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JULI: CSDs und Regenbogenfamilien

Im Hauptmonat der CSD-Saison vergleicht die Pius-Bruderschaft den katholischen Widerstand gegen CSDs mit dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur, beim CSD in Stuttgart demonstriert sie gegen den "Umzug der sexuellen Perversion". Der Frankfurter CSD-Manager Rainer Gütlich begeht Selbstmord. Beim wenig später stattfindenden CSD in Frankfurt regt sich die FDP über Plakate gegen die Partei auf.In der Dominikanischen Republik wird ein CSD aufgelöst, mindestens zwei Teilnehmer verhaftet. Drei Teilnehmer der Outgames in Kopenhagen werden angegriffen, später explodiert ein Feuerwerkskörper in einer Menschenmenge der Sportveranstaltung und verletzt einen Teilnehmer. Kurz vor dem CSD in Amsterdam wird dessen Organisator auf offener Straße wegen seines Schwulseins verprügelt.

Das Wort "Regenbogenfamilie" schafft es in den Duden. Bundejustizministerin Brigitte Zypries (SPD) legt im Wahlkampf eine Studie vor, die lange im Ministerium rumlag. Die wegweisende Untersuchung des Bayerischen Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München ergibt, dass Kinder in schwulen und lesbischen Familien keine Nachteile haben. Zypries fordert daher ein volles Adoptionsrecht für Homo-Paare, dass von der Union zurückgewiesen wird. Ein CSU-Politiker spricht von "schädlichen Hirngespinsten" der Ministerin.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt die Benachteiligung von schwulen und lesbischen Soldaten. Das SPD-Wahlkampfteam umfasst den schwulen Finanzinvestor Harald Christ. Bayern beschließt die Öffnung des Standesamts. Indien hebt das 150 Jahre alte Verbot von Homosexualität auf.

Der 24-jährige Ricco Müller wird neuer Mister Gay International. Der britische Blue-Sänger Duncan James outet sich als bisexuell. Ende Juni sterben der schwule Journalist Hermann J. Huber und der Aktivist und Lebensgefährte von Volker Beck, Jacques Teyssier.

AUGUST: Anschlag in Tel Aviv, Streit um Adoptionsrecht

Bei einem Angriff auf einen Treffpunkt für schwul-lesbische Jugendliche in Tel Aviv werden am 1. August ein 16-jähriges Mädchen und ein 26-jähriger Gruppenleiter getötet, rund 15 weitere zumeist junge Menschen verletzt. Ein maskierter Mann hatte in dem Gebäude um sich geschossen und konnte fliehen, bis Jahresende wird die Polizei ihn nicht fassen. Nach der Tat kommt es weltweit zu Solidaritätsbekundungen mit den Opfern, auch in Köln und Berlin. Am folgenden Wochenende nehmen bis zu 70.000 Menschen an einer Gedenkveranstaltung in Tel Aviv teil. Israels Staatspräsident Schimon Perez sagt: "Die Person, die die Pistole gegen Nir Katz, 26, und Liz Trobishi, 17, richtete, richtete sie gegen Sie alle, alle von uns, gegen mich."

Der Freistaat Bayern zieht beim Bundesverfassungsgericht überraschend seine Klage gegen die Stiefkind-Adoption bei Homo-Paaren zurück (später wird das Gericht das entsprechende Gesetz zudem für verfassungskonform erklären). Die FDP feiert das als Erfolg ihrer Beteiligun an der Koalition mit der CSU, eine weitere Angleichung mit der Ehe lehnt die CSU-Justizministerin jedoch öffentlich ab. Es kommt zu einer großen öffentlichen Debatte über das Adoptionsrecht für Homo-Paare. Nach ablehnenden Äußerungen sagt der Grüne Volker Beck, dass der CSU-Abgeordnete Norbert Geis mit seiner homophoben, ablehnenden Haltung für die Union stehe. Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) regen sich in den gleichen Tagen über ein Mitglied der Schwusos auf, dass beim CSD in Hamburg die Mitgliedschaft von Schwulen in CDU/CSU mit Schweinen vergleicht, "die sich freiwillig beim Metzger auf den Tisch legen".

