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PolitikDeutschland
  • 11.01.2010           33       | | |

Westerwelle in der Todeszone

Guido Westerwelle im Eurofighter. In Saudi-Arabien blieb er allerdings versöhnlich.
Guido Westerwelle im Eurofighter. In Saudi-Arabien blieb er allerdings versöhnlich.
Außenminister Guido Westerwelle hat Saudi-Arabien und den Jemen besucht – zwei Länder, in denen Homosexuelle wie er eigentlich ins Gefängnis gesteckt oder sogar hingerichtet werden können.

Von Dennis Klein

Auf seiner Antrittsreise im Nahen Osten ist Guido Westerwelle gerade von Saudi-Arabien aus im Jemen angekommen. Danach fliegt er weiter nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Während der rund einwöchigen Auslandsreise besucht er damit vier Staaten, die Schwule verfolgen; im Katar drohen "nur" fünf Jahre Haft, in den Emiraten bis zu 14, Saudi-Arabien und der Jemen lassen Homosexuelle sogar köpfen.

Kein Wunder, dass im Vorfeld von "Westerwelles heikelste Reise" ("Hamburger Abendblatt") die Rede war. Dennoch wurde der FDP-Chef von den Saudis ausgesprochen freundlich aufgenommen: König Abdullah empfing den Außenminister kurzfristig – diese Ehre kommt nur wenigen Ministern auf Staatsbesuch zu. Insgesamt zwei Stunden sprachen die sprachen die beiden Politiker miteinander. Dabei ging es hauptsächlich um Wirtschaftsfragen – Saudi-Arabien ist trotz seiner Menschenrechtspolitik ein großer Handelspartner Deutschlands. Westerwelle hat daher eine Delegation von Managern und Firmenchefs dabei, die sich um Aufträge in Saudi-Arabien bewarben.

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"Es gibt selbstverständlich auch Meinungsunterschiede"

Nett zu Guido: Der saudische König Abdullah
Nett zu Guido: Der saudische König Abdullah
Westerwelle brachte aber dennoch das Thema Minderheitenrechte zur Sprache, wie er nach einer Unterredung mit dem saudischen Außenminister Prinz Saudi al-Faisal bekräftigte: "Es gibt selbstverständlich auch Meinungsunterschiede. Wir haben ausführlich die Frage der Menschenrechte besprochen", so Westerwelle. Bereits im Vorfeld hatte der FDP-Politiker erklärt, er werde "umfassend" für die Menschenrechte eintreten – das bedeute, dass sein Einsatz nicht auf "persönliche Lebenslagen" ausgerichtet sei. Das Wort "homosexuell" verwendete er öffentlich in Saudi-Arabien nicht. Prinz Sadi al-Faisal war ohnehin nicht beeindruckt: Er erklärte, dass Mennschenrechte am besten in "göttlicher Ordnung" umgesetzt werden würde; und diese Ordnung herrsche schließlich in seinem Land. Es sei ohnehin keine Lösung, wenn "eine Seite der anderen ihre Sicht aufzwinge".

Deutschland sitzt hier am kürzeren Hebel: Gerade in der Wirtschaftskrise steht die Regierung unter Druck, die Handelsbeziehungen auszubauen, um die Steuereinnahmen zu steigern. Westerwelle hatte homophoben Staaten zwar im Wahlkampf damit gedroht, die Entwicklungshilfe zu kürzen (queer.de berichtete). Allerdings bezieht Saudi-Arabien keine.

Am Montag ist Westerwelle dann zu einem nicht angekündigten Besuch im Jemen eingetroffen. Hier gilt als Hauptthema der Kampf gegen den Terror, da das Land zuletzt als Hafen für Al-Kaida-Terroristen Schlagzeilen machte. Es ist nicht zu erwarten, dass Westerwelle hier das Thema Homosexualität ansprechen wird – und die Gastgeber werden auch hier freundlich zum Privatleben des deutschen Gastes schweigen.

Berichterstattung im katholischen kreuz.net
Berichterstattung im katholischen kreuz.net

Einheimische Homo-Hasser nehmen dagegen kein Blatt vor den Mund: So warnt die private katholische Website kreuz.net den Minister davor, seine "Sexualneurosen" in den Vordergrund zu rücken. Seine Aufgabe sei es, "zukünftig als Außenminister der Deutschen und nicht als Propagandist der Homo-Perversen" aufzutreten, finden die ultrakonservativen Christen.

