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Hinter den Kulissen wird weiterhin an Rettungsplänen gebastelt, nach außen dringt wenig. Wohin geht die Reise für Deutschlands ersten Sender für Schwule?

Von Christian Scheuß

"Schon gehört? Frank Lukas, der Geschäftsführer ist untergetaucht!" Die Gerüchteküche brodelt heftig, seit man beim schwulen Fernsehsender den Gang zum Insolvenzverwalter antreten musste. In der Tat lief in den vergangenen Tagen nach der Nachrichtensendung TIMM TODAY die Suchmeldung zu einer vermissten Person. Doch wie Augenzeugen bestätigen, sitzt der Boss nach wie vor in Berlin an seinem Schreibtisch, um den Sender aus der wirtschaftlichen Schieflage zu befreien.

Der Sendebetrieb läuft noch, was erst mal ein gutes Zeichen ist. Auch wenn es manche Zuschauer irritierte, als am Mittwochnachmittag plötzlich füllige Frauen auf dem Bildschirm auftauchten, die unter dem Label Astro-Shop ein 13-teiliges "Schädelset" für schlappe 349 Euro verscherbeln wollen, weil man ja damit ganz doll das eigene Schicksal erkunden könne. Nein, da wird nicht bereits das Inventar von TIMM verkauft, es werden nur Kosten beim Sendebetrieb gesenkt.

"Wir sind angehalten, das Programm zu verschlanken, deswegen haben wir jetzt mehr Shopping am Nachmittag im Angebot", berichtet eine interne Quelle gegenüber queer.de. Da der schwule Zuschauer in der Regel hauptsächlich erst ab 18 Uhr einschaltet, fällt diese Änderung im Sendeschema kaum auf. Auf weitere Programmänderungen werden sich die Zuschauer einstellen müssen, Programmvorschauen haben nur noch eine begrenzte Haltbarkeit.

In die Sterne gucken müssen Außenstehende nach wie vor, wenn es um die Zukunft des Senders geht. Ein erstes Indiz, wohin die Reise gehen könnte, gab es durch den TIMM-Newsletter, in dem gefragt wurde, ob man als Zuschauer denn treu bleibe, wenn TIMM künftig als Pay-TV-Kanal laufen würde. "Es wird derzeit über viele Möglichkeiten nachgedacht, und Pay-TV ist eine davon", bestätigt die inoffizielle Quelle dieses Gerücht. Wann da aber etwas spruchreif ist, das kann und will noch niemand sagen. Auch nicht, wie viel Zeit denn noch bleibt. Es hänge von vielen Faktoren ab, die eine Lösung verzögern, heißt es. Man führe aber viele Gespräche, die ihre Zeit bräuchten.



35 Kommentare

#1 XDAAnonym
  • 12.02.2010, 22:34h
  • Hab ich nicht gesagt, dass sie bald auch Call-in Spiele wie 9Live machen ... aber gut ASTRO TV ist bald noch schlimmer.
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#2 LarsAnonym
  • 12.02.2010, 23:01h
  • Antwort auf #1 von XDA
  • Wie man's macht, macht man's verkehrt... Macht man den Sender dicht, so ist das nicht okay. Pay-TV wird auch nicht gewünscht. Nun findet sich einer, der für ein Teleshopping-Programmfenster Geld zahlt und es wird wieder geschimpft. Natürlich ist das keine tolle, hochwertige Sendung. Aber gibt es sowas im Bereich Teleshopping überhaupt?

    Wenn es zur Rettung des Senders beiträgt, dann ist das doch wunderbar. Es wird ja keiner gezwungen, sich diese 2 Stunden anzuschauen!
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#3 eMANcipationAnonym
  • 13.02.2010, 01:07h
  • In Wahrheit ist es doch ein absoluter Skandal und passt perfekt zu den massenmedialen Kampagnen, die in unterschiedlichen Bereichen gerade gegen uns losgetreten werden, dass die Etablierung eines schwulen Vollprogrammes in diesem Lande offenbar gezielt sabotiert wird.

