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Wo ist es noch spielerische Verführung, wo fängt der sexuelle Missbrauch an? Ein Jugendlicher im erotischen Reigen mit Erwachsenen in diesem packenden Kinodrama.

Von Carsten Weidemann

"Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?" Jonas nippt verlegen an seinem Glas. Langsam gewöhnt er sich an diese Art von Tischgespräch, das schonungslos offene Plaudern über sein Sexualleben. Dabei wollen Pierre, Didier und Nathalie, die allesamt gut doppelt so alt sind wie Jonas, scheinbar nur sein Bestes: Seine optimale Befriedigung. Jonas ist gerade das erste Mal mit einem Mädchen zusammen und frisch entjungfert. Da kommen ihm die freimütigen Tipps der Erwachsenen ganz gelegen, die auch mal in direktem Anschauungsunterricht münden.

Es ist eine seltsame Konstellation, die Regisseur Joachim Lafosse, der schon zweimal für den Goldenen Leoparden nominiert war, in seinem Film mit dem Originaltitel ÉLÈVE LIBRE aufbaut. Jonas, der leidenschaftlich gern Tennis spielt, aber in der Schule gnadenlos versagt, will sich auf eigene Faust auf ein besonders schweres Examen vorbereiten. Bei dieser nahezu unmöglichen Aufgabe helfen ihm die drei Freunde seiner Mutter (die in einer anderen Stadt lebt) und pauken mit ihm Tag für Tag Algebra, Camus, Stickstoffverbindungen – und eben Sex.

Youtube | Trailer zum Film

Doch was aus der Sicht des unerfahrenen Jungen großzügig und einvernehmlich anmutet, entpuppt sich allmählich als ein gezieltes Aufweichen seiner noch nicht gefestigten Grenzen. Selten war Verführung so böse. Joachim Lafosse entlarvt ein perfides Spiel von Macht, Abhängigkeit und Schmeichelei.

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Privatunterricht
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#1 eMANcipationAnonym
  • 21.01.2010, 20:03h
  • Hört sich für mich leider nach der nur allzu bekannten, heterosexistischen "Homosexuell durch Verführung"-Story bzw. -Diffamierung an oder könnte zumindest bei Teilen des Publikums so ankommen.

    Einmal mehr zeigt sich, dass die Filmindustrie (ebenso wie die Musikindustrie und das sonstige "Showbusiness") ganz gezielt Homosexualität und homosexuelle Menschen NICHT so selbstverständlich und gleichberechtigt (was die Art der Darstellung von / Auseinandersetzung mit Sexualität, Liebe, Zärtlichkeit, Partnerschaft, Freundschaft etc.) darstellen wie die konstruierte heterosexuelle "Norm". Daher auch in aller Regel nicht ohne Einbettung in irgendeine übergeordnete heterosexuelle Story. Die sexuellen Herrschaftsstrukturen werden hier deutlich!

    Unsere Aufgabe ist es, immer und überall hervorzuheben, dass nicht das Entdecken einer homosexuellen Orientierung - in welchem Alter auch immer - das Problem und auch in keiner Weise rechtfertigungsbedürftig ist, sondern vielmehr die Tatsache, dass in unserer Gesellschaft nach wie vor jedem Menschen eine "natürliche Entwicklung" hin zur Heterosexualität unterstellt und auf vielfältigste Weise aufgezwungen wird. Und das ohne jeden sachlichen Grund und vor allem ohne jede menschliche /menschenrechtsorientierte Legitimation!
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#2 Oh Happy Gay!Anonym
#3 VerführterAnonym
  • 22.01.2010, 03:07h
  • "In dem Maße, wie die Freizügigkeit und Intimität zunimmt, wächst beim Zuschauer das ungute Gefühl, dass die Entwicklung nicht stimmig ist, die Erwachsenen den Jugendlichen durch liederliche Moral, die seinem Alter nicht angemessen ist, ruinieren und ihn für ihre eigene Lust missbrauchen
    [...]
    "Privatunterricht" beginnt etwas schleppend, erzeugt allerdings wachsende Beklemmung und geht subtil an die Nieren wegen des sich steigernden Missbrauchs."

    www.cineclub.de/filmarchiv/kritik.php?id=1263

    Homosexuelle Erfahrungen eines 16jährigen = Missbrauch?

    Den Massenmedien scheint jedes Mittel Recht zu sein, um die Stigmatisierung von Homosexualität mit aller Gewalt nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern noch weiter zu verstärken.
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#4 UAAnonym
  • 22.01.2010, 12:07h
  • "....Homosexuelle Erfahrungen eines 16jährigen = Missbrauch?..."

    Wohl nicht, denn rein Rechtlich ist Sex mit 16-jährigen legal.

    Im großen und ganzen erinnert mich der Film an die Niederländische Verfilmung des Buches 'Der verlorene Soldat'
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#5 beobachterAnonym
#6 yeahAnonym
#7 ChristophAnonym
  • 01.12.2010, 01:37h
  • Ein Film, der zunächst zu langweilen scheint, sich dann aber immer mehr steigert. Der Zuschauer spürt die stetig wachsende Missbrauchsatmosphäre, die sich auch nicht dadurch schönreden lässt, dass der Junge ja bereits 16 sei und "es egal ist"!!
    Die angebotene Hilfe und scheinbare Freundlich- und Freundschaftlichkeit entpuppt sich als sublimierte Gewalttätigkeit und Missbrauch höchster Güte.
    Ein Meilenstein der Anti-Missbrauchsthematik, insbesondere weil er die Wertung und das aufkommende Unbehagen allein dem Zuschauer überlässt und nicht moralinsauer mit dem Zeigefinger darauf zeigt! BRILLIANT!
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