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Der 27-jährige Augusto Pereira de Souza darf in den USA bleiben, weil er in seiner Heimat Brasilien wegen seiner Homosexualität verfolgt wurde.

Das Heimatschutzministerium gewährte Pereira de Souza Asyl. Er lässt sich nun in Newark nahe der Metropole New York City nieder. In seinem Verfahren wurde der Brasilianer von der Columbia Law School in New York unterstützt.

"In Brasilien habe ich ständig um mein Leben gefürchtet", erklärte der 27-Jährige nach der Entscheidung. "Ich versuchte zu verstecken, dass ich schwul bin. Aber man hat mich immer noch angegriffen, zusammengeschlagen und nach dem Leben getrachtet, nur weil ich schwul bin." Er sei wiederholt von Skinheads, aber auch von Polizisten, verprügelt worden. "Nachdem man von einem Polizisten angegriffen wurde, lernt man schnell, dass einen dort niemand schützt. Für mich war es eine Entscheidung auf Leben und Tod, in die USA zu fliehen."

Tausende Morde an Schwulen

Brasilien gehört zu den Ländern mit den meisten Übergriffen auf Schwule. In den letzten 30 Jahren hat die Homo-Organisation Grupo Gay da Bahia allein 3.000 Hass-Morde an Homosexuellen registriert - die Dunkelziffer liegt aber weit höher. Viele Morde würden mit Hilfe der Behörden verschleiert, erklärte die Gruppe. "Herr Pereira de Souzas Geschichte ist leider Normalität in Brasilien", denkt auch die Aktivistin Rena Stern, die sich als angehende Anwältin in New York für den Brasilianer einsetzte. "Die Zahl der Anschläge und Morde, die aufgrund der sexuellen Orientierung der Opfer verübt werden, hat sich in den letzten Jahren sogar erhöht".

Zwar versprach Brasiliens sozialdemokratischer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bereits 2008 eine "Wiedergutmachung" für Schwule und Lesben und bezeichnete Homophobie als "widernatürliche Krankheit" (queer.de berichtete). In der brasilianischen Gesellschaft - insbesondere auf dem Land - ist aber eine homophobe Macho-Kultur vorherrschend wie in kaum einem anderen Staat. Homo-Aktivisten warnten aufgrund der steigenden Übergriffe bereits vor einem "Homocaust" (queer.de berichtete). (dk)



#1 hwAnonym
#2 Girl .f.IpanemaAnonym
  • 09.02.2010, 15:45h
  • Brasiliens Schwulenszene boomt 
    – doch fast täglich werden Homosexuelle ermordet

    ....Und so bleibt alles nur bei schönen Worten, geschehen weiterhin furchtbare Dinge, bleibt alles beim Alten. Ich sehe in diesem Land sehr viel Widersprüchliches, eine tägliche Kollision zwischen Ultraarchaischem und Ultramodernem, bin aber als Brasilianer darüber nicht einmal mehr erschrocken, habe wie jedermann zwangsläufig gelernt, damit zu leben.“
    Nicht zufällig liegt Kuba auf dem UNO-Index für menschliche Entwicklung auf dem 52. Platz, mit Deutschland, den USA, Argentinien, Chile und Uruguay in der Gruppe jener Staaten mit hohem Entwicklungsgrad – Brasilien, gezeichnet auch von Folter, Todesschwadronen und sogar Sklavenarbeit,  jedoch nur auf dem 72. Platz, unter den Ländern mit mittlerem Entwicklungsgrad....

    www.ila-web.de/brasilientexte/homosexuelle.htm
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#3 ThiagoAnonym
#4 eMANcipationAnonym
  • 09.02.2010, 16:39h
  • Antwort auf #2 von Girl .f.Ipanema
  • In der Tat geht es im Falle Brasiliens sehr viel mehr um eine historisch begründete, extreme soziale Ungleichheit (so extrem wie in kaum einem anderen Land) in Kombination mit einem traditionell schwachen (Rechts-) Staat als etwa um eine besonders auffällige "Homophobie". So ist die brasilianische Gesellschaft, inzwischen zu weit über 80% in den urbanen Zentren lebend, im Umgang mit Homosexualität eigentlich sehr offen, und ich persönlich habe dort während meines insgesamt zweijährigen Aufenthalts auch in den deutlich weniger privilegierten Lebensräumen gerade unter jungen Menschen einen äußerst offenen und selbstbewussten Umgang mit schwuler Identität erlebt.

