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Der DFB wollte ein Klima schaffen, in dem sich offen schwule Sportler outen können. Er hat auf ganzer Linie versagt.

Von Norbert Blech

Es sind zwei Klischee-Bilder, die Boulevardmedien in den nächsten Wochen bei der Aufarbeitung des aktuellen DFB-Skandals zum Thema Homosexualität in die Köpfe ihrer Leser brennen werden: das des Fummel-Opas und das des peinlichen, beziehungsgestörten Jungschwulen.

Ganz abgesehen von der Frage nach der Berechtigkeit der darin enthaltenen Vorwürfe über die jeweilige Person ist das Ausufern des Skandals blamabel für DFB-Präsident Theo Zwanziger, der das Thema Homophobie im Fußball zur Chefsache gemacht hatte und ein Klima schaffen wollte, in dem sich offen schwule Sportler outen können und Vorbild sein sollen. Damit darf nun die nächsten Jahre nicht mehr gerechnet werden.

Dabei hätte jeder seriöse Arbeitgeber die sich abzeichnende Boulevard-Schlammschlacht verhindern können und verhindern müssen. Er hätte die Vorwürfe sofort intern geklärt und daraus Konsequenzen gezogen, diese notfalls dann auch inhaltlich erklären können, ohne sein Ansehen, das Ansehen der Beteiligten und auch das Ansehen von Schwulen zu beschädigen.

Eine Chronik des Versagens

Was macht der DFB? Er lässt sich erstmal zwei Monate Zeit, um überhaupt zu reagieren. Dann tritt ein Verantwortlicher zurück, weil er nicht informiert wurde, und übersieht in seiner Eitelkeit, dass er die ganze Geschichte damit publik macht (es ist auch nicht auszuschließen, dass er genau das wollte). Dann erklärt der Verband, dass er nichts zu den laufenden Ermittlungen erklären wird - und lässt damit Spekulationen erst recht wuchern (was genau Amerell vorgeworfen wird, ist genaugenommen immer noch nicht offiziell bekannt). Und mindestens eine Führungsperson im Verband hintergeht auch noch das Schweigegelübde, in dem sie nach und nach Details an die Springer-Presse füttert, darunter die Person des Beschuldigers. Worauf der Beschuldigte, immerhin ein hoher Verantwortlicher des DFB, als lose Kanone durch die Medien tingelt, aus einer privaten SMS zitiert und seinen Beschuldiger nebenbei mehr oder weniger als schwul outet.

Es ist ein trauriges Bild, das der Verband von sich abgibt. Wer sich jetzt noch mit seiner Homosexualität, seiner Depression oder was auch immer an den DFB wendet, kann nicht bei Trost sein. Anstatt mit seinem Problem ernst genommen zu werden, muss er damit rechnen, dass Details aus seinen vertraulichen Gesprächen für Machtspiele missbraucht werden und in der "Bild"-Zeitung landen. Deutschland - ein Winterhorror.

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#1 Diz!Anonym
#2 LorenProfil
  • 12.02.2010, 18:16hGreifswald
  • Diesen "Standpunkt", dem nichts hinzuzufügen ist,
    sollte queer.de an den DFB senden:

    info@dfb.de
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#3 hetenbildAnonym
  • 12.02.2010, 18:29h
  • Nicht nur hier gehts dem Ruf des "guten Schwulen" zurzeit an die Wäsche. Dem heterosexuellen BILD-, FAZ- oder WELT-Leser (ja, die gibts in der Realität) ohne Homo-Bezug stellt sich Homosexualität wie folgt dar:
    Schwule sind selbst intolerant, wünschen anderen sogar den Tod (Big Brother), verstecken sich immer noch in Männernbünden (Katholische Kirche) und sind im Grunde pädophil oder sie tarnen sich als Ehemann und grabschen andere (junge) Männer an (DFB).

