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MeinungStandpunkt
  • 10.12.2009           307       | | |

Standpunkt: Queere Jakobiner

Protest gegen den Kongress in Marburg - Quelle: Capture aus dem Hessischen Rundfunk
Protest gegen den Kongress in Marburg
Bild: Capture aus dem Hessischen Rundfunk
Am Montag haben Studenten der Uni Köln gegen einen Vortrag der Philosophie-Professorin Edith Düsing über Friedrich Schiller mit einem Kiss-in im Hörsaal demonstriert. Das Autonome Lesben- und Schwulenreferat an der Uni Köln (LUSK) hatte zuvor ein Auftrittsverbot gefordert, weil Düsing Mitunterzeichnerin der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung - gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände" ist. Darin sprachen sich Wissenschaftler, aber auch Bischöfe, Politiker und Richter gegen ein Verbot des Auftritts von zwei "Homo-Heilern" bei einem Psychologen-Kongress in Marburg im Mai aus, der Kongress fand schließlich unter großem Protest statt (queer.de berichtete).

Timm-Nachrichtenchef Dirk Ludigs sieht in dem Verhalten der Protestler ein falsches Verständnis von demokratischen Freiheitsrechten. (nb)


Ob Wissenschaftler wie Edith Düsing ein gestörtes Verhältnis zu Homosexuellen haben, weiß ich nicht. Dass ihre Kritiker ein gestörtes Verhältnis zur Freiheit haben, ist aber gewiss.

Die Freiheit der Wissenschaft und die Meinungsfreiheit gehören zu den höchsten Gütern unserer Grundordnung. Mutige Menschen haben sie zum Teil um den Preis ihres Lebens in den vergangenen Jahrhunderten gegen Kirchen und totalitäre Staatsformen errungen. Wer diese Freiheiten einschränken möchte braucht sehr gute Gründe. Die queeren Protestler von Marburg und Köln haben sie bis heute nicht vorgebracht. Wohl aber haben sie ihr gestörtes Verhältnis zur Freiheit selbst unter Beweis gestellt.

Natürlich müssen Menschen in einer freien Gesellschaft die Frage stellen dürfen, ob Homosexualität eine Krankheit sei. Natürlich müssen sie dazu forschen dürfen. Natürlich stimmt es, dass Homosexuelle mehr als andere an psychischen Krankheiten leiden. Natürlich muss die Frage erlaubt sein, ob das alles nur an der bösen Gesellschaft liegt. Nicht dass ich die Meinung evangelikaler Christen teile, aber: Wer sie verbieten will, macht den ersten Schritt in Richtung Gesinnungsdiktatur. In Marburg und Köln offenbarte sich also vor allem das alte Problem der Linken mit der Freiheit. An beiden Orten war ein queeres Jakobinertum am Werk, das, so schwant mir, auch die sprichwörtlichen Guillotinen auszupacken bereit wäre, geriete nur ein Quäntchen zu viel Macht in seine Hände.

(Fortsetzung nach Anzeige)


Kampagne gegen die Professorin

Dirk Ludigs
Dirk Ludigs
Besonders augenscheinlich wurde das in der Kampagne gegen die Professorin Dr. Edith Düsing. Da fordern also Homosexuellen-Aktivisten ein Rede- und Berufsverbot für jemanden, dessen Gedankenverbrechen darin besteht, sich für die Rede- und Wissenschaftsfreiheit einzusetzen. Wie tief ist diese Bewegung nur gesunken! Auch wenn den Protestierenden, wie mir, die Richtung dieser Meinung und Forschung nicht passt: Die Grundrechte schützen eben nicht nur die richtige Meinung oder die kluge Forschung. Wer das nicht aushält, sollte sein Verhältnis zur Demokratie überprüfen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich gibt es ebenso ein Recht, gegen Forschungsinhalte, religiöse Dogmen oder fragwürdige Therapien zu protestieren und zu argumentieren. Darum geht es nicht. Es geht um den Ruf nach Verboten.

