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Am Freitagabend wurden die besten schwul-lesbischen Filme der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet.

Die Komödie "The Kids Are Alright" der amerikanischen Regisseurin Lisa Cholodenko wurde mit dem Teddy Award für den besten schwul-lesbischen Spielfilm geehrt. Annette Benning und Julianne Moore spielen in diesem Film ein lesbisches Paar mit zwei Kindern. Die 18-jährige Joni und der 15-jährige Laser wurden durch Samenspende gezeugt. Das Leben der kleinen Familie bringt der biologische Vater durcheinander, der überraschend in ihr Leben platzt. Der Film soll im November in den deutschen Kinos anlaufen.

Als beste Dokumention prämierte die achtköpfige Jury "La Bocca del Lupa" des italienischen Regisseurs Pietro Marcello über einen Mann, der nach 14 Jahren Haft zu seiner transsexuellen Partnerin zurückkehrt. Als bester Kurzfilm wurde "The Feast of Stephen" ausgezeichnet. Der Fünfminüter über Homoerotik im Basketball stammt von Hollywood-Star James Franco ("Milk").

Der Spezialpreis der Jury ging an den US-Spielfilm "Open" von Jake Yuzna über ein Paar, das zu einem Wesen verschmelzen möchte. Die Leserjury des queeren Berliner Stadtmagazins "Siegessäule" prämierte Michael Stocks Dokumentarfilm "Postcard to Daddy", eine autobiografische Auseinandersetzung um sexuellen Missbrauch durch den Vater.

Mit einem Ehren-Teddy für sein Lebenswerk wurde der 65-jährigen Bühnen- und Filmregisseur Werner Schroeter ausgezeichnet. Die Laudatio für den Berlinale-Gewinner von 1980 ("Palermo oder Wolfsburg") hielt der Schriftsteller Wolf Wondratschek.

Mehr als 2000 Gäste nahmen an der Preisverleihung teil, darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Modemacher Wolfgang Joop, Schauspieler Helmut Berger und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung wird am 20. Februar um 23.10 Uhr auf arte ausgestrahlt. (cw)



#1 CineXXXAnonym
  • 20.02.2010, 18:44h
  • Wenigstens ist das Kassengift aus Hongkong und China nicht ausgezeichnet worden. Da hat die Jury eine gute Wahl getan!
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#2 eMANcipationAnonym
  • 21.02.2010, 01:16h
  • Habe gerade mit Freunden die Aufzeichnung gesehen, und wie schon in den vergangenen Jahren (vielleicht sogar noch ein Stück mehr) komme ich zu dem Fazit:

    NICHTS, was die massiven Probleme junger Männer in unserer Gesellschaft aufgreifen und ihnen in irgendeiner Weise die Identifikationsmöglichkeiten und -figuren bieten würde, die sie so dringend benötigen. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte diese Veranstaltung im Alter von 14, 16 oder 18 Jahren gesehen - nichts, worin ich mich mit meinen Problemen, Empfindungen wiedergefunden hätte. Auch nichts, was mich sexuell nennenswert angesprochen oder gar erregt hätte.

    Der "beste Spielfilm" war dann auch noch das klassische Beispiel für eine im Kern heterosexistische Story, bei der ein lesbisches Paar natürlich nur dem Charme ihres Samenspenders erliegen konnte. Vermutlich wurde der Preis dafür gegeben, dass ausnahmsweise mal nicht Schwule dem unwiderstehlichen weiblichen Geschlecht erliegen.

    Ansonsten habe ich einmal mehr nicht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der aggressiven Heteronormativität gesehen, die homosexuelle Jugendliche auch bei uns Tag für Tag einem vier- bis fünfmal höheren Selbstmordrisiko aussetzt und die in den letzten Jahren weiter zu- und nicht abnimmt.

    Nichts darüber, dass heute schon Frühpubertierende, die eigentlich frei in ihrer sexuellen Selbstentdeckung sein sollten, sich in jedem zweiten Satz von Schwulsein abgrenzen "müssen", dass soziale Kontrolle und Sanktionierung von "Anderssein" ein selten dagewesenes Ausmaß erreichen, wenn man bedenkt, dass schon diese Altersgruppe bei Facebook & Co. jedes persönliche Detail offenlegen und sich eine heterosexuelle Identität zulegen muss, um Anerkennung zu erfahren. Da folgen die jungen Männer doch dem Beispiel ihrer Vorbilder, die z.B. im Profi-Fußball "nicht längere Zeit ohne Begleiterin auftreten" dürfen. Setzen wir dem irgend etwas in Form der Bilder, die diese Altersgruppe erreichen, entgegen, wenn wir mal die Gelegenheit dazu haben? Ich habe nichts gesehen.

