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  • 17. Juni 2004, noch kein Kommentar

Man kennt ihn als charmanten jungen Mann aus den Shows der Geschwister Pfister. Doch in seinem Solo-Programm mimt Ursli den Countrystar Ursula West.

Von Jan Gebauer

Schwule tun sich trotz ihres sehr offenen Verhältnisses zur Gefühligkeit mit Country-Musik sehr schwer…

Die tun sich mit ganz schön vielen Dingen schwer. Letztendlich ist es einfach nur Vielfalt. Ich mag z. B. keine Musik mit E-Gitarren, aber deshalb bewerte ich die Musik ja nicht als "schlecht". Meistens ist es einfach Unkenntnis die zu Ablehnung führt. Viele kommen ja auch nach meinen Konzerten zu mir und fragen mich, ob die Texte alle von mir sind, da sie sich nicht vorstellen können, dass diese tatsächlich so in Amerika entstanden sind. Aber alle Stücke wurden von mir adaptiert, sei es nun von Dolly Parton oder Barbara Mandrell. Und damit haben wir etwas sehr Gelungenes erreicht. Bei Lesben sieht es im Übrigen etwas anders auch. Die sind viel offener für Country und sind auch zahlreich bei meinen Shows vertreten.

Woher kommt Deine Liebe zur Country-Musik?

Als ich 16 Jahre alt war, habe ein Jahr als Austauschschüler in Texas gelebt und bin dort mit der Musik in Berührung gekommen, habe mich aber zunächst nicht wirklich dafür interessiert. Über etliche Umwege kam ich dann zu Dolly Parton, die für mich eine Offenbarung war. Von da an habe ich auch die Texte mehr beachtet und bin seitdem fasziniert von dieser Musik. Außerdem habe ich etliche Bücher über das Leben der berühmtesten Country-Sängerinnen gelesen. In Amerika hat diese Musik einen ganz großen Stellenwert, den unsere "Volksmusik" auf keinen Fall in der Gesellschaft besitzt.

Vom Aussehen her, erinnerst Du in der Rolle der Ursula West sehr an Loretta Lynn. Was die Ironie und das Kokettieren betrifft, denkt man eher an Dolly Parton. Warum gerade diese beiden Künstlerinnen?

Letztendlich ist es einfach mehr "ich". Wir wollten das Programm aber etwas konservativer und erdiger halten. Dolly Parton ist schon sehr "Pop Art", was Loretta Lynn so gar nicht ist. Die Figur der "Ursula West" soll aber eher den einfachen, ländlichen Typ verkörpern. Allerdings auch unter dem Aspekt, dass Loretta Lynn ohne viel Aufwand früher einfach in die Radiostationen gegangen ist und gesungen hat. Da war noch nichts mit CD-Promotion und Casting.

Inwieweit erkennst Du Dich denn selbst wieder in "Ursula"?

Das ist manchmal etwas gespenstisch. Zuerst erschien mir die Figur ja sehr weit weg. Dann aber habe ich doch gemerkt, dass ich einen emotionalen Bezug aufgebaut habe zu der Rolle. Ich glaube, dass ich von meinem Wesen her auch näher an Ursula als an Ursli Pfister bin. Natürlich bin ich privat ganz anders, dafür ist die Figur auch einfach zu extrem. Aber sie hat eben ihre Momente, die mir auch entsprechen.

Schockiert das die Zuschauer oder Deine Familie mitunter?

Ja, besonders wenn sie mich als Ursli Pfister kennen. Auch die Country-Musik und der Südstaaten-Akzent ist am Anfang nicht so einfach wegzustecken. Aber selbst mein Vater, der Oberst in der Schweizer Armee ist und sich nicht für Travestie interessiert, hat sich die Show zweimal angeschaut. Und meine Mutter hält "Ursula West" für meine Doktor-Arbeit.

Ursula West ist im Rahmen des Sommerblut-Festivals am 16. Juli im Kölner Gloria-Theater zu sehen. Weitere Infos unter www.sommerblut.net.