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  • Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.

    06. Januar 2010, 102 Kommentare

Lieber Norman Mitschele von mySCOUT!com!

Du hast uns heute Morgen in der Redaktionskonferenz auf ganz neue Gedanken gebracht: Sollten wir nicht Norbert Geis eine feste Kolumne auf queer.de anbieten? Und außerdem Gratis-Banner für kreuz.net schalten? Zur "Aufklärung und Weiterbildung", versteht sich. So wie du in deinem Gay-Internetradio Songs der Hass-Sänger Beenie Man, Elephant Man und Sizzla spielst.

Ich habe es anfangs wirklich nicht glauben wollen. Während seit zwei Jahren in der gesamten Republik Schwule und Lesben gegen homophobe Reggae-Sänger auf die Straße gehen, spielst du in deinem kleinen Gay-Radio ihre Songs rauf und runter. Und zwar nicht aus Versehen, weil dir Dancehall nun mal gefällt, sondern tatsächlich aus unglaublicher Dummheit.

Deine Begründung: Songs von Hass-Sängern im Homo-Radio dienen der "Aufklärung und Weiterbildung": "mySCOUT!com-Radio spielt Musik, die mit dem Thema Homosexualität zu tun hat – in jeder Form", schriebst du dem aufmerksamen Hörer Jürgen Zehnle, der sich über deine merkwürdige Musikauswahl beschwerte. Mit einer Einschränkung: "Diese 'Tötungsaufruftitel' spielen wir aber derzeit nicht, weil wir sie schlichtweg nicht im Sortiment haben." Wie bitte? Also nicht etwa, weil sie widerlich, menschenverachtend und hasserfüllt sind, sondern nur weil du die CDs zufällig nicht im Fundus hast? Kleiner Tipp: Bei Amazon sind einige dieser Songs (leider) noch immer erhältlich.

Wenn du dich an die Gesetze hältst, zahlst du Gema-Gebühren für jedes gespielte Lied, auch jedes homophobe, die direkt an Beenie Man & Co. weiterfließen. Dass ein schwules Medium die Kassen der eigenen Feinde klingeln lässt, ist nicht nur peinlich, sondern unverzeihlich!

Dein tatsächlich ernstgemeinter Vorschlag zur Güte, Hass-Songs künftig in "speziellen Sendungen" zusammenzufassen, zeigt, dass du die Dimension deiner Playlists noch immer nicht begriffen hast. Trotz deiner Mitgliedschaft im LSVD, trotz des Einschreitens von Jürgen Zehnle, trotz der heftigen Schelte in einigen Blogs. Natürlich kann man Hass-Songs in einem Hintergrund-Feature dokumentieren, aber doch nicht einfach zum musikalischen Vergnügen als Anti-Homo-Hitparade oder Schwulenverbrenner-Top10 versenden!

Vielleicht lässt du dir deinen abstrusen Ansatz der "Aufklärung und Weiterbildung" noch einmal durch den Kopf gehen. Wenn du ihn konsequent zu Ende denkst, könntest du Beenie Man auch gleich zum Konzert ins Schwulenzentrum einladen. Oder vielleicht sogar eine mySCOUT!com-Hörer-Reise in den Iran anbieten – zu den nächsten Homo-Hinrichtungen...



#1 Blondes GiftAnonym
  • 06.01.2010, 14:07h
  • Gehirnerweichung im Endstadium?

    Mehr fällt mir zu so etwas nicht mehr ein ... Aber es gibt ja auch Masochisten, die sich im nicht-sexuellen Bereich gerne unterdrücken lassen. Vielleicht zählt dieser Herr Mitschele selber dazu.

    Ich stelle mir gerade vor, wie ich irgendwann mal meinen Schülern beibringen will, dass Homophobie auch in der Musik eine tragende Rolle spielt - und was man davon halten sollte. Wenn die mir dann sagen, dass selbst schwule Radios die entsprechenden Hass-Songs rauf und runter spielen, was soll ich denen dann darauf antworten?

    Dann könnten sich auch die Überlebenden von Auschwitz und Treblinka alte Nazi-Lieder von Blut, Boden und Rasse anhören und weiter verbreiten. Natürlich nur aus Gründen der "Aufklärung".