    Das einzig Imposante waren die Bilder aus und die Erinnerungen an die 70er, aus denen für mich wirklich emanzipatorische Identifikationsfiguren, auch fernab der üblichen Klischees, ersichtlich und spürbar waren. Gleichzeitig stellt sich aber umgehend die Erkenntnis ein, dass diese Erinnerungen an vergangene Zeiten sicherlich nicht das sind, was jungen Männern heute die Freiräume eröffnen kann, die immer mehr verloren gehen. Vielmehr ist meine Generation, d.h. vor allem die Leute in den 20ern und 30ern, die altersmäßig ja noch nicht so weit weg sind von den ganz Jungen, in besonderem Maße gefordert, neue emanzipatorische Ansätze zu finden - und Wege, diese zu kommunizieren und in die aggressive Flut von überwiegend heterosexistischen Bildern einzubringen, die das Bewusstsein junger Menschen so zwangseinfältig prägen wie nie zuvor.

    Leider ist dem Teddy das aus meiner Sicht auch in diesem Jahr in keiner Weise gelungen. Die Veranstaltung hat mir in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, wie weit weg die Community und die vermeintlich "Kreativen" von den Themen sind, die eigentlich im Zentrum unseres Interesses und auch unseres politischen Handelns stehen müssten. Direkt hier in unserer "gesellschaftlichen Mitte", Tag für Tag. Stattdessen fügen wir uns weiterhin bereitwillig in die uns zugedachte, auf die üblichen Klischees reduzierte und uns selbst reduzierende Rolle. Und beschränken uns weitgehend auf die Themen, mit denen wir die zwangskonstruierte Herrschafts"mehrheit" bloß nicht vor den Kopf stoßen.
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#3 SebiAnonym
  • 21.02.2010, 16:17h
  • Antwort auf #2 von eMANcipation
  • Über Geschmack lässt sich nicht streiten, dem einen gefallen die Preisträger, anderen nicht. Und jeder, der meint, selbst einen besseren Film machen zu können, kann das ja versuchen.

    Aber unabhängig vom persönlichen Geschmack ist alles, was schwul-lesbische Präsenz zeigt ein Gewinn. Das betrifft sowohl die Teddy Awards selbst als auch die Berichterstattunga auf arte und in den restlichen Medien.

    Alles was uns präsenter macht ist gut und trägt ein kleines Stück weiter zur Normalisierung bei (und nutzt damit auch allen Schwulen und Lesben).

    Und vielleicht tragen Mainstream-Komödien wie der Siegerfilm auch mehr zu Akzeptanz in der breiten Bevölkerung bei als irgendwelche abitionierten wertvollen Problemfilme, die sicher auch gut sind, die aber außerhalb der Zielgruppe keiner sieht.
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#4 Liedel
  • 21.02.2010, 19:52h
  • Von 2002 bis 2009 habe ich die Berlinale regelmäßig besucht, mit allem was dazugehört: früh aufstehen bzw. online gehen, um am Kino International (oder Potsdamer Platz bei Onlinekauf) rechtzeitig drei Tage im Voraus die Karten zu erwerben. Mein persönliches Highlight in jedem Jahr: die Teddy- Kurzfilmrolle am Berlinale- Kinotag im KI.

    Dieses Jahr bin ich der gesamten Veranstaltung ferngeblieben. Als Kleinverdiener und schon die besseren Tage gesehen habender sind „Community- Events“ derzeit leider nicht drin.
    Und wenn es ausgerechnet mal wieder nach Springer's „Welt“ geht, droht der Berlinale ohnehin die inhaltliche Verödung (Kommentar heute morgen im Deutschlandfunk sinngemäß: „Frauen schlagen scheint in den Wettbewerbsfilmen besonders populär zu sein“).

    2009 beschränkten sich meine Berlinale- Besuche auf Jochen Hick's mittelmäßiges Tom-Weise-Porträt „The good American“ und „Rückenwind“ (hätte glatt als Doku Brandenburger Landschaften, gewürzt mit 2 hübschen schwulen Jungs durchgehen können). Nicht nur das: der Kinosaal im Cubix Alexanderplatz (Abendvorstellung „Rückenwind“) schien gefüllt mit „Schwule guckenden“ Heten, überwiegend heterosexuellen Frauen, die vor Filmbeginn schwerpunktmäßig über Exfreunde auf der einen, Schwangerschaften auf der anderen Seite diskutierten. Lediglich in einer der hinteren Reihen konnte ich ein Dreiergrüppchen eher verschüchterter Jungschwuler um die 20 erkennen.

    Die Berlinale wächst und wächst, Herr Kosslick und der Regierende finden das natürlich toll, kommt ja Kohle in die Stadt.
    Mehr und mehr internationale „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ gibt sich ein Stelldichein. Für die Veranstalter verkommen Schwule, Lesben und Transgender zum multikulturellen Dekor, um mit der breiten Masse ordentlich Kohle zu machen. Wir sind, so zeichnete es sich schon in den letzten Jahren ab, das hippe Ambiente für den weltoffenen Mainstream, das aufregende Umfeld für das langweilige Leben anderer.

