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Der Süden lockt mit schicken Männern, tollem Essen und praller Natur.

Von Jan Gebauer

Paris oder die Côte d'Azur hat wahrscheinlich jeder zweite reisebegeisterte Schwule auf seiner Wunschliste schon abgehakt, dabei hat Frankreich gerade im Süden noch einige reizvolle Ecken, die auch für Schwule spannend sind. Also packe ich mal wieder meine Koffer, um mich von diesen Vorzügen zu überzeugen. Allerdings haben wir bereits Herbst, also müssen Badeschlüpper, Strandlatschen und Schwimmflügel zu Hause bleiben. Erster Halt auf meiner Tour ist Montpellier, mittlerweile so etwas wie der größte Geheimtipp für Schwule in Frankreich. Montpellier liegt in hügeligem Gebiet, etwa zehn Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt, am Fluss Lez.

Kaum zwei Stunden nach der Ankunft finde ich in einem ernsten politischen Diskurs wieder, denn in Montpellier fand im November ein großer, national sehr beachteter Appell für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe statt. Bislang sind in Frankreich wie in Deutschland nur eingetragene Partnerschaften möglich. Zahlreiche Bürgermeister der Region - angeführt von Montpelliers Bürgermeisterin Hélène Mandroux - hielten Reden und versprachen sich weiterhin für eine Gesetzesänderung einzusetzen. Die schwule Community zeigte passend dazu Flagge und hielt entsprechende Transparente hoch. Parallel zu dieser politischen Veranstaltung fand auch das fünfte schwullesbische Filmfestival "Bleu, Blanc, Rose" statt, das gemeinsam mit der Organisation "Collectif Contre l’Homophobie" für das Ansehen Homo-, Bi- und Transsexueller in der Gesellschaft kämpft.

Abends geht es dann weniger politisch zu Sache, denn dann laden die französischen Jungs zum Feiern in die Szene. Das Café de la mer, in Frankreich klingt irgendwie alles nach "L'amour" und großen Gefühlen, gehört zu den beliebtesten Bars der Gegend und insbesondere am Wochenende tummeln sich hier die hübschesten Jungs der Stadt. Hier soll auch der französische Porno-Regisseur Jean-Daniel Cadinot (1944-2008, "Sacré Collège", "Classe de neige", "Harem"), neben Chi Chi LaRue wahrscheinlich der prominenteste und beste Vertreter seines Fachs, so manchen Darsteller gefunden haben. Sexy, nicht auf den Mund gefallen und immer für einen lockeren Flirt zu haben: Mit den Jungs der Gegend komme ich schnell ins Gespräch.

So erzählt mir Frederic, dass um die Ecke die beliebte Villa Rouge liegt, wo von Donnerstag bis Samstag die Discokugel routiert und sich das angesagte schwule Clubleben der Stadt abspielt. Oder das Heaven, ein glitzernder kleiner Nachtclub, der uns mit Mini-Tanzfläche und schlechter Klimaanlage sogleich auf feuchte Tuchfühlung schickt. Zum Abkühlen nach der durch gezechten Nacht geht es am nächsten Tag dann endlich an die Küste: Die Plage de L'Espiguette gehört ebenfalls zu den bei Schwulen sehr beliebten Reisezielen Frankreichs. Die landschaftliche reizvolle Camargue mit seinen wunderschönen Stränden und dem großen Naturschutzgebiet mit tausenden von pinken Flamingos lohnt sich zu jeder Jahreszeit, aber besonders im Sommer wenn zum Beispiel die beschauliche Ferienanlage Secrets de Camargue geöffnet hat, wo Familien und Homo-Paare Seite an Seite die Sonne und das Meer genießen.

An der Küste gibt es dann auch die kulinarischen Highlights zu entdecken - zum Beispiel in der kleinen malerischen Stadt Aigues-Mortes. Besonders das hier gewonnene Meersalz - "Fleur de Sel" (dt. "Salzblume") - gibt den Speisen eine wunderbar würzige Grundnote. Neben dem puren Salz empfehle ich auch eine Variante mit gemischten Kräutern, die besonders köstlich ist. In den Feinkostläden, die entgegen so mancher Gerüchte durchaus für jeden Geldbeutel erschwingliche Köstlichkeiten bereithalten, bekomme ich alles was mein Herz begehrt: Ausgefallene Honige mit natürlichen Aromen (die cremig-goldene Variante mit Sonnenblumenaroma ist ein Traum), feinste Pralinencreme, delikate Wurstsorten, frischer Käse sowie extravagante Pasten, die mit dem besagten Salz der Region auch zu Hause noch das französische Genusserlebnis fortsetzen. Und das zu Preisen, die weitaus angemessener sind als in den meisten Fachgeschäften Deutschlands. Dass es natürlich auch fantastische Weine gibt, versteht sich von selbst.

In Aigues-Mortes finde ich dann auch eines der schönsten Restaurants auf meiner Tour. Das in schwuler Hand befindliche Café de Bouzigues begeistert durch sein ausgefallenes Dekor und den gemütlichen Innenhof, der bedacht auch in den kühleren Jahreszeiten zum Schlemmen einlädt. Die monatlich wechselnde Speisekarte bietet alles was die Region so reizvoll macht: Das Fleisch der berühmten Camargue-Stiere ist zum Beispiel eine köstliche Spezialität der provenzalischen Küche, die bestreut mit dem "Fleur de Sel" ein wirkliches Gedicht ist. Kein Wunder, dass ich nach meiner Rückreise ganz besonders froh über die vielen kulinarischen Mitbringsel bin, denn so kann ich über die folgenden Wochen immer wieder in Erinnerungen schwelgen und dazu die Leckereien der Region genießen. In diesem Sinne: Bon appétit!

Mehr Infos:
Französische Zentrale für Tourismus
Atout France
Postfach 100128
60001 Frankfurt a. Main
Jeweils Mo-Do 9h00-17h30, Fr 9h00-16h30
Tel.: 09001/57 00 25 (0,49 € / Min. aus dem deutschen Festnetz; bei Anrufen aus dem Mobilfunknetz können weitere Kosten anfallen)
Fax: 09001/59 90 61 (0,49 € / Min. aus dem deutschen Festnetz; bei Anrufen aus dem Mobilfunknetz können weitere Kosten anfallen. Der Faxabruf beinhaltet die Übermittlung von 1 Seite.)



#1 Diz!Anonym
  • 26.12.2009, 17:39h
  • In Montpellier war ich letztes Jahr, es ist superschön dort! Und Südfranzosen sind immer einen Blick wert ;-)
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#2 Yves St. ClairAnonym
  • 30.12.2009, 10:20h
  • Wenn ich an die Camargue denke, dann fallen mir als erstes die Pferde und nicht das Essen ein. Aber Frankreich ist immer eine Reise wert. Ich war oft dort, und zwar zweimal in Cannes, einmal in Autun und Verdun sowie auch einige Male im Elsaß, weil letzteres ja durch seine deftige Küche (wie z. B. Flammkuchen) bekannt ist.
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