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Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) ist entrüstet über einen Kommentar in der Boulevardzeitung B.Z., in dem die Überfälle auf Homosexuelle in Berlin bagatellisiert werden.

Die B.Z. hatte den Text des Journalisten Gunnar Schupelius "Sexuelle Vielfalt - Braucht Berlin eine weitere Kampagne?" bereits am 18. Februar veröffentlicht. Darin lehnt der Autor das vom Senat beschlossene Programm gegen Homophobie ab. "In Berlin können Schwule und Lesben doch wirklich unbehelligt leben", argumentiert Schupelius. Außer in "einigen muslimisch dominierten Kiezen" könne in Berlin "jeder tun und lassen, was er will", ist er überzeugt.

Alexander Zinn, Sprecher des LSVD Berlin-Brandenburg, erklärte am Montag, es sei traurig, wie die zum Axel-Springer-Verlag gehörende Boulevardzeitung versuche, "auf dem Rücken einer Minderheit Stimmungsmache zu betreiben": "Statt haltlose Behauptungen zu verbreiten, sollte sich Herr Schupelius auf sein journalistisches Handwerkszeug besinnen. Und das heißt: Erst recherchieren, dann schreiben". Zinn ermunter Schipelius, einmal Hand in Hand mit B.Z.-Chefredakteur Peter Hurth durch Berlin zu laufen: "Wir sind gespannt, ob Sie danach immer noch der Meinung sind, dass Schwule und Lesben in Berlin 'doch wirklich unbehelligt leben'", so Zinn.

In Berlin wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Senats 200 Überfälle auf schwule Männer registriert. Laut Polizei liegt die Dunkelziffer jedoch bei über 90 Prozent.

Der Kommentar von Gunnar Schupelius ist im Internet abrufbar. Dort können Leser auch darüber abstimmen, ob der Autor mit seiner Analyse Recht hat. Am Montagnachmittag erklärte eine knappe Mehrheit von 56 Prozent, sie stimme Schupelius nicht zu. Am Dienstag morgen, nach Veröffentlichung des queer.de-Berichts, stieg der Anteil auf 66 Prozent. Die B.Z. macht keine Angaben darüber, wie viele Leute sich an der Umfrage beteiligt haben. (dk)



34 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 22.02.2010, 18:30h
  • 1. Die BZ liegt falsch, wie die Geschehnisse der letzten Monate zeigen.

    2. Selbst wenn es so wäre, dass man "nur" in manchen Kiezen unsicher ist, wäre das inakzeptabel. Oder wollen wir US-Verhältnisse, wo manche Stadtviertel fest in Bandenhand sind und man diese weiträumig meiden sollte.

    Die BZ bagatellisiert das nicht nur, sondern verhöhnt mit der Veröffentlichung solcher Aussagen alle Opfer homohober Gewalt und letztendlich auch alle Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen!!
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#2 Liedel
  • 22.02.2010, 19:23h
  • Ach ja, der Herr Schupelius. Einer dieser "Hurra, ich habe mal wieder ein Video gedreht"- Journalisten.
    Nach den Alkoholikern am Alexanderplatz oder in Spandau (gaaanz furchtbar, gaaanz schrecklich) hat er uns jetzt entdeckt. Soso.

    Das Blättchen ist mir aus den frühen "Nullerjahren" in äußerst unangenehmer Erinnerung geblieben, als dort noch ein gewisser Gafron sein Unwesen trieb.
    Der war da nicht nur Chefredakteur, sondern ließ nach dem 11. September 2001 auf dem Privatsender 100,6 stündlich eine "Krieg-gegen-den-Terror-Hymne" vor seiner Bush- Propaganda abdudeln...

    Verstehe bis heute nicht, warum meine liebste lesbische Freundin so auf die BZ schwört...
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#3 KameliendameEhemaliges Profil
  • 22.02.2010, 19:46h
  • Der Typ war schon immer nen richtig schlechter Journalist und wirds auch bleiben.

    Das vom Senat beschlossene Programm gegen Homophobie ist dringend nötig!
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#4 saltgay
  • 22.02.2010, 20:52h
  • Ich verstehe die Aufregung um die BZ überhaupt nicht. Die Journalisten legen dort natürlich ganz andere Maßstäbe an eine Berliner Bevölkerung. Dieses Blatt der primitiven Westberliner , die Hunde auf die Straßen kacken lassen und Studenten am liebsten vergasen wollten hat doch eine lange Tradition in der Volksverhetzung. Das geht ungefähr so: "Wa, die sollen erst ma arbeeten lernen, sollnse doch nach Sibirrjen. Der Iwan wird die wat lernen, diese Hinterlader, ick und meene BZ und meene Hertha, die lasse ick mir nich verdrecken von diese Asossjaalen, et muss ma richtig hier eener wieda herkommen, der sacht wo et lang jeht und Pollezei brauchen wa ooch und den Lummer, der war prima. Also, wenn se mir fraaren, det kann nich so weita jehen. Da muss dazwischen jehauen werden, det die Fetzen fliejen. Den Dutschke hätten se ma richtig abknallen sollen und die anderen jleich mit. Ick meene ick bin ja nich so, eher son Jemietsmensch - aber wenn ick det allens hier so sehe ..."