Politisch dumm

Die Forderungen von Gruppen wie dem Kölner Lesben- und Schwulenreferat sind aber nicht nur demokratisch fragwürdig. Sie sind darüber hinaus auch politisch dumm. Wer Denkverbote fordert, muss doch wissen, wie sehr er damit seine Gegner stärkt. Die Marburger Erklärung für Freiheit und Selbstbestimmung, vor allem aber die Stellungnahme Edith Düsings von 7. Dezember, und das tut einem schwulen Veteranen durchaus weh, sind argumentativ smarter als ihre Kritiker. Es wird Zeit, sich inhaltlich auseinanderzusetzen und das dumpfe Krakeelen einzustellen.

Wer Mohammed-Karikaturen verteidigt, muss evangelikale Christen aushalten. Das Totschlagargument "Homophobie ist keine Meinung", bei gleichzeitiger alleiniger Deutungshoheit des Begriffes "homophob", ist rosa lackierter Totalitarismus.

Dirk Ludigs ist zurzeit Nachrichtenleiter des Senders TIMM und war zuvor Chefredakteur verschiedener bundesweiter Magazine ("Front", "Du & Ich"). Der Absolvent der Henri-Nannen-Schule arbeitete als Redakteur bei der Fernsehsendung "liebe sünde" (ProSieben) und lebte von 1996 bis 2001 als freier TV-Produzent in Los Angeles. Er ist darüber hinaus auch Bestseller-Autor von Ratgebern, darunter "Ran an den Mann" (dtv).

Links zum Thema:
Presseerklärungen des LUSK zum Thema
Erklärung von Edith Düsing
Marburger Erklärung für Freiheit und Selbstbestimmung

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Tags:  homo-heiler   kommentar   dirk ludigs 
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#1
10.12.2009
15:13:19


(+11, 15 Votes)

Von Good ol friend

Faschismus ist keine Meinung!

Angriffe auf die Menschenwürde und auf das gleichberechtigte Existenzrecht homosexueller Menschen sind keine "Meinung"!

Nazi-Praktiken (siehe "Umpolung" von Homosexuellen) sind keine Meinung!

Vielmehr handelt es sich um inakzeptable Verbrechen gegen die elementaren Grundwerte einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft und vor allem gegen die Betroffenen!

Wenn wir diesen widerlichen Auslöschungsideologien, die hier perverserweise unter dem Deckmantel der demokratischen "Meinungsfreiheit" salonfähig gemacht werden sollen, nicht mit ganzer Entschlossenheit entgegentreten, dann sind wir schon fast wieder da, wo wir schon einmal waren, als Tausende von Schwulen in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Der oben stehende Beitrag ist eine absolut verantwortungslose Verharmlosung des faschistischen Gedankengutes, wie es gegenüber keiner anderen Opfergruppe des Nazi-Terrors jemals geduldet werden würde. Und er zeugt somit von einer skandalösen Geschichtsvergessenheit und von einem für uns als Schwule und Lesben FATALES Fehlverständnis von Freiheit und Demokratie. Wenn angeblich schwule Medien einen solchen Unsinn verbreiten, dann brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dass homosexuelle Menschen in dieser Gesellschaft weiterhin wie der letzte Dreck behandelt werden dürfen.

Noch einmal: Homophobie und Diskriminierung von Homosexuellen sind keine Meinung, sondern ein Verbrechen und gehören auch endlich als solche behandelt und geahndet. Und Auslöschungsdiskurse wie die, um die es hier geht, erst recht!

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#2
10.12.2009
15:15:58


(+9, 11 Votes)

Von cyris

Als jemand, der diese Ereignisse nur aus der Ferne verfolgt hat, halte ich diesen Kommentar trotzdem für unangemessen.

1) Eine Knutsch-Demo im Vorlesungssaal wird ja wohl noch gestattet sein; vor allem, wenn die Leute nach Bitte von Fr. Düsing den Saal verlassen haben. Wir haben schließlich Demonstrationsfreiheit in Deutschland.

2) Es ist allmählich genug mit den "Wissenschaftlern", die Homosexualität für therapierbar halten. Sind denn in den vergangenen Jahrhunderten bis Jahrzehnten nicht genug menschenverachtende Experimente durchgeführt worden, alle mit dem Ziel, Homosexualität zu "heilen" ? Und sind diese Umpolungsversuche nicht am Ende alle gescheitert ?
Man kann gerne extreme, religiös motivierte Ansichten vertreten, aber dann bitte nicht unter dem Deckmantel der Wissenschaft !!
Dort, wo "Wissenschaftler" anfangen, mit Lügen und Halbwahrheiten zu arbeiten, hört für mich die Freiheit der Wissenschaft auf.

