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Noch bis zum 9. Januar 2010 läuft die Ausschreibung des zweiten Videos für das Homosexuellen-Denkmal in Berlin - doch das Ergebnis ist vorgegeben

Von Eberhard Zastrau

In Berlin schreibt man derzeit ein neues Video aus, das im Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nazi-Regimes gezeigt werden soll (queer.de berichtete). Gegenüber vom Denkmal für die ermordeten Juden Europas soll nun nach dem Willen des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) ein Video mit zwei küssenden Frauen das Denkmal für die verfolgten Schwulen geschlechtsneutral verklären. Die Initiatoren verbrämen ihre Geschichtsklitterung damit, dass sie aus dem Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten und verfolgten Nazi-Opfer ein Mahnmal für gleichgeschlechtliche Ehe und Beamtenpensionen machen wollen, denn vor allem diese Ziele sind vom einstigen Befreiungskampf der Schwulen (und Lesben) übrig geblieben, wenn man den politischen Forderungen deutscher Homogruppen Glauben schenken darf.

Nach dem Willen des Bundestags soll das Denkmal am Rand des Tiergartens an die Opfer der Verfolgung erinnern und das Bewusstsein für das Verfolgungs-Unrecht wachhalten. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Wie wenig die existentielle Verfolgung, die Bedrohung an Leib und Leben in der Nazizeit, anscheinend im aktuellen Diskurs noch eine Rolle spielt, zeigt auch eine Hamburger Ausstellung, die dieser Tage im Berliner Schwulen Museum gezeigt wird. "Verfolgung Homosexueller in Hamburg 1919 bis 1969" lautet der Titel; die beiden geschichtszerreißenden Brüche dieses Zeitabschnitts – die Machtübergabe an die Nazis und die Befreiung vom Nazi-Terror – werden weder im Titel noch in der Ausstellung selbst sichtbar. Da steht das erschütternde Schicksal der von den Nazis ermordeten Jüdin Mary Pünjer scheinbar gleichrangig neben der Hammer-Aktion Corny Littmanns gegen die Überwachungsspiegel der Hamburger Nachkriegspolizei.

Lesben-Partys wurden von der Gestapo geduldet

Der in den Weimarer Jahren berühmte Couplet-Sänger Paul O'Montis war in Hannover aufgewachsen und wurde als Rosa-Winkel-Häftling im KZ Sachsenhausen ermordet. Für sein Schicksal war in einer Hannoveraner Ausstellung zur Homosexuellenverfolgung jedoch kein Platz, stattdessen fand die Sängerin Claire Waldoff prominente Erwähnung. Sie war wenigstens in einer sehr kurzen Lebens-Episode mit Hannover verbunden und konnte mit ihrer Freundin in der Nazizeit unbeschadet in bayerischen Gefilden leben, beide sind in gemeinsamer Grabstelle beigesetzt worden. Gerade die Präsentation dieser beiden Lebenswege hätte die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Schicksalen schwuler Männer und der Lebenssituation "tribadischer" Frauen in der Nazi-Zeit aufzeigen können. Doch das war offensichtlich von der hannoverschen Ausstellungsmacherin nicht gewollt.

Von einer Verfolgung, die Frauen wegen ihrer Homosexualität an Leib oder Leben bedroht hätte, kann man redlicherweise nicht sprechen. Im Gegenteil: Unpolitisches lesbisches Freizeitvergnügen – etwa in regelmäßigen Massentanzveranstaltungen bis ins Jahr 1940 – wurde von der Berliner Gestapo zwar beobachtet, aber nicht unterdrückt.

Die Geschichtsklitterung kommt auf leisen Sohlen daher. Nach einer "Emma-isierten" Medienkampagne gegen den bereits ausgewählten Denkmal-Entwurf knickte die Bundesregierung 2007 vor dem Sturmgeschütz der Frauenbewegung ein und nötigte die Künstler des Denkmals, einer Konzeptänderung zuzustimmen, damit eben alle zwei Jahre ein neues Video für das Denkmal entstehen sollte. In den offiziellen Texten tauchte das Ziel, die Lesben geschichtsklitternd in das Denkmal zu bringen, nicht auf. Auch die offizielle Ausschreibung für das neue Denkmal-Video verschweigt das eigentliche Ziel der Denkmal-Initiatoren, mit dem zweiten Video nun lesbische Frauen in den Mittelpunkt zu rücken. Nur in einem Beiblatt zur "Debatte um das Denkmal" kann man das geschichtsklitternde Ziel aus zwei kargen Sätzen eher ahnen als erkennen.

