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  • 15. Juni 2004, noch kein Kommentar

Der derzeit heißeste amerikanische R&B-Sänger bricht Charts-Rekorde in Amerika und räumt hierzulande mit seinem neuen Album "Confessions" ab.

Von Jan Gebauer

Wer die amerikanischen Charts über die letzten Jahre ein wenig verfolgt hat, dem wird auffallen, dass man ohne R&B, Hip Hop und Rap fast keine Chance auf die vorderen Ränge hat. Wenn man sich die aktuellen Top Ten anschaut, könnte man meinen, man muß Usher (26) heißen, um noch Spitzen-Positionen ergattern zu können. Gleich drei seiner Titel finden sich unter den Top Ten wieder. Das hat seit den Bee Gees Ende der 70er Jahre keiner mehr geschafft und erinnert an die Dominanz der Beatles. "Burn" auf Platz eins, "Confessions Part II" auf Platz fünf und der weltweite Smash Hit "Yeah" immer noch auf Platz sechs (nach vier Wochen auf Platz eins), vermeldet das US Branchen-Blatt Billboard in seinen Charts für den 19. Juni. In Umfragen rangiert der junge Mann mit dem Traumkörper und dem unwiderstehlichen Mund derzeit überall auf Top-Positionen, und seine schwule Fan-Gemeinde wächst stetig.

Das Energiebündel ist mittlerweile seit fast zehn Jahren eine feste Größe im Show-Geschäft. Auf der Bühne schlägt der Texaner Saltos aus dem Stand und vermittelt den Eindruck, dass ihn nichts und niemand aufhalten kann. Sein Album "My Way" (1997) verkaufte sich alleine in den USA sechs Millionen mal. Die Singles "Nice & Slow" (1998), "U Remind Me" und "U Got It Bad" (2001) erreichten alle Platz eins der Billboard-Charts, sowohl im Pop, als auch im R&B Bereich. Szene-Kenner schwärmen von ihm als den neuen "King of Pop". Dabei sieht Usher die derzeitige Musik-Szene kritisch: "Der heutigen Musik mangelt es an Spannung und Qualität. Und an Charakteren mit Stehvermögen. Der R&B führt ein Mauerblümchen-Dasein und wird vom HipHop überlagert. Er nimmt nicht mehr die Vormachtstellung ein, wie in den 60ern und 70ern. Damals war Soul ein Gefühl und ein Lifestyle gewesen.", sagte der Künstler der Financial Times Deutschland.

Album-Review:

Ich gebe offen zu, als ich "Yeah" das erste Mal hörte, war es für mich das nervigste Lied seit Eiffel 65 mit "Blue" die Radio-Luft verpestete. Dementsprechend kritisch nahm ich Ushers viertes Studio-Album in die Hand, das in den USA schon vier Millionen mal über die Ladentische ging. Doch welch eine Überraschung, auf dem Album gibt es kaum eindimensionale Songs dieser Prägung. Im Gegenteil versucht Usher modernen R&B auf seine Art zu definieren, ohne Hip Hop außen vor zu lassen. Natürlich verlässt er sich wie für das Genre üblich, auf geschickt gestreute Samples, beispielsweise bei "Throwback" mit einer Passage aus Dionne Warwicks exzellentem "You're Gonna Need Me" (1973). Die Grand Dame der amerikanischen Sangeskunst schmiegt sich perfekt an das softe Organ von Usher an. Bei dem heißen Slow Jam "Truth Hurts", dass Usher mit dem Hit-Team Jimmy Jam & Terry Lewis (Janet Jackson, Mariah Carey, Boyz II Men, etc.) geschrieben hat, verblüfft der Sänger gerade mit den aussagekräftigen Lyrics, in denen er das Szenario einer Beziehung skizziert, in der ein Mann seiner Frau Untreue vorwirft, um von seinen eigenen Seitensprüngen abzulenken. Auch wenn in Ushers Musik die Kommerzialität eine große Rolle spielt, gefallen gerade solche Stücke, fernab vom typischen "come on baby, let's fuck"-Gesülze vieler Hip Hop-Künstler. Bei siebzehn Songs ist zwar auch das ein oder andere überflüssige Füllwerk dabei, im Großen und Ganzen sind die Songs aber gut gestrickt und sehr gefällig. Und siehe da, ich schnippe mittlerweile sogar zu "Yeah". Wenn Usher so weiter macht, wird mit dem Erfolg noch lange nicht Schluss sein.

15. Juni 2004, 12:00