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Am 18. Februar 1990 gründeten Homo-Aktivisten während der aufregenden Wendezeit den Schwulenverband der DDR. Aus ihm sollte schließlich der gesamtdeutsche LSVD hervorgehen, der sich vor allem dem Kampf für die Homo-Ehe verschrieben hat.

Von Dennis Klein

Theologe Eduard Stapel nutzte in der DDR die Freiräume, die ihm die evangelische Kirche verschaffte. Die Stasi hatte ihn über Jahre auf dem Kieker, weil er sich unter dem Schutz der nicht staatlichen Glaubensgemeinschaft Homosexuellengruppen gründete; die Spitzel sammelten unter dem anzüglichen Codenamen "After Shave" insgesamt 2.300 Seiten Aktenmaterial.

Nach dem friedlichen Fall der Mauer sollte Stapel Geschichte schreiben: Er trommelte 80 Homo-Aktivisten aus der DDR – sowie zwei aus Westdeutschland – in Leipzig zusammen und gründete den ersten freien Schwulenverband in der Ex-Diktatur. Er sah diese Gruppe als Teil der aufblühenden Bürgerbewegung an. Als sich die Wiedervereinigung nach den Volkskammerwahlen im März 1990 immer näher rückte, nannte er die Gruppe in "Schwulenverband in Deutschland" um.

"Aktion Standesamt"

Größtes Thema des SVDs, der ab 1999 als LSVD auch Lesben ansprach, sollte die Einführung der Homo-Ehe sein. Dieses Ziel verfolgten vor allem drei westdeutschen Homo-Aktivisten Volker Beck, Günter Dworek und Manfred Bruns, die sich bereits kurz nach der Wende im SVD engagierten. Die drei "Wessis" waren begeistert über den Beschluss Dänemarks im Jahre 1989, als erstes Land weltweit Eingetragene Partnerschaften einzuführen. Ihre westdeutsche Lobby-Gruppe, der Bundesverband Homosexualität (BVH), lehnte die Ehe allerdings grundsätzlich ab und setzte sich daher auch nicht für eine Gleichstellung von Homo-Paaren im Eherecht ein. Die alternative Lebensformpolitik, die der linke Homo-Verband forderte, spielte allerdings in der politischen Diskussion in Deutschland keinerlei Rolle. Das frustrierte Beck, Dworek und Bruns.

Über die Jahre engagierte sich der (L)SVD daher für die Homo-Ehe. Bereits 1992 sorgten die Aktivisten mit der "Aktion Standesamt" für mediale Aufmerksamkeit: 250 schwule und lesbische Paare beantragten damals im ganzen Land zu heiraten. Juristische Auseinandersetzungen folgten. Die bekanntesten Heiratswilligen waren die Hella von Sinnen und deren Freundin Cornelia Scheel. Mit vielen medienwirksamen Aktionen drückte der Verband andere Homo-Organisationen immer weiter an den Rand – der BVH wurde schließlich 1997 aufgelöst. Die Ablehnung der Homo-Ehe wurde in der Szene schließlich nur von kleinen Randorganisationen verfolgt, wie etwa dem whk ("Ich scheiß auf euer Ja-Wort").

Grün lackiert

Lange Jahre galt der LSVD als fünfte Kolonne der Grünen, insbesondere nach deren Einzug in die Bundesregierung. Immerhin war Volker Beck von 1991 bis 2004 Sprecher des Verbandes – gleichzeitig fungierte er auch rechtspolitischer Sprecher seiner Partei und seit 2002 Parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion. Mit der zunehmenden Öffnung der CDU sind inzwischen sind auch Aktivisten der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) im LSVD aktiv.

Der Kampf um die Gleichstellung im Eherecht ist nach wie vor das Hauptthema des Verbandes. So starteten die Aktivisten 2005 die "Aktion Eins zu Eins" ("Gleiche Rechte, gleiche Pflichten – nur das ist fair!"). Viele Prominente wie Günter Grass, Jürgen von der Lippe oder auch die neue Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) unterstützen die Aktion.

Weitere Schwerpunkte der vergangenen Jahre waren die Forderung nach einem Antidiskriminierungsgesetz, einem Gedenkort für von den Nazis verfolgten Homosexuellen oder nach dem Einreiseverbot von homofeindlichen Künstlern – insbesondere Reggae-Sängern aus Jamaika – ein. Obgleich viele Forderungen bereits umgesetzt wurden, sieht der LSVD mit seinen gegenwärtig 3.500 Mitgliedern noch viel Arbeit vor sich: "Viel ist erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun", schreibt der Verband auf seiner Website – und verspricht: "Seien es nun homofeindliche Politiker oder religiöse Hassprediger: Wer gegen Lesben und Schwule hetzt, dem geben wir kräftig Kontra!".



21 Kommentare

#1 RoggeAnonym
#2 ----Anonym
#3 beobachterAnonym
  • 18.02.2010, 15:35h
  • Vor 20 Jahren war das, im Leipziger Klubhaus der Nationalen Front - tatsächlich. Wie viele von den 80 Gründungsmitgliedern sind noch dabei? Ich jedenfalls schon lange nicht mehr.

