Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?11713

Während sich der Missbrauchsskandal an katholischen Schulen in Deutschland ausweitet, kritisiert Papst Benedikt XVI, dass britische Gesetze zur Gleichbehandlung dem "Naturgesetz" widersprächen.

In einer Botschaft an die 35 katholischen Bischöfe in England und Wales kritisierte das 82-jährige Staatsoberhaupt am Montag, dass die Regierung in London mit ihrem erweiterten Antidiskriminierungsgesetz gegen das "Naturgesetz" verstoße. Im "Equality Bill" ist - anders als in Deutschland - auch vorgesehen, dass auch kircheneigene Einrichtungen wie Kindergärten oder Krankenhäuser nicht mehr Bewerber wegen einer unliebsamen sexuellen Orientierung ablehnen dürfen. Die Verabschiedung des von der Labour-Regierung eingebrachten Gesetzes verzögert sich derweil wegen einer Blockade des Oberhauses. Die Lords können die Verabschiedung allerdings nur verzögern.

"Teile des Gesetzes schränken die Religionsfreiheit ein", dozierte der Papst. "Teilweise verletzt es sogar das Naturgesetz, auf dem die Gleichheit aller Menschen beruht und das diese garantiert." Die Bischöfe müssten daher die "moralischen Lehren" verteidigen: "Wer der Heiligen Schrift treu bleibt, schränkt nicht die Freiheiten anderer ein - im Gegenteil, die Bibel vergrößert die Freiheit der Menschen, weil sie ihnen die Wahrheit anbietet", erklärte der Papst. Die katholischen Würdeträger sollten sich daher in die politische Debatte einmischen: "Wenn ein so großer Anteil der Bevölkerung erklärt, christlich zu sein, wen könnte es stören, wenn das Evangelium gehört wird?", so Benedikt XVI.

Selbst konservative Medien wie die Londoner Tageszeitung "Times" kritisieren die Aussagen des Papstes als "beispiellosen Angriff". Der linksliberale "Guardian" spricht von einer "päpstlichen Aggression".

Missonierung in Großbritannien

Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich die katholische Kirche in das Gesetzgebungsverfahren eines mehrheitlich protestantischen Landes einmischt. Allerdings scheint er besonders in Großbritannien den Versuch unternehmen, konservative Kräfte, die Homosexualität generell ablehnen, der anglikanischen Kirche abzuwerben. Im vergangenen Jahr bot er daher übertrittswilligen anglikanischen Geistlichen einen besonderen Status in der katholischen Kirche an (queer.de berichtete). Derzeit sind rund neun Prozent der Engländer, Schotten und Waliser Katholiken.

In Deutschland weitet sich derweil der Skandal um den sexuellen Missbrauch von Schülern katholischer Einrichtungen durch Priester weiter aus. In Bildungseinrichtungen der Jesuiten waren offenbar bis in die 90er Jahre Fälle von Missbrauch durch die Kirche geheim gehalten worden. Der Skandal hat die Debatte um das Zölibat wieder angefacht. Der Augsburger Autor und Theologieprofessor Hanspeter Heinz erklärte etwa, schuld an den Misshandlungsfällen sei die sexuelle Unreife, die bei Priestern besonders häufig sei. Die radikalkatholische Internetseite kreuz.net hat eine andere Erklärung: Für sie sind "Homo-Verbrecher" schuld an den Übergriffen. (dk)



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.

79 Kommentare

#1 GerdAnonym
  • 02.02.2010, 11:45h
  • Harriet Harmann die britische Ministerin für Frauen und Gleichstellung hatte dieses Projekt in England angekündigt, das aber vorerst im BritischenOberhaus keine Mehrheit letzte Woche fand.

    Ebenso wie in allen anderen EU-Staaten hat auch das Vereinigte Königreich einen gesetzlichen Diskriminierungsschutz, der sowohl in der gesamten Arbeitswelt als auch im Zivilrecht bei Massengeschäften greift und verschiedene Merkmale, unter anderem die sexuelle Identität aber auch die Religionszugehörigkeit schützt.

    Leider besteht in den EU-Richtlinien sowie in den nationalen darauf erlassenen Gesetzen eine Kirchenklausel, die es den Kirchen ermöglicht ihre eigenen Angestellten einzustellen und zu kündigen, ohne auf die nationalen Antidiskriminierungsregelungen Rücksicht zu nehmen. Das ist natürlich skandalös, das den Kirchen hier eine "Extrawurst" gebraten wurde und sie sich nicht an die nationalen Antidiskriminierungsregelungen halten brauchen.

    Die britische Ministerin Harriet Harmann von der Labour Party wollte diese Ausnahmeklausel der Kirchen im Arbeitsrecht ein Ende bereiten und konnte dafür aber keine Mehrheit im Britischen Oberhaus erhalten.

    Insbesondere die Katholische Kirchenleitung fürchtet, gezwungen zu werden, dass Frauen als Priesterin und offen homosexuelle Männer als Priester beschäftigt werden müssen und dagegen hatte der Vatikan bei der Britischen Regierung interveniert.

    Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass Kirchen bei ihren Mitarbeitern in allen (!) EU-Staaten diskriminieren dürfen, wenn sie es denn wollen.

