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Die Schlammschlacht geht weiter: bei "Kerner" erzählt der ehemalige DFB-Verantwortliche Intimes über sich und seine Beziehung zu Michael Kempter.

Von Norbert Blech

Wer gedacht hätte, Manfred Amerell sei der Verlierer des Tages, könnte sich getäuscht haben. Der ehemalige Schiedsrichtersprecher hatte am Donnerstag Nachmittag seine Klage gegen den Deutschen Fußballverbund (DFB) zurückgenommen, mit der er dem Verbund die Aussage verbieten wollte, er habe junge Schiedsrichter sexuell genötigt (queer.de berichtete). Doch im Gegenzug der außergerichtlichen Einigung bekam Amerell die Namen der drei Schiedsrichter präsentiert, die ihn neben Michael Kempter in einer eidesstattlichen Versicherung der sexuellen Annäherung beschuldigen.

Diese wolle er nun verklagen, berichtete Amerell am Abend in der Sendung "Kerner" (Sat 1). "Mit allen vier wird sich in kürzester Zeit der Staatsanwalt beschäftigen", sagte der 63-Jährige. Eine Nennung der Männer ist Amerell wie auch dem DFB durch die Einigung vor Gericht bei einer Vertragsstrafe von 25.000 Euro verboten. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet übrigens am Freitag, dass zwei der anonymen Schiedsrichter "ernstlich unter den Folgen der Techniken (sic!) Amerells leiden" sollen.

Coming-out als Bisexueller

Auf die Frage des Moderators Johannes B. Kerner, ob er bisexuell sei, antwortete Amerell: "Könnte man so ausdrücken". Er habe mit Kempter "keine Liebesbeziehung" gehabt, man habe sich schließlich im letzten Jahr nur um die sieben Mal gesehen, es sei aber dreimal zu "körperlichen Beziehungen" gekommen. "Ich mochte ihn sehr, sehr gern. Ich glaube, im Umkehrschluss war es genauso (...) Er ist unter Umständen auf mich abgefahren (...) hat mich gemocht, vielleicht auch geliebt", fasst Amerell die nach seiner Ansicht nach einvernehmliche Beziehung zusammen. Kempter hatte in Interviews betont, nicht schwul zu sein, auch habe er Annäherungsversuche stets abgelehnt.

Warum der junge Schiedsrichter mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen sei, wisse er nicht. "Vielleicht war er eifersüchtig, ich habe keine Ahnung", sagte Amerell. In einem Vorfilm und während des Interviews wurden zahlreiche eMails von Kempter an Amerell gezeigt, die belegen sollen, dass es sich nicht um eine Nötigung sondern um eine Art Beziehung gehandelt haben soll.

In einer schreibt Kempter: "Ich habe noch nie richtig ein Mädchen geliebt, nur meine Freunde wie Dich oder [unkenntlich gemacht]. Dies bedeutet mir viel mehr im Leben, als so blöde Weiber (...) Ich werde nie mit einer zusammenziehen geschweige denn heiraten". Ein anderes Mal schreibt er an Amerell, den er immer "Schatz" oder "mein(en) Lover" nennt: "Schlaf gut, ich träume von Dir". Weiteres Zitat: "Ziehe für Dich extra die 'weiße Hose' an, damit mein schwarzer Tanga vorleuchtet"

Auch eine eMail in umgekehrte Richtung wird zitiert, in der Amerell nach einer Radiosendung schreibt: "Sie spielten gerade unser Lied." Gemeint ist "Du" von "Ich und Ich". Eine weitere eMail Kempters könnte dem Unparteiischen noch ganz andere Probleme bringen: "Hi mein Schatz, Bis später. Freu mich auf's Bayernspiel", schreibt Kempter am Abend des Champions-League-Spiels zwischen München und Mailand. "Hoffentlich fliegen die gleich raus. Dann stoßen wir an!"

"Erpressung" durch den DFB

Amerell verteidigte sich auch gegen den Vorwurf des Amtsmissbrauchs. Kempters Leistung sei "so exorbitant hoch" gewesen, dass er seine Hilfe nicht gebraucht hätte. Dass er nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von seinen Ämtern zurückgetreten sei, bezeichnete Amerell als "glatte Lüge": "Ich wurde erpresst, das so zu machen". Er warf dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vor, "in blindwütiger Art und Weise" gehandelt zu haben: "Er hat die Ehre von zwei Menschen auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert."