    Soweit zum ewigen BZ-Leser. Leider stirbt diese Sorte nie aus.
    (PS: Der Kommentator ist echter Berliner und hat ohne Bedauern dieser Stadt vor vielen Jahren den Rücken gekehrt.)
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#5 Bash The Press!Anonym
  • 22.02.2010, 23:18h
  • Antwort auf #3 von Kameliendame
  • Dem stimme ich uneingeschränkt zu! Überhaupt: Wer liest denn in Berlin schon die B. Z.? Wenn ich mir den Redakteur so anschaue, scheint er seine Artikel in der Dunkelkammer zu schreiben und von knallharter Recherche ist er Lichtjahre weit weg!
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#6 grübeleimerAnonym
  • 23.02.2010, 09:18h
  • Vielleicht mal in Relation setzen, wieviele rassistisch motivierte Angriffe es gegeben hat, wieviele Vergewaltigungen und wieviele Bepöbelungen von behinderten Menschen?
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#7 Horst TrellerAnonym
  • 23.02.2010, 09:59h
  • Über die B.Z. braucht man ja wohl nichts mehr zu sagen. Dagegen ist ja sogar die BILD-Zeitung hochgeistige Kost...

    Auch halte ich den Berliner für bei weitem nicht so intolerant, wie einer meiner Vorposter geschrieben hat. Die Übergriffe allerdings kommen eher aus einer anderen Ecke, was der B.Z.-Kommentar ja auch andeutet. Die "paar muslimisch geprägten Stadtteile" sind das Problem. Hier wird Toleranz völlig falsch verstanden, und es wird Zeit, diesen undemokratischen und gewalttätigen Tendenzen entgegenzutreten. Das fängt im Elternhaus an, setzt sich in der Schule fort, und drückt sich nicht zuletzt in Gewalt gegen Schwule aus.

    Aber auch wir Schwule sollten und mal überlegen, ob unsere feuchten Träume von strammen XL-Araber-Boys so ganz so den Türken-Gangs in Neukölln und Wedding passen...

    Ciao
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#8 TrentonAnonym
  • 23.02.2010, 10:25h
  • Ich denke hier gehen Gewalttaten eben so gut von den westlichen Kulturen aus. Natürlich gibt es auch hier solche und solche...aber es gibt durchaus auch Türken und Araber die keinerlei Probleme mit Schwulen, trotz ihres muslimischen Glaubens, haben, genauso wie es Deutsche und Franzosen gibt, die einiges gegen Schwule haben - und ebenfalls von ihrem Glauben unterstützt werden (die katholische Kirche sieht Homosexualität schon seit längerer Zeit als Krankheit, es gibt "Heilungsinstitute", man schaue sich einmal in Amerika um - hier sehen wir "Konvertierungs"-Priester, Eltern schicken ihre Kids in Camps, um die Sexualität auszutreiben, etc.).
    Man kann mitnichten von einem Problem anderer, fremdartiger Kulturen sprechen sondern vielmehr von einem substantiellen Problem. Es gibt breite Bevölkerungsschichten in beiden Kreisen, die eine Aversion gegen Schwule haben. Aber sein wir doch ehrlich: Jeder, der ernsthaft etwas gegen Homosexualität hat, hat meistens genau eines: Angst. Und die haben - auch dank B.Z. und BILD - richtig viele.

    Achja, falls das für die Diskussion relevant sein sollte: Ich selber bin heterosexuell.
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#9 Horst TrellerAnonym
  • 23.02.2010, 11:06h
  • Antwort auf #8 von Trenton
  • @Trenton:

    Ich denke, dass die Homosexualität in unserem Kulturkreis mittlerweile deutlich stärker akzeptiert wird als beispielsweise noch in den 50ern. Dazu hat natürlich viel Aufklärung und Medienarbeit beigetragen, und es gibt keine Garantie, dass das so bleibt.

    Das es viele tolerante Schwulenfreunde in muslimisch geprägten Kulturkreisen gibt, halte ich für eine gewagte These. Wer diese Realität nicht wahrnehmen will, wird nichts gegen die zunehmende Gewalt gegen Schwule unternehmen können.