Bevor Westerwelle in den Nahen Osten aufbrach, hatte er noch den europäischen NATO-Verbündeten Türkei besucht. Auch hier verlief der Antrittsbesuch in freundlicher Atmosphäre. Hier ist Homosexualität zwar bereits seit 1858 legal, allerdings wird es in großen Teilen der Gesellschaft tabuisiert. Selbst die berüchtigte Boulevardpresse, die sich sonst über "unmoralische Lebensstile" entrüstet, war dem Außenminister sehr freundlich gesonnen. Immerhin stellte der schwule Außenminister der Türkei die Mitgliedschaft in der EU in Aussicht – während die heterosexuellen Mannen des Koalitionspartners CSU selbst eine demokratische Türkei auf ewig aus dem Club der Europäer heraushalten wollen.


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Tags:  saudi-arabien   jemen   guido westerwelle 
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Reaktionen zu "Westerwelle in der Todeszone"


 33 User-Kommentare als Feed (RSS 2.0, ?)

S.  1  2  3  4
Die ersten:   
#1
11.01.2010
16:37:57


(-1, 3 Votes)

Von UA

Natürlich sind die dort "nett" zu ihm - er ist Diplomat.

Interessant ist jedenfalls, das gerade Saudi Arabien noch nie ermahnt wurde - obwohl doch dieser Staat der größte Verbündete der USA ist!

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#2
11.01.2010
16:50:55


(+2, 8 Votes)

Von Hando

Westerwelle hat sich in Saudi Arabien und im Jemen richtig verhalten. Soll er dort etwa mit der Regenbogenflagge am Kragen herum laufen? Europäische Schwule sollten nicht vergessen, dass es weltweit betrachtet zwei Formen gibt, die Homosexualität zu leben: Einmal die westliche Form, bei der Homosexualität eine identitätsstiftende Eigenschaft ist ("Gay Pride"), und dann die jahrtausendealte Form, die uns schon aus Bibel und Koran bekannt ist, wo nur von homosexuellen Handlungen die Rede ist, ohne dass dadurch eine Mann seine Identität als (heterosexueller) Mann und Familienvater verliert. In der klassischen arabischen Sprache gibt es überhaupt kein Wort für "schwul". Westerwelle würde dort also gar nicht verstanden, wenn er von "Gay Pride" sprechen würde.

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#3
11.01.2010
17:01:55


(+2, 4 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar

verstehe ich nicht, eigentlich hätte man ihn doch gleich mit dem kopf unterm arm nach hause schicken müssen !?
die kathofaschisten hätten sich gefreut, wären doch ihre religionsneurosen bedient worden !
ich lasse mich nicht mehr von diesen zölibat-perversen als homo-pervers bezeichnen, eine schande, dass sich diese fanatiker als christen bezeicnen "dürfen" !

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#4
11.01.2010
17:05:04


(+2, 4 Votes)

Von Großformat

Antwort zu Kommentar #2 von Hando:
Regenbogenflagge am Kragen herum laufen?

Nein !

Einen Strick um den Hals und vielleicht einen
Matchbox-Baukran auf's Mokka-Tischchen.

Ein sardonisches Grinsen: So treiben's die Shiiten...

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#5
11.01.2010
18:07:21


(+2, 2 Votes)

Von Sheherazade

La Westerwelle im Nahen Osten. Daß die Reise heikel werden wird, stand von Anfang an fest.

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#6
11.01.2010
18:37:21


(-4, 8 Votes)

Von Andy

Warum wird eigentlich immer wieder kreuz.net erwähnt? Sie vertreten nichtmal die Ansichten der römisch-katholischen Kirche. Es handelt sich nur um ein paar vereinzelte Fanatiker. Solange sie nur auf ihrer Website polemisieren ist mir das immer noch lieber als Islamisten aus dem Jemen, die sich und unschuldige in die Luft sprengen...Die Welt vor denen zu schützen ist die Aufgabe der jemenitischen Regierung, da hat der Westerwelle schon Recht.

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#7
11.01.2010
19:09:26


(0, 6 Votes)

Von Huckleberry Finn

Antwort zu Kommentar #6 von Andy:
Warum wird eigentlich immer wieder kreuz.net
erwähnt ?

Damit man an dumme Leute mit dummen Erzählungen erinnert wird.

Sowas, neo-katholischer Ritus:

...als Islamisten aus dem Jemen, die sich und unschuldige in die Luft sprengen...

Bush: Lüge von den Massenvernichtungsmitteln
im Irak, Lüge von der Al Quaida-Verbindung in den Irak, Lüge von der Atombombe im Iran......

Bush war da der Papst. Er ist jetzt nicht mehr Papst.