    Während bei der EKD beispielsweise keine Gefahr besteht, da dort Frauen sämtliche kirchliche Berufe offenstehen und homosexuelle, verpartnerte Männer ebenso jedes Amt ausüben dürfen, ist das bei den Katholiken nicht der Fall. Gerade aus Sicht der Frauen ist dies ein Schlag ins Gesicht und Ministerin Harriet Harmann wollte dies im Vereinigten Königreich nicht länger zulassen.

    ----
    Benedikt ist natürlich einer der Hauptprotagonisten, die hier intervenieren und weiterhin diskriminieren wollen- was zutiefst der christlichen Nächstenliebe widerspricht, aber er ist nunmal in Wahrheit ein bayrischer Gendarmensohn, der nicht mit "sich reden läßt". Theologen wie Uta Ranke-Heinemann oder Hans Küng sind zutiefst von ihm enttäuscht und von Ratzinger ist nichts an innerkirchlichen Reformen zu erwarten - ganz im Gegenteil wird er nur noch weiter versuchen, die Katholische Hierarchie antihomosexuell einzuschwören und keine Frauen in das Priesteramt hineinzulassen.

    Da kann man nur hoffen, dass möglich bald ab 2012 die erste Frau bei den Anglikanern in der Church of England als Bischöfin geweiht wird. Anglikanische Pastorinnen gibt es bereit sehr viele in England. Denn dann bricht zumindest die Anglikanische Kirchenwelt den Katholiken "weg" und zunehmend isoliert sich Benedikt und Co im Vatikan. Der 82jährige Benedikt fährt auch dieses Jahr nach England auf Papstreise, um dort nochmal kräftig bei den Anglikanern die Unzufriedenen abzuwerben, die gegen die Zulassung von Frauen als Bischöfin sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 gatopardo
  • 02.02.2010, 11:52h
  • Ein Intellektueller wie Ratzinger kann doch nicht irren ? Auch eine gescheite Physikerin wie Angela Merkel hat weiterhin unlängst gefordert, die Kirchen sollten sich mehr in die Politik einmischen.
    Starke Worte von klugen und gläubigen Menschen, die sich auf ihre Leute verlassen können, von denen sie gewählt und bezahlt werden.
    Wir sollten nicht auf atheistische Propaganda wegen einer Handvoll missbrauchter Klosterschüler hereinfallen und stattdessen die Religionen auffordern, unsere Gesellschaft viel mehr zu prägen, als sie das bislang getan haben !
  • Antworten » | Direktlink »
#3 gatopardo
  • 02.02.2010, 12:00h
  • Antwort auf #1 von Gerd
  • Natürlich sind weibliche Bischöfe für die britische Gesellschaft äusserst wichtig. Bleibt die bange Frage, ob die dann auch gemeinsam unter einem Dach leben dürfen, wenn sie lesbisch sind wie in Stockholm ?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LeihbischofAnonym
#5 Olof PalmeAnonym
#6 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 02.02.2010, 12:33h
  • "Wer der Heiligen Schrift treu bleibt, schränkt nicht die Freiheiten anderer ein - im Gegenteil, die Bibel vergrößert die Freiheit der Menschen, weil sie ihnen die Wahrheit anbietet."

    Eben nicht. Die sogenannte "Heilige Schrift" (die nicht heilig ist) enthält gerade nicht die Wahrheit. Der Wisch ist von Menschen geschrieben worden, die wie alle Menschen keine Ahnung von der Welt und der Wahrheit haben. Die Menschen sind derzeit noch viel zu unterentwickelt um die Wahrheit kennen zu können. Es kann nur darum gehen, dass jeder Mensch individuell für sich, entsprechend seinen Wünschen und Bedürfnissen, seine "Wahrheit" findet, die aber niemals eine Allgemeingültigkeit hat. Da ist die sogenannte "Heilige Schrift" (die nicht heilig ist) nur eine mögliche austauschbare Quelle unter vielen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Liedel
  • 02.02.2010, 13:09h
  • ja genau @MadridEU

    Wir wurden ja noch gar nicht daran erinnert, dass es in Schweden eine lesbische Bischöfin namens Eva Brunne gibt
  • Antworten » | Direktlink »
#8 schwulenaktivist
  • 02.02.2010, 13:13h
  • Es ist fast immer so, dass die Verursacher von den Ursachen ablenken, indem sie Sündenböcke suchen! Das ist das System jeder Ideologie! Auch des bürgerlichen Alltags...
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Liedel
  • 02.02.2010, 13:24h
  • Tja, Benedikta, scheint wohl nicht so ganz zu klappen das "feindliche Übernahmeangebot" an die Anglikaner. Sollten doch künftig etwa verheiratete Priester der "Church of England", die konvertieren wollen, anerkannt werden...

    Ich fiel ja gestern fast vom Sofa, als Canisius-Rektor Mertes in einem Fernsehinterview das Wort "Homophobie" in Bezug auf die katholische Sexualmoral in den Mund nahm. Wow!

    Da muss Ratzinger Bene natürlich ablenken was das Zeug hält!
    Aber wie schreibt es Hermann Häring heute so schön im Tagesspiegel?
    "Der katholische Klerus muss endlich die urdemokratischen Tugenden der Transparenz und Partizipation lernen."

    www.tagesspiegel.de/kultur/Canisius-Kolleg-Kindesmissbrauch;
    art772,3018537


    Da wird noch viel Getöse aus Rom kommen, bevor die damit anfangen
  • Antworten » | Direktlink »
#10 gatopardo