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"Toys for Boys", das jüngste Buchprojekt des queer.de-Teams, ist jetzt in den Buchläden erhältlich. Im Vorwort lässt Co-Herausgeber Micha Schulze die ungewöhnlichste Recherche seines Journalistenlebens Revue passieren. Wir dokumentieren Auszüge.

Von Micha Schulze

"Sorry, ich habe keine Zeit, ich muss noch den Jack Ass ausprobieren", entschuldige ich mich bei einem Freund, der mich nach einem gemeinsamen Mittagessen noch zu einem Espresso im Starbucks einladen möchte. "Ach, du hast es gut", bekomme ich zur Antwort.

Immer wieder ist es diese Mischung aus Bewunderung, Neid und Häme, mit der Freunde und Bekannte auf unser neuestes Buchprojekt reagieren: ein Ratgeber über Sextoys. "Wer braucht denn diese Spielsachen", grinsen sie erst – und fragen dann ein paar Tage später, ob sie sich den Nexus-Prostatastimulator einmal ausleihen können. Oder ob noch eine Tube Gleitgel mit Erdbeergeschmack übrig sei. Sogar ein Wildfremder steht plötzlich vor der Tür und verlangt nach der schwarzen Fistfaust, von dem ein gemeinsamer Freund erzählt hat.

In der Tat stapeln sich in meinem Schlafzimmer Dildos in jeder Form, Farbe und Größe. Die aufblasbaren Gummipuppen Bonita und Big John sind die Stars auf allen unseren Hauspartys, selbst in der Küche werden die Wichstücher von Onan’s Pride zum Geschirrabtrocknen missbraucht. Und immer wieder höre ich den Kommentar: "Ach, du hast es gut."

Von wegen! Als ich meinen Facebook-Status auf "…testet gerade eine Penispumpe" setze, schwärzt mich ein User bei der Administration an – dabei tue ich doch nur meine Pflicht. Wenn ich abends am Kneipentisch von meinen Recherchen erzähle, halten mich alle für einen geilen Freak. Ich weiß auch nicht, ob unsere Vermieterin nächstes Jahr den Vertrag für unser Haus verlängern wird – sie hat so komisch geguckt, als sie den Vibrating Ass auf dem Wohnzimmertisch liegen sah.

Das Schlimmste: Selbst mein Freund ist total genervt, wenn ich ihn, gerade von der Arbeit nach Hause kommend, mit Nippelklemmen und Peitsche begrüße. Vor dem Schlafengehen schaut er immer erst skeptisch unter die Bettdecke, ob ich dort nicht wieder ein merkwürdiges Spielzeug versteckt habe.

Doch genug gejammert. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man rund hundert Sextoys in nur drei Monaten testen muss – oder ob man sich aus freien Stücken für das eine oder andere Spielzeug entscheidet. Und um Letzteres geht es in unserem Buch: Es stellt die Vielfalt der Toys vor und soll Lust machen, manche einmal auszuprobieren. Wir verschaffen den Überblick im großen Spielzeugland: Welche Toys eignen sich für welche Körperregionen? Welches Gerät ist für welche Spielart das geeignetste? Wie erkennt man hochwertige Toys und vor allem: Wie wende ich sie praktisch an?

Zugegeben, "Brother‘s Litte Helpers" haben nicht den besten Ruf, sie sind ebenso verpönt wie Muttis Beruhigungspillen. Man spricht nicht über Toys wie über die letzte Eroberung aus dem Club, und sie werden in der Regel im Nachttisch oder unterm Bett versteckt. Der Grund: Sexspielzeuge gelten als Notbehelf für Singles und Strohwitwer, als Beschäftigungstherapie für einsame Wichser. Was eine ziemlich dämliche Beschränkung für diese erotischen Kunstwerke ist: Toys dienen mitnichten allein der Selbstbefriedigung, sondern auch und gerade der Fremdbefriedigung.

Das ist nicht anders als im Kindergarten: Spielsachen machen erst dann richtig Spaß, wenn man sie zu zweit oder in der Gruppe ausprobiert. So können Toys das eingeschlafene Sexleben von schwulen Paaren wieder in Schwung bringen. Sie können mithelfen, die geilsten Fantasien auszuleben und die eigenen erogenen Zonen (besser) zu entdecken. Dein Freund und du stehen auf Dreier, aber niemand will mit euch mit ins Bett? Eine Gummipuppe macht mit Sicherheit keine Zicken! Du hast in deinem Leben noch keinen analen Orgasmus erlebt? Ein Prostatamassager hilft gerne bei der Suche nach dem G-Spot.