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#3
10.12.2009
15:17:40


(+9, 13 Votes)

Von Good ol friend

Antwort zu Kommentar #1 von Good ol friend:
Siehe auch hier:


Link zu www.queer.de


Das sind dieselben Leute, die auch bei uns die "Veränderbarkeit von Homosexualität" propagieren und die dann von Dozenten an öffentlichen Universitäten offene Unterstützung erfahren. Wehret den Anfängen!!!

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#4
10.12.2009
15:21:32


(-11, 15 Votes)

Von Gerd

Ich stimme dem Kommentar 100%ig zu. Hätte die Dame ihre wirren Thesen zu Homosexualität öffentlich an der Kölner Uni vorgetragen, hätte ich den Protest verstanden und begrüßt.

Aber aufgrund ihrer privaten Meinung eine Vorlesung über Schiller zu stören, finde ich albern und kindisch. Wir sind heute so weit, dass die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht die Meinung der Professorin teilt, Schwulsein sei eine psychische Krankheit. Deshalb sollte man sich in seriösen Diskussionen mit ihr auseinander setzen und sie nicht in der Ausübung ihres Berufs als Philosophie-Professorin behindern.

Besonders ärgerlich an solchen Aktionen finde ich, dass ich mich gezwungen sehe, mich mit Leuten zu solidarisieren, deren Ansichten ich eigentlich überhaupt nicht teile.

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#5
10.12.2009
15:28:10


(+1, 17 Votes)

Von Knueppel
Mitglied seit 29.07.2009

Lieber Dirk Ludwigs,

es ehrt Sie sicher, dass Sie sich so für das Recht der freien Meinungsäußerung einsetzen. Sicher würden Sie es dann auch noch als völlig akzeptabel hinnehmen, wenn Sie diejenigen, die dafür mit ihrer Propaganda gesorgt haben, aus dem Gefängnis oder der Psychiatrie verteidigen müssten.

Polemik vorn mir? Sicher! Allerdings basierend auf Lebenserfahrung. Ich habe mein Coming-Out in einer Zeit gehabt, als in Deutschland Homosexualität noch mit Gefängnis (und damit verbunden der sozialen Vernichtung) bestraft wurde. Auch die darauf folgende "milde" Beurteilung als "Geisteskrankheit" habe ich mit erlebt (damals gab es in der D'dorfer Kunsthalle eine Ausstellung mit dem Titel "Krankheitsbild Homosexualität").

Es ist im übrigen ein "Argumentationstrick" sehr rechter Kreise von denjenigen, die Opfer von Gewalt und Anfeindungen sind, mit dem Brustton der Überzeugung "Toleranz" für die geistigen Brandstifter, Täter! zu fordern. Ich werde damit fast täglich in div. Internet-Foren konfronierte, in denen ich schreibe. Das ist eine Verschleierung der Machtverhältnisse!

Sie sind also Nachrichtenchef von "TIMM" ...
Dann wage ich einfach 'mal Kritik am Programm dieses Senders "für Schwule": ES IST NAHEZU UNERTRÄGLICH! Bis auf die "Timmousine" sehe ich kaum aktuelle Reportagen, Berichte, Dokumentationen aus der schwul-lesbischen Community/Szene in Deutschland. Und ... den abgelutschten, verstaubten "Denver-Clan" dürfen Sie bzw. der Unterhaltungschef von "TIMM" sich gern dahin stecken, wo es uns Schwulen im allgemeinen am meisten Lust bereitet.

Mit schwulen Grüßen
Knueppel

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#6
10.12.2009
15:34:12


(+9, 11 Votes)

Von Good ol friend

Antwort zu Kommentar #4 von Gerd:
Diese Person hat ihre Stellung als Professorin missbraucht, um eine Erklärung zur Unterstützung der perversen Auslöschungspraktiken - im Göbbelschen Propagandadeutsch heißt das "Chance auf Veränderung", "ergebnisoffen", "Homosexualität = Ergebnis eines Konfliktes mit dem Vater" usw. - zu unterschreiben, wie sie im Rahmen des Marburger "Kongress für Seelsorge und Psychotherapie" salonfähig gemacht wurden.

