abzuhalten, berichtet der russische Aktivist Nikolai Aleksejew, der den CSD in Moskau organisiert. Auf seiner Webseite GayRussia.Ru bezeichnete er die "Weigerung, Schwule und Lesben zu unterstützen", als nicht überraschend. Muzykantsk habe noch nie eine öffentliche Kampagne für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender unterstützt.

"Ein Beauftragter, der seinen Gehaltsscheck erhalten möchte, muss von heiklen Themen Abstand halten", kritisiert Aleksejew. Sein Mit-Aktivist Nikolai Bajew fühlte sich an die Zwanziger Jahre erinnert, "die meisten russischen Philosophen und Geschichtswissenschaftler im sogenannten 'philospohischen Boot' deportiert wurden".

Vierter CSD in 2010 geplant

In der russischen Hauptstadt waren CSD-Demos in den letzten Jahren immer wieder verboten worden, die Polizei setzte das Verbot mit Gewalt und Verhaftungen um. In diesem Jahr wurde der "Slavic Pride" innerhalb weniger Minuten aufgelöst, rund 40 Menschen, darunter Aleksejew, Bajew und der britische Menschenrechtler Peter Tatchell wurden verhaftet und mussten teilweise die Nacht auf einer Polizeiwache verbringen. Hoffnungen, der gleichzeitig in Moskau stattfindende Eurovision Song Contest würden zu einem sanfteren Vorgehen und einer größeren Solidarität der Grand-Prix-Besucher führen, hatten sich nicht erfüllt (queer.de berichtete).

Aleksejew will am 29. Mai 2010 den vierten CSD in Moskau abhalten. Vermutlich vorher werden sowohl das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen als auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das bisherige Vorgehen der Moskauer Behörden rüffeln. (nb)



14 Kommentare

#1 TimmAnonym
  • 08.12.2009, 23:35h
  • Die Demonstrationen in Moskau und Warschau gehören gestärkt und natürlich muss das Thema dort verstärkt in die Öffenlichkeit.

    Während jetzt selbst in Irland die Eingetragene Lebenspartnerschaft ab 2010 ermöglicht wird und damit in allen west- und nordeuropäischen Staaten homosexuelle Paare staatlicherseits anerkannt sind, sieht es gerade in Staaten Osteuropas schlechter aus; da sind sogar Länder Südamerikas schon weiter.

    Auf Staaten wie Polen und Russland gehört entsprechender demokratischer Druck, damit homosexuelle Paare auch dort ein Mindestmaß an staatlicher Anerkennung erhalten, wie dies jetzt endlich in Irland und in Österreich geschieht.

    Daher wir sollten auf den CSDs nicht in Köln, Berlin oder Hamburg demonstrieren, sondern eigentlich nach Warschau und Moskau reisen; leider ist der Weg dorthin aber weit...

    Die Antwort müßte daher an den Menschenrechtsbeauftragten Russlands, Alexander Muzykantsk, lauten:

    Berliner CSD muß in Moskau und in Warschau stattfinden.
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#2 Liedel
  • 08.12.2009, 23:45h
  • Für die Russen ist das natürlich doof. Aber für unseren mittlerweile kotzlangweiligen, ermüdenden CSD wär das ja DIE Belebung schlechthin! Mal ein echtes politisches Anliegen (nach den ganzen nichtssagenden Dingern der letzten Jahre). Und die Party dürfte ebenfalls krachen
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#3 Lupo__Profil
  • 08.12.2009, 23:48hBielefeld
  • Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird das vermutlich nicht rüffeln, sondern als Bruch der Europäischen Menschenrechtskonvention CETS 005 verurteilen. Das Urteil wird dann an den Europarat verwiesen, der die Umsetzung des Urteils überwachen wird, um Menschenrechtsverstöße dieser Art in Zukunft in Russland zu verhindern.