Verzerrung der Vergangenheit für gegenwärtige Zwecke

Es wäre sicher auch schwer geworden, offiziell zu verkünden, dass auf der einen Seite der Berliner Ebertstraße an sechs Millionen ermordete Juden erinnert wird, während auf der anderen Straßenseite unter der gleichen Überschrift "Verfolgung in der Nazi-Zeit" daran erinnert wird, dass Lesben ihrer Zeitschriftenlektüre verlustig gingen. Die Betreuung des Denkmals – und damit auch die Ausschreibung des neuen Videos – obliegt sinnigerweise der Stiftung für das Holocaust-Denkmal. Doch die Auswahl des Videos treffen die politisch Verantwortlichen aus Bund und Land gemeinsam mit den geschichtsvergessenen Initiatoren des Denkmals.

Wie warnte doch 2007 die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten? "Die Verzerrung der Vergangenheit für gegenwärtige Zwecke – und mag sie noch so gut gemeint sein – beschädigt und delegitimiert aber die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Ganzen."



71 Kommentare

#1 dummfugAnonym
  • 13.12.2009, 13:12h
  • So wichtig das Thema ist, so wichtig ist es, dies auch als lesbaren Text verständlich darzustellen. Wir brauchen bestimmt keine Bild-ähnlichen Texte oder gar Texte wie in Huxleys Roman nur noch in Hauptsätzen und Großbuchstaben.

    Aber bei diesem Text musste ich stoppen, oft zwei-, dreimal lesen und selbst die Überschrift ergooglen. Schade eigentlich. Thema nicht verfehlt, aber der geschriebene Text erschließt sich mir nicht gut genug.
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#2 carolo
#3 EnyyoAnonym
  • 13.12.2009, 14:09h
  • @1+2: ich bin weder Germanist noch Historiker, dennoch fand ich den Text sehr gut lesbar. "Klitterung" war mir auch nicht geläufig, dennoch verstehe ich, dass der Autor diesen Begriff wählte, um nicht gleich mit dem Vorschlaghammer der "Geschichtsfälschung" zu kommen.

    Grundsätzlich ist die ganze Geschichte ein absoluter Hammer und ein unverschämter Schlag allen durch die NS verfolgten und vernichteten Schwulen gegenüber.

    Man sollte die Story m.E. eher noch "Bild-"hafter formulieren, um vielleicht auch über andere Medien ein paar Heteromänner aufzurütteln, dass zu Gunsten angeblicher "Gleichberechtigung" ständig bzw. immer mehr Ungerechtigkeiten gegenüber Männern statt finden.

    Wie sagte es der Kabarettist Mathias Riechling gestern so schön: "Frauen arbeiten heute 2/3 so lange wie Männer für 3/4 des Geldes, wer ist hier also der Dumme?".

    Eines Tages sind dann die Männer gerade noch geduldete Samenspender unter der Herrschaft der großen Mutter.

    www.wikiweise.de/wiki/Geschichtsklitterung
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#4 herve64Profil
  • 13.12.2009, 15:06hMünchen
  • Diese ewige Vereinnahmung aller Opfergruppen durch die Feministinnen ist einfach unerträglich! Es ist einfach unsinnig, "Gleichberechtigung" bei geschichtlichen Ereignissen betreiben zu wollen, die es von Haus aus da nicht gibt. Die auf Grund ihrer homosexuellen Veranlagung totgemachten Opfer der Nazi-Barbarei waren durch die Bank Schwule. Es waren also AUSSCHLIESSLICH Männer, die mit Leib und Leben für ihre Homosexualität bezahlten. Und genau an diesen Umstand hat das Denkmal zu erinnern und sonst gar nichts.
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#5 carolo
  • 13.12.2009, 15:13h
  • Antwort auf #3 von Enyyo
  • > @1+2: ich bin weder Germanist noch
    > Historiker, dennoch fand ich den Text
    > sehr gut lesbar.

    Mein "nichts hinzuzufügen" galt auch dem Text und nicht dem Kommentar von 'dummfug'.

    Sowas passiert, wenn man zu den ersten Kommentatoren gehört und die übrigen Kommentare noch nicht gesehen hat, weil sie noch nicht freigegeben sind.