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen CDU-Lokalpolitiker, weil in einer von ihm vermieteten Wohnung ein offenbar illegales Schwulenbordell betrieben wurde. Bei den Kommunalwahlen in Köln gegen Ende des Monats setzt sich SPD-Kandidat Jürgen Roters gegen die offen schwulen Kandidaten von CDU und FDP durch. Der erste offen schwule Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer der Grünen, Herbert Rusche, wechselt zur Piratenpartei.

Queer.de berichtet über den Verdacht, die Fragebögen des Berliner Überfalltelefons Maneo seien von einigen Teilnehmern gezielt falsch ausgefüllt worden, um Stimmung gegen Ausländer zu machen, Maneo weist in anderen Medien die Vorwürfe zurück. Schwule Blogger regen sich über den angeblich homophoben Horst Schlämmer auf - ein Kinofilm mit der Rolle des schwulen Komikers Hape Kerkeling kommt in die Kinos. Im August beginnt der Google-Dienst Blogger mit der Löschung von schwulen Blogs.

Bei der Leichtathletik-WM in Berlin gibt es Aufregung um die Läuferin Caster Semenya. Nach der Verleihung der Goldmedaille für den 800-Meter-Lauf wird ein Geschlechtstest angeordnet, der feststellen soll, ob die Südafrikanerin wirklich eine Frau ist. Im November wird sie von ihrem nationalen Verband suspendiert, zum Ende des Jahres gilt sie weiterhin als Siegerin des Wettkampfes.

US-Präsident Obama ehrt den schwulen Aktivisten Harvey Milk postum mit der "Medal of Freedom". Ende August stirbt Günter Kießling im Alter von 83 Jahren – der heterosexuelle Ex-General war vor 25 Jahren Opfer einer homophoben Kampagne.

SEPTEMBER: Neuer Bundestag gewählt 

In der letzten Phase des Wahlkampfes schließt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für Homo-Paare aus. Der CDU-Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph Bergner, unterstellt homosexuellen Jugendlichen eine "massive Persönlichkeitsstörung". Ein Linkspartei-Flugblatt, dass mit der Homosexualität von Guido Westerwelle spielt, sorgt für Empörung.

Nach der Bundestagswahl hat das Parlament zahlreiche schwule und lesbische Bundestagsabgeordnete. FDP-Chef Guido Westerwelle ist der Wahlsieger an einem Abend der Verlierer, er wird später eine Regierungskoalition mit der CDU bilden und als Außenminister ernannt. Zuvor äußert ein SPD-Politiker seinen Unmut: "Ich will keinen schwulen Außenminister", sagt der Duisburger Dezernent und Kämmerer Peter Langner und entschuldigt sich später.

Rheinland-Pfalz und Hessen kündigen eine Anpassung des Landesrechts an die Homo-Ehe an. Die Hamburger Bürgerschaft beschließt eine Initiative im Bundesrat für einen Diskriminierungsschutz aufgrund der sexuellen Orientierung im Grundgesetz, zuvor hatten Bremen und Berlin ähnliche Anträge gestellt. Ein Konzert des Hasssängers Elephant Man wird in Düsseldorf nach Protesten in letzter Minute abgesagt.

In Uruguay beschließt das Parlament ein Adoptionsrecht für Homo-Paare, das Parlament Indonesiens hingegen will Schwule mit Auspeitschung und Gefängnis bestrafen. In der Türkei beginnt der Prozess um einen schwulen Ehrenmord. Der CSD in Belgrad wird nach zahlreichen Gewaltandrohungen im Vorfeld abgesagt. In Italien kommt es zu zahlreichen Angriffen auf Schwule. Gegen Ende des Monats demontrieren rund 30.000 Menschen in Rom gegen die antischwule Gewalt.

(nb, Collage von cs; Teil 4 folgt am Donnerstag)



#1 Dr. SommerAnonym
  • 30.12.2009, 14:02h
  • Ein toller Sommer war das,

    mit ganz tollen Ergebnissen meiner Bravo Dr. Sommer Studie 2009, aus der u.a. hervorgeht, dass

    nur 16% der Jungen und 36% der Mädchen Homosexualität für etwas Normales halten.
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