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Der Tuntenyeti geht um. Queer.de sprach mit dem Mann hinter dem huschigen Hinterwäldler, der in den letzten Monaten das Rheinland unsicher machte.

Von Carsten Weidemann

Planlos, haarig, arschfrei; so marschierte der Tuntenyeti durch Weihachtsmärkte, Kaufhäuser und Tuntenrennen. Unter dem großen Kostüm steckt Christoph Zimmermann, der Erfinder der Kunstfigur. Sie ist nicht nur Thema eines Kölnkrimis von Cécile G. Lecaux, sondern schmückt auch die Miniflaschen eines neuen Pfirsichlikörs, der die Szene erobern soll (queer.de berichtete). Unterstützt wird der extrovertierte Yeti dabei von den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Queer.de wollte von Zimmermann wissen, was es mit dem Kunstgeschöpf auf sich hat – und warum der neukölsche Bergmensch auch warme Worte für die Konkurrenz in Düsseldorf übrig hat.

Seit 1. März 2010 präsentiert der Tuntenyeti den Szene-Kanal von Queer.de. Wer ist diese Figur?

Christoph Zimmermann: Geboren wurde der Tuntenyeti bei einem Skiurlaub vor zwei Jahren. Normalerweise kommt ja immer viel Blödsinn raus, wenn Jungs unterwegs sind, so auch bei uns: Wir haben uns über die Spuren im Schnee beim Skilift unterhalten. Erst dachten wir, Reinhold Messner wäre auf Krücken dagewesen, dann dachten wir an den Yeti, dann an High Heels. Damit war der Tuntenyeti geboren. Als mir das Wort zum ersten Mal über meine Lippen kamen, wusste ich sofort, dass wir daraus was machen müssen.

Wie erblickte die Figur das Licht wer Welt?

Wir dachten zunächst an eine Comicfigur, aber das erschien uns als zu kompliziert. Also haben uns für einen Roman entschieden, der im Kölner Bermudadreieck spielt. Da ist dann mit Hilfe der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz ein richtig schöne und komplexe Geschichte entstanden. Über den Buchverkauf unterstützen wir auch die Arbeit der Schwestern mit einem Spendeneuro pro Buch.

Ist der Tuntenyeti an eine reale Figur angelehnt?

Nicht direkt, aber ihn könnte es wirklich geben. Er ist kein Tier, sondern ein Mensch mit Hypertrichose. Diese "Wolfskrankheit" tritt nur drei Mal pro eine Milliarde Menschen auf. Bekannt wurde um die Jahrhundertwende Lionel der Löwenmensch, der am ganzen Körper behaart war und als Zirkusattraktion die Welt bereiste. So haben wir den realen Bezug. Der Tuntenyeti ist also eine Figur, die wegen ihrer Einzigartigkeit schutzwürdig ist, andererseits hat er wegen seiner tapsigen Unbedarftheit die Züge eines Obelix trägt. Er zieht von den Alpen nach Köln in einer verzwickten Kriminalgeschichte mit aberwitzigen Verfolgungsjagden.

Gibt’s Hoffnung für einsame Herzen: Ist der Traum-Bear Single?

Ursprünglich ja, aber er lernt in Köln seine große Liebe kennen – eine echte Tunte namens Gloria.

Wo kann man ihn als Normalsterblicher sichten?

Erstmals ist er auf dem Weihnachtsmarkt lebend in Erscheinung getreten, wie auch auf Youtube zu sehen ist. Über Karneval ist er auch aufgetaucht, beispielsweise bei Sitzungen im Bergischen Land. Außerdem hat es der Tuntenyeti geschafft, in der "verbotenen Stadt"* den dritten Platz beim Tuntenlauf zu erringen. Er wird beim Come-Together-Cup dabei sein und wir planen Auftritte beim CSD und den Gay Games.

Wie ist der Tuntenyeti in der Szene angekommen?

Sehr gut, auch wenn manche am Anfang erstmal Abstand gewahrt haben. Viele wussten nicht, ob wir uns über die Szene lustig machen wollen. Da sich die Schwestern aber sehr engagiert haben, waren die wenigen Ressentiments sehr schnell vom Tisch. Denn: Der Likör schmeckt lecker und das Buch ist in keinster Weise anstößig. Es ist auch nicht zwangsläufig ein schwules Buch, obwohl es in der Szene spielt. Die Botschaft ist: Es ist vollkommen egal, ob du schwul bist oder nicht.

Youtube | Bronze-Medaille für den Tuntenyeti in Düsseldorf

Wie passen Buch und Schnaps zusammen?

