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Was erwartet den Besucher eigentlich im schwulen Puff? Queer.de hat sich einmal genauer im Kölner "Valentino" umgeschaut

Von Dennis Klein

Vom Kölner Hauptbahnhof sind es nur drei Minuten in den "Men's Club" Valentino. In einer wenig befahrenen Seitenstraße weist ein Regenbogenschild zum einzigen schwulen Bordell der Domstadt. Um durch die knallrote Tür ins Innere zu gelangen, muss der Kunde zunächst eine goldene Klingel betätigen. Was ihn nach dem ersten Einlass erwartet, sieht erst wie eine alltägliche schwule Kölschkneipe aus: In einem 30 Quadratmeter großen Raum befindet sich auf der linken Seite eine Bar, in der sämtliche Alkoholika von Whisky bis Wodka erhältlich sind. Im hinteren Teil des Kneipenbereichs chillen ein paar junge Männer an runden Sitzecken.

Doch dann wird es plötzlich sehr hektisch: Mehrere Jungs zwischen 18 und 30 Jahren springen beim Anblick des neuen Gastes auf und eilen zu einer runden Bühne, auf der gerade mal fünf bis sechs Leute ohne Platzprobleme stehen können. Mit freundlichen Blicken und lässigen Handbewegungen versuchen sie, auf sich aufmerksam zu machen. Denn in den nächsten Sekunden entscheidet sich, ob die selbstständigen Callboys einen Auftrag erhalten – oder ob sie den nächsten Gast bezirzen müssen.

Chef dieses Etablissements ist Kai. Der selbstsichere Geschäftsführer ist bereits seit 21 Jahren im Geschäft. Sich selbst bezeichnet er als "Deutschlands älteste Puffmutter". Dabei kann er am ehesten mit dem englischen Begriff "No Nonsense Man" beschrieben werden, dessen Lieblingsworte "Blödsinn" oder "Quatsch" zu sein scheinen – es ist sofort klar, wer hier der Chef ist. So ist er selbst im Gespräch nur mit einem Ohr dabei, mit dem anderen checkt er, was im Laden gerade abläuft. Immer wieder unterbricht er mitten im Satz – und hebt einmal einen Finger, einmal drei. Was er seinen Angestellten damit andeuten will, bleibt sein Geheimnis. Wenn Gäste sich nur etwas danebenbenehmen, ist er sofort zur Stelle; wie bei einem spanischen Kunden, der sich mit einem Fuß an der Wand abstützt. Kai tritt vor ihn und zeigt mit dem Finger wortlos auf den Schuh – eine Zehntelsekunde später befindet sich dieser wieder auf dem Boden.

Die Gäste können sich über eine schmale Treppe jederzeit auf Privatzimmer zurückziehen, die direkt über dem Kneipenbereich auf vier Etagen angesiedelt sind. Die Räume erreicht man über ein 50er-Jahre-Treppenhaus. Zimmer können in verschiedenen Paketen zwischen 30 und 70 Euro je Stunde gebucht werden; der Service der Jungs kostet 100 Euro (aktiv) oder 150 Euro (passiv) extra.

Johnny, der ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammt, berichtet, dass er es gegenwärtig auf etwa 20 Kunden im Monat bringt. Dabei ist er nicht mal ein Vollzeit-Prostituierter, weil er sich noch nebenbei als "Mädchen für alles" unter anderem ums Wäschewaschen kümmert. Die Zimmer haben er und seine Kollegen in Handarbeit einfach, aber mit Liebe zum Detail eingerichtet: So wartet im römischen Zimmer eine originalgetreue nackte Statue auf den Besucher, während im asiatischen Zimmer Buddha freundlich über das Geschehen wacht. Für Personenmit härterem Geschmack gibt es das Studio mit Andreaskreuz, Sling und diversen anderen Spielzeugen. Wer den Luxus liebt, kann dagegen die 50 Quadratmeter große Suite mieten – und sich dort im Whirlpool Champagner eingießen.

Dabei legen die Callboys fest, welche Dienste sie anbieten. Johnny: "Ich erkläre einem Gast,bevor wir hochgehen, immer was ich mache. So küsse ich nur Mund zu Mund ohne Zunge, weil das für mich privat ist. Wenn der Gast sich nicht an die Abmachung hält, schub's ich ihn runter."



26 Kommentare

#1 goddamn. liberalAnonym
  • 03.03.2010, 15:23h
  • Kompliment!

    Hier werden journalistisch kompetent Fragen beantwortet, die allen unter den Nägeln (oder woanders) brennen....

    Oder?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Sebastian123
  • 03.03.2010, 15:52h
  • Naja, zumindest kommt jetzt eMANcipation zu seinem Recht, endlich ein GayPuff! Gleichberechtigung auf ganzer Linie!

    Ach ich freu mich, oder findet er wieder ein Haar in der Suppe!?
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#3 Popp-U-ListAnonym
#4 seb1983
#6 luderAnonym
#7 chrisProfil
  • 03.03.2010, 17:37hDortmund
  • Also ich muss sagen, dass ich das heterosexuelle Verständnis der Selbstverständlichkeit von organisierter, käuflicher Liebe immer als, im sozialen und menschlichen Sinne abstoßend empfunden habe. Wollen wir hoffen, das so etwas mit uns nicht mit der Zeit auch passiert. Das wäre ein Rückschritt für die Schwule Welt.
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#8 FranziAnonym
#9 seb1983
#10 XDAAnonym