    An vorderster Front stehen hier die Betreiber der Kabelnetze, die jedem noch so dümmlichen heterosexistischen Schwachsinn einen Platz im frei empfangbaren Kabelnetz einräumen, aber keinem schwulen Sender. Hier sind in erster Linie die Landesmedienanstalten gefordert, diese offensichtliche Diskriminierung von Programmen nichtheterosexuellen Inhaltes endlich zu beenden!

    Es ist ein Skandal, dass die öffentlich-rechtlichen Programme bis zum heutigen Tage nicht einmal ansatzweise eine quantitativ und qualitativ angemessene Repräsentation homosexueller Menschen für nötig halten. Eine heterosexistische Schmonzette reiht sich an die andere, und das wohlgemerkt auch in Kinder- und Jugendprogrammen, wo die lebenswichtigen (siehe Suizidrisiko homosexueller Jugendlicher!) Identifikationsfiguren für junge Schwule und Lesben weiterhin mit voller Absicht nicht vorkommen. Macht ja nix, "unsere" letzte Familienministerin kommentierte die betreffenden Daten zum Suizidrisiko ja auch nur insofern, als sie ausrichten ließ, dass sie dennoch keinen Handlungsbedarf zur genaueren Erfassung der Lebenssituation homosexueller Jugendlicher sehe.

    Geht es hier eigentlich auch allen am A... vorbei, wofür sie GEZ-Gebühren bezahlen??? Oder überlegen wir uns endlich mal, wie wir den heteronormativen Programm-Herren zeigen können, dass wir für rund 10% ihrer Gebührengelder aufkommen??? Und dass wir selbige solange nicht mehr zahlen, bis wir in ihren Programmen nicht mehr gezielt marginalisiert und ausgegrenzt werden!!!

    Aber ich weiche vom anfänglichen Thema ab: Neben dieser eigentlich selbstverständlichen Repräsentation im von uns wesentlich mitfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen muss es selbstverständlich auch wenigstens einen zu 99% schwulen Kanal geben. Denn ALLE anderen Programme sind schließlich zu 99% heterosexuell/-sexistisch, und das 1%, das uns zugedacht wird, besteht dann zum größten Teil aus einer Aufwärmung der üblichen Klischees und sonstigen Anhängseln, die die übergeordneten Hetero-Stories garnieren sollen. Oder in letzter Zeit zunehmend in fragwürdigem, aber immer weniger als "zufällig" entschuldbarem Sensationsjournalismus, der Schwule mindestens unterschwellig als sexuelle Belästiger, Kinderschänder und -hasser diffamiert.
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#4 KameliendameEhemaliges Profil
  • 13.02.2010, 04:29h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation
  • Ich stimme dir zu das es "seriöse" homosexuelle Inhalte im Fernsehen geben sollte.
    Ich bin auch durchaus dafür das Timm weiter existiert. Allerdings gehört zur Wahrheit auch zu sagen das Timm-Tv selber so manche Serie und manchen Film im Programm hatte der vor Klischees nur so triefste, der keinen Deut besser war als zb das was ich bis jetzt von doc love gesehen habe und was du in dem anderen Thread sehr scharf kritisiert hast.
    Sprich: Die von dir so beschworene schwule Identifikationsfigur hättest du auch da lange suchen können.
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#5 bananasEhemaliges Profil
  • 13.02.2010, 12:54h
  • Antwort auf #4 von Kameliendame
  • Stimmt genau. Ich hatte bei TIMM nie das Gefühl, wirklich nie, das ich dort jetzt was verpasse, wenn ich es nicht sehe. Und deshalb hatte ich TIMM auch nur ganz kurz. Das mit Klischees stimmt und den Rest habe ich als DVD im Regal. Eigentlich schade meine ich.
    Übrigens scheinen das gewisse "Vorzeige-Promi-Schwule und Lesben" auch so zu sehen. Die verdienen Ihr Geld meist bei den Privaten und machen sich zum Affen für die heterosexuelle Zielgruppe.
    Und nochmal: SCHADE
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#6 bananasEhemaliges Profil
#7 SimoneAnonym
  • 13.02.2010, 13:11h
  • Bei all dem Timm-Bashing sollte man nicht vergessen, dass der Sender gerade mal 1 1/2 Jahre alt ist. Dafür hatte der Sender schon einiges, auch qualitatives zu bieten - und dass es jetzt Aufregung über Astro TV und Teleshopping gibt, was bei vielen Digitalsendern üblich ist, zeigt, wieviel man am Anfang durch Verzicht eigentlich gewagt hat.

