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Der U-Club in Wuppertal verteidigt die Reggae-Szene in Deutschland als "gewaltfreie, tolerante und respektvolle Community" - Homo-Aktivisten nennen die Appelle des Veranstalters "unglaubwürdig".

Unter dem Motto Respect - Dancehall against Discrimination and Intolerance spricht sich der U-Club gegen jegliche Diskriminierung von Schwulen aus. Allerdings gebe in Jamaika anders als in Deutschland noch viele Vorbehalte gegen Homosexuelle. Daher müsse man bei den Texte der Battyboy-Tunes, wie die Gattung der homophoben Reggae-Lieder genannt wird, den größeren Zusammenhang sehen: "Man kann und sollte Äußerungen nicht außerhalb ihres Kontexts betrachten. Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert", schreiben die Veranstalter. Das sei zwar zu bedauern, "aber wir hören jamaikanische Musik - und wir hören sie nicht, weil sie homophob ist (und das ist auch nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Reggae und Dancehall!) sondern weil wir die Musik lieben".

Hierzulande sei die Konsequenz schon gezogen worden: "Wir schaffen den Battyboy-Tune in Deutschland ab", so der U-Club. Sie würden hierzulande nicht gespielt und von Fans nicht gekauft. Die Veranstalter lehnen es allerdings ab, Sänger zu verurteilen, die sich auf Jamaika für die Ermordung von Schwulen aussprechen.

Tod für "stinkende Schwuchteln" gefordert

Mehrere Dancehall-Interpreten rufen zur Tötung von Schwulen auf. So heißt es in einem Lied von Bounty Killer: "Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt". In Jamaika gehören derlei Lieder noch zum Standardrepertoire der Interpreten. Sie werden dafür verantwortlich gemacht, das Klima gegen Homosexuelle anzuheizen. In den letzten Jahren wurde Schwule wiederholt von homophoben Gruppen gelyncht. Die Opfer können sich dabei nicht an die Polizei wenden, da Homosexualität auf Jamaika illegal ist und mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft wird.

Die Homo-Gruppe U-Club dichtmachen erklärte, das Schreiben des U-Clubs könne nicht ernstgenommen werden. Der öffentliche Druck habe die Veranstalter lediglich dazu gezwungen, die "aktive Unterstützung homophober Musiker" zu verschleiern und Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Was meint ihr eigentlich, wenn von Toleranz die Rede ist? Gegenüber Menschen tolerant zu sein, die anderen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung die abscheulichsten Gewalttaten androhen, halten wir für ziemlich paradox und absolut verrückt", argumentieren die Aktivisten. Auch der Hinweis auf die "andere Kultur" in Jamaika sei kein Freifahrtschein für die Künstler: "Meinungsfreiheit ist schon eine tolle Sache, hat aber Grenzen. Lynchmord ist keine Meinung und nicht wegen der kulturellen Herkunft zu akzeptieren oder zu reproduzieren".

Zuletzt gab es Ende November Proteste gegen den U-Club, als der Sänger Sizzla dort auftrat (queer.de berichtete). Der Dancehall-Star wurde durch Texte wie "Verbrennt die Männer, welche andere Männer von hinten reiten" berühmt. (dk)