    An der Basis kann man nämlich nichts machen mit dem SVD. Der Landesverband Sachsen hat sich längst aufgelöst. Um meine Lebensrealität und die meiner Freunde geht es nicht, das war diesen Politschwestern ziemlich egal.
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#4 etwas irritiertAnonym
  • 18.02.2010, 16:32h
  • Antwort auf #3 von beobachter
  • Hmmm, beobachter...
    vielleicht nicht genau genug beobachtet??

    LSVD-Landesverband Sachsen-Anhalt
    Walther-Rathenau-Straße 31 | 39106 Magdeburg
    Fon:/Fax: 0391 54 32 569

    eMail: sachsen-anhalt(at)lsvd.de
    Url:
    sachsen-anhalt.lsvd.de

    Bürozeit: Mittwochs 19.00 bis 22.00 Uhr

    Schwules Überfalltelefon
    Fon: 0391 19228; Sprechzeit Dienstags 20.00 bis 22.00 Uhr
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#5 Mister_Jackpot
  • 18.02.2010, 16:42h
  • Herzlichen Glückwunsch an alle Mitarbeiter des LSVD und vielen Dank für eure langjährige Arbeit. Unsere einzige wirkliche Interessenvertretung, die sich immer für schwullesbische Belange eingesetzt hat. Viel Erfolg auch in der Zukuft!
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#6 maciicxProfil
  • 18.02.2010, 16:56hpnkw
  • Antwort auf #4 von etwas irritiert
  • warum notierst du nicht auch noch die adresse des niedersächsischen landesverbandes um dann zu behaupten, es gäbe sogar zwei sächsische?

    aber lange muss man nicht recherchieren, um zu sehen, dass sogar der nur-sächsische aktiv ist. aber das ganze hinterlässt auf mich ahnungslosen den eindruck des versuchs einer wiederbelebung:

    sachsen.lsvd.de/
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#7 interessierterAnonym
#8 TimonAnonym
  • 18.02.2010, 17:25h
  • Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Auch wenn es ja eigentlich ein trauriger Anlass ist, denn es ist schon schlimm, dass solch eine Organisation überhaupt nötig ist.

    Zum Geburtstag wünschen wir uns alle, dass die nächsten 20 Jahre nicht mehr voll werden und dass es irgendwann innerhalb dieser Zeit keinen Bedarf mehr gibt, weil Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle rechtlich völlig gleichgestellt sind und auch gesellschaftlich voll akzeptiert sind.

    Aber noch ist der LSVD leider nötig, erst recht unter der schwarz-gelben Regierung.

    Der LSVD hat schon viel erreicht, aber es gibt auch noch viel zu tun und ich hoffe, dass er weiter so erfolgreich ist wie bisher.

    Dafür braucht er natürlich auch Mitglieder, die ihn finanziell und (durch die reine Anzahl der Mitglieder) unterstützen und sein politisches und gesellschaftliches Gewicht verstärken. Toll sind natürlich auch Leute, die auch aktiv mithelfen, aber wer das nicht kann oder will, sollte wenigstens Mitglied sein.

    Also:
    weiter viel Erfolg!!

    PS:
    "der Bundesverband Homosexualität (BVH), lehnte die Ehe allerdings grundsätzlich ab und setzte sich daher auch nicht für eine Gleichstellung von Homo-Paaren im Eherecht ein."

    Deswegen gibt es ihn und andere Organisationen ja auch nicht mehr!! Wir wollen schließlich volle Gleichstellung zu 100% (inkl. Öffnung der Ehe, ob sich der einzelne dann dafür entscheidet ist eine andere Frage, aber mans sollte es zumindest können) und keine Almosen!!
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#9 sylviafeeProfil
  • 18.02.2010, 19:49hBerlin
  • Es gibt viel aktive mutige Kämpfer in Deutschland, im ehemaligem hüben wie drüben.
    Denke ich daran als wir mit den ersten CSD begonnen haben (Anfang Studenten Bewegung Münster) dann Berlin der Verfassungsschutz mit Fotoapparat in den Bäumen, mehr Polizei als Demonstranten, jedoch wurde der Zug der Demonstranten im Lauf des Marsches immer länger.
    trotzdem war es schon BEÄNGSTIGEND als am Schluss des Marsches die Polizei wie ein Herr aufgestellt stand stramm und in Reih und Glied.
    Ein wenig wurde ich später in Polen an die 70 erinnert. Darum gilt mein Dank allen die damals schon mutig Gesicht gezeigt haben und laut Stimme haben schallen lassen.
    Sorry musste einfach mal gesagt sein.
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#10 Apoll36Anonym
  • 18.02.2010, 20:50h
  • Vivat crescat floreat LSVD in eternum!

    Herzlichen Dank für alles, was Ihr für mich und meinen Mann getan habt! Danke vor allem an Manfred Bruns für die unkomplizierte, direkte und vor allem kompetente Rechtsberatung!

    Alles was ich sagen kann ist: DANKE!
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