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Der türkischstämmige Bali ist 40 Jahre alt und lebt in Berlin. Als IWWIT-Rollenmodel berichtet er von seinen Erfahrungen als schwuler Migrant.

Bali ist mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Zunächst lebte er ein Doppelleben, erst später kam das Coming out. Auf Queer.de berichtet er in Auszügen über seinen ersten Sex und seine Meinung zu safer Sex. Das komplette Interview gibt es auf www.iwwit.de.

Ich hatte zu dieser Zeit noch eine türkischstämmige Freundin in Berlin, die ich in München kennengelernt habe. Sex vor der Ehe, das gab es bei uns offiziell natürlich nicht. Aber wir haben es trotzdem gemacht und hatten auch Spaß dabei. Andererseits hat mir der junge Mann, bei dem ich gewohnt habe, auch als Typ gefallen. Das war schon manchmal komisch, wenn wir uns zum Beispiel im Bad begegnet sind. Irgendwie total verklemmt.

Ich bin dann auch tatsächlich zum ersten Mal in eine schwule Kneipe gegangen und habe meine ersten Kontakte geknüpft. Ich hatte auch schnell eine schwule Clique. Das war aber noch kein Coming-out – es war eher Neugier. Ich bin zwar mit den Jungs ausgegangen, aber Sex mit Männern hatte ich zunächst noch nicht. Bis es dann mal mit einem Nachbarn dazu kam. Er wohnte im gleichen Appartementhaus wie ich. In der Waschküche hatte ich ihn nach Wechselgeld gefragt, weil man da Münzen für die Maschinen brauchte. Dafür musste ich ihn dann zu seiner Wohnung begleiten. Als er mir das Geld gab, da streichelte er meine Hände und schaute mir tief in die Augen. Ich war wie elektrisiert. Er lud mich schließlich für einen Abend auf ein Bier zu sich ein. Das Bier haben wir aber erst gar nicht getrunken! Denn wir landeten gleich im Bett. Und ich wollte es wissen! Sich gegenseitig blasen, streicheln, ein bisschen spielen. Dieser männliche Körper – es war schön.

Einige Zeit später habe ich dann auch beim Ausgehen meinen ersten Freund kennengelernt. Doch damit fingen dann auch die Probleme an. Denn ich führte ja ein Doppelleben. Einerseits mit der Freundin in Berlin und andererseits mit den Männern hier in München. Obwohl ich mich zu dem Zeitpunkt noch nicht zu den Schwulen gezählt habe. Ich hatte ja eine Freundin – also war ich nicht schwul!

Privat wurde mir immer klarer, dass ich die Fronten klären muss. Schließlich habe ich meiner Freundin in Berlin einen Brief geschrieben und mitgeteilt, dass ich mit Männern schlafe. Erst nach sechs Monaten hat sie darauf reagiert. Sie schrieb, dass sie das ganz schlimm findet und mit solchen Menschen nichts zu tun haben möchte. Da dachte ich gleich, ein Außenseiter zu sein, dass es schon losgeht damit. Darüber habe ich mit meiner besten Freundin gesprochen, und sie beruhigte mich: "Du bist doch immer noch derselbe, nur dass du eben mit Männern ins Bett gehst." Es hat sich dann auch alles irgendwie normalisiert, und ich bin schließlich mit meinem ersten Freund zusammengezogen.

Anfang der 1990er hatte ich in meinem Freundeskreis jemanden, der an Aids erkrankt ist. Als ich von der Krankheit erfahren habe, da habe ich mich natürlich reichlich darüber informiert und habe auch die ganzen Forschungsgeschichten sehr verfolgt. Es war ein herber Rückschlag für den gesamten Freundeskreis, als er verstorben ist. Als es Mitte der 1980er Jahre so richtig losging mit HIV, da wohnte ich gerade mit einem schwulen Freund von mir zusammen. Sein Chef war für uns wie eine Mutti, und eines Abends, da kam er mit einem ganzen Karton Kondome an. "Habt ihr denn nichts gehört?" Nein – hatten wir zu dieser Zeit noch nicht. Aber trotzdem: Ab dann wurde nur noch mit Gummi gefickt.

Überhaupt: Ich bin kein Heiliger. Sexualität ist für mich sehr wichtig, und ich lebe nicht monogam. Aber mal abgesehen von meinem allerersten Analverkehr war es eigentlich immer safer. Mit meinem Partner habe ich allerdings Sex auch ohne Gummi – nachdem wir uns haben testen lassen. Gut, es gab Situationen, da kann man einfach nichts dafür. Wenn dir jemand einen bläst und du sagst, dass es gleich kommt, und du kannst ihn nicht wegschieben und er will das Sperma unbedingt im Mund haben. Ein erwachsener Mann – der muss sich doch Gedanken machen! Bei mir findest du jedenfalls Kondome und Gleitcreme in allen Jackentaschen. Für den Fall des Falles bin ich dann immer bereit.



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  • 27.02.2010, 19:34h
  • "Sex vor der Ehe, das gab es bei uns offiziell natürlich nicht. Aber wir haben es trotzdem gemacht und hatten auch Spaß dabei." Diese zwei Sätze sind die ideale Steilvorlage, z. B. für Evangelisten, die behaupten, schwul sein könne man sich angewöhnen und auch wieder abgewöhnen.
    Also, wenn mir Sex mit einer Frau Spass macht (oder gemacht hat), dann kann ich wohl unmöglich schwul sein. Dann vielleicht eher bi. Und außerdem weiß ich nicht, wieso dieser Wirbel um diesen einzigen Türken (der nicht mal hübsch ist) gemacht wird, wenn viele, viele andere Türken in Deutschland schwul sind und alle ihre Geschichte haben.
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