Wir haben uns gedacht, dass es mit Kunst sehr schwierig ist, ökonomisch auf die Beine zu kommen. Die Bucherstellung – mit allen Kosten, die dort dranhängen – ist betriebswirtschaftlich ein tiefroter Amoklauf. Wir wollten daher ein zweites Standbein, das im Zweifel das Geld für die Kunst verdient.

Sind weitere Produkte geplant?

Bislang noch nicht. Wir wollen erstmal die Geschichte weiterspinnen. Am Ende des Romans ist der Tuntenyeti ja in Köln angekommen. Er soll dort nun weitere Abenteuer bestehen müssen. Wir sind auch der Meinung, dass sich die Geschichte gut als Filmstoff eignen würde. Die Autorin hat daher bereits angefangen, ein Drehbuch zu schreiben. Es könnte ja Realität sein, es ist keine Science-Fiction.

Der Tuntenyeti kam erstmals im Dezember nach Köln, danach gab es den härtesten Winter seit Jahren. Zufall?

(lacht) Hat der Tuntenyeti Auswirkungen aufs Klima? So weit würde ich nicht gehen. Als ich in das Kostüm des Tuntenyeti geschlüpft bin, war die Kälte aber angenehm. Denn unter dem Kostüm fühlt man sich wie in einer Sauna. In geschlossenen Räumen ist das eine Tortur. Ich muss deswegen noch mit dem Kostümdesigner sprechen, da es beim CSD meist über 30 Grad heiß ist.

*Düsseldorf

Youtube | Autorin Cécile G. Lecaux gibt Einzelheiten aus dem Leben des Tuntenyetis.


#1 Bash The Press!Anonym
#2 SchneeAnonym
  • 01.03.2010, 13:57h
  • Soso ein Tuntenyedi...das ist also ok, hingegen würde das Wort Negeryedi für größten Aufschrei sorgen.
    "Tunte" bei Wiki: "Als Tunte werden sowohl in manchen heterosexuellen als auch homosexuellen Kreisen oft solche Schwule bezeichnet, die durch ein besonders affektiertes Verhalten auffallen.
    ... Oftmals ist die Selbstdefinition als Tunte mit dem Tragen von Frauenkleidung verbunden, weshalb eine Verwechslung mit Travestiekünstlern passieren kann."

    Wenn nicht mal Schwule selber für eine Differenzierung sorgen wer dann.
    Welcher Junge möchte denn schon eine "Tunte" sein? Das war mein Problem bei meinem Coming out, nicht das ich auf Männer stehe sondern das mir damit gleich ein Lebensstil unterstellt würde der nichts mit mir zutun hat.

    Deshalb sind manche dann so erstaunt wenn sich Schwule outen: " wie, der ist schwul? das sieht man ihm ja gar nicht an"
    Und es ist bewiesen das sich Schwule die nicht dem gängigen Klichee entsprechen später outen, weil sie sich damit nicht identifizieren können
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#3 Yeah!Anonym
  • 01.03.2010, 16:24h
  • Antwort auf #2 von Schnee
  • Das Geschöpf heißt "Tuntenyeti" und nicht, wie Du geschrieben hast, "Tuntenyedi"! Das neue Symbol Österreichs hat nix mit den Yedirittern aus den "Star Wars"-Filmen zu tun! In Bayern gibt es was Ähnliches: der "Tuntenwolpertinger".
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#4 SchneeAnonym
#5 Cecile LecauxAnonym
  • 02.03.2010, 21:14h
  • Vielleicht wäre es hilfreich, sich ein wenig über Inhalte zu informieren, bevor man etwas kritisiert. Wenn Dir so wichtig ist, dass Schwule anders als tuntig dargestellt werden, bist Du beim Tuntenyeti genau richtig. Im Buch kommen ein schwuler Ex-Exzorzist, ein schwuler Ex-Boxer und Legionär, eine amazonenhafte Transe, ein schnuckeliger schwuler Stylist und ein paar Heteros vor, die die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen haben. Und natürlich der Tuntenyeti und seine erste große liebe Gloria - die einzigen echten Tunten, die aber so dargestellt sind, dass Verwechslungen mit anderen schwulen Gattungen eher ausgeschlossen sind und somit kaum Verwechslungsgefahr besteht. Aber alles in allem sind alle Figuren verschieden, und jawohl, auch Schwule können Draufgänger sein! Hier macht sich niemand über Schwule lustig, ganz im Gegenteil. Schwule sind hier die wahren Helden. so what? Erst lesen, dann urteilen.
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