    Natürlich ist jede Form der (religiösen) Intoleranz abzulehnen, nicht nur der muslimische Glaube. Doch gerade hier zeigt sich exemplarisch, was gelebte Intoleranz für uns Schwule bedeutet. Die Gesetzgebung gegen Schwule im Iran spricht da z.B. eine deutliche Sprache.

    Im übrigen warte ich gespannt auf die Gründung einer schwulen moslemischen Jugendgruppe, etwas, was es in der evangelischen Kirche durchaus gibt...
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#10 eMANcipationAnonym
  • 23.02.2010, 11:33h
  • Antwort auf #7 von Horst Treller
  • Ersparen Sie uns doch bitte ihr mindestens rechtspopulistisches, islamophobes Geschreibsel, das der gesellschaftlichen Realität in keiner Weise gerecht wird und auch keine Probleme löst, weil es nur noch mehr spaltet und einzelne Gruppen gegeneinander auhetzt. Damit entlarven Sie sich selbst!

    Sie haben offenbar schon sehr lange keine deutsche und auch keine Berliner Schule mehr von innen gesehen und sind in Ihren Ausführungen insgesamt so weit entfernt gerade von den Problemen junger Menschen, dass es einen schütteln könnte.

    Homophobe Gewalt ist ALLTAG in jedem Klassenzimmer, in jeder Peer Group von jungen Menschen in dieser unseren angeblich so toleranten Gesellschaft. Schon Frühpubertierende müssen sich - nicht zuletzt dank der aggressiven Flut heterosexistischer Bilder, die ihnen die Massenmedien rund um die Uhr einhämmern und die es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat - mit dem Schimpfwort "schwul" in jedem zweiten Satz ihrer sexuellen "Konformität" vergewissern. In "sozialen Netzwerken" wie Facebook, die heute schon in dieser Altersgruppe zur absoluten Pflichtübung gehören, muss sich jeder 14jährige zu einer heterosexuellen Identität bekennen ("Interessiert an: Frauen!!!"), und jede noch so kleine vermutete Abweichung von der so gennanten Norm wird umgehend von den Hunderten von "Beobachtern" ("Freunden" sic!) mit entsprechenden Sanktionen belegt.

    Noch nie schien das Bedürfnis, sich von jedwedem Anderssein in sexueller Hinsicht vom ersten Moment an - bevor überhaupt jemals eine freie Selbstentdeckung hat stattfinden können - so unendlich groß gewesen zu sein wie heute. Wenn nur 16% der Jungen und 36% der Mädchen Homosexualität für "etwas Normales" halten (siehe Dr. Sommer-Studie 2009), dann kann dies wohl kaum ein Problem sein, das durch eine böse religiöse Minderheit verursacht wird. (Religiöse/ethnische Minderheiten waren in der deutschen Geschichte ja schon immer für alles verantwortlich, nur nie die Deutschen selbst!).

    Denn für die Strukturen, die junge Menschen dermaßen ihrer sexuellen Freiheit und ihres Rechts auf eine freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit berauben sind ist dieselbe reaktionäre "christliche" Politik verantwortlich, die auch Menschen "mit Migrationshintergrund" (insbesondere diejenigen muslimischen Glaubens) konsequent von einer gleichen gesellschaftlichen Teilhabe einschließlich Bildungschancen ausgeschlossen hat und die Sexualaufklärung in unserem Bildungswesen immer noch mit der Verordnung und Aufherrschung von Heterosexualität verwechselt und die homosexuelle Jugendliche in keiner Weise vor der aggressiven heteronormativen Gewalt schützt!

    Es kommt mit Sicherheit nicht von ungefähr und ist nicht das Ergebnis "islamischer", sondern offensichtlich "christlicher" Politik, dass homosexuelle Jugendliche in dieser Gesellschaft nach wie vor einem vier- bis fünfmal höheren Suizidrisiko ausgesetzt sind. Vor diesem Hintergrund kann man es nur als völlig pervers ansehen, über die dringende Notwendigkeit, auf allen Ebenen und in allen Bereichen aktiv gegen die so gennante Hetero-Norm und die daraus resultierende, alltägliche Gewalt mit ganzer Kraft vorzugehen, auch noch "diskutieren" oder sie gar in Abrede stellen zu wollen.

    Noch perverser ist es, die beschriebenen gesellschaftlichen Realitäten zu missbrauchen, um die eine diskriminierte Gruppe gegen die andere auszuspielen. Aber das war schon immer die wirksamste Methode, um von eigenem Versagen abzulenken und Herrschaftsstrukturen unangetastet zu lassen.
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