    Wieder was gelernt. :-)

    Carolo
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#6 RalfAnonym
  • 13.12.2009, 15:19h
  • Erneut zeigt sich, wie verfehlt die ganze Konzeption und Ausführung dieses "Mahnmals" ist - ein Steinquader mit Kussvideo... Ein Denkmal, das sich in Gestalt und Würde ein wenig am Frankfurter Engel oder am Amsterdamer Winkel orientiert hätte, böte gar keinen Ansatzpunkt für den geschichtsvergessenen Schwachsinn, den man da in Berlin treibt.
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#7 Sven_
  • 13.12.2009, 15:25h
  • Also ich finde den Text sehr gut lesbar.
    Leider muss ich den drei ersten Kommentatoren hier mit dem Verdacht großer Verdummung ihrerseits begegnen.
    Ich gehe davon wegen von einer Selbstverschuldung als viel mehr von der Verschlechterung unseres Bildungssystem aus.

    Gerade "Geschichtsklitterung" liest man doch allzu oft in der aktuellen Presse.

    Zum Inhalt:
    Schon als erstmalig über die Ausschreibung und den ganzen Emma-Wahn berichtet wurde, hatte ich mich quasi übergeben müssen, vor so viel Dummheit (in allen Bereichen der Bevölkerung). Selbstverständlich waren Lesben nicht akzeptiert und ja Frauen allgemein wurde das sexuelle Lustempfinden abgesprochen. Und es ist sicherlich wichtig, sich das Recht auf seine Sexualität zu erkämpfen, da hat die Frauenbewegung mit der Lesben- und Schwulenbewegung unheimlich viel gemeinsam.
    ABER systematische Ermordung auf Grund der sexuellen Identität erfuhren eben nicht Frauen oder Lesben, sondern nur schwule Männer!
    Alles andere ist quatsch.
    Und ja, mir ist bekannt, dass einige Frauen wegen assozialen Verhalten inhaftiert wurden.
    Aber das richtete sich weder speziell gegen Lesben, noch wurden alle Lesben systematisch verfolgt. Es traf auch heterosexuelle Frauen.

    Wie bereits gesagt, als sich damals die Emma durchsetzte, war das Denkmal schon entweiht und quasi nur noch ein Denkmal gegen die Frauenunterdrückung, die mal auch ein bisschen Schwulenbewegung zulässt.
    Es gibt weiterhin in Deutschland kein Denkmal, dass an die von den Nazis ermordeten schwulen Männer erinnert.
    Und es gibt auch ein Denkmal für die verfolgten und bestraften Schwulen der frühen BRD erinnert.

    PS: Ich hoffe, mein Kommentar kommt durch die Netiquette.
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#8 SebiAnonym
  • 13.12.2009, 15:25h
  • Dem kann ich mich nur anschließen:

    natürlich stehen wir Schwulen und Lesben zusammen, wenn es um Gleichberechtigung, Eheöffnung, etc. geht.

    ABER:
    dieses Mahnmal ist kein Denkmal für Eheöffnung, etc., sondern für die verfolgten Schwulen der Nazidiktatur.

    Lesben haben Lokale, Verlage, etc. verloren, aber Schwule sind ins KZ gekommen und haben ihr Leben verloren.

    Im Gegensatz zu Lesben wurden Schwule systematisch verfolgt und ausgerottet.

    Dass jetzt in dem Mahnmal, dass an die schwulen Nazi-Opfer erinnern soll, auf Druck der Frauenbewegung und Merkel-Fans wie Alice Schwarzer, lesbische Frauen dargestellt werden sollen, ist eine Pervertierung des Mahnmal-Gedankens und eine Verhöhnung der Opfer!!
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#9 H.HümmmmlerAnonym
  • 13.12.2009, 15:57h
  • Für das neuheidnische Hexenbild war die Interpretation von Jacob Grimm am wichtigsten, der in seiner Deutschen Mythologie den Hexenglauben als Ausdruck des naturcultus unserer vorfahren interpretiert und die Hexen auf weise Frauen zurückführte, die in der heidnischen Gesellschaft als Heilkundige, Seherinnen und Priesterinnen eine zentrale Funktion erfüllt hätten.
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#10 AnisplätzchenAnonym
  • 13.12.2009, 16:03h
  • Antwort auf #7 von Sven_
  • Es gibt weiterhin in Deutschland kein Denkmal, dass an die von den Nazis ermordeten schwulen Männer erinnert.
    Und es gibt auch ein Denkmal für die verfolgten und bestraften Schwulen der frühen BRD erinnert.

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