Zwanziger hatte vor dem Gerichtstermin mit Rücktritt gedroht, falls Amerell diesen (oder einen weiteren) Prozess gewinnen sollte. In einer Pressekonferenz nach der gerichtlichen Einigung betonte er, die Sache "im Griff" zu haben. "Wir haben den Fall transparent, aber mit der nötigen Vertraulichkeit gelöst. Das Ganze schadet uns nur, wenn wir Dinge unter den Teppich kehren würden", so Zwanziger.

Da die Schiri-Affäre nicht die einzige Krise des Verbunds der letzten Zeit ist, gibt es Berichte, dass er bei einem außerordentlichen Verbandstag am 30. April die Vertauensfrage stellen will. Am Freitag will der Schiedsrichter-Ausschuss des DFB entscheiden, ob und wenn in welcher Partie Kempter am Wochenende eingesetzt werden soll.

Kempter: eMail-Inhalte waren erzwungen

Gegenüber "Bild" sagte Michael Kempter am Freitag, der Inhalt der Mails habe sich ergeben aus "der unglaublichen Drucksituation, das war absoluter Terror. Wenn ich mal nur noch 'Liebe Grüße, Michael' geschrieben habe, war er sofort böse und beleidigt, rief mich an und drohte mir damit, dass es keine Spiel mehr für mich gäbe, wenn ich so was nicht mehr schreiben würde. Ich konnte nicht einfach sagen: ich mache das nicht mehr."

Er habe "zu keiner Zeit ein sexuelles Verhältnis, eine Beziehung oder eine Affäre" mit Amerell gehabt. "Manchmal habe ich ihm klare Mails geschrieben, dass die Freundschaft für mich da aufhört, wo der sexuelle Kontakt beginnt." Auf die Frage, ob er mit Konsequenzen rechne, antwortet der 27-Jährige: "Amerell hat ja angekündigt, wenn er untergeht, nimmt er mich mit. Das macht er mit diesen Mails jetzt wahr…"

akt. am 5. März, 9:55h: Kempter in "Bild"

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87 Kommentare

#1 Liedel
  • 04.03.2010, 23:07h
  • "Auf die Frage des Moderators Johannes B. Kerner, ob er bisexuell sei, antwortete Amerell: "Könnte man so ausdrücken"

    Das ist jetzt natürlich DIE Antwort.
    "Outings", die die Welt nicht braucht (ein gewisser Daniel K. ist ja auch biiiiii und vergöttert Brüste, oder wie die Dinger heißen).

    Mir hat das ein befreundeter Soziologiestudent nach schon so einigen Biersen mal sinngemäß (bzw. pilsbierfilosofisch) so erklärt:

    "Ja wenn du Freud jetzt ganz streng auslegen willst, dann könntest du natürlich auf die Idee kommen zu sagen, dass tatsächlich alle Menschen bi sind, ja"....
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#2 BenAnonym
  • 04.03.2010, 23:32h
  • Antwort auf #1 von Liedel
  • ""Outings", die die Welt nicht braucht"

    Also ich fand die Antwort sehr schön so. Welche Neigung? Verheiratet, zwei Kinder, schwärmt für weinerliche Schiedsrichter.

    Bekommt jetzt von der Frau den Kopf gewaschen und gut ist. Wäre schön wenn das bundesrepublikanischer Alltag wäre.

    Ich halte das für einen entspannteren Umgang mit "Homosexualität" als jetzt irgendwelche identitären Bekenntnisse und Geständnisse zu fordern.
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#3 eMANcipationAnonym
  • 04.03.2010, 23:44h
  • Antwort auf #2 von Ben
  • Ja, klar, so kann man Homosexualität wunderbar der gesellschaftlich konstruierten Zwangsheterosexualität unterordnen und die sexuellen Herrschaftsverhältnisse aufrechterhalten!

    Insbesondere eine wunderbare Möglichkeit, schwule Identität auszulöschen oder gar nicht erst entstehen zu lassen!

    Wir wissen inzwischen, woher der Wind weht - weitere Vertiefungen weder nötig noch erwünscht!

    Ach ja: Ich bin unendlich glücklich, dass mein "bundesrepublikanischer Alltag" und der von Millionen anderer schwuler Männer NICHT so aussieht! "Vorbilder" wie die Beteiligten an dieser absurden Posse sind wohl das Allerletzte, was junge homosexuelle Männer gebrauchen können!
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#5 BenAnonym
  • 04.03.2010, 23:57h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation
  • "sind wohl das Allerletzte, was junge homosexuelle Männer gebrauchen können!"

