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Die italienische Polizei ist auf einen Callboy-Ring gestoßen, an dem unter anderem ein Zeremonienmeister des Papstes, ein Mitglied des Elitechors des Petersdoms und vermutlich mehrere Priesterseminaristen beteiligt gewesen sein sollen.

Auf die Gruppe männlicher Prostituierter stieß die Polizei, als sie im Rahmen von Korruptionsermittlungen die Telefone von verdächtigen Politikern abhörte. Im Mittelpunkt des Bauskandals, der Italien seit einigen Wochen beschäftigt, stehen vier Politiker, darunter Angelo Balducci, der Präsident von Italiens oberstem Rat für öffentliche Bauaufträge. Er ist zugleich ein wichtiger Berater des Vatikans und Mitglied der "Gentlemen seiner Heiligkeit", der ehrenamtlichen Dienerschaft des Papstes für besondere Anlässe, deren Mitglieder sorgfältig ausgewählt werden und die Dienste als Ehre und Auszeichnung empfinden. Er wurde im Februar verhaftet.

Nun hat die Zeitung "La Repubblica" die Abhörprotokolle veröffentlicht. Balducci hat demnach regelmäßig mit dem Nigerianer Thiomas Ehiem telefoniert, der ihm junge Männer für Sex vermittelte. Ehiem ist seit 19 Jahren einer der führenden Sänger des Giulia-Chores des Petersdoms.

Callboy-Netzwerk mit Priesterseminaristen

Die Polizei vermutet in einer Stellungnahme für das Gericht, die die Zeitung auch abdruckte, Ehiem und ein ungenannter Italiener seien Teil eines "organisierten Netzwerkes" gewesen, um männliche Prostitution zu fördern. Aus den Abhörprotokollen geht hervor, dass unter den Männern, die Ehiem für Balducci besorgt haben soll, Priesterseminaristen waren. So fragt Balducci, wann ein Escort wieder im Priesterseminar zurück sein müsse, in einem anderen Fall sagt Ehiem, ein gewünschter Klient sei "gerade in einer Messe oder sowas", er wird später einen "Kollegen" des Mannes empfehlen.

Medienberichten zufolge seien dem Politiker aber nicht nur Priesteranwärter, sondern unter anderem auch ein Rugby-Spieler und illegale Einwanderer zugeführt worden, darunter ein "komplett aktiver 2-Meter-Mann", wie "La Repubblica" genüsslich zitiert. Die Nachrichtenagentur Reuters, die die Geschichte der Zeitung weltweit verbreitete, konnte den Anwalt Ehiems nicht erreichen. Der Anwalt Balduccis sagte der Agentur, man habe sich derzeit gegen schlimmere Vorwürfe zu verteidigen. Der Vatikan hat Ehiem entlassen und Balducci von seinen Aufgaben befreit.

Dabei steht die Geschichte noch am Anfang. Morgen erscheint ein Interview von Ehiem mit dem Magazin "Panorama". Dort berichtet er, er kenne Balducci schon seit über zehn Jahren. "Er hat mich gefragt, ob ich ihm andere Männer beschaffen kann. Er sagte mir, er sei verheiratet und das ich das in größtmöglicher Geheimhaltung machen sollte." (nb)



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.

25 Kommentare

#1 Liedel
  • 04.03.2010, 22:32h
  • *Jubel* Die Bigotterie der RKK bröckelt und bröckelt. Die Theologin Ranke- Heinemann hat den Vatikan mal ein "Biotop für Schwule" genannt. Manch böse Zunge könnte jetzt zischeln: ein einziger Puff
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#2 BenAnonym
#3 TimmAnonym
  • 04.03.2010, 22:45h
  • Ich habe es zwar nicht anders erwartet und war schon immer der Meinung, dass der "halbe" Vatikan mindestens homosexuell veranlagt ist, aber dieser Skandal "schießt" dann den Vogel ab, wenn er sich so bewahrheiten sollte.

    Diese Doppelmoral der katholischen Kirchenleitung in Rom, die seit vielen Jahren von evangelischen aber auch einigen katholischen Theologen wie Drewermann und Küng kritisiert wird, führt dann zu solchen Geschichten, dass heimlich dort Priesteranwärter als Callboys arbeiten.

    Achja unsere römisch-katholische Klerikerwelt ist schon "vom Feinsten" und es bedarf dort dringend Reformen: Öffnung des Zölibates für verheiratete Priester, Zulassung von Frauen als Priesterin und Bischöfin und insbesondere eine Reform der katholischen Sexualmorallehre.

    Aufgrund der Blockadehaltung von Ratzinger und Co und dem Aussieben streng rechtskonservativer Kardinäle an der Spitze des Vatikans unterbleiben dort seit Jahrzehnten Reformforderungen von Organisationen wie "Kirche von unten" und selbst Forderungen des Zentralrats der Katholiken werden übergangen.
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#4 OpiumAnonym
  • 04.03.2010, 22:56h
  • Antwort auf #3 von Timm
  • Apropos Reform der katholischen Sexualmorallehre, im eigenen Staat sehen sie manches nicht so eng mit der Moral. Das Schutzalter für Sex liegt im Vatikan bei 12 Jahren und ist damit das niedrigste in Europa
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#5 Liedel
  • 04.03.2010, 22:57h
  • @#2

    Och Ben, nun lass mich doch mal janz in Ruhe der blinden Freude über die einstürzende Bigotterie der RKK frönen

    Selbstverständlich bejubel ich keine Verhaftungen wg. Prostitution. Genauso wenig heiße ich Razzien zu diesem Zweck gut (sofern es nicht um Prostitution Minderjähriger geht)...

    Emanzipatorische Grüße, Pittiplatsch
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#6 carolo
#7 ugandaAnonym
  • 05.03.2010, 00:02h
  • Die afrikanischen Evangelen werden sich freuen.

    "mit dem Nigerianer Thiomas Ehiem"
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#8 goddamn. liberalAnonym
  • 05.03.2010, 08:59h
  • Antwort auf #5 von Liedel
  • Ich fürchte nur, dass da im stockkonservativen Italien von Heute nichts bis wenig einstürzen wird...

    In weiten Teilen Deutschlands, aber auch in Skandinavien ist das kollektive Bewußtsein seit 500 Jahren untergründig darauf gepolt, dass in Rom in jeder Hinsicht korrupte Heuchler sitzen und man empört sich regelmäßig und gerne darüber...

    In Italien gibt es dagegen zwei andere Reaktionsmöglichkeiten auf solche Skandale: einerseits heißt es 'Wir sind alle kleine Sünderlein, was solls" oder andererseits ist man froh, dass die Heilige Mutter Kirche von Ungeziefer gereinigt wird. Beide Reaktionen sind systemimmanent.
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#9 KatholenbasherAnonym
  • 05.03.2010, 10:43h
  • Erneut wird die Katholische Kirche mit diesem Skandal in ihren Grundfesten erschüttert. Damit macht sie sich auch erpressbar, wenn sie einmal wieder gegen die LGBT-Community hetzt.
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#10 Martin in F.L.Anonym