    Zwei Probleme sehe ich:
    - der immer noch niedrige Grad der Digitalisierung (wo bleibt die Abschaltung des analogen Kabels?)
    - die fehlende Bereitschaft von Mediaplanern, in schwulem Umfeld zu werben

    Ansonsten hätte ich tagsüber zum Anfang auf Musikvideos gesetzt, da wären noch Zuschauer (und Werbekunden) zu holen gewesen.
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#8 TV-JunXXXterAnonym
  • 13.02.2010, 13:40h
  • Antwort auf #7 von Simone
  • Wer macht hier TIMM-Bashing? Ich sehe TIMM sehr gerne. Teleshopping als Programmfüller ist ja noch akzeptabel, aber AstroTV ist das Allerletzte! Auch ich bin der Meinung, daß Musikvideos wie bei VIVA und MTV auch sinnvoller wären. Ich habe nämlich heute Nach die Eröffnungsfeier aus Vancouver von den Olympischen Winterspielen verfolgt und die Organisatoren haben auch an die LGBT-Community gedacht. Die begnadete offen lesbische Sängerin K. D. Lang sang sehr hingebungsvoll den Song eines kanadischen Komponisten "Hallelujah"! Ich fand es ganz toll!
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#9 eMANcipationAnonym
  • 13.02.2010, 14:22h
  • Antwort auf #4 von Kameliendame
  • Es ging mir nicht um "Timm" im Besonderen,

    sondern um die diskriminierenden Herrschaftsstrukturen in dieser Gesellschaft, die auch die Etablierung eines schwulen Vollprogrammes - neben allem anderen, was ich versucht habe, darzulegen - bis zum heutigen Tage verhindern.

    Dass diese Feststellung Widerspruch auslöst, die beschriebenen und unbestreitbaren Fakten aber nicht, sagt wiederum einiges über den geistigen Zustand unserer Community.

    So langsam sollten wird die Zeit unseres Tiefschlafes jetzt mal beenden! Bezeichnend auch, dass dir und anderen zu meinen weiteren, wichtigen Kritikpunkten wie so oft nichts eingefallen ist.

    Das ist eben der Status quo... Den müssen wir eben einfach so hinnehmen... Oder wir sind zu sehr im Vollrausch und zu sehr bürgerlich-angepasst (das hängt übrigens nicht an Äußerlichkeiten), um zu erkennen, wie der Rollback dabei ist uns zu überrollen! Solche tragischen Bürgerlichen, die es aus purem Opportunismus vorziehen, sich mit den Herrschenden zu verbünden, anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen, hat es in der deutschen Geschichte schon häufiger gegeben.
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#10 eMANcipationAnonym
  • 13.02.2010, 15:18h
  • Antwort auf #8 von TV-JunXXXter
  • "Ich habe nämlich heute Nach die Eröffnungsfeier aus Vancouver von den Olympischen Winterspielen verfolgt und die Organisatoren haben auch an die LGBT-Community gedacht. "

    Tragisch und fatal allerdings, dass die unzähligen, sich selbst verleugnenden schwulen Profi-Sportler in Vancouver nicht an die "LGBT-Community" denken und es zulassen, dass das einzige, was man von Schwulen im Profi-Sport zu sehen bekommt, sensationsjournalistisch gezielt inszenierte und gepushte "Belästigungsskandale" sind...
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