    Nun ist dieser Herr Amerell aber wohl kein "junger, homosexueller Mann", also wieso sollten Deine komischen Wünsche, was "Junge, homosexuelle Männer" "gebrauchen können" für ihn, sein Verhalten oder seine Selbsbezeichnungen irgendwie relevant sein?
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#6 eMANcipationAnonym
  • 05.03.2010, 00:17h
  • Antwort auf #2 von Ben
  • Ach ja, und unterlasse es gefälligst, die sexuelle Identität und damit die Würde von Millionen Menschen im "bundesrepublikanischen Alltag" in Anführungszeichen zu setzen. Sonst setzen wir nämlich deine Menschenwürde auch mal in Anführungszeichen!
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#7 BenAnonym
  • 05.03.2010, 01:27h
  • Aus:

    community.sport1.de/de/thema/kempter-redet-klartext---,34875
    831,120.html


    "ICH toleriere, akzeptiere Schwule in Allen Lebenslagen, denn Schwul sein ist ein Gen!
    Mann ist Machtlos..Schwul sein ist wie Krebs kriegen.. [...]
    .aber wenn Schwule im 21.Jahrhundert wissentlich, IMMER NOCH, selbst nach direkten Fragen, immer noch belügen, betrügen und ein Doppelleben vorspielen, dann kann man Sie nicht schützen, und erst recht nicht tolerieren.

    NICHT WIR Heteros betrügen Schwule..es ist genau umgekehrt..SCHWULE BETRüGEN ihr Umfeld und die allgemeine öffentlichkeit wenn sie sich nicht outen und weiterhin ein Doppelleben führen!
    [...]
    Wo ist hier die VorbildFunktion, wo ist hier die Leitfigur GEGEN Homophobie und für Toleranz !
    Es ist heute außergerichtlich ALLES unter dem Teppich gekehrt worden, Schadensbegrenzung vor weiteren Enthüllungen betrieben worden, einfach um Angst dass das Kartenhaus zusammenbricht, dass nämlich DFB Schiedsrichter eine Schwule Bruderschaft ist.

    Selbst Schuld kann ich da nur sagen..wer vertuscht, weiter betrügt , darf kein Verständnis von "MIR", und der Gesellschaft erwarten, erst recht nicht einfordern!
    WIR betrügen nicht, WIR führen kein Doppelleben!"

    Könnte genau so doch auch von "eMANzipation" stammen, oder?
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#8 LorenProfil
  • 05.03.2010, 01:51hGreifswald
  • Antwort auf #7 von Ben
  • Lies dir das, was du hier postest, nochmal genau durch. Es gibt mindestens vier Stellen, die diesen Text angreifbar und irrelevant machen. Ich bin jetzt zu fortgechrittener Stunde leider zu müde, sie dir auseinanderzulegen. Aber bei gutem Willen schaffst du das auch selbst, da bin ich mir sicher.
    Und was war eigentlich deine Intention für das Zitat aus diesem Blog?
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#9 goddamn. liberalAnonym
  • 05.03.2010, 08:48h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation
  • Wohl wahr...

    Irgendwie kommt mir das ganze auch unheimlich [!] anachronistisch vor, was mich bei Amerell nicht, bei Kemptner aber sehr wohl verblüfft.

    Wir müssen einsehen, dass die klemmigen von Heteronormativität bis zur Unkenntlichkeit verbogenen Protagonisten dieser Posse UNSERE Zeitgenossen sind. Die Fussballfunktionäre, die nach schwulen Geheimbünden schnüffeln wollen, auch. Und das tut weh!
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#10 TBAnonym
  • 05.03.2010, 09:02h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation
  • Jetzt hör doch bitte auf, deine Kommentare kommen immer wieder so aggressiv rüber. Natürlich wurde dieses Thema von Anfang an nicht nicht sehr medienwirksam "für uns" rübergebracht. Und ich mache mir auch Sorgen, dass momentan insgesamt ein schlechtes Bild unseren Ruf zurückwirft: Männer, die sich im Fußball hochschlafen können, männliche Priester mit kleinen Jungen...das wird die Bevölkerung nicht wirklich liberaler machen.
    Auf der anderen Seite aber mal ehrlich: Ich wünsche mir auch eine Welt, in der sich jeder outen kann ohne Bedenken. Jedoch hätten die Leute auch dann noch das Recht, sich nicht öffentlich zu outen, wenn sie es nicht wollen. So sehe ich das zumindest. Wir können sie doch nicht zwingen. (Also können sowieso nicht, aber wir sollten es auch nicht in harten Tönen fordern.)
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