    Andererseits sorgen das extreme Ausmaß sozialer Probleme sowie ein völlig überforderter (Rechts-) Staat dafür, dass kranke Homophobe, wie es sie überall gibt, in manchen Bereichen und Räumen noch gewalttätiger und aggressiver zuschlagen und sich an ihren Opfern vergehen, weil sie auf Straflosigkeit spekulieren können. Dies ist natürlich eine dramatische Situation. Dennoch sollte man gerade in Brasilien die in den letzten Jahren unter der Regierung von Präsident Lula und der der Arbeiterpartei PT erreichten positiven sozialen Veränderungen hervorheben, wie zum Beispiel der Rückgang der extremen Armut um 27% allein innerhalb der ersten vier Jahre von Lulas Regierung (2003-2006), erreicht vor allem durch das inzwischen weltweit größte, direkte Geldtransferprogramm von oben nach unten, "Bolsa Família". Nachdem sich die ohnehin unerträgliche soziale Ungleichheit unter der durchweg neoliberalen Vorgängerregierung trotz vorübergehender Besserung im Zuge der Währungsreform 1994 bis Anfang der 2000er Jahre wieder deutlich verschärft hatte, hat hier immerhin seit 2003 ein messbares politisches Gegensteuern stattgefunden.

    Die Regierung der Arbeiterpartei hat auch zahlreiche homopolitische Gesetzesvorhaben in den allerdings systembedingt extrem langsam arbeitenden brasilianischen Kongress eingebracht, wie z.B. ein umfassendes Gesetz gegen Hassverbrechen einschließlich Hassrede, ein Gesetz zur gleichberechtigten Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften und zuletzt vor ein paar Monaten einen umfassenden Menschenrechtsplan mit besonderen Schutzmaßnahmen für Schwule und Lesben:
    www.brasil-treff.com/home/news/index_de.php?&news_id=1478

    Über die äußerst fortschrittliche Präventionspolitik, z.B. die kostenlose Verteilung von Kondomen nicht nur zur Karnevalszeit, sondern auch regelmäßig in öffentlichen Schulen, wurde auch bei queer.de schon mehrfach berichtet.

    Kurzum: Die brasilianische Gesellschaft ist immer noch extrem ungleich und damit auch widersprüchlich, wobei der brasilianische Lebensalltag insgesamt durch einen bemerkenswert offenen Umgang mit Homosexualität gekennzeichnet ist, der auch in einer inzwischen deutlich sichtbaren und in allen großen Städten institutionell verankerten Homo-Bewegung Ausdruck findet. Die eigentliche Herausforderung bleibt die Bekämpfung der extremen sozialen Ungleichheit und der notorischen Schwäche des Rechtsstaates, wobei hier in den letzten Jahren eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung, getragen insbesondere durch starke soziale Bewegungen, stattgefunden hat. Diese Bewegungen müssen nicht zuletzt zum Schutz von Schwulen und Lesben konsequent ausgebaut werden, und es bleibt zu hoffen, dass dies nach dem Ende der Präsidentschaft Lulas und den Präsidentschafts-/Kongresswahlen im Oktober weiterhin möglich sein wird.
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#5 Katrin
  • 09.02.2010, 17:09h
  • In Deutschland ist dies kein Asylgrund....und wird es in den nächsten Jahren auch nicht werden.
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#6 Brasilien-KennerAnonym
#7 Gay AsylumAnonym
#8 MarekAnonym
  • 09.02.2010, 18:59h
  • Sehr gut, dass er augenommen wurde und jetzt hoffentlich sicherer leben kann!

    Endlich mal eine gute Nachricht aus den USA!

    Leider ist allzu oft (gerade auch in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten) Homosexualität immer noch nicht als Fluchtgrund anerkannt!

    Ein weiteres wichtiges Thema, wo noch viel getan werden muss! (Leider wird auch da wohl Schwarz-Gelb die Hände in den Schoß legen.)
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#9 MjueresAnonym
  • 21.04.2011, 15:06h
  • Oje, wie lächerlich! Da sieht man die Ignoranz der Amerikaner! Die USA sind eine Hölle für Homosexuelle!doch keinen Deut besser!
    Ein kleiner Wirtschaftsflüchtling, der nach einem Grund gesucht hat, abzuhauen!
    Ich bin auch schwul, lebe zurzeit in Deutschland, bin aber froh, wenn ich in 2 Jahren nach Sao Paulo zurück kann. Irgendwas muss also an der Wahrnehmung dieser Leute ganz verkehrt sein!
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