Das hat mit einer privaten "Meinung" nichts zu tun, sondern ist ein völlig inakzeptabler, öffentlicher Angriff auf die Menschenwürde und auf das gleichberechtigte Existenzrecht von Homosexuellen. Wann werden solche Verbrechen gegen die Menschenwürde endlich als das geahndet, was sie sind???

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#7
10.12.2009
15:46:06


(-10, 14 Votes)

Von Gerd

Na ja, beruhig Dich mal wieder!

Nur weil sie eine etwas wirre Meinung über Schwule hat, ist sie kein weiblicher Goebbels, die Schwule auslöschen will.......

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#8
10.12.2009
15:46:19


(+10, 12 Votes)

Von daisy

rosa lackierte faselbacke

gut(weltwoche) & ef
werden ihn zitieren.

wo willen denn hin
der pink di lorenzo ?

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#9
10.12.2009
15:57:47


(-11, 15 Votes)

Von Gerd

Na ja, beruhig Dich mal wieder!

Nur weil sie eine etwas wirre Meinung über Schwule hat, ist sie kein weiblicher Goebbels, die Schwule auslöschen will.......

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#10
10.12.2009
16:03:20


(+9, 11 Votes)

Von goddamn. liberal

Zunächst einmal: das Faschismus-'Argument' trägt nicht weit, weil Antihomosexualität leider älter ist und tiefer geht als der Faschismus des 20. Jahrhunderts.

Was Dirk Ludwigs jedoch da vorträgt, zeugt
schlicht und einfach von mangelndem historischen Bewußtsein. Man kann nicht immer nur nett sein, wenns an das eigene Existenzrecht geht (auch wenn gerade Schwule auf Nettigkeit konditioniert sind). Wer - wie Frau Düsing als Fachfremde, nämlich als Philosophin - das psycholgische Wegtherapieren von schwuler Liebe gutheißt (siehe 'Express'), der steht - vielleicht ungewollt - leider in einem historisch-politischen Kontext, der auf klerikale Sodomiterverbrennungen, Therapieversuche in 'Buchenwald', sowjetische Psychiatriegefängnisse, aber auch die Vernichtung des brit. Wissenschaftlers Alan Turing verweist. Das ist der 'Stahlgriff totalitärer Herrschaft' (Hannah Arendt), nicht das Kiss-In von Köln. Man kann die Geschichte der Homophobie nicht umschreiben und man es gehört nicht zur Freiheit, Mitmenschen ihr Lebensrecht, so wie sie nun einmal sind, abzusprechen (wie es evangelikale Kaderschmieden tun, wenn sie uns Gefahr für die Zivilisation hinstellen).

Zu den 'wissenschaftl.' Untersuchungen zur Homosexualität kann man nur festhalten, dass es wertfreie Wissenschaft nicht gibt. Schon gar nicht, da, wo - wie bei radikalen Klerikalen und Islamisten - das Unwerturteil über gleichgeschlechtliche Liebe nicht aus der Empirie, sondern von Vornherein aus ihrer eigenen religiösen Tradition kommt, Die 'Wissenschaft', die bei Frau Vonholdt u.a aus dem Zitieren amerikan. Radiomoderatoren , besteht, ist da nur eine Zugabe im alten Vernichtungsdiskurs. Die Voreingenommenheit gilt natürlich auch für die Studien liberaler amerikan. Universtitäten die z. B. Schwulen und Lesben glücklichere Beziehungen als Heteros bescheinigen.

Der Jakobinismus-Vorwurf macht mich, der ich wie Heine ein freier Sohn des Rheins bin, allerdings schmunzeln. Ich bin ein Produkt der Französischen Revolution und stehe dazu. Sie hat dafür gesorgt, dass ich kein dummer frommer Bauer wie meine Vorfahren mehr bin, sie hat mir mein Lebensrecht als freier Bürger, der Männer (v.a. einen!) liebt, erst ermöglicht (Code Penal v. 1791). Die im Kommentar hochgehaltene Meinungsfreiheit für andere Menschen als Klerus und Adel ist somit selbst ein Produkt des bösen Jakobinismus.

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#1
12.12.2009

Blog: Steven Milverton
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