    Der Menschenrechtsbeauftragte Alexander Muzykantsk läßt in seiner Betrachtung völlig außer Acht, daß LGBT in Russland nach der russischen Verfassung Kapital Zwei das Recht auf Versammlungsfreiheit haben. Dieses kann natürlich nur in Russland gewährt werden, die Genehmigung von Protesten auf deutschem Boden kann logischerweise nur von deutschen Behörden erfolgen. Wundern tut mich seine Einstellung nicht, da er unter den Fittichen des Moskauer Oberbürgermeister Luzhkov in sein Amt eingesetzt wurde. - Zu "politische" Dinge sind für ihn nicht zu befürworten.
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#4 Gay BullyingAnonym
#5 Lupo__Profil
  • 09.12.2009, 01:22hBielefeld
  • Antwort auf #1 von Timm
  • Mm, ein treffender Kommentar.
    Der nächste Europride (übrigens der erste auf osteuropäischem Boden) findet am 17. Juli 2010 in Warschau statt. Ich bevorzuge fliegen statt bahnfahren.
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#6 Eon WintershallAnonym
  • 09.12.2009, 08:40h
  • Für philosophische Bootfaher:

    Die fünf größten Flüße mit Mündungsgebiet in Europa sind,

    der Northstream,
    der Southstream,
    die Wolga,
    die Donau,
    und
    der Dnjepr.
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#7 herve64Profil
  • 09.12.2009, 09:24hMünchen
  • Antwort auf #2 von Liedel
  • Also, wenn Du zur Veränderung eines hiesigen CSDs von einem nichtssagendem Ding wirklich die Unterstützung aus anderen Staaten brauchst, dann lieferst du hier ein erbärmliches Armutszeugnis. Auch in diesem Land haben wir weiß Gott mit Problemen zu kämpfen, und nur weil es eine Homo-Ehe gibt und wir einen schwulen Außenminister haben, hat die staatliche Diskriminierung noch lange nicht aufgehört. Warum z. B. gibt es immer noch keinen verfassungsrechtlichen Diskriminierungsschutz auf Grund der sexuellen Orientierung? Warum dürfen schwule bzw. lesbische Paare auch in Zukunft keine Kinder adoptieren?
    Und auch gesellschaftlich liegt einiges im Argen: warum hetzen Hassprediger aller monotheistischen Religionen oder solchen, die sich dafür halten, weiterhin ungestraft gegen Schwule? Warum nehmen homophobe Überfälle und Übergriffe zu? Warum dürfen hier Dancehall-Sänger und schlechte Rapper gegen Schwule hetzen?
    Und das war nur die Spitze des Eisbergs: Themen gibt es also en masse hier. Man müsste sich nur ihrer annehmen bzw. ihnen mehr Gewicht verleihen, dann kriegen auch die CSDs wieder Aussage. Das kann man allerdings nur dann erreichen, wenn man diese karnevalistische Party-Party-über-alles-Stimmung zurückfährt, die momentan alles übertüncht.
    Back to the roots: der CSD ist dem Wesen nach ursprünglich eine politische Demonstration gewesen, heutzutage hat er eher den Charakter eines Karnevalsumzugs im Hochsommer.
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#8 karnevalist Anonym
  • 09.12.2009, 09:41h
  • Antwort auf #7 von herve64
  • das eine schließt das andere nicht aus.

    karneval kann auch schön sein.
    man kann nach den eis-dielen vielleicht bei der
    gas-diele vorbeischauen.
    da fehlt bunte vielfalt, scheint mir.

    die gaz-diele

    Link zu www.stadtentwicklung.berlin.de (JPG)

    GAZPROM GERMANIA
    Berlin, Markgrafenstraße 23
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#9 TommAnonym
  • 09.12.2009, 09:57h
  • "Ein Beauftragter, der seinen Gehaltsscheck erhalten möchte, muss von heiklen Themen Abstand halten", kritisiert Alekseev."

    UNGLAUBLICH !!

    Da hat sich in den letzten 100 Jahren im Land von Väterchen Frost wohl nicht viel verändert !? Und um wieder einigermaßen ins moderne "Weltbild" zu passen, ernennt Man(n) eben schnell einen "Menschenrechtsbeauftragten" (ohne Rechte und das Recht auf freie Meinungsäusserung)....
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#10 Ras PutinAnonym