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  • 16. Juni 2004, noch kein Kommentar

Mit dem neuen Album "Schwabing Affairs" präsentiert das Kult-Label Diggler heiße Sounds, unter anderem aus Soft-Pornos der 60er und 70er Jahre.

Von Jan Gebauer

Es ist gut zu wissen, dass neben den fünf großen Musikkonzernen (BMG, EMI, Sony, Warner, Universal) noch Independent-Label existieren, die in der derzeitigen Krise punkten können. Das Kult-Label Diggler Records macht es nämlich richtig! Es produziert Easy Listening und Pop der 60er /70er Jahre für Sammler und Liebhaber und gräbt in Archiven nach vergessenen Sounds. Auch das neueste Werk "Schwabing Affairs" präsentiert wieder rare Perlen der deutschen Musiklandschaft, unter anderem aus Filmchen mit so klangvollen Namen wie "Engelchen macht weiter Hoppe, Hoppe Reiter", "Liebe und so weiter" oder "Der Kerl liebt mich und das soll ich glauben?", in dem Uschi Glas ihren faltenfreien Körper in die Kamera hielt.

Diggler Records wurde 2001 von den Kölnern Alexander Imiela und Sascha Bretz gegründet, die sich während ihrer Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien in der Berufsschule kennen lernten. Schon früh erkannten sie ihre gemeinsame Leidenschaft: Musik und Film der 60er und 70er Jahre, besonders obskure Soundtracks, die von großen Plattenfirmen kaum wieder veröffentlicht wurden. Auf dem ersten Album "Mark Of The Devil" (2001) gruben sie Musik aus den Horror-Filmen "Hexen bis aufs Blut gequält" und dem Sequel "Hexen - geschändet und zu Tode gequält" aus. Niemand geringeres als Michael Holm zeigte sich für die Musik verantwortlich. Mit den Soundtracks zu "Robbi, Tobbi & das Fliewatüüt", "Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall" und Sammlungen der bekannten Komponisten Peter Thomas (Edgar Wallace- und Jerry Cotton-Filme) und Gerhard Heinz ("Liebesspiele junger Mädchen") verzeichneten Diggler große Erfolge, fernab massenkompatibler Charts. Vorläufiger Höhepunkt war das Album "Popshopper's Guide" (2003), das fiktive Werbemelodien im Stile der 60er und 70er enthält. Prominente Künstler wie Anke Engelke und Helge Schneider beteiligten sich an der Produktion.

Review:

Es ist schon erstaunlich, wo die beiden Diggler-Chefs die obskuren Songs und Melodien auf dem neuen Album "Schwabing Affairs" ausgegraben haben. Die oben angesprochenen Filme hatten selten Soundtrack-Alben, die Komponisten sind entweder verschieden oder interessieren sich nicht mehr für ihre alten Aufnahmen. Nicht so der unvergleichliche Peter Thomas, der hier mit zwei Titeln vertreten ist. Logisch, dass besonders sein schrilles Psycho-Stück "Papierblumenmörder" aus der gleichnamigen "Der Kommissar"-Folge für ungehemmten Spaß sorgt. Nicht minder originell ist seine "Melodie für eine Teekanne", David Llywelyn unnachahmlich gesungenes "Mädchen, Mädchen" oder Franziska Oehmes "Kuckucksjahre". Hier groovt und swingt es, dass es eine wahre Freude ist. Musikalische Vielfalt kommt auf dem Album sowieso nicht zu kurz. Alles vom erfrischendem Bossa Nova ("Bengelchen Bossa Nova"), Pseudo-Rock'n'Roll ("Land Of 1000 Dances"), bis hin zu waberndem Soul ("Reach Out I'll Be There") ist vertreten und sorgt für ein beschwingtes und witziges Hörvergnügen, getreu dem Untertitel der CD: "Delicate Tunes From Swinging Munich Movies Of The 1960s and 70s". Wer also originelle Party-Musik sucht, die unterhaltsamer als jeder eintönige House- und Techno-Brei ist, sollte unbedingt zu "Schwabing Affairs" greifen, denn hier kommen Herz und ausgefallene Sounds noch zusammen.

16. Juni 2004, 17:30