    Würde es nicht so traurig sein, könnte man nüchtern feststellen, "wir" haben im Moment ein Image-Problem. Hinzu kommt jedoch, dass durch den scheinbar sicheren Rückzug ins Private vieler Homos ihnen die Gefahr gar nicht mehr auffällt, die sich gesellschaftspolitisch zusammen braut ...
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#4 alexander
  • 12.02.2010, 19:08h
  • Antwort auf #3 von hetenbild
  • du hast zwar völlig recht mit deiner aussage, dass vielen nicht klar ist was sich hier gesellschaftspolitisch zusammenbraut, aber auf genau diese entwicklung weisen hier schon seit 10 jahren etliche user hin und................werden regelmässig von den fdp-trienen niedergemacht !

    offensichtlich kann man auf diese gefährliche entwicklung nur noch überspitzt und als tibetanische gebetsmühle, wie emanzipation, reagieren, damit einige selbstzufriedene tunten überhaupt noch bemerken, dass sie längst nicht so sicher leben wie sie denken !

    allein was unser "aussenposten" schwesterwelle wieder von sich gegeben hat ist eine blamage für unser land und bringt uns das nächste "imageproblem", man muss sich schämen, dass diese schwuchtel schwul ist !
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#5 ErikAnonym
  • 12.02.2010, 22:08h
  • Eigentlich ist es doch klar: Homosexuelle Menschen machen Fehler. Heterosexuelle Menschen machen Fehler. Bei Beiden gibt es nette Leute und richtige Ärsche. Leute, die ihre Macht ausnutzen und Leute, die das nicht machen.
    Hat doch alles nichts mit Hetero- oder Homosexualität zu tun, sondern mit den Charaktereigenschaften.
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#6 eMANcipationAnonym
  • 12.02.2010, 22:26h
  • Antwort auf #3 von hetenbild
  • Das hätte man kaum besser formulieren können.

    Und ja, lieber @alexander, deshalb schreibe ich hier absichtlich in einem bisweilen überspitzten, provozierenden Ton, um überhaupt noch jemanden zum Nachdenken zu bringen und vielleicht eine Diskussion anzustoßen!

    Der obige Kommentar von Norbert Blech hat es aus meiner Sicht perfekt auf den Punkt gebracht.

    Und man muss wahrlich kein "Verschwörungstheoretiker" sein, um sich mal ernsthaft die Frage zu stellen: Wem nützt es eigentlich und wer hat ein Interesse daran (allgemein eine der zentralen Fragen in unserer massenmedial gesteuerten Gesellschaft!), dass in den letzten Wochen in so geballter Form auf eine teils sehr unangemessene Weise mit hochsensiblen Themen und wieder einmal mit Homosexualität umgegangen wird???

    Es bedarf jedenfalls keiner allzu großen Fantasie (man muss sich nur mal ernsthaft damit auseinandersetzen), sich vorzustellen, wer sich angesichts dessen gerade die Hände reibt und ins Fäustchen lacht!

    Und wir müssen endlich aufhören, uns in dieser Hinsicht etwas vorzumachen: Wenn evangelikale Neonazis es bereits fertigbringen, in anderen Ländern die Todesstrafe für Schwule zumindest wesentlich zu befördern, dann müssen wir uns auch hier bei uns, und beileibe nicht nur aus dieser Ecke, auf so einiges gefasst machen.

    Die aktuellen Vorgänge zeigen doch, wie extrem schnell die Stimmungslage durch ein paar massenmedial wirksame Aktionen wieder in eine Richtung "gegen uns" gebracht werden kann. Und dass das in dieser Form möglich ist, dass mit den bezeichneten Themen überhaupt in dieser Weise umgegangen werden kann und gleichzeitig kein breitenwirksames Gegengewicht in Form einer starken Repräsentation schwuler Männer in ALLEN Bereichen vorhanden ist - gerade in denjenigen, wo das Bewusstsein junger Menschen geprägt wird - sollte uns endlich wachrütteln!!!