135 Kommentare

#1 remixbeb
  • 11.01.2010, 14:22h
  • Auch wenn ich finde, man sollte etwas besonnener an die Sache gehen, als es die letzten Monate von beiden Seiten der Fall war, halte ich diese Aussage , man solle es hinnehmen, denn es sei ja schließlich kulturell bedingt, einfach nur für bescheuert.
    Als Doppelstaatler bin auch ich in zwei Kulturen aufgewachsen und denke auch, dass man immer die Zusammenhänge im Hinterkopf haben muss. Das hört allerdings dann auf, wenn es um menschenverachtende Dinge geht. Kultur hin oder her.
    Und seien wir ehrlich: So "verständnisvoll" mit andren Kulturen sind all diese Leute nur so lang, wie es sie selbst nicht betrifft. Da hat dann nämlich die Toleranz mit andren kulturellen Hintergründen meist schnell ein Ende!
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#2 schwulenaktivist
  • 11.01.2010, 15:38h
  • Wieso können die religiösen Fundamentalisten nicht offen über das sprechen und singen, was sie so überzeugt und gottesfürchtig diskriminieren?
    Es geht um die anale Penetration des Mannes. Da geht mir einfach eine Lachsalve ab, so etwas noch heute im Namen irgendwelcher Götter zu verfluchen!
    Insofern ist die Penetrations-Diskriminierung auch eine solche gegen die Frauen! Aber da schweigen die hetero Penetrierer wohl lieber...
    Spätestens ab 50 sollte jeder Mann zum Urologen gehen, um seine Prostata abtasten zu lassen, wünschen die den Ärzten dann auch den Tod?
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#3 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 15:43h
  • Ich halte es für ein wichtiges und richtiges Zeichen seitens der Reggae-Community im Kampf gegen Homophobie. Dass in dem Schreiben angemahnt wird, man solle die kulturellen Hintergründe berücksichtigen ist ebenfalls richtig, soweit es - wie gefordert - um das Stattfinden der Konzerte geht. Was zudem noch Berücksichtigung finden sollte, sind die geschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe der Musik selbst.
    Dass die Homo-Gruppe "U-Club dichtmachen" das Schreiben für nicht ernst gemeint hält, ist konsequent. Schließlich ist bereits dem Gruppennamen zu entnehmen, wo "die Reise hinführen" soll. Und dies ist ja nichts geringers als das Schließen des "U-Clubs". Da verwundert es auch nicht, dass offensichtlich bewusst die Informationen zurückgehalten werden, wie die Tatsache, dass die besagten Interpreten religionsbedingt Gewaltausübungen zutiefst ablehnen.
    Auch scheinen die Aktivsten zu verkennen, dass im Falle der Nichtäußerung homophober Inhalte, wegen der dem Art. 5 I GG immanenten Erfordernis der Kundgabe, eine Kollission mit anderen Grundrechte unmöglich wird. Eine Einschränkung der Denkfreiheit ist nicht möglich (mir ist bewusst, dass ich mich ständig wiederhole ). Insofern ist die Aussage, soweit sie sich auf den Geltungsbereich unserer Grundgesetzes bezieht.
    Ob allerdings eine Gruppierung namens "U-Club dichtmachen" in der Lage ist eine Befriedung zwischen Homo- und Reggae-Community ist fraglich. Welchen Mitteln will sich eine Gruppierung bedienen, um dies durchzusetzen. Rechtlich gibt es keine Möglichkeit, die Betreiber machen nicht freiwillig "dicht" und andere Mittel haben sich in der Vergangenheit als nicht wirksam erwiesen. Allzu viele friedliche Möglichkeiten bleiben also nicht! Naja egal, ich empfinde es jedenfalls seitens des "U-Clubs" für ein Zeichen des Befriedungswillens und der Selbstverpflichtung sich vor homophoben Anhaftungen zu befreien. Ob dies klappt, wird sich Zeigen. Aber man sollte dem Ganzen eine Chance geben.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#4 ObserverAnonym
  • 11.01.2010, 16:45h
  • Antwort auf #1 von remixbeb
  • Halte dieses Kulturargument auch für denkbar schwach. Dieses "Kolonialkomplexgelaber" ist so nervig. Da gibt es einfach bessere Argumente für Konzerte in Deutschland (vgl. Klaus und Ben). Aber immerhin ist es ein Argument. Welche Argumente gibt es zugunsten deutscher Hasssänger? Welche Gründe gibt es, dass hier nicht darüber berichtet wird?
    Die Dimension ist vergleichbar mit der im Dancehall. Die Tatsache, dass sie hier in Deutschland aufgewachsen sind, gibt dem ganzen aber nochmals eine andere Dimension. Und das Kulturargument entfällt.
    G-Hot, der sich wie „Dschihad“ ausspricht, führt einen heiligen Krieg: gegen Schwule, die sein Weltbild verstören. Und in einem Moment besonderer Kühnheit rief er zum Mord an ihnen auf, wollte sie kastrieren und empfahl, sie „mit der Axt zu halbieren“. So etwas wie die habe „kein Leben verdient“.Auch der frühere Aggro Berlin-Kollege Bushido und der Maskenträger Sido haben homophobe Texte in ihrem Repertoire. So heißt es in einem Text bei Bushido, er wolle "Tunten vergasen".

    Link zu www.faz.net

    Im Dancehallbereich ist zwar die Wiedergabe homophober Texte wegen deren Wirkung auf die Konsumenten unverzeihlich. Jedoch ist es dort erwiesen, dass sie entgegen der Aussagen Gewalt wegen ihrer Religion ("Du sollst nicht töten") zutiefst ablehnen. Aber wie sieht es in deutschem Hip-Hop aus?
    Ist dies weniger schlimm, nur weil die Situation von Homosexuellen in der BRD besser ist als auf Jamaika...
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#5 alexander
  • 11.01.2010, 17:13h
  • houston wir haben ein problem !
    genauso alt ist dieses, wirkt langsam wie ein marketingfake !
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#6 Klaus MayerAnonym
#7 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 17:25h
  • Antwort auf #5 von alexander
  • @ Alexander
    Was heißt "Marketingfake". Dazu ist das Spektrum der im Artikel zitierten Lieder etwas zu beschränkt. Man müsste schon sehr pervers sein, um über diese Zitate Dancehall für sich zu entdecken. Noch dazu auf queer.de. Housten wir haben doch kein Problem.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#8 Klaus MayerAnonym
#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
#10 AndyAnonym
  • 11.01.2010, 18:44h
  • Ach, was schätze ich doch die tolerante und aufgeklärte europäische Kultur. Es fällt shcwer sich nicht zivilisatorisch überlegen zu fühlen, wenn man diese barbarische Lyrik hört und liest, die dort von Hunderttausenden Menschen gekauft wird.
    Um die paar verwirrten Geister, die in Deutrschland diese Musik konsumieren mache ich mir keine Sorgen. Mein Mitleid gilt den Homosexuellen, die die Diskriminierung auf Jamaika ertragen müssen.
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