    Selbstverständlich sei den Teddy- PreisträgerInnen herzlich gratuliert, und ich gönne es ihnen auch, dass sich ihre Streifen nun vermutlich leichter vermarkten lassen.
    Das einzig erfrischende, was ich der Verleihung (gesehen gestern abend auf arte) abgewinnen konnte, war der „Gays against Guido“- Button von Rosa von Praunheim.
    Angesichts des neoliberalen Kahlschlags, den das ZDF derzeit bei seinen freien Mitarbeitern durchzieht, konnte ich mich des Anblicks der brav in der ersten Reihe sitzenden Dunya Hayali nicht wirklich erfreuen. Hiervon sind meiner Kenntnis nach gleich 3 schwule und eine lesbische Mitarbeiterin in Berlin betroffen, aber wen interessieren schon schwul- lesbische DumpinglohnempfängerInnen... Ja, Frau Hayali. Eine, die „es geschafft hat“. Das Lesbischsein zur rechten Zeit bekannt gemacht, nämlich dann, wenn frau beruflich fest im Sattel sitzt... Überhaupt: alles so merkwürdige Leute, die es „geschafft“ haben und sich kräftig selbst bejubeln, von Hella von Sinnen bis zum Regierenden... es wäre nicht mal aufgefallen, wenn sich ein gewisser Guido W. ganz unauffällig unters Publikum gemischt hätte.
    Der gehört schließlich dazu, zur Bussi-Bussi-Gesellschaft, allem zündelnden Schwadronieren über Hartz4- Empfänger (zur Ablenkung von FDP- treuen Steuersündern) zum Trotz...
    Hätte er Praunheim wutenbrannt den Sticker abgerissen, hätten sich die beiden vor laufenden Kameras angegiftet, wärs wenigstens noch lustig gewesen... ähm ja, ich muss wohl schon mal wieder träumen.
    Also Schluss jetzt mit der Neiddebatte.

    Aber trotzdem, ganz ehrlich: so wie den Anblick des Publikums bei der Teddy- Verleihung habe auch ich mir die Gleichstellung nicht vorgestellt. Da war der „Aus-Knopf“ geradezu eine Wohltat
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#5 Emma Peel2010Anonym
  • 22.02.2010, 00:54h
  • @#4
    Deinem Beitrag kann ich nur zustimmen!!!!!

    Die Veranstaltung war schlimm. Die sogenannten Promis feierten sich vorne selbst. Die Leute auf den hinteren Plätzen konnten in dieser Halle weder etwas sehen noch hören - wie gut, daß sie wenigstens die Plätze der Vornsitzenden finanziert hatten, und wie gut, daß es eine TV-Aufzeichnung gibt!
    Die Moderation von Annette Gerlach war peinlich wie in jedem Jahr.
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#6 pilo2004
  • 22.02.2010, 16:09h
  • Ausser der überaus dilettantischen und zeitweise peinlichen Moderation dieser Frau Gerlach (wer ist das überhaupt) musste ich feststellen dass Frau (oder sagt man Herr) von Sinnen ein sehr peinlicher Mensch ist. Herr Wondratschek hielt eine wunderbare Laudatio auf Werner Schroeter, die zwar intelligent humorvoll war, aber bestimmt nicht zu solch unpassenden Gröl-attacken, wie von besagter Hella mehrfach praktiziert, hinreissen lassen sollte.
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#7 mikadoAnonym
  • 23.02.2010, 18:02h
  • Ja, ich war auch da und habe einfach erst einmal gesagt, wohl um Ruhe zu haben, es war doch ganz schön.
    Aber war es das wirklich?
    Im Grunde fing es ja schon an, als man reinkam.
    Da wurde feinsäuberlich die Empfangshalle in VIP- und Fussvolk-Zonen abgeteilt.
    Ein Bild, welches man immer häufiger auf queeren Events vorfindet und halt schick zu sein scheint, wenn man eine angeblich vorhandene Community auch noch durch Seile zerschneidet.
    Die selbsternannten Promis zeigen i.d.R. nur noch Einsatz, wenn die Kameras laufen, danach bleiben sie unter sich oder verschwinden.
    Mein Gott, wie wichtig ist doch diese Welt und dann diese penetrante Affektiertheit der Moderatorin und der immer wieder aufstehenden Tutti-Frutti-Quietsche.
    Alles klar, Stars dürfen das.
    Dennoch hat es mir gefallen, weil ich kein VIP oder Star war (und auch bezahlt habe) und die vielen Helfer drumherum auch echt lieb und fleissig waren...
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