    Wie bescheuert muss man eigentlich sein???
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#2 Maikel-FalkoAnonym
  • 06.01.2010, 14:15h
  • was soll man von jemandem erwarten, der allen ernstes "norman" heißt? wetten, sein zweitname ist "kevin" oder "dustin" oder "maiko rené"? echt schräg, die da drüben...
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#3 LorenProfil
  • 06.01.2010, 14:51hGreifswald
  • Es würde mich nicht wundern, wenn hinter dieser
    ganzen Sache nichts weiter steckt als der Versuch,
    sich und sein Radio durch Negativ-Werbung bekannt zu machen und Kohle sowohl mit als auch auf Kosten der eigenen "Zielgruppe" zu machen . Andere Begründungen halte ich für nicht
    stichhaltig, da sich ja jeder in der Diskussion um die homophoben Inhalte von Dancehall-Songs ohne
    Probleme ein eigenes Bild machen kann, wenn er
    die entsprechenden Interpreten z.B. bei youtube
    eingibt. Da brauchts kein Radio. Dass diese Sänger
    über die Gema-Gebühren an dieser Form der Wer-
    bung auch noch verdienen, ist skandalös. Ich ziehe
    für mich persönlich daraus die Konsequenz, alles
    was mit mySCOUT.com zu tun hat zu meiden.
    Der LSVD sollte dieses Mitglied schleunigst aus
    dem Verband ausschließen.
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#4 daisyAnonym
  • 06.01.2010, 15:41h
  • micha ist schlau !

    flashlight walks
    man findet immer was

    aber jacko nicht !
    er lebt an einem geheimen ort !!!
    er ist schlauer !
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#5 DanielWAnonym
#6 AlfAnonym
  • 06.01.2010, 17:14h
  • Nur die dümmsten Kälber...... Hoffentlich verabschieden sich möglichst viele Hörer von solch einem Sender.
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#7 schwulenaktivist
  • 06.01.2010, 17:26h
  • Ich kann nicht verstehen, warum die Musik-Industrie, die doch durchsetzt ist von Schwulen, nicht aus eigenem Verantwortungsbewusstsein, von solcher Musik und solchen Interpreten Abstand nimmt! Sind die dort alle so feig? So dumm können sie nämlich nicht sein! Aber wahrscheinlich so hetero-furchtsam...
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#8 MarekAnonym
  • 06.01.2010, 18:43h
  • Das sind immer so Fälle, wo es mich nicht wundert, dass Mordaufrufe gegen uns nicht mehr Reaktion in Politik, Justiz und Gesellschaft verursachen - wenn selbst von uns einige das ganz toll finden (aus welchen dubiosen Gründen auch immer), können wir nicht erwarten, dass da irgendjemand, der nicht betroffen ist, über Mordaufrufe gegen uns empört ist.
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#9 Good ol friendAnonym
  • 06.01.2010, 18:52h
  • Antwort auf #7 von schwulenaktivist
  • siehe die "Videos", die sie produzieren und den jungen Menschen als "unwiderstehlich sexy" einhämmern

    siehe Hollywood, voll von Klemmschwestern, die sich "aus kommerziellen Gründen" nicht outen dürfen / sollen / wollen? (Hat jemand mit soviel Selbsthass noch einen Willen)

    siehe Profi-Sport, u.a. Fußball

    Die Liste der Zwangsheterosexualität ist lang!

    Stichwort "90%"!
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#10 Rosa_von_ZehnleProfil
  • 06.01.2010, 19:13hLeipzig - Zentrum
  • Leider ist diese gesamte homophobe Geschichte von queer.de hier nicht dokumentiert. Micha schrieb mir: "Deine Kritik am LSVD finde ich überzogen, deshalb habe ich es rausgelassen". Da Mitaktivisten und ich selbst das aber nicht finden, würde uns natürlich auch Eure Meinung zum ausgelassenen Teil diese Falles interessieren:

    www.rosa-archiv.de/thema.php

    Ich danke für Eure Mühe,
    Jürgen Zehnle.
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