Über 100 Spielsachen sind in den letzten Monaten durch unsere Hände, Ärsche und Schwänze gegangen – die einen waren geil, die anderen weniger. Manche landeten gleich im Müll, manche jedoch haben jetzt einen Ehrenplatz gleich neben der Matratze.

Auch wenn ich anfangs so gejammert habe: Kein anderes unserer Buchprojekte war so lustvoll wie dieses. Ich hatte es bei der Recherche schon ganz gut…

Micha Schulze & Christian Scheuß: Toys for Boys – Spielend zum Orgasmus, Sachbuch, zahlreiche Fotos, durchgehend farbig, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2009, 192 Seiten, 19,95 €



10 Kommentare

#1 Prof. Dr. DaisyAnonym
#2 stromboliProfil
  • 23.12.2009, 12:57hberlin
  • Antwort auf #1 von Prof. Dr. Daisy
  • der angebotene neue kontinent hielt sich in grenzen, bedenkt man/n : alles schon mal da gewesen, alles schon ausprobiert.

    Ich war interessierter zuhörer in berlin.
    Schön bei der gelegenheit die beiden , Michael und Christian persönlich kennen gelernt zu haben!
    Schade nicht weitere user getroffen /kennengelernt zu haben!
    Aber vieleicht auch ausdruck dafür, wozu wir die toys zunehmend brauchen: anonymisierte ersatzspiele, statt des reinspringens in die realität persönlicher "konfrontationen".

    Da hat mir der dargebotene gummiarsch eher hautreizung als genitalreizung bereitet; auf dem möcht ich mein leben lang nicht liegen müssen, geschweige denn mein bestes stück reinstecken!
    Interessant die hilfsmittel, die weniger der eigenen, manuellen befriedigung dienen, sondern gegenseitig einsetzbar sind; der analplug mit prostata-Gpunkt ist genial!
    Ausprobiert beim partner , ihm in die augen schauend wenn der druck erhöht wird, ist einfach mega geil!
    Auch das überraschungsei ist ein geschenk utensil, dass zu empfehlen wäre, obwohl ich die eigene ,mit spucke gefüllte hand, immer noch als die bessere weil auch billigere variante betrachete. Wie anders sonst in zeiten wirtschaftlichen abschwunges und harz4...

    Zusammenfassend: im buchladen ist eine solche präsentation zu steril, als dass die leute entspannt sich auch mal zur vorführung verleiten lassen.
    Ich empfehle eine tupperware variante im "rauschgold" - berlin zur besten partyzeit ab 23:00 ! Loriot lässt grüssen!
    Den anfallenden dreck putz ich dann später weg...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 zeitmaschineAnonym
#4 stromboliProfil
#5 Knueppel
  • 23.12.2009, 14:10h
  • Micha Schulzes Schilderung hat mich sehr amüsiert und natürlich (ist doch Ehrensache!) zum Kauf des Buches animiert.

    Und ... weil es kurz vor Weihnachten ist
    Micha, Christian, Dennis, Norbert, allen Mitarbeitern von "Queer.de" und nicht zuletzt, allen Usern, allen "Mitstreitern", "Kontrahenten" und "neutralen Beobachtern"

    SCHÖNE FEIERTAGE UND EIN GUTES JAHR 2010 !!!

    Liebe Grüße
    Knueppel
  • Antworten » | Direktlink »
#7 antos
#8 SchackelineAnonym
  • 24.12.2009, 00:18h
  • Antwort auf #7 von antos
  • Au ja. Myriaden Roter Zwerge !

    Rote Zwerge sind die häufigsten und unauffälligsten Sterne im Universum. Rote Zwerge haben zwischen acht Prozent und der Hälfte der Sonnenmasse und leuchten, man hätte es sich fast denken können, rot. Grund dafür ist ihre geringe Oberflächentemperatur von 2500 - 4000 Kelvin.

    Rote Zwerge leben sehr lange, auf jeden Fall länger als das Universum jetzt alt ist.

    jumk.de/astronomie/sterne-a/rote-zwerge.shtml
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SaftschubseAnonym
  • 24.12.2009, 10:17h
  • Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich noch etwas anderes findet! Wenn man Sextoys nicht ausprobiert, findet man nie heraus, ob es einen an- oder abturnt!
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#10 TurnerschaftAnonym