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#8
11.01.2010
23:55:45


(+1, 3 Votes)

Von Liedel
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Kreuz.net, nun ja. Auf der abgebildeten Seite unterstellen sie unserem Guido sexuelle Neurosen, brandmarken andere Magazine als "neokonservativ", und der Fokus ist ein "Straßenmagazin". Der Papst war bei denen neulich sinngemäß übrigens ein "Homo-Papst", der bei der UN für unsere Gleichberechtigung kämpfen will...

Ich bin weit davon entfernt, die RKK oder gar kreuz.net zu verteidigen, aber "katholisch" ist die Seite echt nicht.

Fundi- Platitüden gegen alles und jeden mit dem misslungenen Versuch, Satire zu betreiben...

Da sind kath.net und medrum.de viel gefährlicher!
Denn die nehmen für sich Dinge wie "Sachlichkeit" und Wissenschaftlichkeit" in Anspruch und meinen das auch noch ernst... die Marburger Erkärung "für Freiheit und Selbstbestimmung" wurde zentral via medrum.de organisiert...

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#9
12.01.2010
03:30:39


(-3, 5 Votes)

Von Gerd

Erstens bewertet, liebe Queer-Autoren, die von privaten Personen aufgezogene Webseite "kreuz.net" nicht über. Was dort gepostet wird, ist noch nicht einmal die Haltung des Vatikans. Der Vatikan hat sogar durch Amtsvertreter letztes Jahr gefordert, dass diese Hassseite geschlossen gehört. Ihr solltet eine solche Webseite in diesem Artikel nicht einbinden, weil sie hier nicht hingehört und Ihr dadurch nur übermäßig diese Seite honoriert.

Zweitens immer wieder ist zu lesen, dass der Westen vom Nahen Osten aufgrund des Erdöls abhängig ist. Das ist in der Form nicht richtig, da es eine wechselseitige Bindung ist. Der Nahe Osten ist überwiegend nur von seinem Erdölexport abhängig und sollte dieser wegbrechen, dann geht es dieser Region richtig dreckig. Schon jetzt hat man dort Angst, was nach der Erdölzeit und den endlichen Erdölreservoiren geschieht. Länder wie Oman, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Bahrein versuchen diese Erdölexportabhängigkeit zu ändern und andere Wirtschaftszweige zu etablieren (z.B. Tourismus).

Sollte sich insbesondere das Elektroauto oder das wasserstoffgetriebene Auto in West/Mitteleuropa in diesem Jahrzehnt durchsetzen, dann würde die Erdölexportabhängigkeit im Nahen Osten sich massiv zeigen.

Immer wieder berichten Journalisten, dass wir vom Nahen Osten abhängig sind und vergessen dabei, dass der Nahe Osten nur auf dem Erdölexport basiert und so gesehen sehr anfällig ist, wenn der Export von Erdöl zurückgehen würde.

Drittens Westerwelle könnte ein wenig mehr Flagge zeigen, denn hier geht es um seine eigene Glaubwürdigkeit als liberaler Mensch. Er läuft Gefahr die Menschenrechtsfrage nicht offensiv genug zu verteidigen, wie es ein Volker Beck beispielsweise mit seinem Gang nach Moskau gezeigt hat.

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#10
12.01.2010
03:48:32


(+2, 4 Votes)

Von Harry Badofonte

Ach gottchen, an dieser Reise ist garnichts heikel, sofern er keine homosexuellen Handlungen vornimmt. Und ich persoenlich glaube (Achtung, achtung, persoenliche Meinung:) er nimmt im nahen Osten generell eher wenige bis keine homosexuellen (auch keine heterosexuellen) Handlungen vor.

Disclaimer:
Ich hoffe ich habe niemanden aufgrund seiner Herkunft, Religion oder Sexualitaet verletzt, gedemuetigt oder beleidigt. Falls doch habe ich nicht gemeint, was ich geschrieben habe.
Wenn ich etwas meinte, was ich nicht schrieb, spielt das hier keine Rolle.
Falls ich nicht geschrieben habe, was ich nicht meinte habe, habe ich es auch nicht geschrieben, sondern mein..aeh..z.B. Hund.
Wenn ich schrieb, was ich meinte, ist das nur unter Beruecksichtigung des Disclaimers sowie der Genfer Konvention zu verstehen und im Falle eine Missverstaendnisses zu ignorieren, da ich dann schrieb, was ich nicht meinte. Alle Angaben ohne Gewaehr.
(WWW war in meiner Jugend so vor 2-5 Jahren irgendwie noch einfacher)

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