    Wir müssen uns immer fragen, welche Wirkung diese Art der medialen Darstellungen auf junge Männer hat, die vielleicht gerade ihre Homosexualität entdecken und ohnehin schon einer massiven heteronormativen Gewalt in ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt sind. Wo jede noch so kleine Abweichung von der konstruierten "Norm" gleich in aggressiver Weise mindestens mit dem Label "Schwuchtel" oder "Schwul = igitt" versehen wird!

    Eines ist klar: Ebenso sehr wie hier von sensationsjournalistischen Medien mit zweierlei Maß gemessen und bestimmte Darstellungen von bestimmten Gruppen offenbar gezielt gefördert werden, so leicht machen wir es diesen reaktionären Kräften, wenn wir uns in der Musikbranche, im "Pop"-Geschäft, in Film und Fernsehen sowie im (Profi-)Sport selbst verleugnen und verstecken und es damit die so dringend benötigten Identifikationsfiguren gerade für junge Männer weiterhin nicht gibt!!!

    Dann ist es natürlich ein Leichtes, "Skandale" in einer Weise zu inszenieren, die wieder einmal Homosexualität oder schwule Identität stigmatisiert, diffamiert und pathologisiert.

    Ich habe in diesem Forum schon einige Male versucht, Diskussionen in unterschiedlichen Bereichen - auch zu einer möglichen Organisation "von unten" in dem so wichtigen Bereich Fußball (ob wir nun begeisterte Fußballfans sind oder nicht) - anzustoßen und dabei leider maximal ein paar grüne Kästchen, aber keine inhaltlichen Antworten und konkreten Überlegungen für unseren gemeinsamen Aufbruch zu sehen bekommen.

    Wie deutlich müssen die Warnsignale eigentlich noch werden, bis wir endlich neue Wege der Organisation und Mobilisierung gerade über das Internet beschreiten? Unsere Antwort auf die jüngsten Ereignisse darf nicht in noch mehr Apathie oder gar Resignation bestehen, sondern vielmehr muss es heißen: Jetzt erst recht!!!

    Das sage ich auch in Richtung derer, die sich vielleicht einbilden, mit der aktuellen Schmierenkomödie rund um den DFB die teilweisen Versuche einer Besserung in diesem Bereich und vielleicht auch den zunehmenden Druck, die Selbstverleugnung schwuler Spieler endlich zu beenden, sabotieren zu können! Wir müssen in den nächsten Monaten und Jahren sehr aktiv genau dafür kämpfen, dass diesem perversen Spiel ein Ende bereitet wird. Und dass wir es da ganz offensichtlich mit mächtigen Gegeninteressen und -spielern zu tun haben - das sollte uns klar sein, aber es zeigt umso mehr die Dringlichkeit HIER UND JETZT zu handeln, bevor der um sich greifende Rollback uns endgültig wieder überrollt!
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#7 eMANcipationAnonym
  • 12.02.2010, 22:28h
  • Antwort auf #5 von Erik
  • Völlig richtig, aber genau das wird in der Art der massenmedialen Darstellung ganz und gar nicht berücksichtigt. Und wir sollten uns langsam mal fragen, warum das so ist, wer ein Interesse daran hat und vor allem, wann wir endlich anfangen, im oben skizzierten Sinne etwas dagegen zu unternehmen!
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#8 roselAnonym
#9 baldrianAnonym
  • 12.02.2010, 23:18h
  • wirklich ein standpunkt !

    hetenbild !!!!

    in den letzten wochen auch dröhnend breit:

    kampagne gegen hartzIV-bezieher
    und sozialabbau

    kampagne gegen den "iran"
    und für kriegseinsätze

    jetzt diese, zusätzlich

    noch fragen ???
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#10 stefanProfil
  • 13.02.2010, 00:03hParis
  • Unter »Links zum Thema:« führt ihr leider nur einen Link auf: »Kommentar der Queer Football Fanclubs«, der leider ins Leere führt:
    »Du bist nicht berechtigt, diesen Bereich zu sehen. Du musst Dich anmelden.«


    Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis, der Kommentar wurde offenbar entfernt.
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